(Brief von Fr. Johanna, unser ehemaliges Mitglied die jetzt im Kloster in Neu-Valaam (Finnland) tätig ist, an P.Konstantin und an die Gemeinde.)
Lieber Vater Konstantin, liebe Matuschka, wie geht es ihnen? Ich möchte Ihnen und der Gemeinde für die Ikone des Heiligen Serafim von Sarow, sehr herzlich danken.
In der Kirche von Valaam stehe ich immer vor der Ikone des Heiligen Serafim, dessen auch in jedem Gottesdienst gedacht wird.
Heute ist es genau ein Jahr her, dass Sie mich in die Orthodoxe Kirche aufgenommen haben. Seitdem bin ich einen weiten Weg gegangen. Hier besuche ich mit seltenen Ausnahmen jeden Morgen und jeden Abend den Gottesdienst und stehe um 4.30 Uhr auf, um zum Morgengottesdienst zu gehen. Das Kloster Valaam hat nur zwei Priestermönche an Ort und Stelle (der Dritte ist der Priester des Nonnenklosters Lintula hier in der Nähe), aber es scheint, fast immer auswärtige finnische oder ausländische Priester zu geben, die in den Gottesdiensten aushelfen, manchmal auch einen Diakon. Den ganzen September, seitdem ich hier bin, war ein finnischer Priester im Ruhestand im Kloster und hat viele Gottesdienste zusammen mit den Priestermönchen zelebriert. Meistens singt ein Sänger an Stelle eines Chors, manchmal singen zwei Sänger, manchmal gibt es einen Chor und einmal hat Archimandrit Sergei selbst die Aufgaben des Chors übernommen.
Werktags hat das Kloster ein Morgengebet um 6.00 Uhr sowie 9. Stunde, Vesper und Abendgebet um 18.00 Uhr, mittwochs zusätzlich die Liturgie um ca. 7.00 Uhr. Am Sonnabend 3. Stunde und Liturgie um 6.00 Uhr sowie Nachtwache um 18.00 Uhr. Am Sonntag 3. Stunde und Liturgie um 9.00 Uhr sowie Vesper, Dreifaltigkeitskanon und Akathistos um 18.00 Uhr.
Von Mitte Juni bis Mitte August zusätzlich ein Stundengebet um 13.00 Uhr in der Alten Kirche. Sonntags und an Festtagen, wenn viele finnische Besucher in der Kirche sind, singen sie sehr viele Gesänge unter der Leitung des Kantors, nicht nur das Glaubensbekenntnis und das Gebet des Herrn, sondern auch Troparien und manchmal auch “Herr, erbarme Dich” bei den Ektenien und etwas von der ,geheimen Eucharistie” während der Kommunion. Alle Besucher kennen alle diese Gesänge von ihren eigenen Kirchen, wo sie auch gesungen werden, nur ich kannte sie noch nicht. Vor der Kommunion sagt der Priester: “Orthodoxe Christen, die sich vorbereitet haben, lasst uns zusammen beten”, und dann gehen alle, die kommunizieren wollen, nach vorne und wir sprechen alle zusammen mit dem Priester: “Ich glaube, Herr, und bekenne, dass Du wahrhaftig Christus bist. .. ” und “Nimm mich heute, Sohn Gottes, als Teilnehmer Deines heiligen Abendmahls an, denn ich will Deinen Feinden das Geheimnis nicht verraten.. ” und “Möge mir die Teilnahme an Deinen heiligen Mysterien nicht zum Gericht oder zur Verdammnis gereichen.. . “.
Gestern am Sonntag hatten wir einen sehr feierlichen Gottesdienst mit vielen ausländischen Gästen: ein Mitra tragender Priester von der Gemeinde von Seraphim von Sarow in St. Petersburg mit dem Chor der Gemeinde, der himmlisch gesungen hat, Priestermönch Dionysi aus Polen (den Sie vielleicht kennen), der einen Monat bleiben wird, ein Priestermönch aus Kanada, der bis Dezember bleiben wird, ein weiterer Priester, der kein Mönch ist, sowie ein Diakon. Eine Gruppe von russischen Pilgern war auch gekommen.
