Gnadengaben der göttlichen Liebe

Kraftwirkungen des Sakramentes der Kommunion.

Johannes von KronstadtWas ist mehr zu bewundern, die Schlichtheit oder die Größe am Sakrament des Leibes und Blutes Christi? Das Natürliche – die sichtbaren, fühlbaren und zu Schmeckenden Elemente des Sakraments oder das Übernatürliche: die Weisheit und Erlösungskraft, die Herrliche Gerechtigkeit und das Heilige, das den im Glauben Herzutretenden rechtfertigt und heiligt, oder die lebenschaffende Kraft, die durch Seele und Leib der Beteiligten empfunden wird?
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Die heiligen Gaben, der allerreinste Leib und das Blut des Herrn, sind das größte Opfer, das die Barmherzigkeit Gottes und Seine Gerechtigkeit gebracht haben, sie stehen dir Reinheit und Erneuerung, Unverweslichkeit, Spiritualität und Leben, Kraft und Ruhm, Friede und Freude. Wohlklang und Zier der Menschheit, Verwandlung und Licht, Güte, Liebe und Übereignung an Gott. Schau auf die hl. Geheimnisse in Furcht und Liebe, der du sündig und unwürdig bist.
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„Die Verheißungen Gottes sind Ja und Amen“ (2 Kor.1, 30). Das gilt auch für die hl. Geheimnisse, für Leib und Blut Christi; in ihnen ist alles Ja, und in ihnen alles Amen, d. h. in ihrem gesamten Wesen sind sie wahrhaftig, lebenschaffend, befreiend, erleuchtend, friedenstiftend und erneuernd für Seele und Leib der aus Glauben und Eifer bußfertig und voller Reue Kommunizierenden. Ehre sei Gott!
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Die hl. Geheimnisse sind realer als alle Realität und wesentlicher als alle sichtbare oder unsichtbare Wesenheit, sie sind zuverlässiger als alle Treue. Und darin ist das Wort des Herrn Bürgschaft: gleichwohl ob es das Wesen der Sache meint oder die fortwährenden Erfahrungen einer gläubigen Seele.
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Wessen werdet ihr in der Liturgie teilhaftig, liebe Brüder und Schwestern? Des allerreinsten Leibes und des allerreinsten Blutes Christi, unseres Gottes! Der unermessliche Reichtum der Gabe Gottes lässt uns nachdenken über extreme Armut, über Fluch und Not und über die Blindheit der menschlichen Natur, denen sie sich nach dem Sündenfall der ersten Menschen unvermeidlich unterwarf. Fürwahr, als die Sünde sich mehrte, wurde die Gnade übermächtig, und den Schwächen der Menschheit kam zu Hilfe die grenzenlose Kraft Gottes durch Seine Gnade.
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Christus ist die Quelle der Unverweslichkeit und Auferstehung, Er gab uns Seinen allerreinsten Leib und Sein Blut als Arznei für die Sünde und ihre zersetzende Kraft. Das Sakrament der Kommunion wurde zur Erneuerung des von der Sünde verdorbenen menschlichen Wesens gestiftet, dafür, dass Glaubende und Bereuen de Rechtfertigung und Versöhnung mit Gott, Sündenvergebung und Kraft für den Kampf gegen sündige     Leidenschaften, Unsterblichkeit und Vergöttlichung erfahren.
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Dadurch, dass der Herr uns zu Speise und Trank Seinen allerreinsten Leib und das lebenschaffende Blut gewährt, erhöht er über alle Maßen unsere Natur durch die Vereinigung mit der Gottheit und bereitet uns vor vollkommenen Einheit mit Sich vor an dem abendlosen     Tag Seines Reiches.
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Johannes von KronstadtZu welcher Höhe und zu welchem Ruhm ist das menschliche Wesen in der Inkarnation des Sohnes Gottes erhoben worden durch die Gewährung von Leib und Blut des Gottmenschen als Nahrung und Trank! Wie fromm, ehrbar, edel und besonnen sollte der Christ sich zeigen! Wie sollte er die ihm Gleichen achten und lieben! Wie sie zu einem guten christlichen Leben anhalten! Sie adeln, ihnen entgegenkommen, sie tragen und tolerieren!
