![]()
Diese Sammlung ist aus den Briefen des Ältesten Joseph des Hesychasten als eine aufeinanderfolgende Lektüre zusammengestellt. Aufgenommen sind nur jene Briefe, die den Beginn des geistlichen Lebens klar und einfach darlegen: den Kampf gegen die Gedanken, die Reue, das Gebet und die Aufmerksamkeit auf sich selbst. Briefe, die sich auf höhere Zustände beziehen oder einen eng persönlichen Charakter haben, sind bewusst ausgelassen, um Klarheit und Geschlossenheit der Lektüre zu bewahren.
Die Texte werden ungekürzt wiedergegeben, um die lebendige Stimme des Ältesten zu bewahren. Die Anordnung der Briefe ist so gewählt, dass zunächst gezeigt wird, womit das geistliche Leben beginnt und wie es sich weiter entfaltet und festigt.
Vorwort des Ältesten Ephrem von Philothei
Ich erinnere mich: Ich war neunzehn Jahre alt, als ich mich auf den Weg zum Garten der Gottesmutter auf dem Heiligen Berg machte. Auf diesen Weg zum Mönchsleben führte mich meine tugendhafte Mutter, die das Mönchsleben liebte und als Nonne den Namen Theofania trug.
In den ersten Jahren der Wirren der Besatzung[1], als ich wegen der Arbeit die Schule abgebrochen hatte, kam in eine der beiden altkalendarischen Kirchen[2] von Volos[3] als Gemeindepfarrer ein Hieromonach. Er gehörte zur Bruderschaft des Ältesten Joseph des Hesychasten, wie er ihn selbst nannte. Dieser Hieromonch wurde für mich damals ein wertvoller Ratgeber und Helfer auf meinem geistlichen Weg. Ich wählte ihn zu meinem geistlichen Vater, und dank seiner Gespräche und Ratschläge begann ich bald zu spüren, wie sich mein Herz von der Welt entfernte und zum Heiligen Berg hinstrebte. Wenn er mir vom Leben des Ältesten Josef erzählte, entfachte sich etwas Besonderes in mir, und mein Gebet und mein Wunsch, ihn so schnell wie möglich kennenzulernen, wurden immer leidenschaftlicher.
Als endlich die Zeit gekommen war, an einem wunderschönen Morgen, dem 26.September 1947, brachte uns ein kleines Schiffchen leise aus der Welt zum Heiligen Berg, sozusagen vom Ufer des vergänglichen Lebens zum gegenüberliegenden Ufer der Ewigkeit.
Am Anlegeplatz der Einsiedelei der Heiligen Anna erwartete uns der ehrwürdige Älteste Pater Arsenios.
- „Bist du nicht Yannakis aus Volos?“, fragte er
- „Ja, Ehrwürdiger“, sagte ich zu ihm, „aber woher kennen Sie mich?“
- „Der Älteste Josef hat es vom ehrbaren Vorläufer erfahren“, sagte er. „Er ist ihm gestern Abend erschienen und hat gesagt: ‚Ich sende dir ein Schaf. Nimm es in deinen Schafstall auf.‘“
Und meine Gedanken ruhten auf dem ehrbaren Vorläufer, meinem Schutzpatron, an dessen Festtag ich geboren wurde. Ich verspürte den starken Wunsch, ihm für diese Fürsorge für mich zu danken.
- „Nun, Yannakis, lass uns gehen“, sagte Pater Arsenius zu
- „Lass uns gehen, denn der Älteste wartet auf “
Wir standen auf. Welche Gefühle überkamen mich! Niemand hätte die Kraft, sie zu beschreiben.
An jenem Abend verneigte ich mich in der kleinen Kirche des Ehrwürdigen Vorläufers, die in das Innere einer Höhle gehauen war, und damit begann mein Noviziat. Dort, in jenem schwachen Licht, erkannte meine Seele das strahlende Antlitz meines heiligen Ältesten.
Sowohl körperlich als auch geistig war ich der Jüngste unter den Brüdern. Der Älteste Josef hingegen war einer der größten geistlichen Vorbilder des Heiligen Berges unserer Zeit. Ich blieb zwölf Jahre lang an seiner Seite und lernte zu seinen Füßen. So viele Jahre lebte er noch, nachdem ich ihn kennengelernt hatte. Gott hat mich dafür erwählt, ihm bis zu seinem letzten heiligen Atemzug zu dienen. Und er war wahrhaftig jeder Art von Dienst würdig für seine vielen geistlichen Werke, für seine heiligen Gebete, die zu unserem kostbaren geistlichen Erbe geworden sind. Ich lernte ihn als einen wahren Gottesträger kennen, als einen hervorragenden geistlichen Feldherrn, als einen äußerst erfahrenen Kämpfer im Kampf gegen die Leidenschaften und die Dämonen. Wenn jemand zu ihm kam, um bei ihm zu leben, so war es ihm, wie leidenschaftlich er auch sein mochte, unmöglich, nicht geheilt zu werden.
Der Älteste Josef war der Ansicht, dass für Mönche der christusnachahmende Gehorsam das Wichtigste sei. Für Laien hingegen, so sagte der Älteste, sei vor allem das kluge Gebet vorzuziehen, jedoch stets unter der Anleitung erfahrener Lehrer, denn er habe genug von verführten Menschen gesehen. „Hast du einen Menschen gesehen, der keinen Rat einholt oder Ratschläge nicht befolgt? Warte nur, bald wirst du ihn in der Verführung sehen“, sagte er uns oft.
Bei der Einhaltung unserer asketischen Regeln war der Älteste äußerst streng. Von ganzem Herzen liebte er das Fasten, die Nachtwache und das Gebet. Brot und Mahlzeiten – immer in Maßen. Und wenn er wusste, dass es Reste vom gestrigen oder vorgestern gab, aß er keine frisch zubereitete Speise. Uns jungen Menschen gegenüber zeigte er jedoch Nachsicht in Bezug auf die Ernährung. Da er bei uns so viele körperliche Schwächen sah, hielt er es für seine Pflicht, uns zu schonen. Doch seine ganze Nachsicht schien sich auf diese Toleranz zu beschränken. In allem anderen war er sehr anspruchsvoll – nicht, weil er nicht fähig war, Fehler zu vergeben oder Schwächen zu ertragen, sondern weil er wollte, dass wir alle seelischen und körperlichen Kräfte für die Tugend mobilisierten.
Denn er sagte: „Wenn wir Gott etwas nicht hingeben, damit Er es nutzen kann, wird es ein anderer nutzen. Deshalb gibt uns der Herr das Gebot, Ihn von ganzer Seele und von ganzem Herzen zu lieben, damit der Böse in uns keinen Platz und keine Zuflucht findet, wo er sich niederlassen könnte.“
Jede Nacht hielten wir Nachtwache. Das war unsere Regel. Der Älteste verlangte von uns, dass wir bis aufs Blut gegen den Schlaf und unreine Gedanken kämpften. Er selbst hielt Nachtwache in der Dunkelheit seiner Zelle, mit seinem unzertrennlichen Begleiter – dem unaufhörlichen geistlichen Gebet. Und obwohl er sich dort drinnen zurückzog, war es für uns offensichtlich: Er wusste, was draußen geschah – wie wir uns verhielten und ob wir vorankamen. Ein einziger Blick genügte ihm, um unsere Gedanken zu lesen. Und wenn er sah, dass wir geistliche Ermutigung brauchten, erzählte er von verschiedenen erstaunlichen Taten der Athos-Väter. Er war ein sehr geschickter Erzähler. Wenn er sprach, wollte man ihm endlos zuhören. Doch trotz seiner angeborenen Begabung als Erzähler schien er oft unzufrieden zu sein, wenn es um göttliche Erleuchtung und gnadenvolle Zustände ging, denn die Armut der menschlichen Sprache ließ ihn die Tiefe seiner Erfahrung nicht zum Ausdruck bringen. Er blieb gewissermaßen sprachlos, als befände er sich weit von uns entfernt, unfähig, über das zu sprechen, was sich auf dem völlig unbekannten, strahlenden, höchsten Gipfel der geheimen Worte befindet – dort, wo die einfachen und unumstößlichen, unveränderlichen und unaussprechlichen Geheimnisse der Theologie wohnen.
Mein Ältester hatte keine Theologie studiert, war jedoch ein sehr tiefgründiger Theologe. Er schreibt in einem seiner Briefe: „Ein wahrer Mönch ist ein Werk des Heiligen Geistes. Und wenn er in Gehorsam und Stille seine Sinne reinigt, sein Geist zur Ruhe kommt und sein Herz rein wird, dann empfängt er Gnade und die Erleuchtung der Erkenntnis. Er wird ganz Licht, ganz Geist, ganz Strahlglanz. Und er strömt Theologie aus, sodass, wenn drei mitschrieben, sie diesem Strom [der Gnade] nicht nachkommen könnten, der wellenförmig ausfließt, Frieden verbreitet und dem ganzen Leib die äußerste Unbeweglichkeit der Leidenschaften vermittelt. Das Herz entflammt vor göttlicher Liebe und ruft: „Halte fest, mein Jesus, die Wellen deiner Gnade, denn ich schmelze wie Wachs.“ Und tatsächlich schmilzt es, ohne [dies] ertragen zu können. Und der der Verstand wird von der Anschauung ergriffen. Und es geschieht eine Vereinigung. Und der Mensch wird verwandelt und wird eins mit Gott, so dass er sich selbst nicht mehr kennt oder [von Gott] trennt – wie Eisen im Feuer, wenn es glüht und dem Feuer gleich wird“.
Aus diesen Worten geht hervor, dass die göttliche Finsternis für ihn kein unbekannter und unzugänglicher Bereich war, sondern ihm als Geheimnis der Gegenwart Gottes bekannt wurde – als unaussprechliches, lichtvolles Geheimnis. Dies war möglich, weil mein Ältester zu beten vermochte. Oft, wenn er aus einem langen Herzensgebet hervorkam, sahen wir sein Gesicht verändert und still leuchtend. Es ist nicht verwunderlich, dass die Gnade, an der seine Seele Anteil hatte, bisweilen auch im Leib offenbar wurde. Im Übrigen stellt der Heiligenschein der Heiligen die Herrlichkeit der göttlichen Gnade dar, die in ihnen wirkt.
Die Reinheit des Ältesten war etwas Erstaunliches. Ich erinnere mich, dass es in seiner Zelle immer herrlich duftete, wenn ich abends dort eintrat. Ich spürte, wie der Duft seiner Gebete alles um ihn herum erfüllte und nicht nur unsere inneren, sondern auch unsere äußeren Sinne ansprach. Wenn er mit uns über die Reinheit von Seele und Körper sprach, führte er immer die Allheilige Gottesmutter als Beispiel an.
- „Ich kann euch nicht beschreiben“, sagte er, „wie sehr die Heilige Jungfrau Keuschheit und Reinheit liebt.“ Denn sie ist die einzige reine Jungfrau, und deshalb wünscht sie sich, dass wir alle so sind, und so liebt sie uns.
Und weiter sagte er:
- Es gibt kein anderes Opfer, das vor Gott wohlriechender ist als die Reinheit des Leibes, die durch Blut und erbitterten Kampf erworben wird.
Und er schloss mit den Worten: – Darum lasst uns unsere Seele und unseren Leib reinigen.
Wenn man vom Schweigen spricht, muss man sagen, dass der Älteste kein Wort ohne Not sprach. Und während der Fastenzeit hielten er und Pater Arsenius, wenn sie allein waren, vollständiges Schweigen. Sie sprachen nur nach der Vesper bis zum Abendmahl und schwiegen sonst die ganze Woche. Wir verständigten uns mit Gesten. Und da der Älteste erkannte, wie groß der Nutzen der Tugend des Schweigens ist, verbot er auch uns, untereinander zu sprechen. Nur im Falle äußerster Notwendigkeit erlaubte er uns, das Schweigen zu brechen. Wenn er einen von uns für einen Auftrag außerhalb unseres Hesychasteriums[4] entsandte, erlaubte er uns nicht, mit irgendjemandem zu sprechen. Ich erinnere mich, dass er mich bei meiner Rückkehr immer streng befragte, ob ich den Auftrag und das Schweigen voll und ganz eingehalten hatte. Für das Brechen des Schweigens mit zwei oder drei Worten betrug meine erste Buße zweihundert Verbeugungen.
Aber das Wichtigste war, dass dieser himmlische Mensch die Leidenschaften seiner Schüler mit solcher Meisterschaft zu heilen vermochte, dass sie allein durch seine Nähe verwandelt wurden. Doch nur wenige blieben bei ihm. Obwohl viele kamen. Bei ihm zu bleiben war nicht leicht. Insbesondere erzog mich seine väterliche Liebe so, dass es einigen, würden sie es hören, wohl unglaublich erscheinen würde. Zum Beispiel habe ich in den zwölf Jahren, die wir zusammen verbrachten, nur wenige Male meinen Namen aus seinem Mund vernommen. Um mich anzusprechen oder zu rufen, benutzte er alle möglichen Schimpfwörter und alle passenden Bezeichnungen. Doch wie viel Liebe steckte in diesen gekonnten Sticheleien, welch heiliges Ziel stand hinter diesem Geschimpfe! Und wie dankbar ist meine Seele heute für diese „chirurgischen“ Eingriffe seiner reinsten Sprache!
Wir blieben ziemlich lange in der Wüste. Doch aufgrund verschiedener Unglücksfälle erkrankten fast alle. Der Älteste erhielt im Gebet die Nachricht, dass wir tiefer hinabsteigen müssten, was wir auch taten. Dort war das Klima milder, die Arbeit gemäßigter, und wir erholten uns alle. Mit Ausnahme des Ältesten – er war sein ganzes Leben lang krank gewesen. Vielleicht lag es am Fasten, vielleicht an den Mühen der Nachtwachen, am Gebet bis zum Schweißausbruch oder auch am Wirken der Dämonen. Jedenfalls war er von all dem zu einer einzigen Wunde geworden.
Einmal fragte ich ihn:
- „Elder, warum fasten Sie auch jetzt, nach solcher Erschöpfung, noch so streng?“
Und er antwortete mir:
- Nun, mein Kind, ich werde beten, dass unser gütiger Gott euch Seine Gnade schenkt.
Doch trotz seiner körperlichen Leiden und Schmerzen verspürte er in sich eine solche Gnade und seelische Glückseligkeit, dass er, da es ihm schwerfiel, diese zu beschreiben, sagte: „Ich fühle mich, als wäre das Paradies in meiner Seele.“
Schließlich kam die Stunde seines Heimgangs. Sein ganzes Leben lang hatte er den Tod erwartet, denn sein Dasein hier war für ihn eine Heldentat, eine Mühe und ein Schmerz. Seine Seele sehnte sich nach Ruhe, und sein Körper ebenfalls. Obwohl er uns von Anfang an ein festes Bewusstsein für den Tod eingeprägt hatte, waren wir sehr beeindruckt davon, wie er sich mit dem schrecklichsten Geheimnis des Todes abgefunden hatte. Es schien, als bereite er sich auf ein Fest vor, so sehr verkündete ihm sein Gewissen die göttliche Gnade. Doch in den letzten Tagen begann er wieder mehr als sonst zu weinen. Pater Arsenius sprach, um ihn zu trösten:
- „Alter Mann, du hast dein ganzes Leben lang so viel gearbeitet, so viel gebetet, so viel geweint … Und jetzt weinst du wieder?“
Der Älteste sah ihn an und seufzte:
- Ach, Pater Arsenius, es ist wahr, was du gesagt hast, aber ich bin doch nur ein Mensch. Woher soll ich wissen, ob es meinem Gott gefallen hat, was ich getan habe? Er ist doch Gott und urteilt nicht so wie wir Menschen. Und werden wir denn noch einmal hierher zurückkehren, um zu weinen? Was jeder von uns jetzt noch schafft, das wird sein. So sehr er trauert und weint, so sehr wird er getröstet werden.
Seine Liebe zur Allerheiligsten Gottesmutter ist unbeschreiblich. Sobald er ihren Namen erwähnte, füllten sich seine Augen mit Tränen. Er hatte sie schon lange gebeten, ihn zur Ruhe zu holen. Und die Königin aller Königinnen erhörte ihn. Sie gab ihm einen Monat vor seinem Tod Bescheid. Da rief mich der Älteste zu sich und wies mich an, was wir vorbereiten müssten. Wir begannen zu warten.
Am Vorabend seines Ablebens, am 14. August 1959, besuchte Herr Schinas aus Volos den Ältesten. Sie kannten sich gut.
- „Wie geht es Ihnen, Alter Mann?“, fragte ihn „Wie steht es um Ihre Gesundheit?“
- Morgen, am August, breche ich auf in die ewige Heimat. Wenn du die Glocken hörst, gedenke meiner Worte.
Am Abend sang der Älteste bei der Allnachtwache zu Ehren der Entschlafung der Allerheiligsten Gottesmutter, so lange es seine Kräfte reichten, gemeinsam mit den Patres. Bei der Göttlichen Liturgie sagte er während der Kommunion der Heiligsten Sakramente: „Auf den Weg ins ewige Leben.“
Der Morgen des 15. August brach an. Der Älteste saß in seinem leidvollen Sessel im Hof unseres Hesychasteriums und wartete auf seine Stunde. Er war sich der Botschaft sicher, die ihm die Allerheiligste Gottesmutter gegeben hatte, doch als er sah, dass die Zeit verging und die Sonne aufging, begann er so etwas wie Bedrängnis zu empfinden, so etwas wie Unruhe wegen der Verzögerung. Das war der letzte Besuch des Bösen. Der Älteste rief mich zu sich und sagte:
- Mein Kind, warum zögert Gott und holt mich nicht zu sich? Die Sonne geht auf, und ich bin noch hier!
Als ich sah, wie der Älteste traurig war und es kaum noch aushalten konnte, wagte ich es, ihm zu sagen:
- „Alter Mann, seien Sie nicht traurig, jetzt beginnen wir mit dem Gebet, und Sie werden gehen.“
Seine Tränen versiegten. Die Ältesten nahmen jeder seinen Rosenkranz zur Hand und begannen, inbrünstig zu beten. Es war noch keine Viertelstunde vergangen, da sagte er zu mir:
- Ruf die Väter herbei, sie sollen sich vor mir verneigen, denn ich gehe
Wir verneigten uns ein letztes Mal vor ihm. Kurz darauf hob er den Blick und starrte etwa zwei Minuten lang unverwandt nach oben. Dann wandte er sich um und sagte zu uns, erfüllt von Nüchternheit und unaussprechlicher innerer Freude:
- Alles ist vorbei, ich gehe, ich gehe fort, segnet mich!
Und mit diesen Worten hob er den Kopf nach rechts, öffnete zwei- oder dreimal leise den Mund und die Augen – das war alles. Er übergab seine Seele in die Hände dessen, den er ersehnte und dem er seit seiner Jugend gedient hatte.
Der Tod war wahrhaftig der eines Heiligen. Bei uns löste er das Gefühl einer Auferstehung aus. Vor uns lag ein Verstorbener, und Trauer war angebracht, doch in unseren Herzen erlebten wir eine Auferstehung. Und dieses Gefühl ist nicht verschwunden. Seitdem begleitet es unsere Erinnerungen an den unvergesslichen heiligen Ältesten.
Da sein Leben an sich schon eine schriftliche und mündliche Unterweisung für uns war, da wir die Kraft seiner Worte aus eigener Erfahrung erkannt haben und da uns viele schon seit langem eindringlich bitten, über den heiligen Ältesten zu schreiben, geben wir ihm in diesem Buch die Möglichkeit, durch seine Briefe selbst zu sprechen.
Der Älteste Josef war aus weltlicher Sicht kaum gebildet – er hatte nur zwei Klassen der Grundschule absolviert. Doch in göttlichen Dingen war er überaus weise. Von Gott gelehrt. Die Universität der Wüste lehrte ihn das, was wir am meisten brauchen – die himmlischen Dinge.
Wir wissen, dass die Worte des Ältesten den Mönchen von Nutzen sein werden. Wir wissen, dass sie auch denen nützen werden, die sich in der Welt durch gute Taten betätigen. Ob sie noch jemand anderem nützen werden – das weiß der Herr, und möge Er es so fügen, wie es Seiner Güte gefällt. Auf jeden Fall ist es nicht leicht, all dies zu hören, ohne eine mutige Gesinnung zu haben, und es wird nicht zur Tat, ohne Tugend und große Mühe.
Wir sind allen, die an der Herausgabe dieses Buches mitgewirkt haben, sehr dankbar und erbitten für sie den Segen des immer gedachten seligen Ältesten Josef.
Archimandrit Ephraim, Abt[5] des heiligen Gemeinschaftskloster des Ehrwürdigen Philotheos auf dem Heiligen Berg.
