Die Kathedrale

(©Exklusiv für die Website deutsch-orthodox.de)

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Endlich ist sie wieder eingeweiht. Die frisch renovierte Kathedrale ist bereit für das kirchliche Leben. Jetzt zelebriert man hier wieder Gottesdienste und zu Ostern ist der Jubelruf des Priesters zu hören: „Christus ist auferstanden!“.

Direkt vor der Kirche ist der Ankerplatz der lokalen Marineakademie. Hier trainieren Offiziere die junge Matrosen, sich ordentlich in Reih und Glied aufzustellen. An Feiertagen finden groß angelegte Paraden statt. Durch die neu gestalteten Parks und Alleen spazieren Bürger und Besucher, darunter auch Touristen aus dem Ausland, die die Schönheit und Erhabenheit der großen Kathedrale bewundern. Viele Fremdsprachen erklingen hier, besonders häufig Englisch, Deutsch und Französisch. Die Luft ist erfüllt vom Klicken der Fotoapparate. Heute ist es fast unvorstellbar, dass vor weniger als vier Jahren hier alles ganz anders aussah – und darüber möchte ich Ihnen ein wenig erzählen. So fing es an…

An einem der ersten Tage im August 2010 hat mich mein alter Schulfreund Boris angerufen und mir vorgeschlagen, an der Renovierung der Nikolaus-Marine-Kathedrale in Kronstadt teilzunehmen. Dazu muss ich sagen, dass ich zusammen mit ihm als gutem Freund schon in der Schulzeit, ab 1984, zu einigen Klöstern in der damaligen Sowjetunion pilgerte, wo wir manchmal für eine Weile blieben. Das Leben dort war ganz anders als außerhalb der Klostermauern. Wir lernten dort gläubige Menschen kennen und haben Gottes Segen von alten Mönchen und Starzen bekommen, über die jetzt Legenden entstehen und Bücher geschrieben werden. Etwas später, schon in den neunziger Jahren, als der sowjetischer Staat wieder anfing sich Russland zu nennen und das Verhältnis zur Kirche in der Gesellschaft sich grundsätzlich änderte, fingen wir an, bei der Instandsetzung von Kirchen und Klöstern zu helfen, die schon der Vergessenheit anheim gefallen waren. Es waren die Heiligtümer Russlands, der Baltischen Länder und der Ukraine. Darunter sehr bekannte Stätten wie zum Beispiel das Kloster “Optina Pustin“, das zur sowjetischen Zeit als Berufsschule genutzt wurde (was übrigens nicht das schlimmste Schicksal für ein Kloster war, viele andere wurden zu Lagern oder Gefängnisse umgewandelt). Jetzt gehörten sie wieder der orthodoxen Kirche. Wir arbeiteten beim Wiederaufbau nicht für Geld, das die Kirche zu jenen Zeiten ohnehin kaum hatte, sondern zur Ehre Gottes. Unser Interesse war, die Ideen des Glaubens zu verwirklichen und die Gotteshäuser, welche die bolschewistischen «Scheußlichkeiten der Verwüstung» überstanden hatten, zu neuem Leben zu erwecken. Wir waren überzeugt, dass wir mit unserer Arbeit nicht nur Ziegelsteine aufeinander türmten, sondern Russland seine Geistigkeit, seine Geschichte wieder zurückgaben. Damals änderte sich vieles in diesem Land. Auf einmal konnte man den christlichen Glauben wieder öffentlich bekennen und niemand lachte darüber – keiner wagte es mehr, mit der Irrenanstalt zu drohen. Die Lehrer in der Schule hatten aufgehört, uns mit der toten roten Ideologie voll zu stopfen, schließlich sind sie selbst irgendwohin verschwunden und haben sich in Rauch aufgelöst. Mit einem Wort – nun war Freiheit! Wir wanderten von Kloster zu Kloster, blieben dort ein oder zwei Wochen um zu leben, zu beten und zusammen mit anderen Pilgern und Wanderern zu helfen, die Kirchen zu restaurieren, um das neue Heilige Russland wiederherzustellen… Nach einiger Zeit sind bei jedem von uns Veränderungen im Leben eingetreten, die Pilgerreisen sind weniger geworden und allmählich bei einem Minimum angelangt. Dazu haben sich diese oder jene Sorgen eingestellt – und so sind die Jahre vergangen…

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     Kathedrale vor der Restaurierung

  Natürlich freute ich mich, als Boris sich nach langer Zeit am Telefon meldete, besonders weil er mich einlud, an der Restaurierung der riesigen Kathedrale von Kronstadt teilzunehmen. In meiner Seele wurde ein halbvergessenes Gefühl wieder erweckt, das mich sofort packte und innerlich aufwühlte – die Erinnerung an die physische Gemeinschaft mit einem Heiligtum war sofort wieder lebendig. Es ist, als wenn du mit bloßen Händen ein Geschenk vom Himmel erhältst, oder wenn ein Traum aus der Jugend neu erwacht, Wirklichkeit wird und tatsächlich Gestalt annimmt. Allerdings muss man auch sehen, dass die Teilnahme an solchen Projekten nicht nur Freude, sondern auch eine große Verantwortung bedeutet. Die physische und psychische Herausforderung war groß, schließlich handelte es sich nicht um Unterstützung für irgendeine Kirche, die man mit einem einfachen Dankeschön quittieren konnte. Nein, es ging um anspruchsvolle Restaurierungsarbeiten an der zweitgrößten Kathedrale Russlands… Ich fing aber nicht an, das Für und Wider zu erwägen, die Vor- und Nachteile zu kalkulieren. Im Gegenteil: ohne nachzudenken, habe ich zugestimmt.