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„Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns esst und Sein Blut trinkt, so werdet ihr kein Leben haben in euch“ (Joh. 5,53). Wunderbar und ewigen Staunens und Dankens würdig sind Güte, Gerechtigkeit und Weisheit Gottes; wie wunderbar ist Seine Menschenliebe! Der gefallene und von der Sünde geschlagene Adam hat die Saat der Sünde und der Verwesung an das gesamte Menschengeschlecht weitergereicht und es dem Teufel ausgeliefert, diesem Sämann des Bösen. Christus, der Sohn Gottes, kam auf die Erde, erfüllte Gottes Gerechtigkeit, litt und starb für uns und wurde am dritten Tage vom Tode auferweckt. Er gab uns Unverweslichkeit und Leben mit Seinem allerreinsten Leib und dem lebenstiftenden Blut; sodass wir Sein Körper sind, von Seinem Fleisch und von Seinem Gebein (Eph. 5, 30).
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Immer wieder setzt mich das heilige, schreckliche, allversöhnende, allreinigende und allheiligende Opfer des Leibes und Blutes Christi in Erstaunen, das unaufhörlich die Werke des Teufels zerstört in den wahren Teilhabern Seines weltweit gültigen Opfers, das als Gegengewicht und Wehr gegen alle sündigen Gräuel in Wort, Tat und Gedanken dient, die uns von dem ersten Urheber und Erfinder der Sünde zugefallen sind. Wie viel Kraft, Güte, Barmherzigkeit, Langmut, Heiligkeit, Läuterung, Heiligung, Erleuchtung, Belebung und Erneuerung, Frieden, Freiheit, weiten Raum für die Seele und Vergöttlichung liegt in diesem allversöhnenden göttlichen Opfer! Ehre und Dank dem in der Dreifaltigkeit gerühmten Gott für so viel Güte, Gerechtigkeit, Erbarmen, Weisheit und Allmacht. Wie groß ist die Überlegenheit an Güte an allen Tagen und überall in den Kirchen Gottes im Weltenrund.
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Ein Abgrund an Gnade und Großzügigkeit eröffnet sich bei der täglichen Darbringung an den Rüsttischen der orthodoxen christlichen Kirchen durch das fürbittende, gnädige, reinigende, erneuernde, vergöttlichende, lebenschaffende, schreckliche, unendlich große Opfer des Leibes und Blutes Christi, das nach dem Willen Gottes zur Rettung der ganzen Welt dargebracht worden ist. Alle Sünden der Gläubigen, der innig Betenden und der Teilhabenden an den lebenschaffenden Geheimnissen werden jedes Mal bei der Kommunion abgewaschen, alle seelischen Fesseln werden gebrochen, Kummer wird zunichte gemacht und alle Gott wohlgefälligen Bitten erfüllt, die Bitten der ganzen Kirche für alle Stände und Gewerke, für die Hirten und die Geweideten. Der Frieden hat eine feste Heimstatt, wird stark und schwankt nicht um dieses Opfers willen, Städte bleiben fest gegründet und werden nicht zerstört, sondern genießen Wohlstand und Wohlergehen, Familien werden gegründet und bewahrt, Intrigen und Illusionen der Häretiker und Spalter bleiben unwirksam, die allgemeine Frömmigkeit konsolidiert sich, wo nur die Hirten aufrichtig dieses allergrößte Sakrament vollziehen. Ehre dem Herrn, Der uns eine so lebendige, mächtige, hochheilige göttliche Gabe geschenkt hat!
Werde Licht, werde Licht, neues Jerusalem, Kirche Gottes der Rechtgläubigkeit. Die Herrlichkeit des Herrn leuchtet über dir auf, juble nun und frohlocke, Zion!
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Der heilige Same lässt im Frieden verharren. „Siehe, es ist der heilige Name, weshalb die sündige Welt noch steht“, sage ich mir während der Liturgie und schaue auf zu dem allerreinsten Leib und dem lebenschaffenden Blut Christi. Dank dessen stehe ich Sündiger noch und bin nicht endgültig gefallen.
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Welch unermessliche Güte, Weisheit und Gerechtigkeit     Gottes leuchten uns auf in der Gabe des allerreinsten Leibes und Blutes Christi! Welch ein Erbarmen! Wessen werden wir gewürdigt durch sie, welchen Heils, welcher Läuterung, welcher Heiligung und Erneuerung!    Welcher Ehre – der Ehre der Vergöttlichung, der Wiedervereinigung mit der Gottheit! Denn wir werden durch die Kommunion des allerreinsten Leibes und Blutes Christi Fleisch von Seinem Fleisch und Bein von Seinem Bein (Eph. 5, 30), ja werden für die Dämonen ein Schrecken, sofern wir nur festhalten an dieser Gabe Gottes in uns und nicht sind, wie vormals, leichtsinnig und fallsüchtig aus Sünde und Selbstliebe, Bosheit, Zorn und Neid, Unenthaltsamkeit und Unzucht, aus Lüge, Betrug und Lust, aus Geiz, Eigensucht und Hartherzigkeit Gegenüber unseren Nächsten.