Anfang – Selbsterkenntnis
Über die Selbsterkenntnis
Mein geliebter Bruder in Christus, ich wünsche dir alles Gute.
Heute habe ich deinen Brief erhalten und gebe dir eine Antwort auf das, worüber du mir schreibst. Die Informationen, um die du bittest, erfordern weder Zeit noch Mühe, um darüber nachzudenken und zu antworten.
Das kluge Gebet ist für mich wie ein Handwerk für jeden Menschen, denn ich übe es seit mehr als sechsunddreißig Jahren aus.
Als ich auf den Heiligen Berg kam, suchte ich sofort nach Einsiedlern, die sich dem Gebet widmen. Damals, vor vierzig Jahren, gab es viele, in denen das Leben wohnte. Tugendhafte Menschen, alte Männer. Aus ihrer Mitte wählten wir uns einen Ältesten[6] , und sie waren unsere Lehrer.
Das Verrichten eines geistigen Gebets bedeutet also, sich dazu zu zwingen, das Jesusgebet[7] mit dem Mund, ohne Unterbrechung zu sprechen. Zunächst schnell, damit der Verstand keine Gelegenheit hat, [irgendeinen] ablenkenden Gedanken zu entwickeln. Achte nur auf die Worte: „Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner“. Wenn dies lange genug andauert, gewöhnt sich der Verstand daran und spricht es von selbst. Und du genießt es, als hättest du Honig im Mund. Und du möchtest es die ganze Zeit sprechen. Und wenn du damit aufhörst, bist du sehr betrübt.
Wenn sich der Verstand daran gewöhnt und gesättigt ist, es gut gelernt hat, dann sendet er es ins Herz. Denn der Verstand ist der Ernährer der Seele, und wenn er etwas Gutes oder Böses sieht oder hört, besteht seine Aufgabe darin, es ins Herz hinabzusenden, wo sich das Zentrum der geistigen und körperlichen Kraft des Menschen befindet, der Thron des Verstandes. Wenn also der Betende seinen Verstand zügelt, damit dieser sich nichts vorstellt, sondern nur den Worten des Gebets lauscht, dann führt er, leicht atmend, den Verstand mit gewisser Anstrengung und aus eigenem Willen ins Herz hinab und hält ihn dort fest, als wäre er eingesperrt, und spricht gleichmäßig, das Gebet: „Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner!“[8]
Zunächst spricht er das Gebet mehrmals und atmet einmal ein und aus. Dann, wenn sich der Geist daran gewöhnt hat, im Herzen zu verweilen, spricht er bei jedem Ein- und Ausatmen ein Gebet. „Herr Jesus Christus“ – Einatmen, „erbarme dich meiner“ – Ausatmen. Dies wird so lange fortgesetzt, bis die Gnade die Seele erfüllt und in ihr zu wirken beginnt. Danach folgt die Kontemplation.
So wird das Gebet überall gesprochen: im Sitzen, im Bett, unterwegs und im Stehen. „Betet ohne Unterlass“, sagt der Apostel[9] . Es geht jedoch nicht darum, nur dann zu beten, wenn man sich hinlegt. Es erfordert Anstrengung: im Stehen, im Sitzen. Wenn du müde wirst, setz dich hin. Und steh wieder auf, damit dich der Schlaf nicht übermannt.
Das nennt man Tun[10]. Du zeigst Gott deinen Willen. Ob Er dir etwas gibt, hängt ganz von Ihm ab. Gott ist der Anfang und das Ende. Alles vollbringt Seine Gnade. Sie ist die treibende Kraft.
Und damit die Liebe entsteht und wirkt, muss man die Gebote halten. Wenn du nachts aufstehst und betest, wenn du einen Kranken siehst und Mitleid mit ihm hast, wenn du eine Witwe, Waisen und alte Menschen siehst und sie liebst, dann liebt Gott dich. Und dann liebst auch du Ihn. Er liebt zuerst und schüttet Seine Gnade aus. [Dann] geben auch wir dasselbe von uns selbst, „Dein von Deinen“, [Gott] zurück.
Wenn du also danach strebst, Ihn nur durch das Jesusgebet zu finden, atme nicht ohne Gebet. Achte nur darauf, keine Träume anzunehmen. Denn das Göttliche ist unsichtbar, unvorstellbar, farblos. Es ist übervollkommen. Auf Ihn lassen sich keine Überlegungen anwenden. Es wirkt wie ein sanfter Hauch in unserem Geist.
Und Rührung[11] kommt, wenn man wenn man darüber nachdenkt, wie sehr du Gott betrübt hast – Ihn, der so gütig, so lieblich, so barmherzig, so gütig und ganz von Liebe erfüllt ist, der sich für uns gekreuzigt und alles ertragen hat. Das Nachdenken darüber und über alles, was der Herr erlitten hat, erfüllt dich mit Rührung.
Wenn du also das Gebet laut und ununterbrochen sprechen kannst, wirst du dich in zwei oder drei Monaten daran gewöhnen. Und die Gnade wird dich umhüllen und erfrischen. Sprich das Gebet einfach laut, ohne Unterbrechung. Und wenn der Verstand es aufnimmt, wirst du eine Pause vom Aussprechen mit der Zunge haben. Und wieder – wenn der Verstand es loslässt, [soll] die Zunge beginnen. Am Anfang, solange du dich noch nicht daran gewöhnt hast, wird die ganze Anstrengung auf die Zunge gerichtet. Später, alle Jahre deines Lebens, wird der Verstand es mühelos sprechen.
Wenn du, wie du sagst, auf den Heiligen Berg kommst, dann komm uns besuchen. Aber dann werden wir über andere Dinge sprechen. Du wirst keine Zeit für das Jesusgebet haben. Das Gebet wirst du dort finden, wo dein Geist zur Ruhe kommt. Und hier, wenn du durch die Klöster wanderst, wird dein Geist von anderen Dingen abgelenkt sein, von dem, was du hörst und siehst.
Ich bin sicher, dass du das Jesusgebet finden wirst. Zweifle nicht daran. Klopfe nur direkt an die Tür der göttlichen Gnade, und Christus wird dir gewiss öffnen. Anders kann es nicht sein. Liebe Ihn sehr, damit du auch viel erhältst. In der Liebe zu Ihm, ob groß oder klein, liegt auch das Maß der Gabe – ob groß oder klein.
Über den Anfang der Reue
Ich habe mich sehr über deine Bereitschaft gefreut, deiner Seele Gutes zu tun. Und ich sehne mich danach, jedem Bruder Gutes zu tun, der nach Erlösung strebt.
Nun denn, mein geliebter Bruder, öffne dein Ohr. Der Mensch ist dazu berufen, nachdem er in dieses Leben geboren wurde, Gott zu suchen. Doch er kann Ihn nicht finden, wenn Gott ihn nicht zuvor findet[12]; unsere Leidenschaften haben die Augen der Seele verschlossen, sodass wir nicht sehen. Wenn aber der allgütige Gott sich uns zuwendet, erwachen wir wie aus einem Schlaf und beginnen, unser Heil zu suchen.
Daraus ergibt sich die Antwort auf deine erste Frage: Gott hat dich jetzt erblickt, dich erleuchtet und führt dich. Bemühe dich dort, wo du bist. Sprich unablässig das Jesusgebet: mit Zunge und Verstand. Wenn die Zunge müde wird, soll der Verstand beginnen. Und wieder, wenn der Verstand schwer wird, soll die Zunge beginnen. Nur höre nicht auf. Mache viele Verbeugungen. Wache nachts, so viel du kannst. Und wenn ein Feuer in deinem Herzen entflammt und die Liebe zu Gott, und du nach Stille suchst[13], und nicht in der Welt bleiben kannst, weil in dir das Gebet lodert, dann schreibe mir, und ich werde dir sagen, was zu tun ist. Wenn aber die Gnade nicht so wirkt, sondern der Eifer sich darauf beschränkt, die Gebote des Herrn über den Nächsten zu erfüllen, dann beruhige dich [und bleibe], wie du bist, und suche nichts anderes, denn bei dir ist alles in Ordnung. Den Unterschied zwischen dreißig, sechzig und hundert wirst du finden, wenn du den „Evergetin“[14] liest. Dort wirst du auch vieles andere dieser Art finden und großen Nutzen daraus ziehen.
Nun die Antwort auf deine anderen Fragen: Das Jesusgebet soll [genau] so gesprochen werden – als inneres Gebet. Da sich der Verstand jedoch anfangs noch nicht daran gewöhnt hat, vergisst er es. Sprich es daher mal mit dem Mund, mal mit dem Verstand. Und so soll es bleiben, bis der Verstand davon gesättigt ist und die Wirkung des Gebets einsetzt.
Die Wirkung ist Folgendes: Wenn du das Jesusgebet sprichst, spürst du in dir Freude und Fröhlichkeit und möchtest es ununterbrochen sprechen. Wenn also der Verstand dieses Gebet annimmt und die Freude entsteht, von der ich dir schreibe, dann wird es unaufhörlich in dir gesprochen werden, ohne dass du dich selbst dazu zwingen musst. Das nennt man Gefühl und Wirkung, da die Gnade unabhängig vom Willen des Menschen wirkt. Er isst, geht, schläft, wacht auf, und in seinem Inneren spricht er ständig das Gebet. Und er hat Frieden und Freude.
Nun zur Zeit des Gebets: Da du in der Welt lebst und verschiedene Sorgen hast, bete, wann immer du Zeit findest. Aber zwinge dich ständig dazu, damit du nicht in Nachlässigkeit verfällst. Was die Kontemplation betrifft, nach der du suchst, so ist sie dort schwer zu erreichen, denn sie erfordert vollkommene Stille.
Der geistliche Zustand gliedert sich in drei Stufen, und entsprechend wirkt die Gnade auf dreifache Weise im Menschen. Der eine Zustand wird als reinigend bezeichnet, er reinigt den Menschen. Die Gnade, die du jetzt hast, wird als reinigende Gnade bezeichnet. Sie bewegt den Menschen zur Buße. Jeder Eifer, den du für das Geistliche hast – all das kommt von der Gnade. Von dir selbst stammt nichts. Alles vollbringt sie im Verborgenen. Nun, diese Gnade bleibt, sofern du dich dazu zwingst, eine bestimmte Anzahl von Jahren bei dir. Und wenn der Mensch im geistigen Gebet Erfolg hat, empfängt er eine andere Gnade, die sich sehr von der vorherigen unterscheidet.
Die erste Gnade, wie wir sagten, wird Gefühl und Handlung genannt, und sie ist reinigend, denn der Betende hat in sich die göttliche Bewegung und Wirkung gespürt.
Die andere Gnade wird als erleuchtend bezeichnet. Durch sie empfängt der Mensch das Licht der Erkenntnis und wird zur Anschauung Gottes erhoben. Keine Lichter, keine Träume, keine Bilder, sondern Klarheit des Geistes, Reinheit der Gedanken, Tiefe der Begriffe. Damit dies eintritt, muss der Betende vollkommene Stille und einen unverfälschten Lehrer haben.
Und der dritte Zustand – die Erleuchtung durch die Gnade. Dies ist, nach allem Vorangegangenen, die Gnade, die zur Vollkommenheit führt, die ein großes Geschenk ist. Ich schreibe dir jetzt nicht darüber, da es auch nicht nötig ist. Aber wenn du darüber lesen möchtest, so habe ich, trotz meiner Unbildung, als diese Ereignisse stattfanden, ein handgeschriebenes Büchlein mit dem Titel „Die geistbewegende Posaune“[15] verfasst. Versuche, sie zu finden. Versuche, sie zu finden. Kaufe die Homilien des heiligen Makarios [von Ägypten] bei Schina[16], Avva Isaak [von Syrien], und du wirst großen Nutzen daraus ziehen. Und wenn du auf irgendwelche Schwierigkeiten[17] stößt, schreib mir, und ich werde dir gerne antworten.
In letzter Zeit schreibe ich nur noch denen, die mich fragen. In diesem Jahr kamen Menschen aus Deutschland allein deshalb hierher, um etwas über das Herzensgebet zu erfahren. Aus Amerika schreiben sie mir mit großer Sehnsucht, aus Paris kommen viele, die inständig darum bitten. Warum sind wir hier so nachlässig? Ist es denn, die Erde umzugraben – den Namen Christi unablässig anzurufen damit Er sich unser erbarme?
Schließlich gibt es eine irrige Meinung, die vom Versucher verbreitet wird: Wenn jemand das Jesusgebet betet, fürchtet er, in die geistliche Täuschung zu geraten – obwohl gerade das die Täuschung ist. Wer will, der tue es. Wenn das Gebet lange in ihm bleibt, wird in ihm ein Paradies entstehen. Er wird von den Leidenschaften befreit und ein anderer Mensch werden. Und wenn er dann noch in der Wüste ist – unaussprechlich sind die Gaben des Gebets!
Über die geistliche Täuschung
Freue dich im Herrn, geliebtes Kind, erleuchtet durch die Gnade meines Jesus und von der Welt befreit, das in die Wüste geflogen ist und sich in der Gemeinschaft der heiligen Bruderschaft niedergelassen hat und nun Gott von ganzem Herzen preist und dankt.
Die göttliche Gnade, mein Kind, dringt in die Seele ein wie ein Lockmittel und zieht den Menschen ohne Zwang zum Höheren und immer Höheren. Sie weiß, wie man die Fische fängt und sie aus dem weltlichen Meer herausholt. Doch was kommt danach?
Wenn Gott denjenigen, der ins Kloster kommen will, aus der Welt herauszieht und ihn in die Wüste führt, zeigt Er ihm nicht sofort seine Leidenschaften oder Versuchungen, solange er nicht Mönch geworden ist und Christus ihn nicht mit Seiner Furcht gebunden hat. Und dann beginnen die Prüfungen, der Kampf und die Schlacht.
Und wenn der Geprüfte sich von Anfang an zusammenreißt und es schafft, durch seine Kämpfe das Feuer der Askese zu entzünden, dann erlischt sie nicht, wenn mit dem Eintreffen der Versuchungen die Gnade weicht. Andernfalls, wenn die Gnade weicht, kehrt er auch in seinen früheren Zustand zurück. Und dementsprechend kehren die Leidenschaften zurück, die er in der Welt hatte, die Versuchungen erheben sich und setzen die früheren Gewohnheiten in Bewegung, denen er diente und von denen er versklavt war.
Und vor allem wisse, mein Kind, dass sich ein Mensch von einem anderen sehr unterscheidet, [und deshalb] auch ein Mönch von einem anderen. Es gibt Seelen von sanftem Gemüt, die mit großer Leichtigkeit gehorchen. Es gibt auch Seelen von hartem Gemüt, die sich nicht leicht unterwerfen. Sie unterscheiden sich wie Watte von Eisen. Watte bedarf nur der Salbung durch das Wort. Eisen hingegen benötigt Feuer und den Schmelzofen der Versuchungen, um bearbeitet zu werden. Und ein solcher Mensch muss in den Versuchungen Geduld haben, damit die Läuterung stattfinden kann. Wenn er keine Geduld hat, erlischt er, wie eine Lampe ohne Öl bald erlischt und verschwindet.
Und wenn jemand von Natur aus hart wie Eisen ist und ins Kloster eintritt, dann weicht er, sobald er das Kampffeld betritt, sofort vom Gehorsam ab. Sofort legt er seine Gelübde ab und gibt den Kampf auf. Und man sieht: Kaum weicht die Gnade ein wenig zurück, damit sein Wille und seine Geduld geprüft werden, da wirft er sofort die Waffen weg und beginnt zu bereuen, dass er ins Kloster gegangen ist. Und er verbringt seine Tage voller Ungehorsam und Bitterkeit, ganz voller Widersprüche und Klagen.
Nach und nach vertreibt die Gnade durch die Gebete des Ältesten die Wolken der Versuchungen, damit der Neuling ein wenig zur Besinnung kommt. Doch schon bald kehrt er zurück – zu Eigensinn und Ungehorsam, wieder zu Aufruhr und Verwirrung.
Du schreibst über den Bruder, den du dort siehst, und wunderst dich, wie viel Mühe er in seinen [klösterlichen] Dienst steckt, während in seinem Inneren immer noch der Stolz herrscht. Aber glaubst du wirklich, dass es einem Menschen leichtfällt, die Leidenschaft zu besiegen?
Gute Taten, Almosen und alle äußerliche Güte mildern die Hochmütigkeit des Herzens nicht. Doch geistliches Handeln, der Schmerz der Reue, Zerknirschung und Demut – das ist es, was das zügellose Denken zähmt. Und das ist eine große und mühsame Arbeit – einen ungehorsamen Menschen zu heilen.
Nur mit äußerster Geduld kann man ihn in die richtige Ordnung bringen. Nur durch die äußerste Geduld der Ältesten, die Nachsicht und die Liebe der Brüder können die verhärteten Novizen zur Besinnung kommen. Doch auch sie sind oft notwendig, wie die rechte Hand. Und fast immer fällt es denen schwer, sich zu demütigen, die eine Begabung besitzen, die andere nicht haben. Sie denken: Sie sind etwas, die anderen aber nichts.
Es bedarf also viel Mühe und großer Geduld, bis dieses alte Fundament des Stolzes zerstört und ein anderes Fundament gelegt ist – die Demut und der Gehorsam Christi. Doch der Herr, der die Mühen und den Willen sowohl ihrer selbst als auch der anderen sieht, lässt ihnen eine solche Versuchung zu, die ihrer Leidenschaft entgegenwirkt, und rettet auch sie durch Seine Gnade – Er, allein[18]. Du aber schau, wem du ähnlich sein willst.
Am besten wäre es, wenn alle einen guten Charakter hätten, demütig und gehorsam wären. Wenn sich jedoch bei jemandem eine Härte zeigt, soll er nicht verzweifeln. Er braucht einen geistlichen Kampf, und durch Gottes Gnade kann er siegen. Gott ist nicht ungerecht, dass Er von einem etwas anderes verlangt als von einem anderen. Wie Er Gaben gibt, so erwartet Er auch die entsprechende Antwort.
Denn von Anfang an hat Er den Menschen unterschiedliche Maße gegeben: dem einen fünf Talente, dem anderen zwei und dem dritten eines. Der erste verfügt über große Gaben, er hat einen aufnahmefähigeren Geist und wird als von Gott gelehrt angesehen, da er [Erkenntnis] von Gott empfängt, ohne von Menschen unterrichtet worden zu sein. So wie es in der Antike Antonius der Große, der heilige Onuphrius, die heilige Maria von Ägypten, Kyrillos Phileotes[19] , Lukas von Ellada[20] und Tausende andere gab, die ohne Lehrer zur Vollkommenheit gelangten.
Der zweite muss zum Guten gelehrt werden, um es zu tun. Der dritte hingegen, selbst wenn er hört, selbst wenn er [vom Guten] erfährt, vergräbt dieses [Wissen] in der Erde: Er tut nichts.
Deshalb gibt es unter den Menschen und Mönchen diesen Unterschied, den du siehst. Und deshalb: Erkenne vor allem dich selbst. Das heißt, erfahre von dir selbst, wie du bist. Wie du wirklich bist, und nicht, wie du glaubst, dass du bist. Mit diesem Wissen wirst du weiser als alle Menschen. Mit dieser Selbsterkenntnis und in Demut kommst du zur Gnade vom Herrn. Wenn du aber keine Selbsterkenntnis erlangst, sondern nur auf deine eigene Arbeit vertraust, so wisse, dass du immer fern vom Weg sein wirst. Denn der Prophet sagt nicht: „Sieh, Herr, meine Arbeit“, sondern, – sagt er – »[21]. Arbeit für den Leib, Demut für die Seele. Und wiederum beides zusammen, Arbeit und Demut, – für den ganzen Menschen. Wer hat den Teufel besiegt? Derjenige, der seine eigene Schwäche, seine Leidenschaften und seine Fehler erkannt hat. Wer sich fürchtet, sich selbst zu erkennen, bleibt fern von der Erkenntnis und liebt nichts anderes, als die Fehler anderer zu sehen und über sie zu urteilen.
Er sieht bei anderen keine Gaben, sondern nur Fehler. Er sieht in sich selbst keine Fehler, sondern nur Begabungen. Und das ist wahrlich ein Fehler, unter dem wir, die Menschen unserer Zeit[22], leiden, die wir die Begabungen des anderen nicht anerkennen. Einem Einzelnen fehlt vieles, aber viele zusammen haben alles. Was der eine hat, das hat der andere nicht. Und wenn wir dies anerkennen, erlangen wir große Demut. Denn [dann] wird Gott geehrt und gepriesen, der die Menschen auf vielfältige Weise geschmückt und alle seine Geschöpfe ungleich geschaffen hat. Und die Gottlosen, die Gleichheit erzwingen wollen, haben Unrecht, denn sie verfälschen Gottes Schöpfung Gott[23]
Darum, mein Kind, bemühe dich jetzt, solange es noch am Anfang steht, dich selbst gut kennenzulernen, um der Demut ein festes Fundament zu geben. Bemühe dich, Gehorsam zu lernen und das Jesusgebet zu erlangen.
„Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner“ – lass dies dein Atem sein.
Lass deinen Geist nicht müßig, damit du nichts Schlechtes lernst.
Erlaube dir nicht, auf die Fehler anderer zu schauen, denn ohne es zu ahnen, wirst du zum Komplizen des Bösen und wirst nicht im Guten vorankommen. Werde nicht aus Unwissenheit zum Verbündeten des Feindes deiner Seele.
Der Feind ist einfallsreich und versteht es gut, sich hinter Leidenschaften und Schwächen zu verstecken. Um ihn zu besiegen, musst du daher gegen dich selbst kämpfen, dich selbst töten – all deine Leidenschaften. Wenn der alte Mensch stirbt, wird die Macht des Feindes und des Gegners gebrochen.
Unser Kampf richtet sich nicht gegen den Menschen, den man versehentlich auf vielfältige Weise töten könnte, sondern gegen die Mächte und Gewalten der Finsternis[24] . Gegen sie kämpft man nicht mit Bequemlichkeit und Nachlässigkeit, sondern mit Strömen von Tränen, mit Seelenschmerz bis zum Tod, mit äußerster Demut und größter Geduld. Bis Blut fließt vor Überanstrengung im Gebet. Damit du fällst und erschöpft wie ein Schwerkranker daliegst. Und damit du den Kampf nicht aufgibst, bis die Dämonen besiegt sind und sich zurückziehen. Dann wirst du die Freiheit von den Leidenschaften erlangen.
Also, mein Kind, zwinge dich von Anfang an, durch die enge Pforte einzutreten, denn nur sie führt zur Weite des Paradieses. Schneide jeden Tag und jede Stunde deinen Willen ab und suche keinen anderen Weg als diesen. Auf ihm schritten die Füße der ehrwürdigen Väter.
und du[25], und Er wird dich leiten. Öffne dem Ältesten deine Gedanken, und er wird dich heilen. Verberge niemals deine Gedanken, denn in ihnen verbirgt sich die List des Teufels. Und sie verschwindet, wenn du sie beichtest. Enthülle nicht die Sünde eines anderen zu deiner eigenen Rechtfertigung, denn die Gnade, die dich bisher bedeckt hat, wird deine eigenen Sünden sofort offenbaren. In dem Maße, wie du deinen Bruder aus Liebe bedeckst, in dem Maße wärmt dich die Gnade und bewahrt dich vor der Verleumdung der Menschen.
Was nun den anderen Bruder betrifft, von dem du sprichst, so scheint es, als habe er unausgesprochene Sünden, da er sich schämt, sie seinem Ältesten zu bekennen. Und deshalb nutzt die Versuchung die Gelegenheit. Doch diese Torheit muss korrigiert werden, denn ohne eine aufrichtige Beichte wird der Mensch nicht gereinigt. Und es ist bedauerlich, dass der Teufel sich über ihn lustig macht. Hier verbirgt sich tiefer Stolz. Der Herr möge ihn erleuchten, damit er zur Besinnung kommt. Bete und habe Liebe zu ihm und zu allen. Nur bewahre dich vor allen.
Auf jeden Fall wirst du jetzt, da du auf das Feld getreten bist, Versuchungen vieler Art erleben müssen, und bereite dich darauf vor, zu ertragen. Sprich unablässig das Jesusgebet, und der Herr wird dir mit seiner Gnade helfen. Die Versuchungen sind niemals stärker als die Gnade.
Über die Demut
Mein geliebtes Kind im Herrn, Kind des göttlichen Geistes!
Ich freue mich, wenn du dich freust. Die Mächte und Gewalten, die Cherubim und Seraphim, die Engelscharen, die Scharen der Apostel und Propheten, die Märtyrer und Gerechten sowie unsere allreinste Mutter, die Königin und Herrin aller, freuen sich.
Heute hast du meine Seele mit dem erfreut, was du mir mit Tinte und Papier geschrieben hast.
Noch mehr werde ich mich freuen und noch stärker wird mein Herz höherschlagen, wenn du bis zum Ende dem treu bleibst, was du heute schreibst. Denn der Kampf des Feindes beginnt in drei oder vier Jahren, denn dann wird die Gnade zurückgenommen, um [dich] zu prüfen. Und die Kerze erlischt. Und was jetzt schön erscheint – und es ist tatsächlich schön –, wird dann hässlich, schwarz und düster erscheinen. Darum nimm das, was jetzt mit dir geschieht, keineswegs als Versuchung, denn der Herr schützt dich[26]. Und da du, mein geliebtes Kind, mich, den Demütigen, um Rat bittest, so höre zu.
Begnüge dich nicht mit Blättern, sondern treibe deine Wurzeln tief aus, um eine Quelle zu finden, wie es die Platane tut. Damit du unaufhörlich Wasser schöpfst und unaufhörlich wächst. Damit du, wenn die Dürre zu dir kommt, keine Veränderung erleidest, weil du deine eigene Quelle gefunden hast. Und wenn deine jetzige Kerze erlischt, wirst du durch deine Mühen bereits eine andere entzünden. Und es wird dir keine Finsternis mehr widerfahren.
Und das Mittel, dies zu erlangen, ist folgendes: Zuallererst vollkommener und bedingungsloser Gehorsam gegenüber allen. Daraus entsteht Demut. Das Zeichen der Demut sind unzählige Tränen, die drei oder vier Jahre lang in Strömen fließen. Aus ihnen entsteht unaufhörliches Gebet, das sogenannte geistige Gebet. Sobald du also sagst: „Mein süßester Jesus!“, fließen die Tränen. Sobald du sagst: „Allerheiligste Gottesmutter!“, kannst du dich nicht zurückhalten [vor den Tränen]. Daraus entsteht dann Stille im ganzen Körper und vollkommener Frieden.
Ein Bruder wollte sich einmal zurückhalten, weil die Tränen bereits zu fließen begonnen hatten und jemand an die Tür klopfte. Und er konnte es nicht, bis sie [von selbst] aufhörten: So groß ist ihre Kraft.
Wenn du dies also erlangst, fürchten dir Veränderungen nichts mehr, denn du wirst zu einem Menschen anderer Natur. Nicht dass sich die Natur selbst ändern würde, sondern ihre Eigenschaften werden durch die Gnade mittels der göttlichen Wirkungen Gottes verändert.
Das sogenannte „Regelwerk“ muss das Wesentliche in sich bergen, so wie die Blätter der Bäume die Früchte bedecken.
Das Psalmensingen soll demütig erfolgen. Der Verstand soll danach streben, den Sinn des Tropars zu erfassen. Der Verstand sich an dem erfreuen, was der Verstand begreift, und sich in die Betrachtung dessen erheben.
Auch das Lesen soll mit großer Aufmerksamkeit erfolgen. Dann wächst die Seele durch all dies und entwickelt sich. Der alte Mensch erlischt, stirbt – und ein neuer wird geboren und wird von der Liebe Christi erfüllt. Und fortan begnügt sich der Mensch nicht im Geringsten mit dem Irdischen, sondern begehrt unablässig das Himmlische.
Auch was den Körper betrifft: Er soll sich mit aller Kraft mühen und stets dem Geist unterworfen sein. Schone ihn nicht im Geringsten. Und ob du nun isst oder arbeitest – höre nicht auf, das Jesusgebet zu sprechen.
Bei allen Gebeten soll der Verstand darauf achten und verstehen worum du betest und was du sagst. Denn wenn du nicht verstehst, was du sagst, wie kannst du dann erwarten, dass Gott dich erhört, damit Er dir gewährt, worum du bittest?
Wenn du dies beachtest, wird es dir gut gehen, du wirst für immer gerettet sein und mich erfreuen. Wenn du jedoch aus Nachlässigkeit nicht gehorchst, wirst du für viele zum Grund des Leids werden.
II. Die Gedanken verstehen
Über die Gedanken
Also, hör mir noch einmal zu.
Lege ein festes Fundament. Errichte ein wunderschönes Häuschen im Himmel. Reinige das Innere der Schale, wie es uns der Herr lehrt, damit sie auch von außen rein wird. Denn alles, was durch den Körper vollbracht wird, sind [lediglich] Blätter, die den äußeren Menschen schmücken.
Und das ist gut und schön. Aber nur das, worüber ich dir zuvor geschrieben habe, reinigt den Menschen von innen. Nur das wird die Augen der Seele öffnen. Nur dadurch wird das Herz gereinigt, um Gott an jenem Tag zu sehen. Denn ohne geistliches Handeln nützt das Äußere wenig. Wenn du jedoch keine Tränen siehst, die bei jeder Erinnerung an Gott fließen, dann bist du krank aus Unwissenheit, aus der Stolz entsteht und das Herz verhärtet wird.
So sei die Demut wie ein Gewand in all deinen Handlungen. Und werde wie ein Schwamm für die Brüder, indem du[27] jede Schmähung und Erniedrigung in dich aufnimmst, deine Seele nicht mit Ehren und Lob, sondern mit Schmähungen und Anschuldigungen tränkst, wobei du unschuldig bleibst.
Versuche niemals, dein Recht zu beweisen, denn dann erst wirst du im Unrecht sein. Lerne aber, die Versuchungen, welche der Herr auch immer zulässt, tapfer zu ertragen. Sprich ohne viele Rechtfertigungen: „Verzeih mir!“[28] – und, ohne gesündigt zu haben, bereue, dass du gesündigt hast.
Erkenne dies in deinem Herzen und sage nicht nur zur Schau, um Lob zu empfangen, dass du schuldig bist, während du im Inneren andere verurteilst.
Um Trost von Gott zu erlangen, suche in deinen Leiden keinen Trost bei den Menschen.
Die Brücke[29], über die wir alle gehen, – ist die Vergebung des Nächsten, und wenn du deinem Nächsten nicht vergibst, zerstörst du die Brücke, über die du hättest gehen sollen. Sei also ein gutes Vorbild und ein Beispiel für andere in deinen Taten, die gut und dem Herrn wohlgefällig sind, und versuche nicht, alle mit deiner Zunge zu überwinden.
Erwarte keine Erleichterung, wenn du zu sprechen beginnst, um deine Rechtmäßigkeit zu beweisen. [Wahres] Recht bedeutet, die kommende Versuchung tapfer zu ertragen, um als Sieger hervorzugehen, ob du schuldig bist oder nicht. Wenn du jedoch sagst: „Aber warum?“, dann kämpfst du gegen Gott, der dir wegen deines leidenschaftlichen Zustands Leiden sendet. Gott bestraft uns, damit wir zur Leidenschaftslosigkeit gelangen. Und wenn du das nicht erträgst, dann führst du wahrhaftig Krieg gegen Gott.
Du schreibst über den Zorn im Herzen des Wahnsinnigen. Der Zorn an sich ist etwas Natürliches. So wie die Nerven im Leib, so ist auch er ein Nerv der Seele. Und jeder muss ihn gegen Dämonen, ketzerische Menschen und alles, was den Weg Gottes behindert, einsetzen. Wenn du jedoch auf deine Brüder zornig bist oder, außer dir, das Werk deiner Hände zerstörst, so wisse, dass du an Eitelkeit leidest und den Nerv der Seele missbrauchst. Davon kannst du dich durch Liebe zu allen und wahre Demut befreien.
Wenn dich also der Zorn überkommt, verschließe fest deinen Mund und sprich nicht zu dem, der dich beleidigt, entehrt, anklagt oder dich grundlos auf vielfältige Weise versucht.
Und diese Schlange wird sich in deinem Herzen windet, sich deiner Kehle nähern wird und, da du ihr keinen Ausweg gibst, ersticken und zerplatzen. Und wenn sich dies einige Male wiederholt, wird der Zorn nachlassen und ganz aufhören.
Da der Mensch vernünftig und sanftmütig geschaffen ist, lässt er sich durch Liebe und Sanftmut unvergleichlich besser zügeln als durch Zorn und Grobheit.
Auch ich habe dies um den Preis vieler und großer Prüfungen erkannt. Durch Güte und Liebe kannst du viele sanftmütig machen. Und wenn jemand gute Absichten hat, so erreichst du schnell, dass er sich bessert und zu einem Engel Gottes wird.
Darum sage ich dir und allen: Strebt niemals danach, einander im Zorn zu korrigieren, denn eine Versuchung beseitigt keine Versuchung. Sondern [korrigiert einander] mit Demut und aufrichtiger Liebe. Wenn du siehst, dass du im Zorn bist, verschiebe die Zurechtweisung auf später. Und wenn du siehst, dass der Zorn verflogen ist und Frieden eingekehrt ist und die Besonnenheit unvoreingenommen wirkt, dann sprich, was nützlich ist.
Ich habe noch nie gesehen, dass durch Zorn je eine Besserung erreicht wurde, sondern immer durch Liebe. Dann opfert sich auch derjenige, der zurechtgewiesen wird. Tut es daher so. Nimm dir ein Beispiel an dir selbst: Wann wirst du sanftmütig? Wenn man dich beleidigt oder wenn man dir Liebe entgegenbringt? Sind die Worte nicht erstaunlich, die jener Heilige im „Vaterunser“ spricht, dass „ein zorniger und grimmiger Mensch, selbst wenn er Tote auferweckt, nicht in das Reich Gottes aufgenommen wird“[30]?
Du sagst, dass du meine Worte schätzt. Nun, prüfe, ob wahr ist, was ich dir schreibe. Und ersticke die Leidenschaft, wenn sie kommt, um dich zu ersticken. Halte die Schlange einmal, zweimal und viele Male gefangen – und du wirst sogleich den Weg der Freude und des Sieges finden. Dann werden auch die Gebete, die ich für dich darbringe, Frucht bringen. Und wenn die Mutter besiegt ist, wird auch die ganze Schar der Töchter mitfallen, die der Zorn hervorbringt.
Denn die Hauptleidenschaften, aus denen alle anderen hervorgehen, sind Zorn und die Begierde. Also unterdrücke den Zorn jedes Mal mit aller Kraft deiner Seele, wenn er in Bewegung gerät, und du wirst ihn beim nächsten Mal geschwächt vorfinden. Und schlage ihn erneut und schlage ihm den Kopf ab, sobald du siehst, dass er den Kopf erhebt. Und bald wird die Frucht der Langmut erblühen – die Unerschütterlichkeit. Daraus entstehen Frieden und Gnade, und darauf folgen alle Güter.
Eine andere Mutter [der Leidenschaften] ist die Begierde, die den Menschen zu Fall bringt. Wenn aber in allem Enthaltsamkeit geübt wird und keine Zunahme der Substanz stattfindet, dann wird es keinen Blutüberfluss an Blut geben. Und wenn dieser Überfluss nicht da ist, kann [die Begierde] den Menschen nicht stürzen, auch wenn sie gegen ihn kämpft.
So widerstehe dem inneren Widerspruch. Lass keinen Gedanken aufkommen, sondern kämpfe mit dem Gebet. Kämpfe mutig und nicht träge, und sie werden sogleich schwächer. Und wenn du so handelst, wird die Blume der Reinheit und Unschuld erblühen, worüber sich deine Seele mit unaussprechlicher Freude freuen wird. [Sie wird sich freuen] auch über die Gewissheit, dass dir von nun an ein Ort der Ruhe bereitet ist. Und so wirst du den Zorn und diese Leidenschaft sowie die Bosheit all ihrer Töchter machtlos machen.
Über das Nicht-Annehmen der Gedanken
Ich habe deinen Brief erhalten und ihn gelesen. Ich freue mich über deine Gesundheit, trauere aber über deine Leiden.
Was du schreibst, mein Kind, widerfährt dir, weil dir die Geduld fehlt. Du suchst Christus und willst in die himmlische Stadt eintreten. Dein Ältester betet, die Väter beten, und auch ich, der Elende, bete hier inmitten der Felsen. Der Herr hört uns alle und hat dir, um deine hochmütige Seele zu demütigen und den Zorn, die Wut, die Gereiztheit und die Selbstliebe zu überwinden, eine kleine Versuchung zugelassen, damit sie dich trifft und du sie erträgst, damit sie dich bedrängt und du langmütig wirst. So sollst du nach und nach den Zorn, die Wut und die Unruhe bezwingen, indem du sie in dir erstickst und kein böses Wort aus deinem Mund hervorgehen lässt. Dann weicht das Wirken des Satans zurück, das der Mensch in sich einmal, zweimal und viele Male zurückweist, und es lässt ihn sanftmütig und ruhig wie ein Lamm zurück.
Und höre von etwas, das mir widerfahren ist. Als ich noch in der Welt war, konnte ich mich gegen Tausende stellen, und mein Herz war wie das eines Löwen. Nun aber hat mich die Liebe Christi diesen Dingen gegenüber wie abgestorben gemacht. Wollte ich erzählen, was ich täglich durch diese Leidenschaft ertragen musste, müsste ich ein Buch schreiben. Denn Gott, der mich davon befreien wollte, ließ mir viele listige Heimsuchungen über mich kommen: dass man mich ungerecht bedrängte, mich beleidigte und in Versuchung führte – nicht einfache Bedrängnisse, sondern solche, die töten können. Indem ich aber ausharrte und den Satan in mir mit großer Geduld zurückwies, erlangte ich Befreiung von diesem Übel.
Nun, in einem strengen Winter bereitete der Versucher alle möglichen listigen Angriffe gegen mich vor und ließ sie über mich kommen, wie nur er zu versuchen versteht, während Gott zuließ, dass ich geprüft werde. Und siehe, nachdem er drei oder vier Angriffe unternommen hatte und sah, dass sie vergeblich waren, erhob sich plötzlich ein gewaltiger Windstoß, der durch die Tür fuhr und das Dach mit seinen Stützen und den darauf liegenden[31] Steinen ergriff[32], es in die Luft hob und nach vorne auf die Felsen in den Schnee schleuderte. Und wir blieben unter freiem Himmel mitten im Schnee zurück.
Wenn du jedoch [auch nur] von den Arten der Versuchungen hörst, wirst du auch das nicht ohne Schaden für dich ertragen können, denn du wirst die Schuldigen verurteilen. Wenn du jedoch deine Prüfungen erträgst, wirst du dafür so viel Gnade, entsprechend den Versuchungen, dass sie unermesslich ist. Deshalb glaube nicht, dass, wenn du einer Versuchung nachgibst, keine andere auf dich zukommt. Sie wird unweigerlich kommen. Und wenn du dich ihr gegenüber als unstandhaft erweist, wirst du auch bei anderen Versuchungen so sein. Denn die Versuchung ist in uns, mein Kind. Siehst du sie nicht?
Schau sie dir doch einmal genau an! Sie steigt vom Nabel im Bauch her hinauf ins Herz, entflammt es, erhitzt das Blut und steigt zur Kehle hinauf, steigt dir in den Kopf und trübt den Verstand. Und Es ist, als bilde sich ein Kloß in der Kehle bilden, der den Atem abschnürt und den Menschen erstickt.
Außerdem kommt es vor, dass jemand von einem anderen, schlechteren Menschen angestiftet wird, oder vielmehr, dass auch dieser von der Versuchung getrieben wird, um dich aufzuregen und zu verwirren. Doch der Herr lässt ihm dies zu, damit du von Tag zu Tag erfahrener in Prüfungen wirst und zur Gelassenheit gelangst. Denn wenn du dich auf die Versuchung vorbereitest und sie erwartest, dann verwirrst du dich nicht, regst dich nicht auf und verlierst nicht die Beherrschung.
Du schreibst, dass du, wenn du wüsstest, dass du Gnade erlangen würdest, tausend Versuchungen wie diese ertragen würdest. Aber woher weißt du, dass du keine Gnade erlangst, wenn du sie erträgst? Ich sage dir und allen Brüdern, dass es keinen anderen, kürzeren Weg gibt, als die Versuchungen zu ertragen, die kommen, wie auch immer sie kommen mögen. Über den geistlichen Zustand eines Menschen und über die Gnade, die er besitzt, zeugt [seine] Geduld. Wie schafft es euer Ältester, euch alle zu ertragen? Dank der Tatsache, dass er Geduld hat. Das ist ein Zeugnis dafür, dass er Gnade besitzt, dass er Rechtschaffenheit besitzt.
Die Rechtschaffenheit hat keine Glocke, an deren Klang man sie erkennen könnte. Das Kennzeichen der Rechtschaffenheit ist Nachsicht, Langmut, Selbstbeherrschung. Das sind die Zierden eines Mönchs und eines jeden Christen.
