Heimkehr zum Licht

Erzbischof Antoni von Woronesh und Sadonsk
antonij
Unterweisungen für ein Leben im Glauben
Wer braucht das Evangelium?
Das Evangelium ist nicht nur für Mönche geschrieben. Die Menschen in der Welt befahren das Lebensmeer, und ihr Schiff wird von mancherlei Gefahren bedroht. Wenn sie sich nicht an das Wort Gottes halten und es ihrem eigenen Denken, Empfinden und Handeln zu Grunde legen, werden sie scheitern und das ersehnte Land beim Vater im Himmel nicht erreichen.
Der Festsaal ohne Gottesbild.

Eingeladen zur Weihe eines neuen Festsaales, zu dem sich ein großes Publikum versammelt hatte, vermißte der hochwürdige Antoni beim Betreten des Raumes die Ikone und sagte zu einigen Amtspersonen, während draußen die Mittagssonne vom Himmel strahlte: „Wie finster ist es in dem Saal!» ,Aber heute ist ein strahlen­der Tag». Der Hierarch wiederholte: „Finster ist es bei euch». Mißverständnis kam auf. Der Erzbischof schlug eine Brücke und sagte: „Der Saal ist schön und reich geschmückt, aber es fehlt die Ikone. Ohne sie verliert ein Raum seinen Schmuck und alles wirkt finster». Als­bald wurde eine Christusikone herbeigebracht, und der Hierarch konnte mit der Weihe des Saales beginnen.
Ein bescheidener Tempel.
Im hohen Alter trat Oberst Matwejew an den Hierachen heran und sagte: „Eure Exzellenz! Ich wollte, Sie wür­den auch mich einmal mit Ihrem Besuch auszeichnen; aber ich habe Sie noch nicht zu bitten gewagt. Ich habe ein kleines Gut, und mein Haus kann man eigentlich kein respektables nennen, es hält sich eher in den Gren­zen eines Stalles.» Des Bischofs Antwort war: „Und über welchem Ort strahlte der Stern auf, der die Weisen ge­führt hatte? Ich werde zu Ihnen kommen.» Noch am gleichen Tage begab er sich zu dem demütigen, wohltä­tigen Starzen und tauschte sich mit ihm über geistliche Fragen aus.
Wege des Heils.
Der hochwürdige Antoni berichtete einmal von heili­gen Antonius dem Großen. Dieser Gottesmann zählte
drei Wege, die den Menschen zum Himmelreich füh­ren. Manche lieben von Jugend auf Gott und dienen ihm mit ganzem Herzen. Dies ist der erste Weg zum Heil. Andere werden durch die Furcht vor künftigen Qualen und die Erwartung unaussprechlicher Freuden dazu veranlaßt. Dies ist der zweite Weg. Und die Dritten rettet der Herr aus seiner Barmherzigkeit, indem er ihnen Krankheiten oder verschiedene Mißstände schickt, die sie zurecht bringen und zu den Tugenden geleiten. Das ist der dritte Weg.
Frömmigkeit.
Frömmigkeit bringt den Menschen in Gottes Nähe. Frommes Verhalten trägt einen solchen Ruhm ein, der höher als irdische Ehrerweisungen ist.
Tugendsames Leben.
Nicht der Adel der Abstammung rettet uns, wenn wir Tugend und Menschenliebe vermissen lassen. Der wah­re Adel wird dadurch erworben, daß der Wille Gottes bei uns geschieht.
Der Lasterhafte und der Tugendsame.
Der Lasterhafte denke bei sich, daß ihn niemand sieht, wenn er im Verborgenen Böses tut. Wie sehr irrt er! Gott sieht alles; Der Schutzengel ist ein ständiger Zeuge für unsere Taten.
Ein guter Mensch tut Gutes nicht nur vor anderen, son­dern auch, wenn er allein ist, denn in seinem Herzen ist Gottesfurcht, und ihm wird bange bei dem Gedanken, er könne mit seiner Tat das alles sehende Auge Gottes beleidigen. Wehe dem Sünder! Wohl der gerechten Seele!
Wie Anfechtungen zum Selbstmord zu begegnen ist.
Ein Besucher berichtet dem ehrwürdigen Hierarchen von schweren Anfechtungen seiner Seele, die durch un­reine, listige und gesetzesbrecherische Einflüsterungen nicht zur Ruhe kommt, sondern in Verzweiflung oder gar an den Rand des Selbstmordes gerät. Der Erzbischof riet ihm, die argen Gedanken, die in seine Seele eindrin­gen, für Nichts zu achten, sondern sich ihrer zu entledigen und sie durch gute zu ersetzen. Keinesfalls sollten sie ihn zu einer Tat veranlassen.
Sobald ein arger Gedanke in den Sinn kommt, sollten wir gleich ins Gebet gehen. Alsbald wird die Finsternis in unserem Geist verschwinden und Licht aufstrahlen. Er empfahl einige Gebete wie: „Himmlischer König», „Heiliger Gott», „Allerheiligste Dreifaltigkeit», „Vater unser», „Ich glaube» und das wiederholte Jesusgebet: „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich über mich Sünder». Die Eifrigen rufen die Gottesmutter und die Gottesmänner an. Alsbald wird uns Hilfe zuteil. Be­kennt in der Beichte und öffnet dem Beichtvater euer ganzes Gewissen, ohne etwas vor ihm zu verbergen. Alsbald wird die schwere Last von eurem Herzen fallen und Ruhe einziehen.