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Das Blut Jesu Christi reinigt uns von aller Sünde, sagt der hl Apostel Johannes der Theologe (1. Joh. 1, 7). Ohne Blut gibt es keine Reinigung und Heiligung: Der Herr hat am Kreuz Sein Blut vergossen zur Reinigung und Heiligung der Welt und zu ihrer Erlösung; Tierblut floss im Alten Bund als Zeichen der allesreinigenden Blutskraft Christi; jeder Mensch kommt zum Dasein, wird gestaltet und geboren durch das Blut der Mutter.
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Ohne Blutvergießen kann es keine Vergebung geben, heißt es in Hebräer 9,22. Nahezu alles wurde nach dem Gesetz  im Alten Testament durch Blut gereinigt. Auch der erste Bund wurde nicht ohne Blut gestiftet: Als nach dem Gesetz Mose allem Volke die Gebote vorgelesen hatte, nahm er das Blut von Kälbern und Böcken, vermischt mit Wasser, und rote Wolle sowie Ysop, und besprengte damit das Buch und das ganze Volk; dabei sagte er, dies ist das Blut des Bundes, den Gott euch befohlen hat; desgleichen besprengte er mit Blut auch die Stiftshütte und alle Kultgeräte. Dies ist ein Abbild für das allerreinste göttliche Blut Christi im Neuen Testament, ohne das keine Reinigung von Sünden erfolgen kann, und daher ist das Blut im Sakrament der Kommunion für den Klerus wie für die Laien unverzichtbar.
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Wie wunderbar erneuert fühle ich mich durch die göttlichen Geheimnisse des Leibes und Blutes Christi jeden Tag, bis jetzt zu meinem 70. Lebensjahr; gewissermaßen altere ich gar nicht, sondern werde durch die Gnade frisch und rüstig erhalten an Seele und Leib. Danke, danke, danke für diese und für alle Liebesbeweise meines Herrn Jesus Christus. Wie viel von Seiner Kraft ist da, wie viele Siege sind durch Ihn in meiner inneren Welt errungen worden: sie sind ohne Zahl! Ehre, Ehre, Ehre sei Gott in der Dreifaltigkeit!
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Offensichtlich ist der Beweis  für die Wahrheit der Worte des Heilandes: „Wer Mein Fleisch isst und Mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in Ihm“ (Joh 6, 56). Täglich vollziehe ich mit Andacht die Liturgie und kommuniziere die hl. Geheimnisse, und dies sind die Früchte: Reinigung, Heiligung, Erneuerung, Sieg über die Leidenschaften, Friede der Seele, Freiheit, Mut, Freude im Heiligen Geist. Das Gebet für sich selbst wie für andere wird begleitet von wundersamen Wirkungen nach innen und nach außen und in den Seelen vieler; Heilung geht aus von der Prosphora (Brot für Kommunion) und von allem, was ich trinke und esse und anderen gebe, die es im Glauben aufnehmen. Der lebendige von meiner Hand gespendete Segen offenbart sich in der Freude der Gemeinschaft im Gebet und in den Gesprächen mit den Menschen.
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Johannes von Kronstadt„Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns esst und Sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch“ (Joh. 6, 53). Und viele nehmen nicht Fleisch und Blut in sich auf um ihres Unglaubens willen, aus Nachlässigkeit und aus Weltliebe. Mancher Schriftsteller hat, wie mir bekannt, kaum einmal in seinem ganzen Leben kommuniziert und starb ohne Begleitung in das ewige Leben aus Scham vor seinen Kollegen. Viele wiesen die Kommunion der hl. Geheimnisse mit den Worten ab: „Und was sollen meine Schriftsteller-Kollegen dazu sagen?“ „Eine wie viel härtere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen tritt und das Blut des Bundes für unrein hält?“ (Hebr. 10, 29). Und wie viel solcher Schwadroneure gibt es in der Welt? Und wie viel in Luxus Lebende, hartherzige, reiche Optimisten, vergleichbar mit den im Evangelium Erwähnten? Wie viel Pharisäer und Heuchler? Wie viel Schriftgelehrte im Christentum? Wie viel Priester und Hohepriester, die nicht heilig leben und falsch lehren?
(weiter lesen… Über die Kraftwirkungen des Sakramentes des Priesteramtes.)
(Bilder: Hl. Johannes von Kronstadt, Ikone, Foto und (Porträt von M. Brjanskij)


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