Sechste Woche der Großen Fastenzeit

Einzug in Jerusalem

„Am folgenden Tag, als die große Volksmenge, die zu dem Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem komme, nahmen sie die Palmzweige und gingen hinaus, ihm entgegen, und schrien: Hosanna! Gepriesen <sei>, der da kommt im Namen des Herrn, und der König Israels! Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht:»Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt, sitzend auf einem Eselsfüllen. «Dies verstanden seine Jünger zuerst nicht; jedoch als Jesus verherrlicht war, da erinnerten sie sich, dass dies von ihm geschrieben war und sie ihm dies getan hatten. Es bezeugte nun die Volksmenge, die bei ihm war, dass er Lazarus aus dem Grab gerufen und ihn von den Toten auferweckt habe. Darum ging ihm auch die Volksmenge entgegen, weil sie hörten, dass er dieses Zeichen getan hatte. Da sprachen die Pharisäer zueinander: Ihr seht, dass ihr gar nichts ausrichtet; siehe, die Welt ist ihm nachgegangen. (Jochannes:12,12-19)

KARWOCHE. Strenges Fasten. Alle Gottesdienste enthalten Besonderheiten.
An den ersten drei Tagen hören wir die Gesänge: „Siehe, der Bräutigam kommt um Mitternacht…“ und „Dein Gemach…“ Sie erinnern uns an die bevorstehende Begegnung mit Christus, dem himmlischen Bräutigam unserer Seelen, in Seinem Reich – gleichsam einem herrlichen Gemach. An diesen Tagen wird die Liturgie der Vorgeweihten Gaben zelebriert.
Am Mittwochabend gibt es eine Beichte für alle, die ihr Gewissen vor Ostern erleichtern möchten. Am Großen Donnerstag (Gründonnerstag) wird des Letzen Abendmahls gedacht, während dessen der Herr das Sakrament der Eucharistie eingesetzt hat – die Kommunion. An diesem Tag kommunizieren alle, welche die Möglichkeit dazu haben. Am Abend findet der Gottesdienst des Leidens Christi statt. In seinem Verlauf werden zwölf ausgewählte Abschnitte aus den Evangelien gelesen, die über das Leiden und den Tod Jesu Christi berichten. Diese „Zwölf Evangelien“ sind auch die Besonderheit des Gottesdienstes. Während der Verkündigung der Evangelien stehen alle mit Kerzen in der Hand. Die Kerze, die während der Lesung der „Zwölf Evangelien“ gebrannt hat, heißt „Donnerstagskerze“, sie wird brennend nach Hause getragen, um damit das Öllicht vor den Ikonen anzuzünden und mit der Flamme ein Kreuz auf dem Türbalken zu zeichnen.
Am Großen Freitag (Karfreitag) gibt es keine Liturgie. In der Frühe werden die Königlichen Hören gelesen. In der Mittagszeit wird das Grabtuch Christi – eine auf Stoff gestickte Ikone des Erlösers, der vom Kreuz abgenommen und für das Begräbnis bereit gemacht worden ist – aus dem Altarraum getragen. Das Grabtuch wird mit reichem Blumenschmuck in der Mitte der Kirche aufgelegt. Alle verbeugen sich vor ihm und küssen es. Am Abend wird das Begräbnis Christi gefeiert. Am Ende des Gottesdienstes wird das Grabtuch in einer Prozession um die Kirche getragen.
Am Großen Samstag (Karsamstag) in der Frühe werden die Hören, die Vesper und die Liturgie des heiligen Basileios des Großen gefeiert. Während der Vesper werden 15 Lesungen aus dem Alten Testament gelesen, die Prophezeiungen über Christus und Seine Auferstehung enthalten. Im ersten Teil der Liturgie werden alle Gewänder von Schwarz auf Weiß gewechselt.
An diesem Tag beginnt von der Frühe an die Weihe der Osterspeisen – Kulitsch, Pascha, Eier und Fleisch. Diese Speisen können bis zum Osterfest gesegnet werden.
Damit enden die Gottesdienste des Fastentriodions, und damit endet auch die Fastenzeit selbst.



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