Entdecken wir Sünden bei uns, sollten wir von ihnen lassen und uns bessern, uns stets des Wortes Gottes er­innern und ihm folgen. Wozu sollten wir uns Trauer und Verzweiflung hingeben? Der Herr ist gütig und barm­herzig: Er sorgt für uns. Bleiben unsere Wünsche uner­füllt? Dann laßt uns Gott bitten: Er hat Kraft genug, unsere guten Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen über all unsere Erwartungen hinaus. Man kränkt uns, häuft Beleidigung auf Beleidigung? Laßt uns großmütig denen verzeihen, die uns beleidigt und gekränkt haben und uns so in Geduld üben, ja Böses mit Gutem vergel­ten. Wir haben ein wichtiges Gut verloren? Auch hier ist die vorausschauende Fügung Gottes zu unserem Besten geschehen. Mit Andacht laßt uns dem Herrn und Gebieter sagen: Dein Wille geschehe! Der Herr vermag noch immer Verlorenes zurückzubringen oder, stattdessen, uns reich zu entschädigen.
Wir befinden uns in Not und Mangel? Laßt uns umso emsiger den Herrn anrufen, und Gott wird uns Nah­rung und Kleidung schicken und einen Wohltäter und Förderer. Wie groß auch immer unsere Not sein mag, Gott wird erlösen; welcher Art sie auch immer sein mag, wir sollten nicht Hand an uns legen: Dafür ist ewige Qual angesagt. Es fällt uns schwer hier arge Krankheit, Er­niedrigung und Beleidigung zu ertragen, aber in welch einem Verhältnis steht das zu dem höllischen Feuer? Denn unser  irdisches Leben ist die kostbarste Gabe Gottes, die wir hüten sollen.
Sie ist uns gegeben, um ein seliges Leben in zukünftigen Äonen zu gewinnen.
Der Weg dorthin ist unser heiliger orthodoxer Glaube und die guten Werke. Krankheiten, Leid und Not aller Art sind hier auf der Erde zeitlich, groß aber ist der Lohn in den Himmeln, wenn wir sie mit ruhiger Seele ertra­gen haben. Laßt euch nicht erbittern von den Nächsten, was sie euch auch zufügen mögen. Unser Herr und Erlöser Jesus Christus hat dem Bruder zu vergeben gehei­ßen, der sich gegen uns vergeht, und geboten, die Näch­sten zu lieben, dagegen uns verwehrt, sie zu hassen oder uns an ihnen zu rächen.
Arge Gedanken sind vom Bösen. Vertreibt sie durch Gedanken der Güte, der Weisheit und der Gerechtig­keit Gottes und durch seine Gebote. Um das Los der von Gott Erwählten zu erlangen, laßt uns barmherzig und mildtätig sein, geduldig, sanftmütig, besonnen, fromm und gläubig, gütig und heilig. Bei unseren Pflich­ten laßt uns Fleiß und Lust zeigen; von ehrsamer und löblicher Arbeit den Weg zum Gebet finden und vom Gebet abermals zur Arbeit zurückkehren.
Für alles dankt Gott, und alsbald werdet ihr Heilung für eure Seelen empfangen und gerettet werden. Vor Hoch­mut sollten wir uns bewahren, denn größtenteils befal­len Stolze niedrige Gedanken. Es gibt Menschen, die wie Kleinkinder zu unsauberen Gedanken ganz und gar unfähig sind.
So gab es in Kiew Vater Isichi, der mir ein geistlicher Vater war. Er entstammte einer namhaften Familie und war Sohn eines Obersten. Wir studierten gemeinsam an der Akademie und aus Liebe zur Wissenschaft war er zwölf Jahre in der theologischen Abteilung. Danach wurde er Mönch, wurde zum Priestermönch geweiht und lebte im Kloster Wydubez.
Dieser Knecht Gottes, ein Freund der Wahrheit und der Tugend, vermochte auf Grund seiner wunderbaren Schlichtheit und Herzensreinheit sich nicht nur vor dem Bösen zu bewahren sowie vor unnützen und schändli­chen Worten, sondern hatte gar nicht einmal eine Vor­stellung davon, was unanständige Gedanken sind, denn seine Seele brannte fortwährend in seraphimischer Lie­be zu Gott und war durchdrungen von einer lebendigen Liebe zu seinen Nächsten. Wenn er über die Nächsten­liebe sprach, zitierte er gar nicht selten das Apostelwort: „Laßt alles in der Liebe geschehen».
In Glück und Leid Gott eingedenk bleiben.
„Wo Sorge ist, dort ist auch Gott». Die meisten Leute suchen ihren Schöpfer in Tagen des Unglücks. In glück­lichen Tagen denken sie wenig an den Urheber und Spen­der des Lebens. Recht wenig kümmert sie das Heil ihrer Seele. Nach den Worten des hl. Chrysostomos sollte sich der Mensch im Glück als ein Schuldner Gottes empfin­den, im Unglück aber sollte er ohne Murren vor Gott in Danksagung und Gebet verharren, dann hat er Gott als einen Schuldner.
Chrysostomos und seine Schriften.