Der Kämpfende, der den Lohn von oben und die Gnade, die er vom Herrn empfängt, erkennt, erträgt alles. Jenem Bruder, da er stark ist, hat dein Ältester aufgetragen, den Versuchten zu ertragen und zu dulden. Dir aber, da du schwach bist, hat er eine kleine Versuchung gegeben. Nun denn, zeige Geduld, damit auch du fähig wirst, den anderen zu ertragen, ihn zu dulden, ihm zu dienen und ihn auszuhalten. Eine große Tugend! Weißt du, was es bedeutet, einen solchen Menschen zu ertragen?
Eines Tages kam ein verwirrter Mensch zu uns, und es tat mir leid, ihn fortzuschicken. Von überall wurde er fortgeschickt. Und was geschah danach? ich legte ihm strengstes Fasten auf, denn der Herr spricht: „“ [33].
Und siehe, einmal waren wir alle im Hof, und er verschloss alle Türen und Fenster der Zelle und ließ uns draußen stehen. Und trotz vieler Bitten öffnete er nicht. Was blieb uns schließlich übrig? Wir fanden einen Schraubenzieher, schraubten die Scharniere ab und öffneten die Tür. Da sprang er hinaus.
- „Hör mal“, sagte ich zu ihm, „warum hast du dich eingeschlossen und uns draußen gelassen?“
- „Weil“, sagte er, „im Haus gab es Zwiebeln und Kartoffeln, und ich wollte mich allein betätigen – Zwiebeln mit Kartoffeln essen!“
Bald ging es ihm besser, aber er ging [von uns] weg und verfiel wieder in Raserei. Dreimal kam er, und kaum dass er sich erholte, ging er weg und verfiel wieder in Wahnsinn, und die Dämonen übernahmen die Herrschaft über ihn. Jetzt wird er im Krankenhaus festgehalten.
Achte du darauf, verachte keinen der Kleinen, Gedemütigten und Kranken dieser Welt. Denn diese Verachtung und Kränkung deinerseits bleibt nicht bei diesen Unglücklichen, sondern steigt durch sie hinauf zum Angesicht des Schöpfers, dessen Ebenbild sie tragen. Und du wirst an jenem Tag sehr erstaunt sein, wenn du siehst, dass der Heilige Geist Gottes mehr auf ihnen ruht als in deinem eigenen Herzen.
Ich bin sehr krank geworden. Ich bin wie gelähmt. Ich kann keine zehn Schritte gehen. Wegen dessen und wegen all dessen bin ich zu einer Leiche geworden. Ich bitte euch inständig: Betet für mich, denn viele Seelen habe ich, die mich um Hilfe bitten.
Und glaubt mir, meine Väter und Brüder, dass ich für jede Seele, die Hilfe erhält, jene Qualen erlebe, denen sie ausgesetzt ist.
Deshalb ist auch euer Ältester ständig krank, denn er wird schwach durch geistige Überanstrengung und durch die Versuchungen, die er um eures aller willen erträgt. Deshalb wiederhole nicht, mein Kind, was dir der Teufel sagt: dass der Älteste dich nicht beachtet, dass er deine Mühen und Nöte nicht bemerkt. Wie könnte derjenige nicht beachten, der um eures aller willen leidet?
Sei wachsam! Lass diesen Gedanken fallen und übe Geduld, damit Gott [deinen] Willen sieht und deine Mühen erleichtert. Nimm die Versuchung an und beschuldige nicht den einen oder den anderen. Denn wenn du weder die eine noch die andere Versuchung erträgst, sondern dich über deine Mitmenschen beklagst, dann wird der Herr, da Er uns dies sendet, uns selbst züchtigen, was viel schrecklicher und äußerst streng ist. Denn kein Mensch kann so bestrafen, wie der Allmächtige bestraft. Deshalb, mein Kind,[34] ertrage alles. Liebt Seinen Willen und ertragt die Bedrängnisse als von euch verdient, damit Er uns nicht der Kleinmütigkeit und der Lästerung übergibt.
Und wenn du erneut sündigst und strauchelst, dann bereue erneut. Verzweifle nicht. Erhebe deinen Geist und verliere nicht die Hoffnung. Sprich: „Vergib mir, mein Christus, ich bereue erneut!“ Sag nicht: „Es gibt keine Rettung für mich!“ Ist es nicht Selbstmitleid? Wir sind doch Menschen.
Sei nicht zornig auf deine Brüder. Ertrage ihre Fehler, damit auch sie deine ertragen. Liebe, damit auch du geliebt wirst, und sei geduldig, damit auch man mit dir geduldig ist. Werde gütig, und alle werden gütig zu dir sein. Bezwinge deine Leidenschaften, und du wirst sehen, wie viele nicht nur deinen Worten, sondern auch dem Blick deiner Augen Ehrfurcht erwiesen werden.
Was die Gehorsamsaufträge betrifft, von denen du sprichst – wenn es viele sind und du nicht hinterherkommst, sie zu erfüllen, und dich das in Verwirrung stürzt, so bitte ich auch deinen Ältesten, dass er sie dir erleichtert, damit du sie nicht mit Murren erfüllst.
Aus dem, was du mir über andere Dinge schreibst, wird deutlich, dass viel Selbstgefälligkeit in dir ist. Werde daher für dich selbst wie tot, damit alle dich mit Füßen treten können. Werde wie Erde. Schlage nieder und zerschmettere den alten Menschen in dir, und hasse ihn wie einen unversöhnlichen Feind – hasse ihn mit vollkommenem Hass. Denn wenn du ihn nicht besiegst, wird er dich besiegen. Sei mutig und schone ihn nicht! Durch die Gnade Gottes trage ich dich. Und ich erinnere dich auch an die Worte der Väter, die sagen: „Wenn du kein Blut vergießt, wirst du den Geist nicht empfangen“[35].
Halte dich nicht für einen Menschen, solange du die Gnade nicht empfangen hast. Und wenn wir ohne Gnade bleiben, dann sind wir vergeblich als Menschen auf die Welt gekommen.
Und entsprechend der Reinheit der Seele und der Erleuchtung, wie sehr jeder von uns hier davon empfangen hat, so viel näher und klarer wird er Christus dort sehen und sich an Seinem Wohlgeruch erfreuen und mehr als andere jubeln und frohlocken.
Halte dich nicht für einen Menschen im eigentlichen Sinn, bevor du die Gnade empfangen hast.
Über das Wirken der Gedanken
Nichts anderes hilft so sehr, den Zorn und alle Leidenschaften zu besänftigen, wie die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Durch die Liebe siegst du leichter als durch andere Kämpfe. Und selbst wenn du dich anstrengst, spürst du keine Mühe, wenn die Liebe den Verstand übersteigt. Deshalb lässt die Liebe nicht nach, solange du das Ruder deiner Seele auf sie ausrichtest. Und wenn etwas geschieht, sprich in dir: „Um deiner Liebe willen, mein Jesus, süße Liebe, ertrage ich Streit, Beleidigungen, Ungerechtigkeiten, Mühen und alle Arten von Leiden – alles, was mir auch widerfahren möge.“ Und sobald du so denkst, wird die Last leichter, und die teuflische Bitterkeit weicht.
Und glaube dem, was ich dir jetzt sagen werde. Einmal befand ich mich in der Gewalt von Trauer und Niedergeschlagenheit wegen der schrecklichen Versuchungen, die eine nach der anderen auf mich zukamen. Und ich stritt mit Gott, denn ich hielt es für ungerecht, dass Er mich so vielen Versuchungen aussetzte, ohne sie auch nur ein wenig einzudämmen, damit ich wenigstens ein wenig verschnaufen könnte. Und während ich in dieser Bitterkeit verharrte, hörte ich eine Stimme in meinem Inneren, sehr lieblich und sehr deutlich, die mit tiefstem Mitgefühl sprach: „Kannst du das alles nicht um Meine Lieben willen ertragen?“ Und als ich diese Stimme hörte, brach ich in Tränen aus und bereute die Verzweiflung, die von mir Besitz ergriffen hatte. Ich werde diese Stimme nie vergessen, so süß, dass die Versuchung und alle Niedergeschlagenheit sofort verschwanden.
- Kannst du nicht alles um Meine Lieben willen ertragen?
- O wahrhaft süße Liebe! Um deiner Liebe willen haben wir uns gekreuzigt und ertragen alles!
Dieser Bruder 46 erzählte mir noch, dass er einmal wegen eines bestimmten Bruders traurig war, dem er Rat gegeben hatte, der aber nicht auf ihn hörte, und er trauerte sehr um ihn. Und während er betete, wurde er entrückt 47.
Und er sah den Herrn, ans Kreuz genagelt, ganz von Licht umgeben. Und Christus hebt das Haupt, wendet Seinen Blick ihm zu und spricht: „Sieh mich an, wie viel ich um deiner Lieben willen erlitten habe! Und was hast du erlitten?“
Und mit diesen Worten wich die Trauer, er wurde von Freude und Frieden erfüllt und staunte und staunt noch, Tränen strömend, über die Nachsicht des Herrn, der Leiden zulässt, uns aber auch wieder tröstet, wenn er sieht, dass wir verzagen.
Darum verzage nicht, gräme dich nicht wegen der Leiden und Versuchungen, sondern lindere den Zorn und die Niedergeschlagenheit durch die Liebe unseres Jesus.
Und erhebe deinen Geist und sprich: „Meine Seele, verzage nicht! Denn ein kleines Leid reinigt dich von langjähriger Krankheit. Doch bald wird auch dieses vorübergehen.“ Und das ist die reine Wahrheit.
Versuchungen. Je weniger Geduld man hat, desto größer erscheinen die Versuchungen. Und je mehr man sich daran gewöhnt, sie zu ertragen, desto geringer werden sie, und man überwindet sie mühelos. Und man wird unerschütterlich wie ein Fels.
Also, Geduld! Und das, was dir jetzt schwer erreichbar erscheint, wird dir von selbst zuteilwerden, wenn viele Jahre vergangen sind, und du wirst es besitzen wie dein eigenes, ohne zu verstehen, woher es gekommen ist.
Arbeite also jetzt, in deiner Jugend, ohne zu fragen „warum?“ und ohne den Mut zu verlieren. Und wenn du alt wirst, wirst du die Ernte der Gelassenheit einfahren. Und du wirst dich wundern, woher dir solche schönen Ähren gewachsen sind, obwohl du den Boden nicht bestellt hast?! Und wie bist du, der du nichts verdienst, reich geworden?! Und aus all deinem Klagen und deinem Ungehorsam und deiner Niedergeschlagenheit sind solche Früchte und duftenden Blumen gewachsen!
Deshalb zwinge dich.
Denn wenn der Gerechte tausendmal fällt, verliert er doch nicht seinen Mut, sondern steht wieder auf und sammelt Kräfte, und der Herr rechnet ihm Siege zu. Doch Er zeigt ihm die Siege nicht, damit er sich nicht überhebt. Und die Stürze stellt Er ihm vor Augen, damit er sie sehe, damit er leide, damit er sich demütige.
Wenn er dann durch die feindlichen Lager geht und überall verborgene Siege errungen hat, dann beginnt der Herr ihm nach und nach zu zeigen, dass er siegt, dass er Belohnungen erhält. Und seine Hände berühren nun das, worum er zuvor gebeten hatte, das ihm aber nicht gewährt wurde. Und so wird er geübt, geprüft und vervollkommnet, soweit es Natur, Verstand, Vernunft und das Gefäß unserer Seele zulassen.
Darum sei mutig und stärke dich im Herrn und lass in deinem Eifer nicht nach. Doch rufe unaufhörlich, ob du nun erhältst oder nicht.
Über die Zustimmung zum Gedanken
Die Gnade ist, um es klar zu sagen, ein kleines oder großes Geschenk des grenzenlosen göttlichen Reichtums, mit dem Er, da Er gütig ist, uns aus unendlicher Güte beschenkt. Und indem Er erneut annimmt, was wir Ihm als Dank darbringen, nämlich die Erkenntnis Gottes (aus der das Staunen entspringt), die Liebe, den Gottesdienst, den Gesang, die Lobpreisung – all dies annehmend, belohnt uns der gütige Geber erneut aus Seinem – mit den Worten: „Dein von Dir“.
Aus Seinem Reichtum beschenkt Er uns, und wir, die Armen, Blinden und Lahmen, werden durch Ihn reich; doch dieser Reichtum selbst bleibt in Ihm, ohne zu schwinden und ohne zuzunehmen. O unvorstellbare Größe! Er macht alle reich! Tausende und Abertausende, unzählige Scharen sind reich geworden und heilig geworden, und doch bleibt der Reichtum selbst in Gott.
Darum, mein Kind, sei dir zunächst bewusst, dass alles Gute seinen Ursprung in Gott hat. Es gibt keinen guten Gedanken, der nicht von Gott kommt, und keinen bösen Gedanken, der nicht vom Teufel stammt. Was auch immer du also Gutes denkst, sagst oder tust – all das ist eine Gabe Gottes.[36] . Alles ist ein Geschenk Gottes, wir haben nichts Eigenes.
Nun, jeder, der Gnade begehrt und darum bittet, der sich wünscht, dass Gott ihm eine Gabe schenkt, muss zuallererst sich selbst gut erkennen – [das Gebot erfüllen]: „Erkenne dich selbst“. Und das ist wahr. Denn jedes Ding hat einen Ursprung. Und wenn du nicht erkennst, worin der Anfang besteht, wirst du am Ende nichts Gutes erlangen.
Also liegen Anfang und Wahrheit darin, zu erkennen, dass du nichts bist und dass aus dem Nichts alles hervorgegangen ist[37]. Er sprach – und es wurde die Erde. Und Er nahm Lehm und bildete den Menschen, noch ohne den Odem des Lebens – einen Menschen aus Lehm. Das ist, woraus du genommen bist. Das sind wir alle: Erde und Lehm.[38]
Dies ist die erste Lektion für den, der Gnade erlangen will, und zwar so, dass sie für immer bei ihm bleibt. Aus dieser [Lektion] erlangt er Selbsterkenntnis, und aus dieser Erkenntnis entsteht Demut. Er soll nicht mit leeren Worten von Demut sprechen, sondern die Wahrheit sagen, die auf festem Grund steht: „Ich bin Erde, ich bin Lehm, ich bin Staub.“ Diese Erde ist unsere erste Mutter.
Nun, die Erde wird mit Füßen getreten, und dich – wie die Erde – muss man mit Füßen treten. Du bist Staub, du bist nichts, man wirft dich hin und her, aus dir baut man. Man formt dich von einem in das andere, wie lebloses Material.
Also hauchte der Schöpfer dir Leben ein und gab dir den Atem des Lebens. Und schon wurdest du zu einem vernünftigen Menschen. Du sprichst, arbeitest, schreibst, lehrst: Du bist zu einem Werkzeug Gottes geworden. Vergiss jedoch nicht, dass deine Wurzel die Erde ist. Und wenn der, der dir den Atem gegeben hat, ihn wieder an sich nimmt, wird man aus dir erneut Mauern bauen[39] .
Das ist der Grund, der nicht nur die Gnade anzieht, sondern sie auch vermehrt und bewahrt. Sie erhebt den Verstand zur ersten Anschauung. Und ohne diesen Anfang wird der Mensch zwar etwas Geringes finden, es aber mit der Zeit wieder verlieren, denn er baut nicht auf festem Boden, sondern erlangt dies durch verschiedene Mittel und Künste.
Du sagst zum Beispiel: „Ich bin ein Sünder!“ Jedoch innerlich hältst du dich für gerecht. Dann kannst du der geistlichen Täuschung nicht entkommen. Die Gnade möchte bleiben, doch da du die Wahrheit noch nicht in der Tat gefunden hast, weicht sie. Denn du wirst deinem Gedanken zustimmen, dass du das bist, was du in Wirklichkeit nicht bist, und so gerätst du unweigerlich in die geistliche Täuschung. Darum bleibt die Gnade nicht.
Denn wir haben einen Gegner, stark und geschickt, den Erfinder des Bösen und Schöpfer aller Verführung, der uns auf den Fersen ist[40], der aus Licht zur Finsternis wurde und alles weiß, der der Feind Gottes ist und danach strebt, uns alle zu Seinen Feinden zu machen. Und schließlich ist er ein listiger Geist und vermischt sich leicht mit dem Geist, den Gott uns geschenkt hat, und nimmt unser kleines Werkzeug und bewegt es, wie er will. Er beobachtet, wohin das Streben der Seele tendiert und wie Gott ihr hilft, und erfindet sofort selbst [etwas] Ähnliches.
Denn es gibt Kämpfe, die der Mensch kennt und denen er ausweicht. Es gibt aber auch andere, die er nicht kennt; denn dies ist ein geistlicher Kampf, und es fällt dem Menschen nicht leicht, das Geschehen zu unterscheiden. Es sind seelische Veränderungen, Bewegungen der Gedanken, Veränderungen des Leibes und Umwandlungen. Denn der Schöpfer, der den Lehm gebildet hat, nahm eine Zusammensetzung aus vier Elementen: trocken, feucht, heiß und kalt[41]. Deshalb leidet der Mensch notwendigerweise in jedem Augenblick entsprechend der Veränderung jedes Elements. Das heißt, er trocknet aus, wird feucht, erwärmt sich, kühlt ab. Und wenn die Eigenschaften eines Elements überwiegen, erkrankt der Körper zwangsläufig. Und folglich leidet auch die Seele mit ihm. Und der Verstand kann seine geistigen Bewegungen nicht vollziehen, da er zusammen mit dem Körper leidet.
Trocknet der Körper in der Hitze der Sonne aus? Dann trocknet auch der Verstand aus. Wird der Körper feucht, wenn es regnet, und wird er träge? Dann wird auch der Verstand träge. Kühlt sich der Körper ab, wenn der Wind weht? Dann vermehrt sich die Galle übermäßig, der Verstand trübt sich, und die Träume nehmen Überhand.
Nun, in all diesen Veränderungen ist die Gnade zwar gegenwärtig, wirkt aber nicht, da die Organe geschwächt sind und unser Feind, der Teufel, weiß, wie man bei jeder Veränderung kämpfen muss. Durch Trockenheit verhärtet er den Menschen, damit er zu Stein wird, damit er widerspricht, damit du nicht gehorchst. Durch Kälte weiß er, den Eifer in dir abzukühlen, damit du gegenüber dem Göttlichen kalt und erstarrt wirst. Durch Hitze – damit der Mensch zornig wird und dich aufregst, damit du die Wahrheit nicht erkennen kannst. Denn [dann], wie wir gesagt haben, entsteht ein Übermaß an Blut, das durch seine Wärme die Begierde – den leidenschaftlichen Teil der Seele – und den Zorn in Bewegung bringt. Und durch Feuchtigkeit erzeugt er Schläfrigkeit, Trägheit, Kraftlosigkeit, eine Erschlaffung des ganzen Körpers. So leidet der Körper unter all dem, und mit ihm leidet auch die Seele, obwohl sie vernünftig und unkörperlich ist.
Ähnlich verhält es sich mit der Gnade. Wenn sie sich dem Menschen nähert, verändert sie nicht [seine] Natur, sondern eben jene natürlichen Eigenschaften und guten Vorzüge, mit denen diese Natur ausgestattet ist. Sie füllt und überflutet, soweit es das Fassungsvermögen jedes Einzelnen zulässt, oder umgekehrt, sie verringert und nimmt weg.
Da das Tun der Anschauung vorausgeht[42], muss das Tun ihr vorausgehen. Als Tun bezeichnet man das, was der Mensch durch den Leib vollbringt, und als Anschauung das, was der Geist in sich selbst vollzieht. Ohne das Tun ist es unmöglich, zur Kontemplation zu gelangen. Bemühe dich jetzt um das, was das Tun erfordert, und das Höchste wird von selbst kommen.
Nun hast du erkannt, dass du aus Lehm bist, arm und nackt. Bitte nun den Allmächtigen, dich zu erneuern, damit Er dich bereichere. Und wenn Er dir gibt, ob viel oder wenig, so wisse, wer dein Wohltäter ist, und rechne dir nicht an, was nicht dein Eigenes ist.
Mit Schmerz und Tränen empfängst du die Gnade. Und wieder mit Tränen der Freude und Dankbarkeit, mit Gottesfurcht wirst du sie bewahren. Durch Wärme und Eifer wird sie angezogen, durch Kälte und Nachlässigkeit geht sie verloren.