  An jenem Tag bin ich früher als gewöhnlich zu Bett gegangen. Doch ich wälzte mich bis vier Uhr morgens hin und her, alles wieder und wieder durchdenkend – bis zum Morgengrauen gefangen von sich plötzlich aufdrängenden Überlegungen und Erinnerungen. Als ich endlich in oberflächlichen Schlummer gefallen war, drang das erbarmungslose Alarmsignal des Weckers an mein erschöpftes Gehirn, das sich aber hartnäckig weigerte, es als Aufforderung zum Aufwachen zu akzeptieren, sondern stattdessen aus der Melodie des Alarms eine Phantasie scheinbar logischer Bilder ersponn, von denen ich mich kaum losreißen konnte. Wahrscheinlich war es mein Schutzengel, der mir geholfen hat, diese Versuchung zu überwinden. Zuletzt wurde ich aus der festen Umklammerung des Schlafes gerissen und machte mich schnell auf den Weg.

      Die Kathedrale mit dem Baugerüst

   Noch vor etwa zehn Jahren konnte man Kronstadt nur mit Sondergenehmigung und per Schiff übers Wasser erreichen, da es sich um eine abgeriegelte Militärstadt handelte. Dort war ein Stützpunkt der baltischen Flotte. Glücklicherweise ist das heute ganz anders. Diese sinnlosen Verbote wurden wahrscheinlich nicht zuletzt deshalb aufgehoben, weil durch die Entwicklung der Internettechnologie mittlerweile jeder Schüler bis in den letzten Winkel der Insel sehen kann. Auf dem viele Kilometer langen Damm zwischen Kronstadt und St. Petersburg, der die Stadt vor jährlichen Überschwemmungen schützt, fahren jetzt Linienbusse und Taxis. Nach etwa einer Stunde Fahrt waren wir so zur Nikolskij-Kathedrale gelangt, bei deren Renovierung wir mitarbeiten wollten. Unter den Kommunisten war dieses Gotteshaus ein Tanzclub oder ein Kino gewesen. Jetzt sah es alt aus, geschunden und verfallen. An den Wänden befanden sich noch Kritzeleien aus dieser Zeit, “Wassilij + Katja = Freundschaft auf ewig” und so weiter. Doch selbst im entweihten Zustand, verunreinigt und ruinös, beeindruckte die Kathedrale durch ihre Größe und hatte viel von ihrer Ehrwürdigkeit bewahrt. Schon vor meiner Ankunft war das Gebäude teilweise eingerüstet und mit einem blauen Bauzaun umgeben worden. Ebenso war ein kleines Baulager errichtet worden, aus dem Bauarbeiter in dunkelblauer Arbeitskleidung zum Portal der Kirche strömten. Fast alle hatten orangefarbene Helme auf dem Kopf, nur wenige die weißen, mit denen sich die Chefs und die technische Aufsicht von den einfachen Arbeitern unterschieden.

 Kapitel 2

Noch unterwegs nach Kronstadt stellte mich Boris unserem Brigadier vor, mit dem wir zufällig im gleichen Bus fuhren. Sergej begrüßte mich müde aber freundlich. Er galt als einer der besten Spezialisten unter St. Petersburgs Restauratoren der jungen Generation. Diese waren zwischen dreißig und vierzig Jahre alt und verwendeten die neueste Spitzentechnologie. Später habe ich gelernt, dass sie trotz der modernen Bauverfahren tief in der Tradition ihrer Vorfahren verwurzelt waren. Von mittlerem Wuchs, mit hoher Stirn und seinen lebendigen, klugen Augen strahlte Sergej sofort Kompetenz als Restaurator und Organisationstalent aus.

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     eine Mosaik-Ikone mit  Spuren vom Krieg

  Der Morgen auf der Baustelle, diesem Projekt von föderaler Bedeutung, begann pünktlich um 8.45 Uhr mit der Versammlung aller beteiligten Brigaden. Außer uns Restauratoren waren viele andere Berufe hier vertreten: Maurer und Vergolder, Tischler und Schweißer… Insgesamt etwa zweihundert Menschen. (Später, als die Außenwände und das Fundament wieder hergestellt wurden, waren es bis zu achthundert an der Zahl.) Nach Brigaden angeordnet, standen alle in dichten Reihen vor dem Haupteingang der Kathedrale. Jetzt wurden die Vorschriften zur Arbeitssicherheit verlesen und den einzelnen Brigaden Anweisungen erteilt. Für unsere Brigade gab es jedoch keine Anweisungen, denn von unserer Arbeit als Kupfer- und Metalldekor-Restauratoren hingen fast alle übrigen Arbeiten ab. So hatten wir selbst zu entscheiden, was zu tun war. Sergej war der Kopf der technischen Fachkräfte für das Projekt.