Der hochwürdige Hierarch erzählte von seinem Lehrer, dem ehemaligen Rektor der Kiewer Akademie, der den Studenten erlaubte, freimütig zu ihm zu kommen, um zu fragen, was sie nicht verstanden hatten. Er öffnete ihnen sein Herz wie ein Freund und freute sich, wenn sie zu ihm kamen. Einer der Kommilitonen sagte: „Scha­de, das dem hl. Johannes Chrysostomos nur kurze Zeit auf der Welt beschieden war. Wieviel hätte er noch schrei­ben können.» Irinej antwortete darauf weise: „Er hat alles niederschreiben können, was er nach Gottes Gna­de zu lehren hatte; er hat die Kirche bereichert, und die Ströme seiner goldenen Lehren ergießen sich im Laufe der Jahrhunderte in Herz und Sinn der Gläubigen und ermuntern sie zum Gutes tun.»
Eine Krone für die geistlichen Lehrer.
Einmal brachte der ehrwürdige Antoni aus seinem Ar­beitszimmer ein Buch, das er in Moskau erworben hat­te: „Der Geist des heiligen Johannes Chrysostomos». Auf der ersten Seite war eine schöne Darstellung des schreibenden Chrysostomos abgebildet. Neben ihm stand der hl. Apostel Paulus und sprach mit ihm, leicht über ihn gebeugt. Der heilige Proklos, der Diener des hl. Chrysostomos, schaut durch einen Türspalt in den Raum, in dem der hl. Bischof nachts seine Predigten, niederschrieb über die Briefe des hl. Apostels Paulus. Der Erzbischof küßte die Gesichter der Heiligen und lobte die kunstvolle Darstellung und sagte u.a.: „Selig sind die, die schaffen und lehren. Die Werke der Heiligen Basilios des Großen, Gregor des Theologen, Johannes Chrysostomos, Ephräm des Syrers, Dimitri von Rostow, Tichon Sadonski und andere helfen zur Erkenntnis der Menschen und zu ihrer Umkehr auf den Weg der Wahrheit, was den Verfassern dieser Schriften einen großen Lohn vor Gott einträgt, nämlich eine leuch­tende Krone.»
Über die Werke des hl. Ephräm des Syrers.
Gelegentlich eines Besuches fragte der Ehrwürdige sei­nen Gast: „Haben Sie die Werke des hl. Ephräm des Syrers gelesen?» „Einige Predigten in der ,Christlichen Lektüre’ auf Russisch; auch auf kirchenslawisch habe ich etwas gelesen in einer Übersetzung aus der Zeit Peters des Großen.» Darauf der Erzbischof: „Wie gut wäre eine neue Übertragung der Werke dieses Gottesmannes, denn die alte slawische Übersetzung taugt nicht, weil sie für die meisten unverständlich ist. Die Werke dieses Heili­gen sind eine Fundgrube für geistliche Lektüre.
Eine Lehre aus dem Leben des Metropoliten Serapion
Als Metropolit Piaton nach Kiew reiste, wagte, obwohl selbst auch Metropolit, Serapion nicht neben ihm Platz zu nehmen. Serapion hatte es gern, wenn Jüngere Älte­ren ihre Ehrerbietung zeigten. Früher galt es als unver­brüchliche Tischsitte, daß, solange der Vorgesetzte das Gespräch nicht eröffnete, die Jüngeren Schweigen be­wahrten. Serapion war ein tiefsinniger Mann. Er reflek­tierte gründlich einen Sachverhalt ,und dann erfragte er die Meinung anderer. Achtzehn Jahre lang war er Me­tropolit von Kiew und übte sich keinen Menschen zu beleidigen.
Gespräche in der Kirche
Nach dem Hauptgottesdienst saßen noch Verwandte und einige Damen bei dem Erzbischof. „Warum haben Sie ihren kleinen Sohn nicht mitgebracht?» fragte er. „Er redet immerfort in der Kirche.» „Hier auf diesem Platz saß eine vornehme Dame, die, wahrscheinlich aus Gesundheitsgründen, ebenfalls in der Kirche häufig re­dete.» Der Wladyka sagte: „In der Kirche reden sollte man nicht. Es hat alles seine Zeit, das Reden und das Schweigen und das Beten.» In der Kirche ist vielmehr angezeigt zu schweigen, zu hören, was man sieht und singt, und zu beten. Auch der Bischof hört zu, wenn der Lektor liest und hält sich entsprechend der Ordnung der heiligen Kirche zurück. Es ist sündhaft in der Kirche zu reden, während des Gottesdienstes sind Gespräche eine Beleidigung für die Majestät Gottes. Sie mindern die Ehre Gottes und setzen die Liebe zu Gott herab. Daher müssen Respektlose und allzu Kühne, weil sie dem gro­ßen und schrecklichen Gott nicht die Ehre geben, das Gericht Gottes fürchten.
Anbetung Christi ob seiner Leiden.
Einst war die Rede von dem heiligen Bischof Ioassaf, dessen wundertätige Gebeine in Belgorod ruhen. Die­ser Gottesmann hat in jeder Stunde des Kommens Jesu seiner Leiden und des Todes an dem Kreuze gedacht. Darüber hatte er ein besonderes Gebet verfaßt. Der ehrwürdige Antoni konnte Wort für Wort dieses Gebet zitieren: „Es mögen gesegnet sein Tag und Stunde, da mein Herr Jesus Christus mir zugut geboren wurde, die Kreuzigung erduldete und den Tod erlitt. O Herr Jesus Christus, Sohn Gottes! Nimm in meiner Todesstunde den Geist deines Knechtes in dein Reich auf durch die Gebete deiner allerreinster Mutter und aller deiner Hei­ligen, denn du seiest gepriesen von Ewigkeit zu Ewig­keit. Amen.»