Christus verlangt nicht mehr von dir, um dir Seine heiligen Gaben zu schenken. Nur die Erkenntnis: Wenn du etwas Gutes hast – dann ist es Sein. Und habe Mitleid mit dem, der [dieses Gute] nicht hat. Verurteile ihn deshalb nicht, dass er [dieses Gute] nicht hat, dass er sündig, böse, listig, geschwätzig, ein Dieb, ein Unzüchtiger und ein Lügner ist. Wenn du diese Erkenntnis erlangst, wirst du niemals jemanden verurteilen können, selbst wenn du jemanden siehst, der tödliche Sünden begeht. Denn dann wirst du sofort sagen: „Er hat, mein Christus, Deine Gnade nicht, deshalb sündigt er. Wenn Du auch von mir weggingst, würde ich noch Schlimmeres tun. Wenn ich aber stehe, dann stehe ich, weil Du mich trägst. Der Bruder tut, was er sieht. Er ist blind. Wie soll er ohne Augen sehen? Er ist arm. Wie kannst du da verlangen, dass er reich sei? Gib ihm Reichtum, damit er ihn habe. Gib ihm Augen, damit er sehen kann.“
Wenn du in irgendeiner Angelegenheit Gerechtigkeit forderst, wenn dein Nächster dir Unrecht tut, dich entehrt, beleidigt, schlägt, vertreibt oder nach deinem Leben trachtet, dann wirst du selbst wieder ungerecht sein, wenn du ihn für schuldig hältst oder ihn aus Leidenschaft verurteilst. Denn du verlangst von ihm, was Gott ihm nicht gegeben hat. Und wenn du das, was ich dir sage, richtig verstehst, werden alle für dich in keiner Sünde schuldig sein, und nur du allein wirst dich schuldig sehen.
Drei Feinde führen Krieg gegen das Menschengeschlecht: die Dämonen, unsere eigene Natur und die Gewohnheit. Einen anderen Kampf gibt es nicht.
Und wenn du den Dämon vertreibst, der die ganze Menschheit quält, dann würden wir alle gut sein. Ihm musst du die Ungerechtigkeit zuschreiben. Ihn musst du hassen, ihn verurteilen und bis zum Ende daran denken, dass er der Feind ist. Darüber hinaus haben wir noch einen dritten Feind – die Gewohnheit. Da wir uns daran gewöhnen, allerlei Böses zu tun, wird dies für uns zu einer festen Gewohnheit, die wie eine zweite Natur wird und die Sünde wie ein Gesetz vollzieht. Und es bedarf daher einer ebenso großen Anstrengung, damit wir die göttliche Wandlung und die Befreiung empfangen. Dies ist also der dritte Feind, der es verdient, mit vollkommenem Hass gehasst zu werden.
Wenn du also möchtest, dass dein Nächster in allem gut ist, so wie es dir gefällt, dann befreie ihn von diesen drei Feinden durch die Gnade, die du besitzt. Das ist Gerechtigkeit, wenn du sie finden willst: Bete zu Gott, dass Er deinen Nächsten von diesen Feinden befreie. Und dann werdet ihr Einigkeit haben.
Wenn du jedoch auf andere Weise recht haben willst, wirst du immer im Unrecht sein; und so weicht die Gnade bald weicht und wiederkehrt, bis sie in deiner Seele Ruhe findet. Denn der Mensch empfängt so viel Gnade, wie groß die Versuchung ist, die er dankbar erträgt, und wie schwer die Last seines Nächsten ist, die er ohne Klage trägt.
Die früheren Briefe, die ich dir gesandt habe, enthielten also das Tun. Der Inhalt dessen, was ich jetzt geschrieben habe, ist die Erleuchtung. Durch das Tun erlangt der Mensch die Erleuchtung des Wissens. Denn das Tun ist blind, und die Erleuchtung sind die Augen, mit denen der Verstand sieht, was er zuvor nicht gesehen hat.
Und nun hat er eine Lampe und Augen, und er sieht die Dinge anders. Und zuvor war die Gnade des Handelns, und nun hat er die zehnfache Gnade empfangen. Nun ist der Verstand zum Himmel geworden, er sieht weit, er hat eine Weite, die die frühere übertrifft. Jetzt fehlt ihm noch die Anschauung. Er hat einen Thron erlangt wie ein König, und es fehlt ihm die Schau, von dem wir ein anderes Mal sprechen werden. Du aber schreibe diese Briefe mit Tinte ab, damit sie nicht verwischen (da sie mit Bleistift geschrieben sind), um sie zu studieren und dein Leben zu verbessern.
III. Der Kampf beginnt
Über den Kampf gegen die Gedanken
Es zu versuchen und zurückzuweichen – das nennt man kein Handeln. Handeln ist, wenn jemand zum Zweikampf antritt, siegt, verliert, gewinnt, verliert, fällt, wieder aufsteht, wenn er alles überwindet und den Kampf bis zum letzten Atemzug fortsetzt.
Und möge er, solange seine Seele noch im Leib ist, niemals auf sich selbst hoffen. Doch wenn er zum Himmel aufsteigt, dann muss er erwarten, am nächsten Tag in die Hölle hinabzusteigen. Ganz zu schweigen davon, dass der Abstieg im selben Augenblick geschehen kann, [in dem er aufgestiegen ist]. Darum soll sich der Mensch nicht über Veränderungen wundern, sondern sich hinter die Ohren schreiben, dass ihm beides eigen ist Wisse, dass der Gnade immer die Versuchungen vorausgehen, wie eine Art Vorwarnung zur Vorbereitung. Und sobald du siehst, [dass dich] die Gnade besucht hat, nimm dich zusammen und sage dir: „Der Krieg ist erklärt! Hüte dich, du Tonklumpen, achte darauf, von wo der Böse den Angriff beginnt.“ Oft kommt er schnell, oft erst nach zwei oder drei Tagen. Auf jeden Fall wird er kommen. Und lass deine Befestigungen stark sein: Beichte jeden Abend, Gehorsam gegenüber [deinem] Ältesten, Demut und Liebe zu allen. Und so wird dir die Trauer erleichtert.
Nun [folgendes]: Wenn die Gnade vor der Reinigung kommt – bitte um Aufmerksamkeit und Klarheit des Verstandes.
Die Gnade lässt sich in drei Stufen unterteilen: die reinigende, die erleuchtende und die vollendende Gnade. Und das Leben lässt sich in drei Arten unterteilen: das natürliche, das übernatürliche Leben und das widernatürliche. Entlang dieser drei Stufen steigt der Mensch auf und steigt ab. Und der großen Gaben, die der Mensch empfängt, sind [ebenfalls] drei: Anschauung, Liebe, Gelassenheit.
Nun, dem Handeln dient die reinigende Gnade, die bei der Reinigung hilft. Und jeden, der Buße getan hat, hat die Gnade zur Buße bewegt. Und alles, was der Mensch tut, ist das Werk der Gnade, auch wenn derjenige, der sie besitzt, dies nicht weiß. Sie nährt und leitet ihn jedoch. Und entsprechend dem erreichten Fortschritt steigt er auf, oder er sinkt herab, oder er verbleibt im gleichen Zustand. Wenn er Eifer und Selbstverleugnung besitzt, steigt er zur Anschauung auf, worauf die Erleuchtung durch göttliche Erkenntnis und in gewissem Maß die Gelassenheit folgt. Wenn aber Eifer und Bereitschaft erkalten, schwindet auch das Wirken der Gnade.
Und der Beter mit Erkenntnis, von dem du sprichst, ist derjenige, der weiß, worum er betet und was er von Gott erbittet. Wer mit Erkenntnis betet, spricht nichts Überflüssiges, bittet nicht um Unnötiges, sondern kennt den Ort, die Art und die Zeit und bittet um das, was für seine Seele angemessen und nützlich ist. er tritt verständig mit Christus in Gemeinschaft, ergreift Ihn und hält Ihn fest und sagt: „Ich werde Dich nicht verlassen.“
Wer also betet, der bittet um Vergebung der Sünden, er bittet um die Gnade des Herrn. Wenn er jedoch vor der Zeit um große Gaben bittet, gewährt ihm der Herr dies nicht. Denn Gott gibt dies nach Maßgabe. Und wenn du Ihn mit deinen Bitten drängst, lässt Er zu, dass der Geist der Täuschung sich als Gnade ausgibt indem er das eine als das andere erscheinen lässt. Deshalb ist es nicht nützlich, um übermäßige Gaben zu bitten. Aber selbst wenn du vor deiner Läuterung erhört wirst, wenn es für dich noch nicht an der Zeit ist, diese übermäßigen Gaben zu empfangen, werden sie dir zu Schlangen und schaden dir. Du aber habe reine Reue, sei allen gehorsam, und die Gnade wird von selbst kommen, ohne deine Bitten.
Der Mensch bittet Gott wie ein unverständiges Kind um die Erfüllung seines eigenen Willens. Gott, als der allgütige Vater, schenkt dem Menschen Gnade, lässt aber auch Versuchungen zu. Wenn er die Versuchungen geduldig erträgt, empfängt er mehr Gnade. Je mehr Gnade er empfängt, desto mehr nehmen auch die Versuchungen zu.
Wenn die Dämonen sich nähern und zum Kampf blasen, gehen sie nicht dorthin, wo du sie mühelos besiegen kannst, sondern prüfen, wo deine Schwäche liegt. Dort, wo du sie gar nicht erwartest, durchbrechen sie die Mauern. Und wenn sie eine schwache Seele finden, eine Schwachstelle, besiegen sie den Menschen immer dort und machen ihn schuldig. Bittest du Gott um Gnade? Anstelle von Gnade lässt Er zu, dass du in Versuchung gerätst. Hältst du dem Kampf nicht stand und fällst?
Dann wird dir keine zusätzliche Gnade zuteil. Bittest du erneut? Wieder eine Versuchung. Wieder eine Niederlage? Wieder Entzug – und so bis ans Ende deiner Tage.
Nun, du musst als Sieger hervorgehen. Stehe der Versuchung bis zum Tod entgegen. Falle in der Schlacht kraftlos zu Boden und rufe erschöpft:
- Ich werde Dich nicht loslassen, süßester Jesus! Und ich werde Dich nicht verlassen! Ich werde für immer untrennbar mit Dir verbunden bleiben und um Deiner Liebe willen auf dem Feld des Kampfes sterben.
- Und plötzlich erscheint Er auf dem Feld
- und ruft durch den Sturm: Ich bin bei dir! Gürte deine Lenden wie ein Mann und folge mir nach!
Und du wirst ganz Licht und Freude:
- Wehe mir, dem Verdammten! Wehe mir, dem Bösen und Unzüchtigen![43] .
Dann wirst du von göttlicher Liebe erfüllt. Und deine Seele brennt wie die des Kleopas[44]. Und in der Stunde der Versuchung wirst du fortan den Schleier nicht ablegen und nicht nackt davonlaufen[45], sondern geduldig die Leiden ertragen und so nachdenken: Wie die eine und die andere Versuchung vorübergegangen ist, so wird auch diese vorübergehen.
Wenn du jedoch verzagst, murrst und die Versuchungen nicht erträgst, dann musst du, anstatt Siege zu erringen, ständig Buße tun müssen: tagsüber für deine Sünden, nachts für deine Nachlässigkeit. Und anstatt Gnade um Gnade zu empfangen, vermehrst du deine Leiden.
Fürchte dich also nicht, fürchte dich nicht vor den Versuchungen. Und selbst wenn du viele Male fällst – steh wieder auf. Verliere nicht die Fassung. Verzweifle nicht. Das sind Wolken, sie werden vorüberziehen.
Und wenn du mit Hilfe der Gnade, die dich von allen Leidenschaften reinigt, all das durchläufst, was das Wirken ist, dann kostet dein Geist die Erleuchtung und bewegt sich zur Kontemplation.
Und die erste Kontemplation ist die Betrachtung [des gesamten] Seins: dass Gott alle und alles für den Menschen geschaffen hat und sogar die Engel selbst [geschaffen hat], um ihm zu dienen. Welche Würde, welche Größe, welche große Bestimmung hat der Mensch – das Atem Gottes! Es liegt nicht darin, dass er hier die kurzen Tage seines Exils verbringt, sondern darin, dass er ewig mit seinem Schöpfer lebt. Dass er die Engel Gottes sieht und ihren unaussprechlichen Gesang hört. Welche Freude! Welche Größe! Und sobald das Ende unseres Lebens naht und diese Augen sich schließen, öffnen sich sogleich andere, und ein neues Leben beginnt.
Wahrlich eine Freude, die kein Ende mehr kennt.
Wenn man darüber nachdenkt, taucht der Geist in eine Art Welt[46] und vollkommene Stille, die sich über den ganzen Körper ausbreitet, und [der Mensch] vergisst völlig, dass er in diesem Leben existiert. Solche Betrachtungen folgen aufeinander. Nicht, dass der Mensch selbst Träume in seinem Geist erschafft, nein, ein solcher Zustand ist das Wirken der Gnade. Sie bringt [wahre] Bedeutungen, und der Geist ist [unermüdlich] mit der Kontemplation beschäftigt. Nicht der Mensch erschafft sie – sie kommen von selbst und fesseln den Geist in der Kontemplation.
Und dann erweitert sich der Geist und wird ganz anders. Er wird erleuchtet, alles steht ihm offen. Der Mensch wird von Weisheit erfüllt und besitzt als Sohn dasselbe wie sein [himmlischer] Vater. Er weiß, dass er nichts ist, Lehm, aber auch Sohn des Königs. Er besitzt nichts, aber besitzt Er wird von der Theologie erfüllt. Unersättlich verkündet er und bekennt in vollem Bewusstsein, dass sein Wesen nichts ist. Sein Ursprung ist Lehm. Und seine Lebenskraft? Seine Seele ist der Atem Gottes. Die die Seele [des Menschen] direkt in den Himmel!
- Ich bin ein Hauch, Gottes Atem! Alles hat sich aufgelöst, ist in der Erde geblieben, aus der es genommen wurde! Ich bin der Sohn des ewigen Königs! Ich bin Gott durch Gnade! Ich bin unsterblich und ewig! In einem Augenblick bin ich bei meinem himmlischen Vater!
Das ist wahrhaftig die Bestimmung des Menschen. Dafür wurde er geschaffen. Und er muss dorthin zurückkehren, woher er gekommen ist. Das sind die Betrachtungen, in die der geistige Mensch tief eintaucht.
Und er erwartet die Stunde, in der er die Erde verlässt und seine Seele in den Himmel emporsteigt.
Also, sei mutig, mein Kind, und ertrage mit dieser Hoffnung jeden Schmerz und jedes Leid, denn bald werden wir dessen würdig sein. Für uns alle – gleichermaßen. Wir alle sind Kinder Gottes. Zu Ihm rufen wir Tag und Nacht. Und zu unserer süßen Mutter, der Herrscherin über alles, die den zu ihr Betenden niemals im Stich lässt.
Über das Abschneiden der Gedanken
Wenn die Liebe unseres Herrn die Seele des Menschen ergreift[47], ist er nicht mehr durch das Maß gebunden und überschreitet dessen Grenzen. Darum kennt er, wenn er etwas schreibt oder sagt, kein Maß. Doch wenn er in diesem gnadenreichen Augenblick spricht, ist alles, was er sagt, gering gegenüber dem flammenden Glanz der göttlichen Liebe. Wenn sich aber das Herz wieder zusammenzieht und die Wolke weicht, dann nimmt das Maß im Inneren wieder seinen Platz ein, damit der Mensch über alles nachdenken kann.
Nun, alles, was ich euch geschrieben habe, diente einem einzigen Zweck: die Inbrunst eurer Seele zu stärken, euch zur Sehnsucht und zum Verlangen nach unserem süßesten Jesus anzuspornen. So verfahren auch die Feldherren in den Heeren, wenn sie von den Heldentaten tapferer Krieger erzählen, und so spornen sie die Truppen dazu an, tapfer zu kämpfen.
Aber auch die Lebensgeschichten der Heiligen und ihre Worte, die sie niedergeschrieben und uns hinterlassen haben, verfolgen dasselbe Ziel. Und die Seele ihrerseits ist von Gott so geschaffen, dass sie, wenn sie nicht oft von Erhabem und Wunderbarem hört, in Trägheit und Nachlässigkeit verfällt. Und nur so: durch Lesen und hörenswerte Erzählungen vertreibt sie das Vergessen und erneuert das alte Gebäude.
Als ich auf den Heiligen Berg kam, fand ich viele Väter, die im Tun und in der Anschauung lebten, alte und heilige Menschen. Da war der Älteste Kallinikos, ein wunderbarer Asket, seit vierzig Jahren Einsiedler. Er übte sich im Gebet des Herzens und kostete die Süße der göttlichen Liebe. Er war auch für andere von Nutzen und hatte Erfahrung der Entrückung des Geistes.
Unterhalb von ihm lebte ein anderer Ältester, Gerasim. Er war der Stille zutiefst ergeben. Er stammte von der Insel Chios. Ein wunderbarer Asket, der sich im geistlichen Gebet übte. Neunzig Jahre alt. Er lebte siebzehn Jahre lang auf dem Gipfel des Propheten Elias[48]; im Kampf gegen Dämonen kämpfte und von Zeit zu Zeit von Blitzen getroffen wurde[49], blieb er ein unerschütterlicher Pfeiler der Geduld. Seine Tränen hörten nicht auf. Erfreut durch das Jesusgebet, vollendete er sein sorgenfreies Leben.
Weiter oben lebte der Älteste Ignatius, der viele Jahre blind war. Lange Jahre war er Beichtvater. Ein fünfundneunzigjähriger Ältester, der klug und ununterbrochen betete. Und sein Mund verströmte dank des Gebets einen solchen Wohlgeruch, dass sich jeder freute, der mit ihm von Mund zu Mund sprechen durfte.
Es gab noch einen anderen, noch erstaunlicheren, in St. Peter auf dem Athos[50]– Pater Daniel[51], ein Nachahmer des Arsenius des Großen.
Er war äußerst schweigsam, ein Einsiedler, der bis zum Ende seiner Tage die Liturgie zelebrierte. Sechzig Jahre lang dachte er keinen einzigen Tag daran, den göttlichen Gottesdienst aufzugeben. Und in der Fastenzeit zelebrierte er an jedem [Wochentag] die Vorabgesegnete Liturgie. Und da er bis zu seinem letzten Tag nicht krank war, starb er im hohen Alter. Und seine Liturgie dauerte immer dreieinhalb oder vier Stunden, denn vor Rührung konnte er die Ausrufe nicht aussprechen. Von den Tränen wurde der Boden vor ihm immer nass. Deshalb wollte er nicht, dass sich ein Außenstehender bei seiner Liturgie aufhielt und sein Tun sah. Aber mich nahm er auf, da ich ihn sehr inständig darum bat. Und jedes Mal, wenn ich zu ihm ging, drei Stunden lang in der Nacht schreitend, um diesem wahrhaft schrecklichen göttlichen Schauspiel beizuwohnen, sprach er ein oder zwei Worte zu mir, nachdem er aus dem Altar getreten war, und verschwand sogleich bis zum nächsten Tag. Er hatte bis zum Ende seines Lebens ein kluges Gebet, und seine Nachtwache dauerte die ganze Nacht. Von ihm habe ich diese Regel übernommen und darin den größten Nutzen gefunden. Er aß jeden Tag fünfundzwanzig Dramen[52] Brot jeden Tag und schwebte [so schien es] in der Luft auf seiner Liturgie. Und solange der Boden unter seinen Füßen nicht zu einem feuchten Brei wurde, beendete er die Liturgie nicht.
Es gab noch viele andere Kontemplative, die ich nicht zu Gesicht bekam, da sie ein oder zwei Jahre zuvor verstorben waren. Und man erzählte mir von ihren wundersamen Taten, denn ich interessierte mich ständig dafür. Schritt für Schritt durchstreifte ich Berge und Höhlen, um solche zu finden. Denn mein Ältester war gütig und schlicht, und wenn ich ihm das Essen zubereitete, gab er mir den Segen für die Suche nach dem, was meiner Seele nützlich war. Und erst als ich ihn begraben hatte, erkundete ich den ganzen Athos.
In einer Höhle lebte einer, der siebenmal am Tag weinen musste. Das war seine Aufgabe. Und die ganze Nacht musste er in Tränen verbringen. Und sein ganzes Haupt war immer nass. Und der Bruder, der ihm diente und zwei- oder dreimal am Tag kam, fragte ihn, denn dieser wollte nicht, dass er [ständig] bei ihm war, damit er sein Weinen nicht unterbrach:
- „Alter Mann, warum weinst du so viel?“
- Wenn, mein Kind, ein Mensch Gott betrachtet, fließen ihm aus Liebe die Tränen, und er kann sie nicht zurückhalten.
Es gab auch andere, jüngere: Pater Kosma und andere. Und Ältere, über die zu schreiben, zu viel Papier erfordern würde. Nun sind sie alle hier gestorben und leben dort in Ewigkeit.
Und heute hört man von so etwas nichts mehr. Denn Fürsorge, materielle Sorgen und die fast vollständige Missachtung [der geistigen] Nüchternheit[53] haben die Menschen so sehr in ihren Bann gezogen, dass viele nicht nur nicht forschen, studieren oder dies tun wollen, sondern, wenn sie hören, dass jemand davon spricht, sich sofort feindselig gegen ihn erheben. Und sie halten ihn für verrückt und dumm, denn sein Leben gleicht nicht ihrem Leben und wird von ihnen zum Gespött gemacht[54].
