Die Gnade des Priesteramtes

Wie ehrwürdig ist doch der Stand des Priestertums, wie groß, heilsam und wunderbar die Gnade des Priesteramtes! Durch das Priesteramt bewirkt der Herr große und heilsame Dinge in den Menschen; Er reinigt und heiligt, erlöst sie von bösem Tun der Dämonen und führt sie zur Wiedergeburt im Wasserbad. Er erneuert und stärkt, wandelt Brot und Wein in den allerreinsten Leib und das Blut des Gottmenschen, vollzieht die Ehe und macht sie ehrbar und das Ehebett unbefleckt, vergibt Sünden, heilt Krankheiten, versöhnt das gerechte Gericht Gottes mit den bußfertigen Sündern, wandelt die Erde zum Himmel, errichtet mit Menschenhand Kirchen und macht sie zu Wohnungen des allmächtigen Herrn, vereinigt den Himmel mit der Erde, den Menschen mit Gott; Er tröstet die Trauernden, stärkt die Schwachen und macht sie stark zu guten Werken, führt den Strom der Gnade dorthin, wo die Sünde mächtig geworden ist.
Wie groß, wunderbar, schön und heilsam ist die Gnade des Priestertums. Was entbehren doch die Menschen, die kein legitimes, rechtes, von Gott gestiftetes und wirksames Priestertum haben: Lutheraner, Protestanten, Reformierte und die von der Kirche ausgeschlossenen Spalter, Sektierer und Häretiker. Wie hoch sollten diejenigen, die das Priestertum in sich tragen, also Bischöfe, Priester und Diakone, diese Gnade schätzen, um gottgefällig den Menschen zur Errettung und Gott zur Verherrlichung zu dienen. „Habt die Priester umso lieber um ihres Werkes willen“(l Thess 5, 13), mahnt der hl. Apostel.
Was entbehren doch die Menschen ohne Priestertum an Segnungen und göttlichen Gnadenerweisen! Sie berauben sich des Heils! Nicht von ungefähr nennt sich der Vollstrecker unseres Heils einen Hohenpriester in Ewigkeit nach der Art Melchisedeks; Er hat ein unvergängliches ewiges Priesteramt und lebt beständig, um für uns Fürbitte zu tun. Er ist der Stifter, das Haupt und der Vollzieher des Priestertums auf der Erde zusammen mit dem heiligenden und überall wirksamen Heiligen Geist.
Wer das Priesteramt verwirft, kann keine Heiligung haben noch Gott gefallen. Die Priester sind mit der Kraft der Gnade, mit der Kraft des Heiligen Geistes bekleidet. Die Vollmachten der Priester sind außergewöhnlich groß und wichtig. Sie vertreten nach ihrer Berufung in gewissem Sinne auf Erden Gott und führen andere durch die Sakramente zur Vergöttlichung; diese sind die geistlichen Hirten, die die Herde Christi weiden, die der ewige Hohepriester Jesus Christus durch Sein Blut und bitteres Leiden erkauft hat. Ohne Ihn gibt es niemanden, der Sünden erlässt, der Taufen, Salbungen und die Geheimnisse des Leibes und Blutes Christi spenden kann.
Welche Kraft der Fürbitte hat der Herr den Priestern geschenkt, indem Er sie bevollmächtigte, für die ganze Welt, alle Menschen, alle Kirchen, für alle und alles auf der Erde und unter der Erde zu beten! Werde dieser Gnade inne, Priester! Sie geschieht in der Kraft des Mittlers Christi, „des einen Mittlers zwischen Gott und den Menschen, Der Sich selbst für alle zur Erlösung gegeben hat“ (1 Tim 2,5) und Der Priester aus den Menschen und für die Menschen eingesetzt hat. Welche Kraft geht von der Fürbitte der Gottesmutter aus, die Ihr von Ihrem Sohn und Gott verliehen worden ist! Welche Kraft des Gebetes hatten Abraham, Isaak und Jakob, Hiob, Mose, Josua, Samuel, die Propheten alle, sonderlich Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Daniel! Welche Kraft der Fürbitte für die Menschen hatten und haben die Apostel, Märtyrer, heiligen Bischöfe, die Ehrwürdigen und alle Heiligen! Ehre sei dem an Erbarmen so reichen Herrn, dem Allgerechten, dem Allheiligen, dem Allmächtigen! Wegen solcher Fürsprache wage ich völlig dem Herrn zu vertrauen, dass er mich Unwürdigen um Seiner Gnade willen retten wird.

Die Gnade erhöht den Priester zu einem irdischen Engel, der die Leben spendenden und furchtbaren Geheimnisse Gottes verwaltet und die Geschöpfe mit dem Schöpfer versöhnt, die Seelen mit klugem Rat erleuchtet, der Mittler zwischen Gott und den gefallenen Menschen ist, der durch die Sakramente die Gläubigen heiligt und Gott ähnlich macht. Er muss das begreifen, empfinden, dafür danken und Gott rühmen, ja sich bemühen, so zu handeln, wie es Gottes Absicht für ihn und für die Menschen ist. Übrigens gibt es nur wenig Priester, die sich der Höhe ihres Amtes bewusst sind und danach trachten, den Absichten Gottes im Blick auf sie selbst wie auf ihre Herde zu entsprechen. Manche geben sich wie die Laien dem irdischen Leben hin, seinem Reichtum und seinen Vergnügungen, sorgen sich wenig um die eigenen geistlichen Interessen und um die ihrer Herden. Sie werden von irdischen Gedanken beherrscht, verstrickt in fleischliche Leidenschaften und fallen tief aus der Höhe ihrer Berufung der Teufel aber, der alte Feind Gottes und der Menschen, lacht über uns unverhohlen und will immer wieder die Werke Gottes durch Böses hindern. Groß ist die Zahl der Menschen, die er ins Verderben stürzt. Wie sehr sollten wir die gottfeindliche Welt und alle ihre Lockungen verachten, unser vergängliches, von vielen Leidenschaften beherrschtes Fleisch zügeln und aufschauen zu Gott. Wer Ohren hat zu hören, der höre. (Text: Hl. Jochannes von Kronstadt Foto:P.Konstantin Lindberg)



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