 Die Kathedrale hat eine Höhe von 72 Metern – das entspricht etwa einem 24-stöckigen Haus!  Die Kuppel allein ist 20 Meter hoch und 27 Meter im Durchmesser. Sie besteht aus feinem, 1.5  Millimeter starkem Kupfer, mit einer Schicht aus Smaragdkristall von Kupfersulfat. Mit der Zeit und durch Reste einer Schutzschicht ist sie geschwärzt (während des Krieges wurde die Kuppel aus Sicherheitsgründen gefärbt). Die Kuppel war gleichzeitig brüchig und unglaublich schwer mit Löchern von Bombensplittern und Patronendurchschüssen aus dem Zweiten Weltkrieg versehrt. Auch gab es ein Ornament aus zerlegbaren, drei Meter großen Kupfer-Ankern, Ringen und Seilen, die vom Boden aus gesehen so schwerelos und elegant schienen… Irgendwann fing ich an, daran zu zweifeln, ob wir es schaffen konnten, mit solch einem Riesen zurechtzukommen…

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       die konvexen «Äpfel» (Eier)

   Unsere erste Aufgabe war die Wiederherstellung der Hauptkuppel, ausgehend von der Spitze. Beim Kreuz angefangen, das in eine Befestigung eingebaut war, die die Form von geöffneten Lilien-Blättern hat, über konvexe Äpfel, deren Hälften eher riesigen Dinosaurier-Eiern ähnelten als Äpfeln (weswegen wir sie Eier nannten), und noch tiefer nach unten bis zu den in die Kuppelbeschichtung genieteten weiteren Ornamenten aus kupfernen Marineseilen. Über diese Seile könnte man ganze Bücher füllen. Zum Beispiel darüber, wie wir im halbliegenden Zustand mit zwei Brecheisen arbeiteten, mit deren Hilfe einer den unteren Teil des Seils anhob, und der andere den hundertjährigen Schmutz hervorholte, der zu steinharten, dichten Klumpen zusammengepresst war. Oder darüber, wie oft uns eines der Brecheisen aus den schweißnassen Händen gerutscht ist und nach unten, ganze 70 Meter in die Tiefe, fiel. Kalter, eiskalter Schweiß brach bei uns aus, denn es bestand akute Todesgefahr für diejenigen, die in diesem Moment unten arbeiteten. Und gleichzeitig gerieten wir ins Schwitzen, weil uns klar war, dass wir wieder vom Baugerüst hinuntersteigen und nach unten gehen mussten, um das Brecheisen zu holen. Auf dem Fußboden der Kirche angekommen mussten wir danach in allen Himmelsrichtungen suchen, in der Hoffnung, nicht über eine frische Leiche zu stolpern.

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    Der «Trommel» vor der Restaurierung

   Bald haben wir gelernt, die Werkzeuge an der Kleidung zu befestigen, und schon konnten weder der Schraubenzieher, noch der Schraubenschlüssel frei durch die Baustelle fliegen. Aber das alles waren natürlich nur Kleinigkeiten, weil zu jeder Zeit wir selbst wie Schraubenzieher oder Brecheisen hinunterfliegen konnten, da wir keine Sicherheitsgurte oder ähnliches zur Absturzsicherung trugen. Wir waren einfach gekommen, die Kathedrale wieder aufzubauen, und nicht, um über die Gefahr und die Schwere dieser Aufgabe nachzudenken – wir waren für alle Gefahren bereit.

  Und wir bemühten uns nach Kräften! Eines Tages mussten wir mit chemischer Flüssigkeit das Oberteil der Kuppel und die Seile säubern. Gesagt, getan! Schon hoben wir die mit Säure gefüllten Kanister nach oben. Auf die alten Schweißnähte und die ebenen Flächen wurde die ätzende, giftige, alles außer Kupfer verbrennende Substanz aufgetragen. Als wir damit fast fertig waren, kam die Hilfsbrigade und zog Schläuche mit Wasser für die Neutralisation der Säure nach oben. Uns wurde gesagt, dass im Falle von Hautätzungen, diese sofort mit in Eimern befindlichem Alkali gelöscht werden mussten, weil sogar die geringsten Spritzer der Säure auf der Haut schmerzhafte, schwarze, nur langsam heilende Verletzungsspuren hinterlassen. Leider zu spät! Da hatten wir es alle schon mitbekommen. Besonders einer unserer Kollegen, mit Spitznamen “Fritz”, der ein paar Tage zuvor versehentlich auf der mit Säure bewässerten Kuppel saß, um sich auszuruhen … und dann, später im Umkleideraum, mit schmerzlicher Verwirrung im Gesicht, beim Ausziehen der Hosen einen bedeutenden Teil der Haut von seinem Gesäß abgezogen hatte. Das war uns eine Warnung… Obwohl Fritz seine Leiden möglicher Weise verdient hatte, weil er zu faul war, von der Kuppel zur Toilette herabzusteigen, sondern sich ins Leere Geschirr erleichterte – die Flaschen und Kanister waren noch lange Zeit in der ganzen Kuppel zu finden. Der Wiederaufbau einer Kirche ist keine gewöhnliche Bauarbeit, hier darf man nicht ungestraft sündigen und sein Geschäft irgendwohin machen, stehlen oder über irgendein Problem fluchen – alles kehrt wie ein Bumerang zurück.

