Das Totengedenken für die Selbstmörder

die orthodoxe Tradition und die Ausnahmen

Nach den kanonischen Traditionen der orthodoxen Kirche, die sich noch in die Epoche der Ökumenischen Konzilien bildeten (IV die VIII. Jh.), wird  es nicht erlaubt die Selbstmörder in den orthodoxen Kirchen zu erwähnen. Das kanonische Verbot ist wegen Gottlosen  Charakter solcher Taten entstanden. Das Leben jedes Menschen ist ein kostbares Gottesgeschenk. Also, wenn jemand sich eigenmächtig (Eigenwillig) das Leben nimmt, der lehnt diese Gabe als lästerlich ab.
Besonders gilt es für den Christen, dessen Leben das doppelte Gottesgeschenk ist–  bei der Geburt und wegen  der Glückseligkeit der Sühne. Auf sich selbst die mörderische Hand legend verletzt der Christ den Gott zweimal: als den Schöpfer und als den Erlöser. Es ist von sich aus klar, dass so eine Tat nur der Frucht des vollen Unglaubens und der Verzweiflung an die Göttliche Vorsehung sein kann, ohne dessen Willen, nach dem Evangelium, wird kein Haar vom Kopf des Gläubigen fallen. Und wem ist der Glaube an den Gott und die Hoffnung auf Ihn fremd, jener ist auch der Kirche fremd. Die Kirche sieht auf Selbstmörder, wie auf den geistigen Nachkommen Judas des Verräters, der sich von Gott entsagte und Gott rechtlos machte, „ging und sich erdrosselt(aufgehängt) hat“.

Deshalb werden nach den kirchlichen Kanonen, die Selbstmörder (zu diesem gehören auch die Ermordeten aus einem Duell, die Verbrecher, die während eines Raubüberfall totgeschlagen werden, und die Menschen, die sich für die Euthanasie entscheiden und die Verdächtigen im Selbstmord zum Beispiel, ertrinkende in unbekannten Umständen) im Gotteshaus, in kirchlichem Gebet während der Liturgie und auf den Trauergottesdiensten nicht erwähnt. Die Selbstmörder werden nicht auf den Kirchfriedhöfen beerdigt.

Nichtsdestoweniger, wird in der Russischen, so auch in anderen Orthodoxen Kirchen,  für möglich gehalten, nach der sorgfältigen Untersuchung der Umständen, die das  konkrete Mitglied der Kirche zum Selbstmord brachten, zur Totenmesse und der kirchlichen Totenfeier jene von ihnen zuzulassen, wer den Selbstmord im Zustand einer psychischen Verwirrung, oder  seelischen Krankheit begangen hat. Aus diesem Grund können die bischöflichen  kirchlichen Institutionen nach dem Segen des Bischofs die Erlaubnis auf die Totenmesse der Selbstmörder geben, in deren Beziehung es genau bekannt ist, dass der Selbstmord von ihnen nicht im Zustand der herzlichen Erbitterung oder der kalten Berechnung, nicht im Stoß des Gemurres oder gegen Gott, sondern im Zustand der psychischen Krankheit geschehen war.
Außerdem erlaubt die Kirche, nach dem kirchlichen Brauch sogenannten “ zufälligen Selbstmörder“ – das heißt auf nicht geachtete Dosis des Alkohols, aus Versehen ausgetrunkenes Gift, sich beim Reinigen der Waffen zufällig erschossenen, herausfallenden aus dem Fenster usw. u.ä.,  wer sein Leben für die Rettung des Lebens anderer Menschen geopfert hat, zu beerdigen.
Die Kirche erlaubt ein Totengedächtnisgottesdienst für die Selbstmörder, die nicht sofort gestorben sind, sondern die Zeit hatten für die Buße (so wie bei Puschkin, obwohl das Duell dem Selbstmord gleichgestellt wird).