Rechte Fastenordnung.
Anläßlich der beginnenden großen Fastenzeit wurde der ehrwürdige Antoni von einem ihm Nahestehenden ge­fragt: „Wie soll man die große Fastenzeit recht bege­hen?» Darauf antwortete der Wladyka: „Geht in die Kir­che. Als unsere Mutter lehrt sie uns, wie wir die großen Fasten halten sollen. Verbindet mit dem Gebet die Ent­haltsamkeit von verbotenen Speisen und mit der Ent­haltsamkeit die Barmherzigkeit, mit der Barmherzigkeit die Liebe, Demut und die übrigen heiligen Tugenden. Es ist die Zeit für Andacht, Beichte, Kommunion der heiligen Geheimnisse Christi, und auf diese Weise vor­bereitet, kann man in himmlischer unaussprechlicher Freude auch die Strahlen der Auferstehung Christi erleben.
Göttliche Gaben zu den Hochfesten.
Der allgütige Herr beschenkt seine Gläubigen, die ihn lieben und ihm mit ganzer Hingabe dienen, sonderlich an den Hochfesten der Geburt Christi, der Taufe, der Auferstehung u.a. mit unschätzbaren Festgaben: Dem einen schenkt er Tränen der Buße über seine Sünden, Liebe und Demut; dem anderen Geduld und Güte, dem Dritten ein reines Gebet. Zuweilen sendet er ihnen auch materielle Gaben je nach ihrer Zeit.
„Was ist ein Propst?»
Zum hochwürdigen Antoni kam eines Tages ein Propst. Nachdem der Erzhirte wohlwollend den Bericht ange­hört hatte, sagte er: „Was ist ein Propst?» Einer, der sei­ne Propstei recht verwaltet, die Sittenreinen, Fleißigen, Rechtschaffenen lobt und ihnen ein gutes Zeugnis gibt, die Feindseligen versöhnt, die Liederlichen, von Schwä­chen Belasteten nicht hinnimmt, sich um ihre Besserung bemüht oder ihnen auch droht. So muß es sein. Sie brau­chen Furcht; auch Gott droht uns.
Sein heiliges Wort zuckt zuweilen über uns auf wie ein Gewitter, es droht dem Sünder mit strenger Strafe, der sich gegen die Gebote des Herrn vergeht. Aber nicht allein darin besteht die Pflicht der Pröpste, daß sie die in ihrem Amt Eifrigen und ihren kirchlichen Dienst heilig Vollziehenden loben und die Schwachen tadeln. Ein Rechtschaffener, Frommer und Fähiger wird sich selbst als tüchtig erweisen. Ich erkenne ihn auch ohne dich. Den Mangelhaften solltest du schonen, denn er entlarvt sich selbst durch seine schlechten Werke.
Doch gibt es darüber hinaus noch eine wichtige Bestim­mung für die Pröpste. Der König und Prophet sagt: „Das Verlangen der Elenden hörst du, dem Waisen schaffst du Recht» (Ps. 10,17.18). Wem wird hier der Elende an­
vertraut? Dem Waisen schaffst du Recht. Wen hat man denn unter dem Wort du zu verstehen? Mich, den Bi­schof oder dich den Propst? Das Wort Gottes aus dem Munde des Heiligen Propheten richtet sich an uns bei­de: Der Arme und der Waise sind unserer Fürsorge an­vertraut. Wenn du einen Armen siehst, ein hilfloses Waisenkind, dann berichte mir davon: Ich will sie unter­stützen. Es gibt Arme, die trotz ihrer großen Not mich nicht zu bitten wagen und andere möchten gern ein Bitt­gesuch abgeben, aber sie werden behindert oder kön­nen es der Umstände halber nicht tun. Pflicht der Pröpste ist es, solche mir zu nennen. Ich will ihnen Hilfe erwei­sen. Ohne dich, den Propst, kann ich den Bedürftigen nicht finden, denn ich kenne sie nicht. Aber ohne mich kannst du ihre Tränen nicht trocknen noch die sie be­drückende Not aufheben, weil es dir an Mitteln gebricht. Deswegen sollen die Pröpste es als ihre unbedingte Pflicht ansehen, mir über die Armen und über die Wai­sen zu berichten.
Geistliche Blindheit.
Es gibt nicht nur eine körperliche, sondern auch eine geistliche Blindheit. Geistliche Blindheit kann auch bei irdischer Klugheit vorkommen, wenn ein Mensch den Willen Gottes nicht erkennen will oder wenn er ihn er­kannt, ihm zuwider handelt. Der Unglaube verfinstert den Geist und läßt die Wahrheit nicht aufleuchten. Bos­heit verdunkelt das Auge der Seele, weshalb dann statt Gutes Böses gewünscht und getan wird. Geistliche Blind­heit bedeutet letztlich mangelnde Selbsterkenntnis, über­spielt die Erinnerung an den Tod, das Gericht und das Totenreich. Solche Blindheit bewirken alle Todsünden und schändlichen Leidenschaften, denen sich der Mensch hingibt, statt sie in sich auszurotten. Wenn wir in unserer Seele diese sündige und verderbliche Blind­heit entdecken, sollten wir ernstlich zum Herrn flehen und wie die Blinden im Evangelium ihn um sein Erbar­men anrufen: „Erbarme dich unser, Jesus, Sohn Davids!» Oder wir sollten dieses Gebet sprechen: „Erleuchte, Christus, Gott, meine Augen, daß ich nicht in Todes­schlaf falle. Unser menschenliebender Herr und Erlö­ser, Der Du das wahre Licht bist, das jeden Menschen erleuchtet, in die Welt gekommen um unsere Herzen­saugen zu erhellen mit dem Licht Deiner göttlichen Weisung und durch Deine Gnade uns hilft, unablässig den Weg der Tugend zu gehen, die so notwendig ist, um das verheißene Erbe zu erlangen.»