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              Die alte Leite

  Damals herrschte eine seltene Hitze. Aber was bedeuten für Helden Schwierigkeiten und Versuchungen? Ganz normale Arbeit! Die Arbeit mit Säure dauerte etwa zwei Wochen. Den ätzenden, säurehaltigen Schmutz, der reichlich mit salzigem Schweiß begossen wurde, haben wir zuerst in die Behälter gefüllt und dann zum Fußboden heruntergelassen. Nach Abschluss dieser Höllenarbeit haben wir manuell mit Schleifmaschinen das alte Kupfer des Kuppel-Oberteiles poliert. Die Anker wurden entfernt und zur Restaurierung geschickt, die Reste des Kupfers im unteren Teil der Kuppel abgeschält. Ein Team von Zimmerleuten hat den verrotteten Teil des Dachstuhls abgerissen und sorgfältig neue, nach Kiefer duftende Balken verlegt. Etappenweise ging die Vorbereitung des unteren Teiles für die neue Kupferbeschichtung voran.

   Wir mussten mehrmals am Tag zu Fuß zum Arbeitsplatz hinauf- und wieder herabsteigen. (Der Aufzug war nur für die Bosse und Fracht vorgesehen.) Man konnte uns mit Bergsteigern vergleichen. Zu den beiden unteren Etagen der Kathedrale gelangten wir auf breiten Marmortreppen. Dann mussten wir, einer hinter dem anderen, eine schmale und steile Treppe weiter hochstiegen, die hoch zu den Chören führte. Noch höher kletterten wir, gebückt und alle Augenblicke mit dem Helm anstoßend, über eine rostige Wendeltreppe in die Kuppel und endlich auf einem Holzgerüst nach oben, bis zum Kreuz. Die Innenseite des Holzgerüsts rund um die Kuppel war mit Folie bespannt, in die wie Schießscharten kleine Fensterchen geschnitten waren. Hier konnte man wieder Atem schöpfen und den Blick nach unten genießen. Von hier oben sahen die Menschen klein wie Insekten aus und die Insel selbst wie auf einer ausgestreckten Handfläche liegend. Man konnte von innen die ganze Kuppel abschreiten und von verschiedenen Seiten herausschauen. Von jeder Stelle war die kleine Grundfläche des Städtchens zu sehen und dahinter der finnische Golf. Den Ausblick lange zu genießen, war verboten, um keine Zeit zu verlieren. Vor allem, wenn es Probleme mit dem Aufzug gab, musste man zusätzlich noch die Instrumente, die Leitung, die Lampen usw. hochtragen. In so einem Fall war jeder von uns ordentlich beladen und der ganze Weg, der zwischen 15 und 20 Minuten dauerte, glich wirklich mehr der Eroberung eines Gipfels durch Bergsteiger, als der Arbeit von Restauratoren.

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     Aussicht auf den finnischen Golf

   Nach der Reinigung des Kuppel-Oberteiles, des Kreuzes, der Lilien und der Äpfel, nach der Überholung des ganzen Eisens im Inneren des Kuppelraumes durch Reinigung und Rostschutz-Lackierung mit Mennige, begannen wir mit der Herstellung und Installation von kupfernen Klappflügeln (für die Nutzung von ausziehbaren Balken, für den Fall, dass etwas außen zu restaurieren ist). Ich war mit der vollständigen Markierung betraut, Boris formte mit einer speziellen Maschine Kupfer, den andere schnitten und nieteten. Ich erinnere mich gut an den Tag, als die abschließende Nut des letzten der insgesamt 32 Klappflügel an ihre Stelle kam. Diese Arbeit war in der Tat eine kleine Heldentat unserer Brigade. Die folgenden Aufgaben erledigten sich reibungslos. Zum Beispiel die Verlegung von Kupferkabeln rund um die Kuppel herum, um die Kathedrale vor Blitzschlag zu schützen – von unten unsichtbar, aber von oben betrachtet, waren es hunderte Meter verlegter und fixierter Kupferdraht, jeder so dick wie ein Finger. Oder die Anlage für die Wiederherstellung der abgenommenen Anker. Hier ist uns, Gott sei Dank, eine Brigade aus Weißrussland zu Hilfe gekommen. Die Burschen arbeiteten schnell. Wir haben erleichtert ausgepustet, denn es war für jeden Anker (und es waren 16) notwendig, diesen nicht nur aufzuhängen, sondern auch mit Dichtschrauben, die in 224 eigens gebohrte Löcher geschoben und von der Innenseite der Kuppel fest mit Schraubenmuttern angezogen wurden, zu befestigen.