Ich habe schon einige Tage einen ehrenamtlichen Dienst als Kirchenwächterin geleistet. Die Kirche ist jetzt außerhalb der Hauptsaison zwischen den Gottesdiensten von 12 bis 17 Uhr geöffnet, im Sommer von 10 bis 17 Uhr. Der Mönch Vater Trifon ist mein “Vorgesetzter” in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit. Priestermönche und Altardiener kommen tagsüber in die Kirche, um den nächsten Gottesdienst vorzubereiten. Manchmal ist es ruhig in der Kirche, wenn nur wenige Besucher kommen, aber besonders am Wochenende kommen Gruppen und andere Besucher, darunter auch viele finnische Lutheraner, die manchmal viele Fragen stellen. Es werden auch Führungen mit Gruppen gemacht, die ganz unterschiedlich sein können je nachdem, ob die Gruppe aus Orthodoxen Christen besteht oder nicht. Vater Trifon wird mich für einen Kurs für Fremdenführer im Frühjahr an der Akademie des Klosters anmelden, damit ich im Sommer deutsche Führungen machen kann, wenn ausländische Touristen kommen.
Ich werde nächstes Jahr auch an anderen Kursen an der Akademie teilnehmen, aber mein erster Kurs ist ein Schweigeseminar im Dezember dieses Jahres. Archimandrit Sergei arrangiert eigenhändig die Blumendekorationen für die Kirche. Am Tag vor dem Pokrova-Fest hatte ich Dienst in der Kirche, als er mit Unmengen von Blumen kam und sie stundenlang arrangierte, zwei stattliche Sträuße für hohe Bodenvasen hinter dem Analog mit der Tagesikone und kleinere Vasen für den Altar, die Gottesmutterikonen und die Winterkirche, und er ließ mich die Blumen für die Christus- und Gottesmutterikonen neben der Königstür arrangieren. Zwischendurch nahm er eine Beichte ab und machte dann weiter.
Auch ich habe meine erste Beichte hier hinter mir. Eines Abends nach dem Gottesdienst fragte ich den Archimandriten, wann ich zum Sakrament der Buße kommen könnte, und er fragte, ob es mir am nächsten Morgen kurz. nach 6.00 Uhr während des Gottesdienstes passen würde. Während ein anderer Priester den Gottesdienst zelebrierte, ging Archimandrit Sergei nach den Anfangsgebeten in die Winterkirche (Raum neben der Hauptkirche) und ich folgte ihm. Wir schlossen die Tür hinter uns und konnten uns in aller Ruhe unterhalten. Der Beichtende spricht hier nicht unter dem Epitrachelion, sondern kniet zum Schluss nieder für die Sündenvergebung und dann legt der Priester das Epitrachelion auf seinen Kopf und spricht einen langen Text. Archimandrit Sergei wird auch meine Wohnung segnen, aber sie ist noch nicht so weit. Die letzten Möbel fehlen noch und ich habe noch nicht alle Sachen untergebracht. Wir wollen es so einrichten, dass der evangelisch-lutherische finnische Pastor Olli-Pekka Silfverhuth, der ehemalige Seemanns Pastor der finnischen Seemannskirche in Hamburg, der bei meiner Myronsalbung anwesend war, dabei sein kann, weil er selbst darum gebeten hatte. Er ist seit dem 1. September führender Pastor einer evangelisch-lutherischer Gemeinde in Finnland.
Ich habe für Sie und Ihre Gemeinde in der Kirche vor den Gottesmutterikonen und am Grab des Schimönchs Johannes von Valaam gebetet. Russische Gläubige haben im vergangenen Sommer ein Denkmal auf dem Grab von Vater Johannes errichtet. Das Grab ist jetzt von einer Umrandung aus schwarz-grauem Granit umgeben, mit einem weißen Zaun darauf. Auf dem Grab befindet sich als Basis ein aus Granit gemeißelter “Steinhaufen”, auf dem ein ca. zwei Meter hohes slawisches Granitkreuz aufgesetzt ist. Vor dem Kreuz liegt ein langer, flacher Grabstein aus Granit mit Inschriften.
Es geht mir gut und ich fühle mich hier wohl . Ich hoffe, dass es Ihnen beiden gut geht und dass ich gelegentlich von Ihnen höre.
Herzliche Grüße. Ihre Jochanna
(Bilder: Kloster in Neu-Valaam(Finnland), Ikone “Muttergottes von Valaam”, Kirche in Neu-Valaam)