Ursache der Liebe.
Als ein Besucher die große Liebe des hochwürdigen Antoni zum Volk hervorhob und ihn nach dem Grund solcher Liebe fragte, erhielt er die Antwort: „Dies hat seinen Grund, nämlich, daß ich mit meiner Liebe bei anderen Liebe wecke, weil ich für alle etwas sein möchte.»

Das Heilige den Heiligen!
In der Kirche hören wir den Ruf vom Altar des Herrn: „Das Heilige den Heiligen!» Die Worte sollen uns er­mahnen, nicht anders zu leben als heilig. Denn das Hei­lige ist nur für die Heiligen bestimmt: „Wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. Denn es steht ge­schrieben: , Ihr sollt heilig sein, denn Ich bin heilig’, daß heißt, Gott der Herr ist heilig» (1. Petr. 1,15.16).
Dienst und Last in der Kirche.
Nach der Liturgie eines Festtages lud sich der hoch­würdige Antoni ei­nige Konzelebranten aus dem Kreise der Geistlichen zum gemein­samen Mittagessen ein. Gesprächsge­genstand war zu­nächst das Übliche. Dann klagte der Wladyka, daß ihn sein Ohr schmerze, daß er Stechen im Ohr habe. Einer der Gäste sagte, im Altarraum habe ein Fenster offen gestanden. Er habe es zwar schließen wollen, dann aber doch gedacht, der Erzbischof habe es absichtlich aufgelassen. Darauf erwiderte der Erz- hirte: „Ich selbst habe das offene Fenster nicht bemerkt, und ich würde Euch nicht empfehlen, sich während des Gottesdienstes mit anderen Dingen abzugeben. Wenn Ihr, um das Fenster zu schließen, jemanden hingeschickt hättet, wäre die Aufmerksamkeit auf ihn gefallen. Ihr hättet die Umstehenden von der Konzentration auf Gott abgelenkt, und auch Euch wäre es danach schwer gefal­len, in Euch den Geist der Frömmigkeit und des inbrün­stigen Gebetes wieder zu erwecken.»

Über die Lektüre der Unterweisungen in Klosterkirchen.
Der hochwürdige Antoni fragte den Vorsteher eines Klosters: „Wird bei Euch gepredigt in der Kirche?» „Es wird gepredigt, heiliger Wladyko, wenn viel Volk in der Kirche ist. Sind aber wenig da, predigen wir nicht.» Dar­auf der Erzhirte: „Man sollte täglich predigen, auch wenn nur zehn Mann in der Kirche sind, ja, selbst wenn es nur einer wäre. Wenn dieser eine mit Liebe und inne­rer Entschiedenheit das Wort vom Ge­setz Gottes in sich aufgenommen hat, kann er es anderen weitersagen und auch selbst damit fertigwerden. Er kann seine Näch­sten auferbauen und kann sie veran­lassen, Gott wohl­gefällige und der Gesellschaft nützli­che werke zu tun.»
Die Kraft des Jesus-Gebetes.
Als der hoch­würdige Antoni im Woronesher Non­nenkloster eine hochbetagte Grei­sin, die krank gewordene Nonne Taisia, besuchte, sagte er ihr: „Rede häufiger mit Gott und bete.» Die Greisin antwortete darauf: „Es gibt eine solche Schwäche, daß man nicht einmal mehr beten kann.» Drauf der Erzbischof: „Sprich das Jesus-Gebet: Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich über mich Sünderin.» Taisia antwortete: „Ich bin zuweilen so schwach, daß ich selbst für dieses Gebet keine Kraft finde.» Darauf riet ihr der Bischof: „Wenigstens sprich den allerherrlichsten Namen unseres Herrn und Erlö­sers aus, indem du sagst: Mein Jesus! mein Jesus! Und du wirst alsbald Stärkung deiner Seele erfahren.»
Erzbischof Antoni riet zu einem stillen Gebet. Wenn du Zeit hast, dann bete in der Einsamkeit deiner Kammer innig zu Gott. Wenn du plötzlich hörst, daß jemand zu dir kommt, stehe auf und erfahre, was den Ankömm­ling herführt. Wenn du ihn zur Tür gebracht hast, setze das Gebet fort. Sollte noch jemand kommen, dann nimm ihn auf und erfülle seine Bitte, ohne anzudeuten, daß er dich im Gebet gestört hat. Danach kannst du dich dann wieder an Gott wenden. Das stille Gebet ent­spricht der Weisung Christi: Wenn du aber beten willst, geh in dein Kämmerlein, schließ die Tür und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist und dein Vater, der in das Verborgene schaut, wird es dir öffentlich ver­gelten» (Matth. 6,6).