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Die Ankerteile noch am Boden

  Es war ein schwieriger Vorgang, mit der Hälfte des Körpers in der Luft hängend, so gut es ging balancierend, nur nach Funkanweisung und durch Anklopfen die richtigen Stellen für die richtigen Schrauben zu finden. 20 Meter über Abgrund. Dabei interessierten unsere Schwierigkeiten niemanden. Die Arbeit musste man immer pünktlich abgeschlossen haben, damit die nachfolgenden Arbeiten wie die Beschichtung mit Bleimennige, mit Lack und mit Gold, ohne Verzögerung folgen konnten. Deshalb haben wir uns über die Weißrussen gefreut, die sich, wie auch wir, aus Leibeskräften mühten. Als die letzte Schraubenmutter zugedreht war, haben wir dieses Ereignis mit Hurra-Geschrei gefeiert! So ist ein halbes Jahr unmerklich vergangen, und auf der Insel  ist der Winter eingezogen.

Kapitel 3

   Ich schreibe die ganze Zeit «wir». Wir – das ist unsere Brigade, unser Team. Anfangs bestand sie aus 5 Menschen und wurde von führenden Experten der “Russischen” und “Kriegsmarine” Museen, die viel Projekt-Erfahrung mitbrachten, geleitet. Dazu kamen wir, mein Schulfreund Boris und ich, und ein paar Helfer im Teenager-Alter. Einer von ihnen hat mit der Restaurierung und Vergoldung in anderen Museen von St. Petersburg weitergemacht und arbeitet jetzt als Selbständiger.

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          Brigade aus Weißrussland

   Ab und zu musste ich auch einige andere Aufträge erfüllen, die nicht direkt mit der Restauration zu tun hatten. Zum Beispiel übernahm ich wegen meiner Sprachkenntnisse die Bestellung benötigter Materialien aus Deutschland (zum Beispiel 10 Tonnen Gips in besonderer Qualität für den Altar) sowie mit Informatik verbundene Aufgaben, wie etwa Webseiten erstellen oder einfach kaputte Computer reparieren. Im Laufe der Zeit änderte sich die Zusammensetzung unserer Brigade ein wenig, einige hielten die Anstrengungen nicht aus (die physischen Belastungen bis zu 10 Stunden am Tag, der Weg von St. Petersburg nach Kronstadt und zurück), andere bekamen neue, vorteilhaftere Aufträge. An ihre Stelle traten neue Leute. Interessant ist, dass immer gerade diejenigen kamen, die für die Kathedrale zu diesem Zeitpunkt am meisten nötig und nützlich waren. Für mich war klar, dass dies durch den Segen und die Gebete des Heiligen Johannes von Kronstadt geschah. Die Anwesenheit des Heiligen Vaters und anderer himmlischer Kräfte empfand ich oft in der geistigen Freude sehr deutlich, die man von der Arbeit bekam – wenn die Freude die Seele in außergewöhnlich intensiver Weise erhob. Und einige Male durch ihren übernatürlichen Schutz. Einmal arbeitete ich in dem Raum unter der Kuppel, auf mehr als 20 Meter Höhe, ohne Absicherung, weil diese die Arbeit zu sehr bremste. Ich prüfte die Stabilität der Befestigung des Dekoroberteiles und hatte darüber jede Gefahr vergessen. Mein Bein hing buchstäblich schon über dem Abgrund, aber im letzten Augenblick, als ob jemand Unsichtbares mich über die Gefahr, in die Tiefe abzustürzen informiert hätte, ist nichts geschehen.

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     Das innere der Kuppel

  

Wahrscheinlich kann jeder Ähnliches von seinen Arbeiten in dieser Kirche erzählen. In mehr als zwei Jahren passierte es nur zwei Mal, dass ein Arbeiter einige Meter tief abstürzte, und beide kamen mit dem Leben davon. Klar, es kam zu Verletzungen durch Unbedachtsamkeit und Nichtbefolgung der Sicherheitsregeln. Zum Beispiel kam es häufig durch die gefährliche Vermengung von Mennige mit Kupferstaub zu bis zum Erbrechen qualvollen Vergiftungen, oder es tropfte Alkali ins Auge und verursachte Ätzungen, so dass der Verletzte nur noch dichten Nebel sah. Oder es war einfach die Müdigkeit, von der man stehend einschläft… Allerdings wäre vieles davon nicht passiert, wenn wir die Schutzbrillen und Respiratoren benutzt hätten.

   Allmählich erlangte die Kuppel ihr ursprüngliches Aussehen zurück, die Vergoldung funkelte in der Sonne, und zum ersten Mal habe ich so etwas wie persönlichen Stolz für die getane Arbeit empfunden. Eine Maurer-Brigade aus der Ukraine stellte zu dieser Zeit das Ziegelmauerwerk der Kathedrale wieder her, und auf unsere Brigade wartete eine neue Aufgabe, und wie sich herausstellte – eine wirklich heldenhafte.