Und es wird wie in den Zeiten der Götzenanbetung. Damals, wenn man die Götzen beschimpfte, wurde man mit Steinen beworfen und einem grausamen Tod ausgeliefert. Und nun nimmt jede Leidenschaft den Platz eines Götzen ein. Und wenn du die Leidenschaft anprangerst und verurteilst, von der, wie du siehst, jeder überwältigt wird, schreien alle: „Steinigt ihn, denn er hat unsere Götter beleidigt!“
Schließlich bin ich, da ich niemanden ohne Ausnahme akzeptiere und nicht einmal hören will, wie die Welt und die Mönche leben oder womit sie sich beschäftigen, immer ein Ziel für Verurteilungen. Aber ich höre nicht auf, Tag und Nacht für die Väter zu beten und zu sagen, dass sie vollkommen im Recht sind. Nur ich habe Unrecht, wenn ich sie verführe. Denn sie sehen mit den Augen, die Gott ihnen gegeben hat. Hätte ich nicht Unrecht, würde ich nicht verurteilt werden, wenn ich sage:
„Warum sehen sie nicht so, wie ich sehe?“
Gott alle vergeben alle auf Gebeten der frommen, gottesfürchtigen Väter.
Über die Standhaftigkeit im Kampf
Du fragst nach dem Gebet, mein Kind. Da dein Ältester das Gebet kennt, besteht für dich keine Gefahr, in die geistliche Täuschung zu geraten. Tu, wie dir dein Ältester sagt, und wenn die Gnade kommt und geht, sei nicht traurig; denn so erzieht sie den Menschen, damit er demütig denkt und sich nicht überhebt.
So ist es zunächst bei einem Säugling. „“[55], – sagt die Heilige Schrift.
Wehe dir, Seele, in der dein Verstand ein Neuling in solchen Dingen ist!
Der Verstand, mein Kind, kann nicht in einer einzigen Haltung verharren, besonders nicht bei dem, der geistlich schwach ist. Mal braucht er das Lesen, mal das Psalmen singen, mal die Stille. Wenn der Mensch schweigt, findet der Verstand eine günstige Gelegenheit, in verschiedene Stellen der Schrift einzutauchen, die er bereits studiert hat.
Wenn du ihm also etwas Gutes gibst, das ihm gefällt, gewinnt er an Kraft, so wie der Körper Kraft aus der gesunden Nahrung bezieht, die er zu sich nimmt. Wenn du ihm jedoch alles gibst, was dir gerade in die Hände fällt, dann wird er getrübt, anstatt erleuchtet zu werden. Wenn er müde wird, braucht er Ruhe.
So lernt der Verstand, Gut und Böse zu unterscheiden. So wird er ganz Licht, ganz Strahlglanz. Er sieht die Reinheit der Seele, er sieht die Stacheln, er erträgt die Versuchungen. Die Gnade vermehrt sich, reinigt den Körper von den Leidenschaften. Die Seele findet Frieden. Und schließlich kommt alles, eins nach dem anderen, verbunden wie eine Kette, schnell und ohne große Mühe, denn vollkommener Gehorsam bringt all dies mit sich.
Und höre: Bei dem, der vollkommenen Gehorsam erweist, ist der Verstand völlig sorglos.
Nun, der Verstand ist der Verwalter der Seele, der ihr Nahrung liefert – das, was du ihm gibst. Wenn er Frieden hat und du ihm das Gute gibst, das er will, lässt er es ins Herz sinken. Zunächst reinigt er sich von jenen Vorurteilen und Eindrücken, von denen er in der Welt abhängig war, befreit sich von der Trübung weltlicher Sorgen und hört, indem er unablässig das Jesusgebet spricht, völlig auf. Und dann verstehst du, dass der Verstand gereinigt ist, denn er neigt nicht mehr zu dem Bösen und Unreinen, das er in der Welt gesehen oder gehört hat. Dann bahnt er durch das Jesusgebet, das ins Herz eindringt und [mit dem Atem] wieder aus ihm herausströmt, den Weg frei und vertreibt aus dem [Herzen] alles Schändliche, alle Arglist und Unreinheit. Denn der Verstand beginnt einen Kampf gegen die Leidenschaften und die Dämonen, die diese schüren und die sich so viele Jahre im [Herzen] eingenistet hatten, ohne dass jemand von ihnen wusste oder sie sah. Doch nun, da der Verstand Reinheit erlangt hat, sein ursprüngliches Gewand, sieht er sie und bellt wie ein Hund, knurrt, kämpft mit ihnen, als Herr und Wächter des gesamten vernünftigen Teils der Seele. Den Namen „Jesus“ wie eine Waffe schwingend, geißelt er die Gegner, bis er sie alle hinausgetrieben hat, hinter den Perikard[56]. Und auch sie bellen wie wilde Hunde. Und der Verstand beginnt, den Schmutz und jede Unreinheit zu reinigen, mit der uns die Dämonen mit unserer Zustimmung befleckt haben, die wir jedem Übel und jeder Übertretung gegeben haben. Und dann kämpft er gegen die Dämonen, um sie zu vertreiben und sie vollständig zu entfernen, damit sie ihm keinerlei Unruhe bereiten. Und er bemüht sich unablässig darum, den Schmutz hinauszuwerfen, den sie ständig hineinwerfen. Dann bringt er, wie ein guter Verwalter, Nahrung, die der Erleuchtung und der Gesundheit der Seele dient.
All dies wird durch die reinigende Gnade bewirkt. Der Betende wird wie von einem Baldachin mit dem Mantel des Gehorsams bedeckt. Er wird durch die Gnade dessen beschützt, der seine Seele vor Gott angenommen hat. Und nach und nach vollzieht sich vom Höchsten her eine Wandlung[57]. Und wenn bald die Dämonen vollständig vertrieben sein werden und das Herz von innen gereinigt ist, dann wird die Verunreinigung aufhören. Der Verstand thront wie ein König im Herzen, gleichsam auf einem Thron, und freut sich wie ein Bräutigam über seine Braut in der Hochzeitskammer. Er freut sich heilig, friedlich, makellos. Er betet mühelos. Und dann wirkt die Gnade frei und zeigt dem Verstand, was verheißen ist und was ihm als Belohnung zuteilwerden wird, wenn er seine Pflicht untadelig erfüllt. Und von da an, ruhig und friedlich, wenn die Gnade kommt, wird der Verstand durch sie zur Anschauung erhoben, entsprechend der Tragfähigkeit, die das Fundament besitzt.
So bringen also vor allem Gottesfurcht, Glaube, vollkommener Gehorsam und Selbstverleugnung all dies hervor. Und der Mensch gelangt zur seligen Liebe und schließlich zur Leidenschaftslosigkeit. So kommt das Böse in seinem Geist nicht im Geringsten in Bewegung, und der Mensch ruft aus der Tiefe: „Meine Seele dürstet nach Dir, mein Gott! Wann werde ich kommen und Dein heiliges Antlitz schauen?“[58] Und er erwartet den Tod als die größte Freude, wenn sich diese Augen schließen und jene sich öffnen, mit denen er alles sehen wird, immer voller Freude.
Darum zwinge dich, mein Kind. Zwinge dich zu seligem Gehorsam, in dem all diese Güter liegen, und lebt wie eine Seele in verschiedenen Körpern. Und euer Ältester wird Ruhe finden und freier für euch beten können, aus ganzer Seele, in voller Freude und Fröhlichkeit. Wenn ihr aber nicht gehorcht und all dies verletzt, dann wird auch seine Seele unaufhörlich belastet, und vor Kummer wird er schwach und nähert sich nach und nach dem Tod.
All dies habe ich aus Erfahrung geprüft und die Frucht davon gekostet, und sie ist überaus süß. Ich habe keinen größeren Frieden gesehen als den, der aus vollkommenem Gehorsam kommt. Ich habe meinen guten Ältesten beerdigt und durch sein Gebet Frieden gefunden.
Also bemüht euch jetzt, solange ihr jung seid, damit ihr im Alter die Früchte der Leidenschaftslosigkeit ernten könnt. Und zwar nicht erst im hohen Alter, sondern schon in zwanzig Jahren werdet ihr, wenn ihr euch dazu zwingt, sehen, was ich euch sage. Wenn ihr euch aber nicht dazu zwingt, werdet ihr, selbst wenn ihr das Alter Methusalahs erreicht, keine Freude an diesen Gaben haben.
Also zwingt euch und wetteifert alle mit dem Ältesten und untereinander im Guten. Und ihr werdet eine solche Unerschütterlichkeit der Leidenschaften und einen solchen Seelenfrieden erleben, als ob ihr im Paradies wärt.
Über den Beginn des geistlichen Kampfes
5. 1959 meinem Johannes wünsche ich viel Gesundheit und Erleuchtung von Gott.
Möge Er möge deinen Geist senden, wie Er ihn Seinen heiligen Jüngern gesandt hat.
Also, mein guter Sohn, fürchte Gott und halte Seine Gebote, dann wird es dir gut gehen. Heute habe ich deinen Brief erhalten, ihn gelesen und mich sehr darüber gefreut, dass du um Nahrung für deine Seele bittest. Nimm dir das zu Herzen, mein gutes Kind, und bete vor allem das Jesusgebet. Gedenke des Namens Gottes, damit auch Gott deiner gedenkt in der Stunde der Versuchung.
Was auch immer du tust, [tu es] mit Nachdenklichkeit und Besonnenheit und sage dir in jedem Augenblick: „Johannes, sei achtsam, Gott sieht dich. Er ist hier, neben dir. Er sieht alles und sieht gut. Du kannst nichts vor Ihm verbergen. Du bist ein Wurm vor Ihm, eine Ameise.“
Denn Gott ist allsehend, Er sieht alles um sich herum. Bevor dein Verstand versucht, einen Gedanken zu fassen, weiß Gott dies bereits. Warum siehst du das nicht? Das Sehen Gottes ist das Wissen um Gott.
Wenn du also nicht sündigst, nicht lügst, nicht verurteilst, keine bösen Gedanken gegen deinen Nächsten hegst, dann hast du Gottesfurcht. Dann bist du weise und begreifst Gott. Und um Ihn nicht zu betrüben, sündigst du nicht. Und das ist das Sehen Gottes. Und Gott, der alles sieht, schützt dich vor den Fallstricken des Feindes. Das ist der Weg, wie du dich vor den Fallstricken des Satans bewahren kannst, mein lieber Sohn. Das reicht dir vorerst.
Ich bete stets für euch.
Über die Beharrlichkeit im Kampf
18.1959 Liebes Kind, Fotios, ich wünsche dir alles Gute, mein Kind!
Fotios, ich habe deinen Brief erhalten und gelesen und mich darüber gefreut.
Was du schreibst, mein Kindlein, sind Gedanken des Bösen, der dich quält. Das ist Unsinn, mein Kindchen, all das wird vorübergehen. Lass uns nun das Jesusgebet sprechen. Im Winter kann man sich die Ohren erfrieren, deshalb muss man sie warmhalten. Die Versuchung nutzt eine günstige Gelegenheit, um dich anzugreifen. Achte du nur nicht darauf, was dir der Gedanke sagt. Wir werden das Gebet über einen Wattebausch sprechen, ich werde es in den Brief legen, und du wirst es dir ins Ohr legen. Und mach dir keine Sorgen.
Ich beantworte dir deine Frage zur Beichte: Was du bereits gebeichtet hast, brauchst du nicht zu wiederholen. Sage bei der Beichte nur das, was du zuvor noch nicht gesagt hast.
Und achte darauf, dass du immer betest. Sprich das Jesusgebet, lies das Heilige Evangelium, die Bibel, das Alte Testament und die Schriften der Heiligen Väter, um erweckt und erleuchtet zu werden. Das ist es, was den Menschen rettet und vor der Sünde bewahrt. Hüte dich vor schlechtem Umgang und befolge die Ratschläge von Pater Panteleimon, er ist mein geliebtes Kind.
Deine Adresse ist verloren gegangen. Ich bin krank geworden, und alle Briefe sind durcheinander geraten, und deiner ist höchstwahrscheinlich verloren gegangen. Deshalb schicke ich diesen Brief an die Adresse von Panteleimon.
Ich bete von ganzem Herzen für dich.
IV. Das Gebet lernen
Über das Gebet
7. 1957 Gesegnetes Kind Ekaterina, ich wünsche dir alles Gute!
Ich habe deinen Brief von dort erhalten, wohin du, wie du schreibst, gefahren bist, um Bäder zu nehmen[59]. Ich habe mit der Antwort gewartet, damit du sie erhältst, wenn du bereits in dein kleines Kloster zurückgekehrt bist.
Ich denke, es wäre gut, wenn du Geduld zeigen und nicht zu diesen Bädern fahren solltest. Denn du bist jung, und das ist gefährlich für dich. Wenn wir, mein Kind, alle Leiden ertragen, werden wir die Gnade des Herrn erlangen. Zu diesem Zweck lässt der Herr zu, dass wir versucht werden, um uns zu prüfen und uns Kronen zu flechten.
Dazu ist Geduld notwendig: Ohne Geduld wird der Mensch nicht zum Handelnden. Also, sei tapfer und stärke dich im Herrn, und du wirst deinen Lohn im Himmel erhalten.
Liebe Jesus und sprich unablässig das Jesusgebet, dann wird es dich auf seinem Weg erleuchten.
Ich übermittle dir die besten Wünsche von Pater Ephrem und von allen Patres. Grüß alle Schwestern von mir.
Wir danken euch für alles, was ihr uns geschickt habt. Ich bete für euch.
Über die Aufmerksamkeit im Gebet
25. 1958
Gesegnetes Kind Navsika, ich wünsche dir alles Gute! Ich habe deinen Brief erhalten und gelesen.
Ich freue mich, dass du dich dazu zwingst, gerettet zu werden. Sei sehr aufmerksam und zwinge dich selbst, denn wer sich bemüht, wird das Himmelreich erlangen[60]
Zwinge dich zum Jesusgebet, und alles wird vorübergehen. Wenn ihr dieses Gebet betet, werdet ihr einander lieben, und es wird keine Spaltungen unter euch geben. Denn in den Spaltungen findet der Böse seine Freude.
Zwingt euch zum Jesusgebet, damit die Gnade euch beschene! Und achtet auf euch selbst.
Wir werden für dich beten. Möge alles vergeben sein und möge ein guter Anfang gemacht werden!
Ich bete demütig für dich.
Auf der Rückseite schreibe ich auch an deine Schwester Ekaterina, denn ihr seid Schwestern. Seid nicht beunruhigt.
Über das beständige Gebet
Mein lieber und gesegneter Johannes, ich habe deinen Brief erhalten und gelesen und freue mich über deine zärtliche Liebe zu deinen Kindern.
Sorge dafür, dass sie tut, was ich ihr zum Wohl ihrer Seele schreibe, und dann wird auch ihr Leib genesen.
Und quäle dich nicht mit dem Umherlaufen zu Ärzten, denn in unserer Nähe ist der Arzt der Seele und des Körpers. Wir hier hören nicht auf, euer zu gedenken, auf dass der Herr euch bewahre.
Seid gesund im Herrn!
Über die Übung des Gebets
* Die Übersetzung dieses Briefes basiert auf der Ausgabe: Θείας Χάριτος
Ἐμπειρίες. Γέροντας Ἰωσὴφ ὁ Ἡσυχαστής. Ἐπιστολιμαία Βιογραφία
– Unveröffentlichte Briefe und Gedichte. Heiliges Großes Kloster Vatopaidi, Berg Athos,1992.16.1932
Der Brief, – ergänzt um dort fehlende Fragmente nach der Ausgabe: Elder Joseph, Ausdruck monastischer Erfahrung. Heiliges Kloster Philotheos, Meine Schwester, meine in Christus geliebte Ergina, Vertraute meiner Seele, mein wahres geistliches Kind im Herrn, sei gegrüßt! Ich habe heute deinen Brief erhalten, der voller Liebe und Ehrfurcht ist, Weisheit Vernunft und Demut. Und ich habe Hände zu dem Herrn, mit glühender Liebe und seelischer Wärme rief zum Herrn mit der verborgenen Stimme meines demütigen Herzens: „Höre, – sage ich, – o süße Liebe, Jesus, mein Heiland, Licht, das heller ist als jedes andere Licht, der du vom ewigen Vater, dem Erzeuger, bist, und Wahrheit, meine Hoffnung und mein Trost, meine Festung und meine Kraft, meine Liebe und meine Erleuchtung, höre, sage ich, und sende meiner Schwester das Licht Deines göttlichen Trostes, und zerbrich Fesseln und Schranken der verdunkelten und ihrer leidenden Seele, und tröste ihr Herz mit dem Glanz Deines Strahlens, damit ihre Sorgen und die unaufhörlichen Qualen der Versuchungen gemildert werden. O mein süßester Christus, Licht, das heller leuchtet als jedes andere Licht, das den Schoß und das Herz, die Seele und den Leib, die Adern und die Knochen, die Haare und die Nägel, den Verstand und die Gedanken und das ganze Wesen unserer Hütte erleuchtet.“ Diese und unzählige andere Worte, Zeugnisse meiner Liebe zu dir, rufe ich meinem Herrn und Meister entgegen, da mir deine vielen und unzähligen Leiden seit deiner Kindheit nicht unbekannt sind und mir in Erinnerung geblieben sind. Und darum liebe ich dich unermesslich und schenke dir von allen die größte Liebe, denn das Erstgeburtsrecht meiner Liebe gehört dir, gib mir zur Belohnung für meine Liebe zu dir: und füge ein wenig Geduld hinzu. Und ich glaube an Jesus, der mich geliebt hat, dass alle deine Bitten der Herr mit Überfluss erfüllen wird. Und du wirst inneren Frieden, Ruhe und Stille finden. Und wirst du dein Haus vermieten, und alles, was unserer armen Seele nützt, wird der Herr dir schenken. Bitte nur unter Tränen, damit, wie der Herr weiß, Sein heiliger Wille geschehe und nicht dein.
Da du nun erkannt hast, dass du vor dem Herrn gesündigt hast, mehr als je zuvor über nicht Füge Geschwüre zu Wunden. Und wenn wie der Mensch wieder fällst, dann verliere nicht den Mut, verzweifle nicht, denn der zu Petrus, dem Gefallenen siebenmal siebzigmal am Tag zu vergeben, menschliebende Herr, wird er uns nicht vergeben?[61], so Lass Miltiades in Ruhe[62], möge er seinen Eltern [was er will]. Sag dir selbst, dass du es wie ein Almosen gibst. Und das, was du jemand anderem geben wolltest, gib es nicht. Tu nichts Gutes einem anderen [Menschen,] ihm genügt. Lass deinen Willen, damit du seelischen Frieden findest. Denn der menschliche Wille ist zu einer kupfernen Mauer [zwischen Gott und dem Menschen] geworden[63], und er behindert die Erleuchtung [von Gott] und den Frieden.
Schau dir zum Beispiel den lieblichsten Jesus an, seinem umgeschaffenen Vater[64]. Er gab [Seinen] Leib den Wunden hin, Seine Wangen den Ohrfeigen und wandte Sein Angesicht nicht von den Spucken ab[65]. Siehst du, meine Schwester, welche Liebe der süßeste Jesus uns erwiesen hat?
Also, Vertraute meiner Seele, lass uns auch unsere Wünsche aufgeben. Lass uns denen vergeben, die gegen uns gesündigt haben, und dann mit Zuversicht sagen: “[66]. Denn wir alle sind Menschen, aus Staub geboren und haben alle gesündigt. Wir sind Lehm und verharren in Unwissenheit. Lehm stiehlt von Lehm, Lehm beschimpft Lehm, Lehm verleumdet Lehm, Lehm erhebt sich über Lehm, Lehm bereichert Lehm, Lehm herrscht über Lehm, Lehm schlägt Lehm, Lehm sperrt Lehm in den Kerker. Und überhaupt hält sich der Lehm vor dem Lehm für weiser, stärker, reicher, edler, ehrwürdiger, während er selbst durch den Wahnsinn und die Unwissenheit seines Daseins zugrunde geht: woher er stammt und wo er gelandet ist, wie er geboren wurde und was seine Bestimmung ist, wo sein Weg endet und was danach sein wird. So stehen die Dinge, da alles von Vergessenheit und Unwissenheit verschlungen wurde und ein Chaos der Gefühllosigkeit entstanden ist. Deshalb leiden wir sowohl hier als auch im Jenseits.