Die Liebe zu Gott.
Einer Dame sagte der hochwürdige Antoni: „Recht ist es, Gott, unseren Erlöser Jesus Christus, zu lieben, an Ihm zu hängen, in Ihm unsere Seligkeit zu finden. Alles unterliegt hier auf der Erde dem Wandel, aber unsere Seligkeit in Gott, unserem Herrn ist ewig.»
Langes Leben und Wohlgefallen Gottes.
An seinem Namenstag wünschten dem Hochwürdigen die Gratulanten ein langes Leben. Darauf sagte der Wladyka: „Gut ist, wenn man auch nur einige Minuten heilig und Gott wohlgefällig lebt. Etliche Sekunden in der Gemeinschaft mit Gott verbracht, sind wichtiger als viele Jahre seiner Ablehnung. O Herr! Würdige uns, daß wir von Deinen Allerheiligsten Geboten auch nicht eine Minute abweichen.»
Vom Wohlgefallen Gottes.
An der Mittagstafel sagte der Hochwürdige: „Der Herr hat uns angenommen, und wir sollten Ihn nicht verlas­sen und von Ihm weggehen, um in den Tälern uns zu verkriechen, sondern wir sollten durch Befolgung Sei­ner heiligen Gebote Sein Wohlgefallen suchen, so wird Er uns zu Seinem Vater bringen, in das ewige Reich Sei­ner Heiligen.
Die Vergebung Christi gilt dem Bußfertigen.
Für Gott dürfte es leicht sein einen Menschen zu schaf­fen, aber um ihn neu schaffen zu können, bedarf es des inkarnierten Wortes. Kein Engel, kein Erzengel hat den Menschen retten können, sondern allein der Sohn Got­tes. O Herr! Wie hast Du Dich gemüht um uns Sünder. Lehre uns Deinen Willen zu tun. Du bist unser Gott, unser guter Hirte, wir aber sind die Schafe Deiner Wei­de. Wir sind in Sünde gefallen und haben damit Dich verleugnet. Alsbald sollten wir bereuen, mit Tränen der Buße unsere Sünden abwaschen wie Petrus, nachdem er den Herrn verleugnet hatte. Wie glühend hat sich der Apostel Petrus für den Herrn eingesetzt, und der Herr
hat ihn geliebt wegen seines Eifers und seiner großen Anhänglichkeit, für seine starke Liebe. Wenn Judas sich so an den Herrn gewandt hätte wie Petrus, meint Chrysostomos, dann hätte der Herr auf Grund Seiner Menschenliebe ihm verziehen. Die Sünderin, die die Füße Christi mit Tränen netzte, erfuhr Vergebung, Ju­das aber, obwohl er Jünger war, brachte sich, verfinstert von Habgier, selbst um.
Üble Nachrede.
Bei der Warnung vor übler Nachrede und Verleumdung stellte der Hochwürdige fest: „Wie oft sündigen wir und können unsere Zunge nicht im Zaum halten. Kostbare Kleider hüten wir, wie Chrysostomos lehrt. Aber unse­re Seele lassen wir unbeaufsichtigt. Es ist eine kleine leere Schachtel, aber man kann sie mit Brillanten füllen. Durch das Wort Gottes und rechten Wandel wird unse­re Seele glückselig.
Der Lohn für Gerechte und Ungerechte.
An einem schönen Junitage stand der hochwürdige An­toni auf dem Balkon seines der Dreifaltigkeit geweih­ten Hauses vor der Stadt und wies in der Unterhaltung mit seinem Gästen auf das Grün des Rasens, auf die Blumen und die Bäume seines Gartens. Wer hätte wohl im Winter angesichts dieses erstorbenen Fleckchens Erde gedacht, daß sie wieder so schön würde. Kaum, daß der Frühling kam, schlugen Bäume aus und began­nen die Blumen zu blühen, aber nicht alle. Seht, inmit­ten der grünenden Bäume gibt es auch dürre. Sie ste­hen nackt da, ungeschmückt. So wird es auch bei der zweiten herrlichen Wiederkunft Christi den Toten er­gehen, es werden die Gerechten und die Sünder aufer­stehen, die Gerechten aber werden leuchten wie die Sonne in ihres himmlischen Vaters Reich, die Sünder aber werden in ihrer häßlichen Nacktheit offenbar. Die Gerechten werden zum ewigen und seligen Leben auf­erweckt, die Sünder aber kommen in die ewige Qual.
Kurzkommentar zum Gesetz Christi.
An der Mittagstafel wies der hochwürdige Erzbischof darauf hin, wie inhaltsreich doch die Worte unseres Herrn Jesu Christi seien, wenn er sagt: Lernt von Mir, denn Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.
Nachwirkungen des in der Kirche gehörten Wortes Gottes.