   Es war die Wiederherstellung des Bronze-Dekors auf den Glockentürmen. Aufgrund der knappen Zeitvorgaben der von Moskau aus bestimmten Arbeitsplänen, war es nicht möglich, vor Beginn der Arbeiten auf die Installation von Heißluftkanonen und die Verkleidung des Gerüstes mit Folien zu warten. Die ersten Tage mussten wir bei 30 Grad Kälte und eisigen Winden arbeiteten, die schon unten die Insel mächtig durchpusteten, aber auf der Höhe von 50 Meter vollkommen unbarmherzig bliesen. Halb übergebeugt kämpften wir mit der Schleifmaschine gegen das hundertjährige Kupferoxid und gegen die Kälte. Unsere Hände und Gesichter wurden bedeckt von glühend stechendem Messing. Die kleinen Späne von den Kor-Bürsten flogen unsichtbar mit hoher Geschwindigkeit durch die Luft, sie drangen in alles ein, in die hölzernen Balken, die Schutzfolie, die Hände, manchmal sogar durch die von der glitschigen Säure aufgeweichten Schuhsohlen in die Fersen und weiter tief ins Fleisch. Aber, von der Arbeit hingerissen, bemerkten wir das alles fast gar nicht. Nur wenn etwas ganz Eigenartiges vorkam, zum Beispiel, wenn ein Span bei jemanden genau zwischen den Augenbrauen funkelte oder sein Ohrläppchen schmückte, so machten wir darüber sogar Witze und lachten.

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               nur eine kurze Pause…

  Dass die Fersen von dieser Arbeit auch in Mitleidenschaft gezogen wurden, habe ich eher zufällig erfahren müssen. Ein stumpfer Schmerz breitete sich im ganzen Bein aus, darum habe ich nicht sofort verstanden, warum es so schmerzhaft war, auf den wunden Fußsohlen zu gehen. Wie die Meerjungfrau aus dem Märchen humpelte ich zur Arbeit und zurück auf den Zehenspitzen. Nur nach einigen Tagen habe ich in der Badewanne sitzend in den Fersen diese seltsamen schwarzen Punkte bemerkt. Dahinter verbargen sich die Schmerzen verursachenden, anderthalb Zentimeter langen, kleine Späne – eben jene Messingspäne. Vielleicht werden mir in der besseren Welt zumindest einige Sünden für diese Qualen vergeben …

     Zum Glück gelang es Boris und mir, gleich zu Anfang der Arbeiten auf der Insel eine anständige Zweizimmerwohnung zu mieten. Deshalb mussten wir uns nicht auch noch zwei Stunden im kleinen Bus von St. Petersburg bis nach Kronstadt und zurück durchschütteln lassen. Wir kamen nach Hause, tranken ein Bier oder ein Glas Wodka (um den Körper von Schadstoffen zu entgiften) und stürzten todmüde in den Schlaf. Doch am nächsten Tag erwarteten uns neue Heldentaten. Und ohne dass wir es uns versahen, war aus dem gerne geäußerten Scherz, dass wir nicht nur hier arbeiten, sondern lebten, Wirklichkeit geworden.

   Leider bin ich bald krank geworden. Es war minus 30 Grad und es blies ein eisiger Wind durch Kronstadt. Wir wurden aufgefordert, für die Restaurierung die schweren Eisentüren der Kathedrale abzunehmen. Diese waren etwa vier Meter hoch und mit zwei großen Fischen verziert, aus deren Mündern gewaltige Ringe herabhingen. Die Türen waren ziemlich gut erhalten geblieben, benötigten aber noch eine gewisse Aufarbeitung. Sie waren furchtbar schwer. Von der Anstrengung strömte mir der Schweiß über den Rücken, die Finger versteiften vor Kälte. Am Abend hat mir sogar der sonst immer heilsame Kognak mit Honig nicht geholfen. Am Morgen konnte ich dann einfach nicht aufstehen.

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  Eine von schweren Eisentüren

   Kapitel 4

Bilaterale Lungenentzündung – das war der Befund des Arztes. Was mich ein wenig getröstet hat: kaum dass die Ärzte erkannten, dass ich ihre Kathedrale restaurierte, haben sie mich sofort ins Krankenhaus eingewiesen, und für die Behandlung keinen einzigen Cent genommen. Sie sorgten für mich mit erkennbarer Achtung und betontem Respekt. Viele der Mitarbeiter hatten das Bedürfnis, mir zu erzählen, wie viel für ihre Stadt die Wiederherstellung der Kathedrale bedeutet. Gleichzeitig fürchteten sie, dass der Zustrom von Touristen das Leben auf der kleinen Insel verändern könnte. Das gelbe, zweigeschossige Krankenhausgebäude befand sich unweit der Kathedrale. Aus einem Fenster im Speisesaal war ein Teil ihrer Kuppel zu sehen. Ich konnte von dort beobachten, wie sich die Bauarbeiter wie winzige Insekten über die Gerüste bewegten. Nach drei langen Wochen der erzwungenen Erholungspause wurde ich bei einsetzendem Tauwetter aus dem Krankenhaus entlassen und meldete mich unverzüglich zum Dienst zurück.