Und deshalb muss derjenige, der besser sieht und sich ein wenig von der Finsternis befreit hat, seinem Nächsten, seinem Bruder, der mit derselben Seele ausgestattet ist und von denselben Leidenschaften geplagt wird, vergeben und Mitgefühl entgegenbringen. Denn ursprünglich hat Gott den Menschen nicht so erschaffen, dass er all diese Qualen ertragen und so leiden müsse. Sondern er hat ihn wie einen Engel erschaffen[67]. Er machte ihn zu etwas Besonderem und schuf das Paradies in Eden, wo er ihn als König einsetzte, damit er souverän und frei herrsche, und band ihn an ein einziges Gebot, damit offenbar würde, dass er vom Höchsten gelenkt wird. Der Mensch jedoch, vom Teufel verführt und in der Vorfreude, Gott gleich zu werden, wird aus dem Paradies vertrieben. Und er verweilt in dieser Verbannung und in Leiden, von Gott getrennt, um alle Tage seines Lebens Dornen und Disteln zu ernten[68].
Was sind das für Dornen und Disteln, wenn nicht die unaufhörlichen Ereignisse und täglichen Leiden durch Versuchungen, durch verdorbene Menschen und durch unsere eigene verdorbene Natur, deren schlechte Gewohnheiten und Bräuche uns wie eine zweite Natur geworden sind, und wir ertragen schmerzhafte Gefahren mehr von ihr als von anderen Feinden. Und wenn uns nicht die Gnade Gottes vorangehen würde, drohte uns die Gefahr des Untergangs. Und wie lange wird das alles noch andauern? Bis zu jener Stunde, da du, von der Erde genommen, nach Seinem Wort[69]. Das ist die Grenze der Leiden und Nöte, die der menschenliebende Gott gesetzt hat. Nun, was willst du, meine liebe kleine Schwester? Werden wir einen Weg finden, auf dem keine Dornen und Disteln wachsen? Gibt es einen anderen Weg, der nicht unter Gottes Verfluchung steht?
Schau dir die Könige an, für die vor kurzem noch Musik erklang und die Feste feierten, vor denen die ganze Schöpfung zitterte. Wo ist all das geblieben?
Dornen und Disteln haben sie erstickt. Wo sind die Minister von einst, die von Bienen lebendig gefressen wurden? Das sind die Wolfsbeeren. Wer kann sich also von den Dornen befreien? Niemand, wäre da nicht der Tod. Also komm, und gemeinsam wollen wir die Worte Salomos verkünden:“[70].
Selig ist, wer bis zum Ende durchgehalten hat, an der Grenze der Geduld, alles verachtend. Durch seine Langmut verringert er die Zahl der Dornen und Disteln, indem er zulässt, dass auf Erden Verlust entsteht, im Himmel aber Reichtum.
Darum, meine liebe Schwester, Seele meiner Seele und Knochen von meinen Knochen, verachte auch du dein Recht und deinen Willen um meiner so großen Liebe zu dir willen, dass ich meine Seele für dich hingebe. Und verbinde das gute Paar – Geduld mit Großzügigkeit – und vermische sie im Kelch der Liebe, und gib deinem Mann zu trinken, den guten Miltiadis, mit dem Kelch der Demut und des Gehorsams, und ich hoffe, dass er dann durch deine Gebete so wird, wie du es willst und wünschst.
Bete auch für mich, wie du schreibst, damit der Herr mich beschütze. Denn ich spüre große Hilfe durch deine lieben, schwesterlichen und geistlichen Gebete. Und wenn du Zeit findest, bestelle eine vierzigtägige Gebetsfeier, damit die Last, die die Seele bedrückt, gemildert werde.
Du schreibst, ich solle eine Ikone bestellen, hast aber vergessen anzugeben, welchen Heiligen und welche Größe. Schreib es mir, und ich werde die Bestellung aufgeben. Gerade eben habe ich den Korb genommen, ihn geöffnet und die Maße der heiligen Ikonen gefunden. Sei also unbesorgt. Man muss nur ein wenig warten, bis sie gemalt sind. Ich habe auch deine schwesterlichen Geschenke erhalten. Keine gewöhnlichen Geschenke, sondern Geschenke der Liebe, Geschenke einer Schwester, die seit ihrer Kindheit leidet. Und für diese kleinen Gaben erhält sie als Belohnung das Himmelreich, Freude und ewige Wonne.
Ach! Ich sah in dem Korb die Speisen unserer Kindheit, die Früchte der Heimat, und als ich mich an unsere Kindheitsjahre erinnerte, sagte ich: „O vergängliche Welt! So unglücklich warst du, so bist du geblieben, und so wirst du bis zum Ende bleiben! Und wie selig ist für die Seligen jene Wonne, die ewig und unendlich ist!“ Ach, Schwester! Wenn du nur ein wenig von diesen Gütern kostest, wirst du in der Geduld [stark] wie Eisen werden.
Also, meine Schwester, ich danke dir von ganzem Herzen für alles und bete aus tiefstem Herzen für dich.
Du schreibst, dass du [ständig] besorgt bist und Pläne schmiedest. Du sprichst die Wahrheit. Aber das ist dieser Welt eigen. Doch gib nicht auf. Wer gelernt hat zu bauen, wird eines Tages lernen, nicht [von der Welt] abhängig zu sein. Vielleicht wird der Herr, wenn er uns beim Bauen antrifft, uns dorthin bringen, wo menschliche Pläne keine Gültigkeit mehr haben. Und dann werden wir ein ewiges Zuhause haben[71].
Also, wage es. Und ich baue mit dir für dich, und das wird mir niemand zerstören. Kümmere dich nur darum, mir die eine oder andere Drachme zu schicken, damit ich Nägel für Fenster und Türen kaufen kann. Wage es und hab Geduld. Ich bin dir für alles sehr dankbar und bete von ganzem Herzen für dich. Übermittle meine demütigen Grüße an alle unsere Brüder, wenn du sie siehst. Ich küsse die Füße der Mutter. Ich umarme Miltiadis und deine Kinder, Dionysios und Barbara, und wünsche ihnen, dass sie brave Kinder sind.
Hier ist die Antwort auf deine Fragen: Der Sohn jener Mutter, die dich gefragt hat, wird von der Kirche nicht in Gedenken gehalten, da er Selbstmord begangen hat. Möge nur, wenn will, verteile ihm für ihn Almosen Und Der Herr ist groß, und unermesslich Tiefe seiner Gnade. Am besten wäre es – wenn sie nichts dagegen hat –, Almosen an die Einsiedler zu senden, die Tag und Nacht beten und deren Gebete der Herr erhört. Sie kennt, wie du sagst, viele Mönche. Sie soll es ihnen geben, damit sie es unter sich aufteilen. Oder den Nonnen. Mehr kann man für ihn nicht tun. Was nun die Tochter betrifft, von der sie sagt, dass sie einen Eid geschworen habe, so ist dieser Eid ungültig, denn er ist Gott zuwider. All dies muss man also dem Beichtvater sagen.
V. Aufmerksamkeit und Sammlung
Über die Sammlung des Geistes
…Er wird zur Besinnung kommen und begreifen, dass das Leben ein Traum ist, ein schnell vorübergehender [Traum]. Eitelkeit, Eitelkeit, alles vergeht. Da der Allmächtige ihm doch eine Mahnung gesandt hat, warum nimmt er, der Gesegnete, dies nicht wahr? Etwas Ähnliches ist mir auch widerfahren. Erinnerst du dich nicht daran? Die Blume verwelkte, verwelkte – und machte mir die Vergänglichkeit von allem bewusst. Er ist unser Bruder, und wir sorgen uns um ihn. Aber er wird durch seine eigenen Tränen geheilt werden, nicht nur durch unsere.
Nun, meine liebe Schwester, erzähle mir von den Angelegenheiten deiner Familie. Hab Geduld – ich bin bei euch in eurem Haus. Mit den Augen des Herzens kannst du mich sehen. Oh meine gute Schwester, euer Haus in Piräus bedeutet mir, dem Sünder, mehr als das Haus, in dem ich geboren wurde.
Als ich dort in diesen Mauern lebte, fasste ich den Entschluss, aus der Welt zu scheiden. Dort sammelte ich all meine Kleider zusammen und empfing den Segen unserer verehrten Mutter.
Nehmt die Bettler auf, gebt den Durstigen zu trinken, tröstet die Leidenden. In eurem Haus habe ich die Wahrheit klar erkannt. Gerne wäre ich länger bei euch geblieben, doch es war Zeit für mich, mich auf den Weg nach Skete zu machen.
Ich hoffe, dass ihr euer Haus eines Tages zu einer Oase für die Leidenden machen werdet. Deine Almosen haben wir alle mit großer Freude angenommen. Nimm auch von mir etwas als Segen für unsere liebe Schwiegertochter.
Möge der Segen unserer aller Mutter, der süßesten Allerheiligsten Gottesmutter, mit euch sein. Myrtidiotis[72] …
Über die Bewahrung des Herzens
Meine geliebte Schwester! Deniska, mein lieber Neffe und dein Sohn, die Seele meiner Seele, wird eines Tages ein Apostel sein. Er hat Gaben, und seine Tugenden sind deutlich erkennbar.
Bitte bewahre die Ikone der Allerheiligsten Gottesmutter Myrtidiotissa, sie gehört ihm.
O meine Geliebte [Schwester], wie habe ich mich gefreut, als ich ihn sah. Wird der Herr mir gewähren, ihn und seinen Erfolg wiederzusehen? Möge er unablässig das Jesusgebet sprechen, und dann wird er sowohl demütig als auch [zugleich] groß werden…
Über die Nüchternheit
Lieber Deniska, geliebter Neffe, [Sohn] meiner geliebten Schwester!
Ich freue mich über deinen Besuch und bin froh, Neuigkeiten über deine Familie und deine Brüder in Christus zu hören. Gottes Liebe verlässt mich nicht, doch wegen meiner Sünden hat Er mir meine geliebten geistlichen Brüder genommen. Warum hat mich mein Bruder verlassen?
Deniska, wenn du ihn irgendwie sehen solltest, stell ihm diese Frage, als ob ich ihn selbst fragen würde.
Ihr bittet um meine Gebete. Auch ich bitte um eure Gebete in diesen Momenten der Verlassenheit.
Es fällt mir nicht leicht, weiterzuschreiben. Dieses Jahr ist ein Jahr des Schmerzes, des Weinens und des Leidens. Betet das Jesusgebet. Gott ist Liebe und hört uns. Auch wir müssen hören, wenn Er uns zu unserem Besten ruft.
Und wenn mein Bruder fortgegangen ist, wird Gott ihn finden, die Allerheiligste Gottesmutter wird ihn zurückbringen. Ach, wenn er doch, zurückkehren würde, Licht meiner Seele, bevor ich gehe!
VI. Reue und Demut
Über die Reue
Meine lieben Kinder, mein geliebter Neffe, [Sohn] meiner hochgeliebten Schwester!
Das Feuer meiner Liebe zu euch ist groß. Ich schreibe über dich und über unsere Schwiegertochter, die Kinder Gottes gebären wird.
Mein Körper ist schwer erkrankt, es ist Zeit für mich zu gehen. Zum Glück habe ich die Augen meiner Seele, die mich leiten. Und mein Herz hält es nicht mehr aus…
Über die Demut des Herzens
An mein geliebtes Kind, den Schoß meiner Seele, den wohlklingenden Lobgesang, der auf der Harfe erklingt wie der göttliche David, die heiligen unter den Heiligen für die Heiligen, die göttlichen und überhimmlischen, süßklingenden Lobgesang, der auf der Harfe erklingt wie der göttliche David, den heiligen Gesängen unter den heiligen, für die Heiligen bestimmten, göttlichen und überhimmlischen Lobgesängen, durch die der Vater verherrlicht wird, der Sohn sich erfreut und der Heilige Geist sich freut – Gnade über Gnade für die Seelen und für deine kleine Seele[73]. Meine geliebte Tochter, du hast mich mit deinen Worten erfreut. Denn ich habe deinen Brief erhalten, ihn mit Freude gelesen und mit ganzem Verstand danach gestrebt, über das Sichtbare hinauszugehen, um den Namen[74], die neue Vriena, zu erfassen und zu erkennen, damit endlich der sehnsüchtige Teil meiner Seele gesättigt und der Schmerz meiner Sorge um dich ein Ende fände und ich fortan vollkommene Dankesrufe an den gütigen Geber und Wohltäter aller, Gott, richten möge, der als wahrer und liebevoller Vater die Wünsche seiner Kinder erfüllt, sofern sie ihm wohlgefällig sind.
Nun denn, meine Liebe, lege die Rüstung an, die du erhalten hast, und kämpfe tapfer, richte die Pfeile geschickt gegen die Feinde, richte deinen Blick auf das einzige Ziel und versuche, ins Schwarze zu treffen – sei niemals ungehorsam gegenüber der Äbtissin. Es ist besser, Gott zu betrüben als deine geistliche Mutter; denn wenn Er durch dich betrübt wird, hast du die Älteste als Fürsprecherin, die für dich bei Ihm Fürsprache einlegt. Wenn du aber auch sie betrübst, wer wird dann den Herrn für dich besänftigen?[75]
Wahrlich, groß ist das Geheimnis des Gehorsams! Denn wenn unser süßester Jesus als Erster diesen Weg vorgezeichnet und sich uns zum Vorbild gemacht hat, wie eifrig müssen wir Ihm dann nacheifern!
Ach, wäre ich doch bei euch, um mich in dem Gehorsam zu üben, den ich mir so sehr wünsche! Denn ich bekenne aufrichtig, mit aller Kraft und in vollem Bewusstsein, dass es keinen anderen heilsamen Weg gibt, der so fern von jeder geistlichen Täuschung und jedem Wirken des Feindes ist wie dieser. Und wer wahrhaftig gerettet werden will und danach verlangt, den süßesten Jesus schnell zu finden, der muss Gehorsam üben und die Äbtissin mit solcher Liebe verehren, als sähe er [in ihr] das Abbild Gottes.
Denn wenn sie, die Gesegnete, [auch nur] eine von euch auf sich nimmt, legt sich eine schwerste Kette um ihren Hals. Und sie braucht wahrlich viele Gebete, damit die Last leichter wird. Sie braucht große und aufrichtige Liebe, nicht Ungehorsam. Sie braucht, dass eure Lippen Honig und Ambrosia fließen lassen, anstatt des Widerspruch. Sie braucht unaufhörliche Küsse mit Tränen in den Augen, anstatt des Streit. Sie braucht keine Zwistigkeiten und Kämpfe, sondern dass ihr mit vielen und unschuldigen Tränen die Allerheiligste Gottesmutter bittet, ihr Gesundheit für Seele und Leib zu schenken.
Denn jedes harte Wort, das ihr in der Stunde der Versuchung sagt, trifft ihre Seele wie Gift, da es von den bösen Schlangen kommt, und sie verwelkt wie eine Blume, die vom Hagel zerschlagen wird. Und dann kann sie nicht einmal mehr für sich selbst beten, bis der Schmerz vorüber ist. Wenn ihr aber alles, was wir hier gesagt haben, mit Gehorsam und Liebe tut, dann blüht sie auf wie eine duftende Blume und strebt empor. Sie betet und wird erleuchtet. Sie gibt Ratschläge, und ihr wird [Gnade] zuteil und noch mehr hinzugefügt wird. Und sie wird zu einer unerschöpflichen Quelle, die allen Gnade spendet, die der Herr ihr schenkt.
So achtet also darauf und lernt daraus. Das haben euch übrigens schon der Älteste und die Älteste gesagt. Da ihr aber auch von mir, dem Demütigen, um Rat bittet, obwohl ich weiß, dass ihr meiner Gaben nicht bedürft[76], so gehorche ich euch nur aus großer Liebe zum Gehorsam und handle wie ein Knecht, was ihr mir befohlen habt. Ihr habt mich gebeten zu schreiben, und ich schreibe. Ihr habt gebeten: „Bete für uns“ – und ich bete. Ich liebe euch und bin euch gehorsam. Und wenn ihr mir sagt, ich solle aufhören, werde ich aufhören.
Wenn also auch ihr mich liebt wie euren leiblichen Bruder, [dann lasst] vom Ältesten und der Ältesten bis zur jüngsten Schwester alle mit Seelenqual und aufrichtiger Liebe Christi für mich beten, damit der Herr mich durch eure Gebete bewahre. Denn ich habe vollkommenen Glauben an euch und uneingeschränkte Liebe zu meinem Jesus und hoffe, dass Er sich meiner durch eure Gebete erbarmen wird, und dann wird sich an uns erfüllen, was gesagt wurde:[77] …
VII. Prüfungen und geistliche Trockenheit
Über die geistliche Trockenheit
Mein liebes Kind, geliebte Tochter [meiner] geliebten
Schwester, ich wünsche dir, dass du in Frieden und unablässiger Reue verbleibst.
Ich habe erfahren, was [bei euch] vor sich ging. Habt ihr vielleicht Gott und Seine große Liebe vergessen? Warum setzt ihr nicht all eure Hoffnung auf den Herrn? Warum bewahrt ihr nicht in euren Seelen, was ihr mit großer Mühe aus den heiligen Büchern entnehmt? Ein Mönch wechselt weder seinen Wohnort noch die Farbe seiner Kleidung noch die Ausrichtung seines Geistes. Ein Mönch und eine Nonne sammeln ihren Geist im Herzen. Sie denken nicht wie die Weltlichen.
Als du von der alten Äbtissin weggegangen bist, hattest du eine Vorahnung davon, was darauf folgen würde. Nun trägst du auch die Verantwortung für andere. Die Lage ist nicht leicht. Es bedarf einer feurigen Liebe, endloser Stunden des Gebets, unaufhörlicher Wachsamkeit des Geistes. Ich denke an deine Mutter und meine geliebte Schwester. Sie spricht unaufhörlich in meinem Herzen, damit ich mich um dich kümmere. Frag lieber unseren Denisk – er hat die Gabe, Ratschläge zu geben und mit den Leidenden mitzuleiden.
Verzürne andere Seelen nicht. Mönche und Nonnen üben sich in Geduld. Sie geben ein Beispiel der Geduld und bemühen sich, dass alle Tugenden kommen – wenn die göttliche Liebe es wünscht, und nicht, wenn wir es denken. Verlasse das Kloster nur, wenn es unbedingt notwendig ist, und übernachte bei Deniska in Piräus, wie es sowohl der Wunsch deiner Mutter als auch der Mutter deiner Mutter ist.
Ertrage die Fehler anderer, so wie die Schwestern deine ertragen. Achtung, Achtung, Achtung, mein Kind! Versuchungen gibt es überall, besonders in unserer Zelle.
Ich wiederhole: Frage unseren Deniska, der keinerlei Stolz und Habgier in sich trägt. Er hat jedoch den Segen deiner Mutter und meiner geliebten Schwester, denn er hat sich in ihren letzten Jahren sehr um sie gekümmert.
Möge unser Gott uns alle durch die Gebete der ehrwürdigen, gottesfürchtigen Väter erbarmen.
In aller Demut, der Älteste Josef.
Über das Verlassenwerden der Gnade
An die Nonne Vriena, meine Nichte (Auszug)
Nun denn, hört mir zu, nehmt meine Worte ernst, denn ich werde euch wahrlich ein furchtbares und verborgenes, großes Geheimnis der Hausgründung Gottes. Ich werde gerne, das Nützliche mit euch zu teilen. Ich verberge weder mein Talent, wie manche es tun, noch das, was ich weiß. Ich fürchte mich nicht vor den Drohungen der Dämonen, die mich anbrüllen, weil ich diese Geheimnisse enthülle, sondern vertraue auf eure Gebete.
O, kommt alle in rechter Ordnung zusammen. Reinigt eure Lippen in der Wahrheit, macht euren Leib durch das Fasten rein und heiligt euren Geist durch das Gebet. Werdet dem Leib nach wie Säuglinge und dem Geist nach wie Herrscher. Erhebt euch und werdet aus Raupen zu Schmetterlingen. Lasst nichts Irdisches in eurem Geist zurück. Kommt zu mir, und ich werde euch führen. Uns steht es bevor, durch die Luft zu gehen. Fürchtet euch nicht – ich bin diesen Weg oft gegangen und kenne ihn. Folgt mir, ihr Schafe meines Jesus, eines nach dem anderen. Möge euer Geist frei sein, das Himmlische zu schauen – und siehe, schon öffnet sich uns die Tür des Paradieses. Hier und dort stehen Engel, Cherubim und Seraphim. Rechts und links umkreisen uns die Sechsflügeligen. Die Wände sind wie aus Edelsteinen. Duftende und lichtstrahlende Blumen verbreiten ihren Wohlgeruch ringsum. Dort singen die Vögel mannigfaltig und süß, und ihre Gesänge erheben den Geist von Anschauung zu Anschauung.
Die Erde ist weiß wie Schnee, und in ihrer Mitte steht der prächtige Palast unserer Königin und der Unbefleckten Mutter!