In einem Tischgespräch brachte der hochwürdige An­toni die Rede auf die im Gottesdienst verlesenen Ab­schnitte aus der Epistel und die beiden Evangelien, der Evangelien Text schloß: „Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden» (Luk. 18,14). Nicht von ungefähr erinnerte der Erzhirte an die verlesenen Texte. Er woll­te Mut machen, daß wir sie in unserem Herzen bewe­gen, um so die Wahrheit Gottes neu zu erleben, uns selbst einen Dienst für unsere Rettung zu tun und die vom Herzen aufgenommenen Weisungen in einem Le­ben der Hingabe an Gott zu verwirklichen. Wo aber das in der Kirche verlesene Wort in Vergessenheit gerät, sollten wir bedenken, wie sehr wir es doch für das Heil unserer Seele brauchen. Deshalb sollten wir zu Hause zu dem heiligen Buch des Evangeliums und der Apostel­briefe greifen und uns ins Bewußtsein rufen, welcher Abschnitt an den einzelnen Tagen in der Kirche gele­sen wird. Wer aber kein Neues Testament unseres Erlö­sers Jesus Christus hat, der sollte es sich erwerben zur aufmerksamen Lektüre, als Wegweisung und Anleitung auf dem Weg zur ewigen Seligkeit.
Über die Demut.
Demut ist eine hohe Tugend. Wir sollten uns fragen: Kann ich andere verurteilen, wenn ich selbst so viele Mängel habe. Ich weiß nicht, was im Herzen und im Sinn meines Nächsten vor sich geht. Noch gibt es keine Fensterchen, durch die ich in die Seele des anderen schauen könnte. Mich selbst aber kenne ich nur zu gut. Ich bin ein Sünder. Das muß ich mir nicht erst bewei­sen. Aber im Urteil über andere kann ich mich irren. Richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet.
Über die Sanftmut.
Den Sanftmütigen offenbaren sich die Geheimnisse Gottes. Der Herr sagt: Auf wen schaue ich herab, wenn nicht auf den Sanftmütigen und Verschwiegenen und auf die, die vor meinen Worten erzittern. Wer ist sanft­mütig? Derjenige, der, wenn man ihn tadelt, nicht auf­braust.
Über Demut und Liebe.
Der im Herzen Demütige gleicht dem Sohn Gottes. Er wird Verleumdungen und Tadel, Beschimpfungen, ja sogar Schläge und anderes Ungemach mit Gleichmut tragen und für seine Feinde noch beten können. Der Demütige hält sich für schlechter und sündhafter als alle. Er liebt alle, wünscht allen Gutes und, weil er Gott in seiner Seele trägt, kann er kein Ungemach in sich tra­gen. Bei Angriffen freut er sich, er ist stets ruhig, allen freundlich zugetan. Bereits hier empfindet er die Vor­freude des himmlischen Lebens. Jesus Christus, der Herr, unser Erlöser, hat unser Fleisch angenommen. Unser Schöpfer kam, um sich unser, die wir sündig sind, zu erbarmen. Er vergibt uns unsere Schuld, unsere Übertretungen, unsere Kränkungen, die wir ihm angetan ha­ben. Wie sollten wir dann nicht unseren Nächsten ver­zeihen. Alle Ungerechtigkeiten und Kränkungen, die sie uns zugefügt haben? Wenn der Herr uns liebt und uns zu gegenseitiger Liebe ruft, wie sollten wir dann nicht alle lieben? Weshalb sollten wir nicht diesem Wohltäter gehorchen?
Mönch und Zelle.
Beim Besuch eines Mönches sagte der Erzbischof: Dem Mönch reicht es, wenn er in seiner Zelle Ikonen und Bücher hat.
Einen gebildeten und lektürefeudigen Mönchspriester richtete er freundlich auf mit den Worten: „Lernt die Einsamkeit der Zelle lieben; treibt unermüdlich euer Werk und lässt im Gebet nicht nach.»
Kindererziehung.
Dem Inspektor einer geistlichen Schule, dessen Aufsicht die Zöglinge anvertraut waren, riet der hochwürdige Antoni: Sie haben selbst Kinder. Wie sie für ihr Wohl sorgen, so sollen sie auch die Erziehung und das Glück der Kinder im Auge haben, die ihnen hier anvertraut sind.
Als der Erzbischof von einem Gymnasialdirektor, dem Schulinspektor und dem Lehrer besucht wurde, erklär­te er ihnen: „Sie sind meine Mithelfer, ich allein kann nichts ausrichten. Ich gleiche einem Mann, der auf ei­nen hohen Glockenturm gestellt ist und von da aus ein­lädt und ruft. Wer aber hört mich? Pflanzt in die Seelen der Kinder Gottesfurcht. Lehrt sie Gotteserkenntnis, Liebe zu Gott und zum Gebet. Festigt in ihren Herzen den Glauben und die Liebe zu unserer orthodoxen Kir­che und ihren heiligen Ordnungen, aber auch die Liebe zum Zaren und dem Vaterland. Darin zeigt sich unser christlicher Reichtum.
Leid um die Nächsten.
Einen weitgereisten Besucher tröstete der hochwürdige Antoni: Leid um die Nächsten ist mitunter nützlicher für die Seele als eigenes Leid. Leider besucht uns dieses Leid recht selten. Ungeduld muß man mit Vertrauen besiegen. Der Herr wird solches Leid unseres Herzens trösten, und die Heilung geschieht über das Gebet.
Demütige Selbsterkenntnis.
Der hochwürdige Erzbischof Antoni zeichnete sich durch eine demütige Grundhaltung aus. Er hatte stets Gott vor Augen, wie es bei dem Propheten heißt: Ich sah den Herrn vor mir und verharrte, machte mich klein und hielt mich für nichtig. Wie viele Jahre habe ich gelebt, sagte er, und habe keine guten Taten. Wenn ich mir die Menschen anschaue, sind sie alle gut und heilig, nur ich bin sündig, ich beschuldige mich selbst, alle an­deren halte ich für gut, nur ich bin nicht gut.