Ein wenig später, als der Frühling schon in vollem Gange war, begann unser Team die Wiederherstellung der Fenster, deren es in der Kathedrale, nebenbei bemerkt, etwa 200 gab. Jedes von ihnen bestand aus externen und internen Blöcken, die wiederum aus 4 Teilen hergestellt wurden. Zahlreiche innere Blöcke waren noch zu sowjetischer Zeit mit dem Rahmen grob verschweißt worden. Äußerlich waren fast alle verrostet. Wir rissen sie unbarmherzig aus den Wänden heraus, mit Hilfe von Schleifmaschinen und Perforatoren, die wir miteinander tauschten, wenn es nötig war – wie ein Chirurg sein OP-Besteck. Dann markierten wir die Fensterteile mit einem nummerierten Klebeband und trugen sie über die wackelige Leiter des Baugerüsts in die Werkstatt, von der Spitze der Kathedrale nach unten, von Stockwerk zu Stockwerk. Mit bloßen Händen schleppten wir die schweren, hundertjährigen Monster mit zerbrochenen Fensterscheiben, jedes 50-60 Kilogramm schwer, zur Restaurierung.

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     Abbau der Baugerüste

  Als der Ausbau der Fenster aller vier Stockwerke endlich erledigt war, und eine große Menge Metall auf unseren Schultern in die Werkstatt umgesiedelt worden war, wurde uns allen plötzlich klar, dass ein bedeutender Teil der Markierungen durcheinander geraten oder beim Transport verloren gegangen war. Zwei Räume, die uns unweit der Kathedrale als Werkstatt zur Verfügung standen, waren vollständig mit den Fenstern verstopft. Jetzt stand uns bevor, sie von den zahlreichen Schichten alter Farbe zu säubern, von neuem anzustreichen und an ihren ursprünglichen Orten wieder einzusetzen. Aber, der Reihe nach … zuerst musste sortiert werden. Zu diesem Zeitpunkt war unser Chef, der Brigadier, zur Wiederherstellung des «Solowezki Klosters» abgeordnet, und so haben wir alle Anweisungen nur per Telefon erhalten. Als er mich bat, das Problem mit den Fenstern in meine Hände zu nehmen und sie in die richtige Ordnung zu bringen, war ich ein wenig geschockt. Zwei erfahrene Kameraden von unserem Team waren zuvor schon nicht in der Lage gewesen, diese Aufgabe zu bewältigen.

   Stellen Sie sich mehrere hundert der schwersten Eisenrahme vor, von denen jeder vor über 100 Jahren hergestellt wurde, individuell, nicht am Fließband, wie es heutzutage wäre. Na ja, genau das hat mir gerade geholfen. Ich bin nämlich auf die Idee gekommen, durch die kleinsten Unterschiede, manchmal Löchern, manchmal Abschnitten, die Zugehörigkeit der Einzelteile zu einem bestimmten Rahmen festzustellen, und die noch fehlenden Teile Stück für Stück aus dem Haufen auszusuchen. Nachdem die zueinander passenden Fenster gesammelt wären, konnte man theoretisch anhand der teilweise erhaltenen Kennzeichnungen versuchen, sie zu identifizieren.

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  Der Glockenturm von oben

   So haben Boris und ich das gemeistert. Jener bald lachend, bald schimpfend, legten wir jedes dieser hundertfachen Stücke zurecht, vermaßen und ordneten es. Unermüdlich, bis nach und nach, jeden Tag ein wenig mehr, das Chaos allmählich in ordentliche Fensterreihen überführt wurde. Zuerst für die vierte und die dritte, dann für zweite und erste Etage. Parallel unseren Fortschritten begannen unsere Kollegen die Reinigung der Rahmen mit Säure und Schleifmaschinen. Schließlich erfolgte der Anstrich. Ihn machten wir nachts in der leeren Kathedrale (am Tag war es wegen der großen Menge des Staubs in der Luft unmöglich), unter der Beleuchtung von ein paar Bau-Strahlern. Es war still, sehr still. Das kleinste Geräusch erwachte zum Leben und hallte durch den Raum, manches Echo klang unzufrieden wie das Knurren eines gestörten Tiers… Seltsam, richtig mystisch kam mir da die Kathedrale vor. Wir waren nur zu dritt in dem riesigen Kirchenaustritt, Boris, Alexander Iwanovitsch,  der Vergolder- Meister, und ich. Alexander war fast 2 Meter groß, etwa sechzig Jahre alt, mit weißem, kurzen Bart wie ein Kapitän. Er war ein echter und in seinem Fach bekannter Profi. Damals hatte die Frau von Alexander Iwanovitsch gerade ein Baby bekommen, deswegen fühlte er sich besonders glücklich und arbeitete wie ein Tiger die ganze Nacht ohne einzige Pause. Mit einer Farbspritzpistole lackierte er die Rahmen. Ich schaffte es mit Boris zusammen nur mühsam, sie rechtzeitig umzudrehen,  zum Trockner zu tragen und den nächsten zu holen. Schließlich stellten wir die frisch gefärbten, getrockneten Rahmen der Reihe nach vor den richtigen Fenstern ab. Und gingen schließlich um etwa 6 Uhr morgens, sehr müde aber zufrieden, durch die riesige, noch schlafende Kathedrale nach Hause. Die Vögel sangen, die Sonne stieg am Himmel auf und wir fielen wie betäubt in tiefsten Schlaf.