Die besondere Aufmerksamkeit verdienen die Fälle, wenn ein Mensch getötet wurde, aber die Mörder haben sich bemüht, den Selbstmord zu inszenieren. Wenn es dazu auch nur einen  geringsten Anlass gibt, daran zu zweifeln, dass es Selbstmord war – d.h. der Verstorbene niemals Absichten zeigte sich umzubringen u.ä., so geschieht die Totenmesse in der Regel. So war es zum Beispiel bei Sergej Esenin der Fall, obwohl die offizielle Version unverbesserlich ein Selbstmord war.
Der Tod durch einmalige starke Besoffenheit, durch die Überdosis von Drogen oder durch einen tragischen Zufall infolge der äußersten Sorglosigkeit wird als Selbstmord nicht angenommen. Selbstmord ist ein bewusster Entzug des Lebens. Er geschieht im Zustand der Verzweiflung, der äussersten Verzagtheit, des gekränkten Stolzes, des Verlustes jedes Sinnes des Lebens. Eine allgemeine geistige Wurzel aller Erscheinungsformen dieser Todessünde ist der Unglaube und die Abwesenheit der Hoffnung auf Gott.

Wenn ein Mensch durch starker Trunkenheit gestorben ist, durch die Drogenüberdosis oder infolge der äußersten Sorglosigkeit tragisch umgekommen, so wird es als Selbstmord nicht angenommen, wenn er den Tod nicht wollte.
Das Leben ist eines der größten Geheimnisse Gottes-. Unter den Gaben, die von Gott den Menschen gegeben sind, ist es die erste und wertvollste Gabe. Deshalb, diese Gabe zu verschwenden, das Leben durch die Befriedigung der Leidenschaften, die lasterhaften Fertigkeiten, durch die ungesunde Lebensweise zu verringern ist eine ernste Sünde, und Gott beim Gericht wird dafür Rechenschaft erheben. Der Mensch soll nicht  über Langlebigkeit besorgt sein, weil die Zeiten und die Fristen in den Händen Gottes liegen, aber sündhafter Verzicht auf Göttliche Gabe muss man vermeiden.
Nicht jeder Selbstmord wird zum eindeutigen Register auf die Unmöglichkeit des kirchlichen Gebets
Für die Selbstmörder betet man in der orthodoxen Kirche nicht aus Achtung für Sie.

„Der Selbstmord ist deswegen furchtbar, weil der Mensch geht in die Ewigkeit mit der Grimasse der Verzweiflung ein. Er sagt sich von der Gabe das Leben los. Wie in dem Fall mit nicht getauften, das Verbot des kirchlichen Gebets für die Selbstmörder ist eine Geste der Achtung vor diesen Menschen, weil niemanden darf man ins Paradies mit Gewalt reinziehen. Kirchliches Gebet vermutet das Kommen der Glückseligkeit auf die Seelen, für die man betet, aber wenn „der Mensch sich von Gott getrennt hat, wenn er die Auswahl gegen Gott gemacht hat, wozu exkommunizieren und ihn widerwillig zu jenem zuzuziehen, worauf er selbst verzichtet hat?“
„Jedoch gibt es in der Kirche nichts Formales und nicht jeder Selbstmord dient zum eindeutigen Verzeichnis auf die Unmöglichkeit des kirchlichen Gebets“.
Die Ausnahmen, sind dazu anwendbar, wer infolge der psychischen Erkrankung oder in der Situation, wenn einem Mädchen der Gewalt droht und sie aus moralischer Verkommenheit Hand an sich gelegt hat, begeht keinen Selbstmord, weil sie sich nicht von den Foltern und dem Schmerz fürchtet, sondern sie will vor Christus in der Sauberkeit erscheinen.
Ein weiteres Beispiel, wenn ein Offizier, der die Militärgeheimnisse kennt, die sich entscheidend für den Ausgang der Schlacht erweisen können, sich in der Gefangenschaft befindet und versteht, dass er gefoltert wird , und er die Foltern nicht erträgt und die Geheimen Kenntnisse ausgibt, was zum Niedergang einer Menge der Soldaten bringt.
Außerdem gibt es noch einen Vorbehalt. Wenn für den der an sich Hand gelegt hat, die ihm nahestehenden Menschen zu beten bereit sind, so wird nach dem besonderen Segen des Beichtvaters solches Gebet zugelassen.
Es Bedeutet, dass das Gute, was der Verstorbene den Menschen brachte, hat in ihnen so eine tiefe Spur hinterlassen, dass sie für die Verantwortung bereit sind, das persönliche Gebet zu tragen und beten zu Gott, damit Er, wenn es nur möglich ist, den tragischen Fehler des Selbstmörders zu verzeihen.

(Vater Michail (Moskauer Geistliche Akademie),Übers. Alexander)


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