Das Verhalten bei übler Nachrede.
Ein stolzer Mensch freut sich des Lobes, ein demütiger aber wird über seine Schmach getröstet. Einmal erklär­te er, als ihm berichtet wurde, irgendjemand verleumde ihn: „Er kennt noch nicht alle meine Schwächen und Mängel; ich bin noch schlechter als er von mir denkt.» Als dann jener zu ihm kam, der ihn in der Öffentlich­keit schlechtgemacht hatte, tadelte ihn der Bischof nicht, noch rechtfertigte er sich vor ihm, sondern nahm ihn mit vollendeter Liebe und Freundlichkeit auf, bewirtete ihn und tat ihm wohl, eingedenk der Worte des Erlö­sers: Liebt eure Feinde, tut wohl denen, die euch has­sen, segnet die euch fluchen und betet für die, die euch beleidigen (Luk. 6,27.28).
Ein Bischof der Selbstlosigkeit.
Der ehrwürdige Antoni wußte, daß Habgier die Wurzel des Bösen ist, ihn traf nicht einmal ein Schatten da­von, sein Vermögen schonte er nicht und verteilte es immer wieder an die Armen. Er sagte: „Früher waren der Schatz der Kirche die Armen und die Elenden, jetzt mag das Vermögen des Bischof gleicher Art sein. Ein Bischof darf nicht von sich aus über Kirchengelder zur Hilfe der Bedürftigen verfügen. Aber was ich habe, das soll Eigentum der Armen sein. Ihre Gebete haben
Kraft. Auf ihre Gebete und Wohltaten hin erbarmt sich Gott unser, nährt uns und schickt uns das Nötige im Überfluss.»
Almosen reinigen uns von den Sünden, baut uns ewige Wohnungen in den Himmeln, schenkt uns unvergängli­che Schätze, ja bringt uns Gott nahe. Der heilige Chrysostomos rät: Wenn du in die Kirche gehst, dann wasche die Hände. Das heißt, gib Almosen. Es ist bes­ser, zu Lebzeiten sie zu geben als nach dem Tod. Wer wird sie dann für uns geben? Der Wladyka lehrte nicht nur so, sondern handelte auch so.
Vom Schlagen des Kreuzzeichens.
Als der Hochwürdige einem Gutsbesitzer die Predigt des hl. Chrysostomos über Gottesfurcht und das Recht des Schlagens des Kreuzes schenkte, bemerkte dieser unter anderem, daß jetzt eigentlich sowohl das Kreuz­zeichen als auch das Gebet vor und nach dem Mittages­sen außer Gebrauch komme. Schmerzlich berührt, ant­wortete der Erzbischof: Wie schade, daß die Menschen sich selbst mit dem unvernünftigen Vieh gleichstellen. Wie sollte man nicht zu Gott beten? Begabt mit Ver­nunft, fähig, die Wohltaten Gottes zu begreifen, sollten wir unbedingt das Gebet suchen auch zu Beginn der Tafel und danach. Im ersten Gebet sollte der Segen Gottes für die Speise erfleht werden, im zweiten für die Sättigung mit irdischen Gütern gedankt und gebeten werden, daß er Herr uns nicht die himmlischen Güter vorenthalte.

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Brüder, ein solcher Hohepriester war für uns in der Tat notwendig: einer, der heilig ist, unschuldig, makellos, abgesondert von den Sündern und erhöht über die Him­mel; einer, der es nicht Tag für Tag nötig hat, wie die Hohenpriester zuerst für die eigenen Sünden Opfer darzubringen und dann für die des Volkes; denn das hat er ein für allemal getan, als er sich selbst dargebracht hat. Das Gesetz nämlich macht Menschen zu Hohenpriestern, die der Schwachheit unterworfen sind; das Wort des Eides aber, der spä­ter als das Gesetz kam, setzt den Sohn ein, der auf ewig vollendet ist. Die Hauptsache dessen aber, was wir sagen wollen, ist: Wir haben einen Hohenpriester, er sich zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel gesetzt hat, als Diener des Heiligtums und des wah­ren Zeltes, das der Herr selbst aufgeschlagen hat, nicht etwa der Mensch.
(.’Apostellesung für einen hl ‘Bischof. Hebr. 7, 26-8,2)

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 Kommt, Völker, die dreipersönliche Gottheit laßt uns verehren, den Sohn in dem Vater, mit dem Heiligen Geist. Denn es zeugte zeitlos der Vater den gleichewigen, gleichthronenden Sohn. Und der Heilige Geist war in dem Vater, mit dem Sohne verherrlicht, eine einzige Macht, eine einzige Wesenheit, eine einzige Gottheit. Diese verehrend, sprechen wir alle: Heilig bist du, o Gott, der durch den Sohn unter dem Beistand des Heiligen Geistes das All geschaffen. Heilig, Starker, bist du, durch den wir den Vater erkannt und der Heilige Geist in der Welt erschien. Heilig, Unsterblicher, Tröster-Geist, der aus dem Vater hervorgeht und ruhet im Sohn. Heilige Dreiheit, Ehre sei dir.
(Idiomeion aus der Pfingstvesper, Übersetzung: P. Kilian Kirchhoff OFM)


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