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 das Anschließen der Beleuchtung

    Diese Arbeit dauerte etwa eine Woche, danach folgte die Montage. Etage für Etage, von der Spitze der Kathedrale nach unten. Und das unter dem ständigen Druck der Leitung, uns zu beeilen. Es war für die Leitung notwendig, die Baugerüste vor der Ankunft der Kommission zu entfernen. Kaum hatten wir es geschafft, die Fenster wieder einzuhängen, wurden die Gerüste sofort abgebaut. Danach war es unmöglich, Fehler zu korrigieren. Fehler durften einfach nicht passieren.

    Die letzte Arbeit, an der ich teilgenommen habe, war das Anschließen der Beleuchtung in der so genannten Trommel des Oberteiles der Kathedrale. Mehr als 220 Lampen über drei Leitungen mit der Netzspannung zu verbinden, war nach den vorangegangenen Aufgaben für mich eine wahre Freude. Ich saß ruhig im Warmen, drehte die Leitungen zusammen und sprach leise Gebete vor mich her. „Herr Jesus Christus erbarme Dich meiner“ oder „Allheilige Gottesgebärerin, rette mich“. Ein kontemplatives Vergnügen…

19s    Alles hier Beschriebene ist aus der Perspektive eines Einzelnen aus einer bestimmten Brigade erzählt, deren es bei diesem Projekt dutzende gab. Wahrscheinlich hätten Vertreter anderer Brigaden, etwa Vergolder oder Maurer anderes berichtet. Ungeachtet der Unterschiede unserer Tätigkeiten, vereinte uns aber ein gemeinsames Ziel, auf das wir alle zustrebten.

Die Wiederherstellung der Kathedrale war in die letzte Phase eingetreten. Die gesamte Kirche war von Malern schön ausgemalt, von Steinmetzen poliert, von verschiedenen Künstlern geschmückt worden. Direkt unter uns brachte ein Vergolder-Team, das auf einem Hängegerüst arbeitete, die letzten Striche an (zu diesem Zeitpunkt waren alle bis dahin verbliebenen Gerüste bereits abgebaut). Unaufhaltsam näherte sich der Tag der Eröffnung der Kathedrale und mit ihm die Ankunft des Patriarchen und des Präsidenten. Alle beeilten sich, schnell und fehlerfrei.

20s   Und … endlich leuchteten die Lampen in ihren tulpenförmigen Abdeckungen auf, und beleuchteten die ganze Kirche mitsamt der Malereien und der Vergoldungen, und die Gesichter der Anwesenden erstrahlten; müde zwar, vor allem aber froh und glücklich darüber, so ein riesiges Werk vollendet zu haben. Da hat meine Seele aufgejubelt, so intensiv, dass mir spontan der Gedanke in den Kopf gekommen ist, einige freie Minuten zu finden und ein paar Zeilen darüber zu schreiben, um diese Freude mit anderen Menschen zu teilen. Menschen, denen es nicht egal ist, unter welchen Mühen die orthodoxen Kirchen wieder auferstehen. Und um allen für alles zu danken, den Arbeitern, den Restauratoren, der Leitung und den Spendern. Gott sei Dank!

…Und es bleibt eine große Freude, jetzt nach fast drei Jahren wieder die zur Heimat gewordene Kathedrale zu besuchen. Bewundernde Blicke von den Gesichtern der Touristen abzulesen. Langsam über den Ankerplatz zu spazieren.

Auf das goldene, blitzende Kreuz zu schauen und zu sehen, wie sich der Himmel in der Kuppel spiegelt. Sich auf eine Bank zu setzen und über die Kathedrale als ein Symbol des geistlichen Wiedererwachens Russlands nachzudenken. Über ihren Sinn und die Bedeutung für uns und unsere Nachkommen: die Stärkung des Glaubens aller orthodoxen Christen. Die große Kathedrale als ein kleines Teilchen des himmlischen Reiches in unserer sündhaften Welt zu empfinden, mit dem Segen des heiligen und gerechten Johannes von Kronstadt. Und wieder abzufahren aus seiner Stadt und vom Damm aus auf die Kathedrale zurück zu blicken. Und leise zu flüstern: „Erwähne, Herr, uns, die Erbauer dieser Kirche, in Deinem Königreich. Amen.“

  Autor: Alex von Kronschtadt 2014, die sprachliche Bearbeitung  -Georg Buß (Bilder: 1 von Baufirma «Baltstroj», die weitere aus eigener Sammlung) (©Beim Kopieren  um Erlaubnis zu fragen). Auf russisch ist hier erschienen. По русски опубликованно здесь…

Ein Video das abschließende Restaurierungsarbeiten zeigt 2011-2012

 


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