So lauft also, denn unsere liebe Mutter erwartet euch! Lasst euch nicht von den Engeln ablenken, denn es steht geschrieben: Nicht einmal die Engel sollen uns von der Liebe Jesu trennen. Die Erde – weiß wie Schnee, und in ihrer Mitte – der große Palast unserer Königin und der Unbefleckten Mutter!
So lauft denn, denn unsere süße Mutter erwartet euch! Verharrt nicht im Anblick der Engel, denn es steht geschrieben: Nicht einmal die Engel sollen uns von der Liebe Jesu trennen[78] .
Und siehe, der gütige Torwächter, der feurige Engel, öffnet uns, und unsere süße Mutter, strahlend wie Schnee, erhebt sich und empfängt uns.
O unsere süße Mutter! O Licht unserer Seelen, o reine Liebe, o Leben unserer Seelen! Mögen wir Gott unsere Seelen übergeben, mit deinem Namen auf den Lippen. Segne uns mit deinem süßesten Kuss und nimm uns in Deinen Schoß auf. O Mutter, süßester Honig und Nektar, o Wohlgeruch und duftender Duft!
Werft euch auf die Erde und küsst die Füße und Hände unserer süßen Mutter und empfangt den unaussprechlichen Wohlgeruch von der Heiligen Jungfrau. Zweifelt nicht daran, dass sie selbst mich im Tun und in der Kühnheit unterwiesen und mir Liebe offenbart und geschenkt hat.
Offenbare uns, unsere süße Mutter, das Geheimnis deiner Heilsökonomie und unserer Verwandtschaft mit Dir. Du, süßeste Mutter, die Du stets das süßeste Kind in Deinen Armen trägst – den, der alles durch [Seinen] Wink trägt, um unseretwillen in der Zeit zum Kleinen geworden ist und der in den Tagen des Alters und der Vergänglichkeit – sage uns mit deinen duftenden Lippen das, woran sich nicht einmal die Engel nähern können[79].
Und hört erneut, meine geliebten Schwestern. Wenn das göttliche Mysterium vollzogen wird, reicht uns unsere liebe Mutter das Kind, und Er wird für uns geopfert. Und wenn wir würdig die Kommunion empfangen, dank des vorangegangenen Fastens, dank der freiwilligen Nachtwache, dank des inbrünstigen Gebets, kosten wir den Leib Jesu und das Blut, genau das, das Er aus dem makellosen Blut der Allerheiligsten Gottesmutter empfangen hat. Ebenso nähren wir uns, wenn wir den Leib des Herrn empfangen, unaufhörlich von der Milch der Allerheiligsten. Und was geschieht dabei mit uns? Wir werden zu wahren Kindern der Gottesmutter, zu Brüdern und Schwestern Christi und, durch die Gnade, zu Söhnen und Kindern Gottes. Und wenn wir Christus unaussprechlich in Seele und Leib in uns tragen, ohne uns [dabei] seinem Wesen anzunähern 334, dann tragen wir auch den Vater mit dem Heiligen Geist in uns, denn der Sohn ist ungetrennt vom Vater.
Das ist jene übernatürliche Verwandtschaft, die wir von der Allerheiligsten Gottesmutter und unserer süßen Mutter empfangen haben. Seht ihr, welche Gabe uns unsere süße Mutter uns geschenkt hat? Seht ihr, wie sehr wir sie lieben müssen?
Darum müssen wir wie Säuglinge unaufhörlich zu ihr kommen und oft ihre göttliche Nahrung empfangen, um uns zu nähren wie ihre unschuldigen Kinder. Jedes Mal, wenn wir uns auf die Kommunion vorbereiten, nehmen wir in Gedanken ihre Brüste zur Nahrung, und der süße Jesus, das Kind in ihren Armen, gibt nach und erteilt uns die Erlaubnis. Er ist nicht eifersüchtig auf die reichliche Verteilung [der Nahrung] durch seine Mutter, sondern freut sich und lädt uns ein.
Hüllt euch wie Säuglinge in das Gewand unserer Mutter und erfüllt euch mit der Reinheit ihres jungfräulichen Lebens; schöpft von ihr den Wohlgeruch. Ich weiß nichts anderes, was der Allerheiligsten Gottesmutter so sehr gefällt wie die Reinheit. Und wer ihre große Liebe erlangen will, der sorge dafür, sich zu reinigen; dann wird sie ihn unaufhörlich in ihren Armen wiegen und ihm durch ihre Fürbitte jede himmlische Gabe schenken.
Über die Geduld in Versuchungen
20. 1930 Kind des Theodosius, freue dich und sei dem Herrn mit Leib und Seele geweiht und erweise Geduld in den Leiden, die über dich kommen.
Murr nicht und nimm die Gesinnung deines demütigen und gottesfürchtigen Ältesten[80] an, damit du dich an ihn erinnerst, [und daran,] wie du einst mit ihm gemeinsam in Gerovitsa in Mazedonien gekämpft hast und gerettet wurdest. Und bete, dass wir im Jenseits nicht getrennt werden, sondern vereint sein mögen, um gemeinsam mit Theodora, Theodora, Eupraxia, Maria und Despina sowie mit allen heiligen Jungfrauen den heiligen Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu preisen, Amen.
VIII. Schutz / Täuschungen durch äußere Umstände
2, 1959 An meinen Liebling Stavroula.
Mein Kind, ich habe deinen Brief erhalten, und du kannst dir gar nicht vorstellen, welche Freude es mir bereitet hat, dass du von deiner tiefen Reue geschrieben hast. Auch Stavros hat mir voller Begeisterung erzählt, dass du dich verändert hast. Und dies ist [eine Veränderung durch] die rechte Hand des Allerhöchsten[81], dies Gnade Gottes, die dich bedeckt. Nun möge mit dir der Segen des heiligen Gottes.
Also fürchte dich nicht vor den Träumen des Bösen, er kann dir nichts antun. Achte nur darauf, Buße zu tun und gehorsam zu sein. Es gefällt Gott sehr, dass du Buße tust. Im Himmel herrscht Freude über Stavroula, und die Schwestern lieben dich, und keine von ihnen hat etwas gegen dich einzuwenden. Und nun möge der Herr euch segnen und euch erneut Gnade schenken. Habt nur Liebe und Geduld.
Und ich werde, solange ich lebe, für euch beten. Und ich werde euch lieben wie meine eigenen Kinder.
Ich bete von ganzem Herzen für euch.
Über falsche geistliche Erfahrungen
28, 1959 Mein geliebtes Kind Stavroula, ich segne dich!
Ich habe deinen Brief erhalten, ihn gelesen und mich gefreut. Sei nicht traurig, mein Kind, alles wird vorübergehen, habe Geduld. Was du siehst, rührt von der Versuchung her. Es ist eine Träumerei, sie wird vorübergehen. Das wird dir nützen, denn es macht deine Reue wahrhaftig und beständig. Denn durch die Versuchung entsteht in dir Angst, und diese Angst hält dich zurück. Und gäbe es keine Angst, würden die Leidenschaften leicht wieder [zurückkehren und] [über dich] herrschen.
Darum sei demütig, und alles wird vorübergehen. Jetzt sind alle mit dir zufrieden. Alle Schwestern und Stavros sind zufrieden, weil du demütig und sanft geworden bist.
Also zwinge dich, das ewige Leben zu erlangen. Wer sich viel demütigt, der erlangt auch viel Gnade. Zwinge dich, sei tapfer und habe Liebe zu allen.
Alle Väter beten für dich, auch ich bete für dich
IX. Ordnung des Weges
Über den Gehorsam
11.1959 Mein geliebtes Kind Stavroula, ich wünsche dir alles Gute!
Heute habe ich deinen Brief erhalten, ihn gelesen und mich gefreut, dass es dir gut geht. Und ich bete, dass der Herr dir Geduld in den Prüfungen und viel Gnade schenken möge. Sei nicht traurig, mein Kind, über das, was du ertragen musst, alles wird vorübergehen.
Hab nur Geduld, und alles wird gut, so Gott will.
Das Wichtigste ist, dass du gehorsam bist. Ich bete von ganzem Herzen für dich.
X. Frucht des Weges
Über den inneren Frieden
9. 1959 Mein geliebtes und gesegnetes Kind Stavroula, ich wünsche dir alles Gute!
Ich habe deinen Brief erhalten und gelesen und mich gefreut, dass es dir gut geht.
Ich bete immer für euch und bitte den Herrn und Seine Mutter, dass sie dich erleuchten und vor allem Bösen bewahren mögen.
Also, hab Geduld. Die Versuchungen, die zu uns kommen, werden von Gott zugelassen, zum Wohl unserer Seele. Sie lehren uns, Gott näher zu kommen, Ihn mit Schmerz der Seele anzurufen, sie lehren uns, nicht in Überheblichkeit zu verfallen und demütig zu sein. Aber Gott möchte, dass wir nicht traurig sind, und dann wird die Versuchung langsam vorübergehen. So ist das Leben eines Menschen.
Also, Geduld, Geduld, mein Kind, damit wir das ewige Reich erben. Sei nicht traurig, alles, was du in deinem Leben erträgst – all das ist nützlich, all das ist im Himmel verzeichnet. Für diese deine kleinen Mühen schenkt dir Christus das ewige Leben.
Also, zwinge dich dazu und habe Geduld, und der Herr wird dich heilen. Zeige Geduld, sei nicht traurig. Quäle dich nicht, damit du nicht auch noch krank wirst [zusätzlich], denn dann werdet ihr alle gemeinsam traurig sein. Ich bete, dass der Herr dir hilft, bester zu werden. Gerade jetzt schaue ich euch auf den Fotos an und bete für jeden von euch.
Auch alle unsere Väter beten für euch, und ich bete von ganzem Herzen.
†
(Zum Autor und zur Quelle: Der Älteste Joseph der Hesychast († 1959) war ein athonitischer Mönch und geistlicher Lehrer, dessen Briefe aus persönlicher asketischer Erfahrung hervorgegangen sind. Die vorliegenden Texte stammen aus seinen Briefen und wurden für diese Ausgabe thematisch geordnet und ausgewählt.
Diese Sammlung ist keine vollständige Ausgabe der Briefe und soll eine solche nicht ersetzen. Sie dient als erste Begegnung mit den Briefen des Ältesten und seinen geistlichen Unterweisungen. Deutsche Übersetzung: A. Iakovlev, die Terminologie wurde theologisch im Licht der heiligen Väter durchgesehen.)
Anmerkungen
[1] – Es handelt sich um die Besetzung Griechenlands durch deutsche Truppen in den Jahren 1941–1944.
[2] – Seit 1924 ist die Konstantinopel-Orthodoxe Kirche zum neojulianischen Kalender übergegangen, wobei die Osterfeier unverändert blieb. Die griechische Kirche folgte diesem Beispiel. Dies löste bei einem Teil der Gläubigen Empörung aus und führte zu einer Spaltung, die bis heute andauert. Die Klöster des Heiligen Berges schlossen sich der Spaltung nicht an und führten den Gottesdienst weiterhin nach dem alten Kalender durch. In den letzten Jahren begannen auch einige Gemeinden der kanonischen Kirche, in der Regel solche, die sich an griechische Einwanderer aus der UdSSR richteten, dem alten Kalender zu folgen.
[3] – Eine Stadt in Thessalien (Region Griechenlands) an der Ägäisküste.
[4]– Hesychasterion – wörtlich: Ort der Stille. So können in Griechenland kleine Klosteranlagen bezeichnet werden.
[5] – So war es zum Zeitpunkt der Abfassung des Vorworts. Heute ist der Älteste Ephraim geistlicher Begleiter des von ihm gegründeten Klosters des Heiligen Antonius des Großen in Arizona.
[6] – Die Griechen bezeichnen ihren geistlichen Vater gewöhnlich als „Älteste“. Das Wort „Geronta“ wird auch verwendet, wenn man sich an den Abt eines Klosters wendet, da der Abt in griechischen Klöstern stets der einzige Beichtvater der gesamten Bruderschaft ist.
[7] – Εὐχή. Die moderne griechische asketische Terminologie unterscheidet zwischen den Begriffen εὐχή und προσευχή. Das erste Wort bezeichnet das Jesusgebet, das zweite das Gebet im Allgemeinen.
[8] – Nach Ansicht der meisten Gebetslehrer der letzten Jahrhunderte kann die Anwendung bestimmter Techniken beim Beten ohne die direkte Aufsicht eines erfahrenen Lehrers eine Gefahr für die geistliche Gesundheit des Betenden darstellen, wenn er ihnen vorrangige Bedeutung beimisst und sich nicht um die Erlangung der Demut bemüht – der Hauptvoraussetzung für das richtige Gebet. Deshalb raten die Lehrer des Gebets den Betenden, sich weniger auf äußere Techniken zu konzentrieren als vielmehr darauf, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, sich auf die Worte des Gebets zu konzentrieren und eine demütige Gesinnung zu bewahren, ähnlich der eines Bettlers, der um Almosen bittet.
[10] – Πρᾶξις – ein asketischer Begriff, der die praktische Umsetzung einer bestimmten Tugend (in diesem Fall des Gebets) bezeichnet. Das Gegenstück zu πρᾶξις ist der Begriff θεωρία – die Kontemplation, die als Gnadengabe nach eifrigem Üben im Handeln erlangt wird.
[11] – Ergriffenheit (griech.: κατάνυξις) – ein asketischer Begriff. So wird der gnadenvolle Zustand bezeichnet, in dem die Reue über die eigenen Sünden mit der Liebe zu Gott und dem Vertrauen auf Seine Barmherzigkeit einhergeht.
[13] – Stille (griech.: ἡσυχία) – hier und in allen anderen Fällen bedeutet dieses Wort nicht „Schweigen“, sondern eine besondere asketische Lebensweise, die höchste Stufe des Mönchtums, die vor allem und vor allem dem unaufhörlichen geistig-herzigen Jesusgebet gewidmet ist und mit der größtmöglichen Entfernung von allem verbunden ist, was einem solchen Gebet im Wege steht.
[14] – Der Titel dieser patristischen Anthologie leitet sich vom Beinamen ihres Verfassers, Paulus von Evergetis (11. Jh.), ab, dem Abt des Klosters der Gottesmutter Evergetis (der Wohltäterin) in Konstantinopel. Vgl. die russische Übersetzung: Evergetin. Bd. 1. Moskau, 2008; Blagolubie. Bde. 1–2. Moskau, 2010.
[15] – Siehe diese Schrift in der vorliegenden Sammlung der Werke.
[16] – Sotiris Schinas (1887–1975) – Verleger und Buchhändler aus Volos. Er gab liturgische und patristische Literatur sowie die Zeitschrift „Svyatogorskaya Biblioteka“ heraus. Er unterhielt geistliche Beziehungen zu den Ägina-Eremiten.
[17] – Veränderung (griech.: ἀλλοίωσις; wird hier je nach Kontext manchmal mit „Wandel“ übersetzt) – ein wichtiger Begriff in der Lehre des Ältesten Josef über die Askese. Ihm zufolge ist die Veränderung ein untrennbarer Bestandteil des menschlichen Lebens. Und wenn ein Mensch die Gnade erlangt hat und sich an ihren Gaben erfreut, darf er, solange er in diesem Leben verweilt, nicht nachlassen, denn es gibt keine Garantie dafür, dass sich sein Zustand nicht verschlechtert und die Gnade nicht von ihm weicht. Ebenso darf der Mensch, selbst wenn er seine schwersten Momente durchlebt, nicht verzweifeln, sondern muss auf die Barmherzigkeit Gottes vertrauen und alles tun, um die Gnade wiederzuerlangen, die ihm unweigerlich erneut zuteilwerden wird, wenn er sein Streben nicht aufgibt. Der Älteste Josef lehrt in seinen Schriften ausführlich (in Anlehnung an den heiligen
Isaak dem Syrer), wie man diese unvermeidlichen Veränderungen, die eines der wesentlichen Erziehungsmittel sind, die Gott zur Errettung des Menschen einsetzt, richtig erträgt.
[19] – Gedenktag des heiligen Kyrillos von Phileos oder von Phileia (1015–1110), d. h. aus dem Dorf Phileia unweit von Konstantinopel, ist nicht im russischen Monatskalender verzeichnet, wird jedoch seit langem von den Griechen verehrt (insbesondere seit der Veröffentlichung seiner Hagiographie durch den heiligen Nikodemos von Svyatogorsk im „Neuen Eklogion“) und am 2. Dezember gefeiert.
[20] – Im Original: ὁ ἐν Στειρίῳ, worauf sich ein weiterer Beiname des Ehrwürdigen Lukas (896–953) bezieht – Stiriot, d. h. vom Berg Stiri in der griechischen Region Böotien, wo er das berühmte Kloster gründete, das später den Namen des Heiligen erhielt – Osios Lukas (d. h. der Ehrwürdige Lukas). Das Fest des Heiligen wird am 7. Februar.
[21] – Ps. 24, 18.
[22] – Als „achtes Jahrhundert“ bezeichnet der Älteste die Endzeit, das achte Jahrtausend seit der Erschaffung der Welt, in dem wir leben.
[23] – Ps. 103, 24.
[24] – Vgl.: Unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt ( Eph. 6, 12 ).
[26] – Diese Stelle kann entweder als „Gott bewahrt“ oder als „dein Ältester steht Wache“ interpretiert werden.
[27] – Im Original: „reinigend“, in dem Sinne, dass der Schwamm, indem er den Schmutz in sich aufnimmt, auf diese Weise für Reinheit sorgt.
[28] – Wörtlich: „Segne!“, doch in der heutigen griechischen Klostertradition wird dieses Wort (in dieser Form – εὐλόγησον!, auch bei der Anrede einer Person, die man üblicherweise mit „Sie“ anspricht) ausschließlich in der Bedeutung von „verzeih!“, „vergib!“ verwendet.
[29] – Das Bild der Brücke ist eines der Lieblingsbilder des Ältesten Josef. Er verwendet es, um den Übergang nach dem Tod von der Erde in den Himmel zu bezeichnen.
[30] – Vgl.: Über Abba Agathon, 19 // Berühmte Erzählungen über das asketische Leben der heiligen und seligen Väter. STSL, 2010. S. 43.
[31] – Oka – griechisches Gewichtsmass, entspricht 1280 Gramm.
[32] – Dächer auf dem Athos werden oft aus dünnen, flachen Steinen anstelle von Dachziegeln errichtet.
[35] – Vgl.: Über Abba Longinus, 4 // Berühmte Erzählungen über das asketische Leben der Heiligen und seligen Väter. STSL, 2010. S. 151.
[36] – Jak. 1, 17.
[37] – Ps. 148, 5.
[38] – Λάσπη – dieses Wort bezeichnet sowohl Mörtel als auch vom Regen aufgeweichten Boden, den man im Russischen gewöhnlich als „Schlamm“ bezeichnet. In Griechenland ist dieser „Schlamm“ jedoch nichts anderes als eine Mischung aus Lehm und Wasser. Somit enthält das Wort, das der Älteste Josef zur Beschreibung der menschlichen Natur verwendet, nicht all jene Bedeutungen, die im Russischen mit dem Wort „Schlamm“ verbunden sind. Es bezeichnet vielmehr den einfachsten Ausgangsstoff für den Bau, in dem nichts enthalten ist, worauf man stolz sein könnte.
[40] – Vgl.: Gen. 3, 15.
[41] – Die antike Lehre von den vier Urelementen (Elementen) – Erde, Wasser, Feuer und Luft, deren Eigenschaften jeweils Trockenheit, Feuchtigkeit, Wärme und Kälte sind – wurde von vielen heiligen Vätern verwendet.
[42] – Das heißt, zuerst schuf Gott aus Erde den menschlichen Körper und hauchte ihm dann den Lebensatem ein (vgl. Gen 2,7).
[43] – Hiob 42,5–6.
[45] – Vgl. Mk 14,51–52.
[46] – D. h. in einen Zustand der Friedfertigkeit, griech. – εἰρήνη.
[47] – 1 Joh 4,18.
[48] – Es handelt sich um die Zelle zu Ehren des heiligen Propheten Elias, die sich unweit von Kerasia befindet.
[49] – Gemeint ist, dass der Gipfel des Berges, auf dem er lebte, oft von Blitzen getroffen wurde.
[50] – Es handelt sich um die Einsiedelei zu Ehren des Ehrwürdigen Petrus von Athos, neben der Höhle, in der der Ehrwürdige Petrus lebte. Sie liegt hoch am Hang des Berges, auf dem Pfad zwischen den Einsiedeleien des Ehrwürdigen Vorläufers und Kerasia.
[51] – Über den Ältesten Daniel den Hesychasten siehe: Ältester Ephrem von Philothei. Mein Leben mit dem Ältesten Joseph. Moskau, 2012. S. 284–285.
[52] – Drami – eine alte griechische Gewichtseinheit, die etwa 3,2 g entspricht. Somit entsprechen 25 Drami 80 Gramm.
[53] – νηπτική
[54]– Das heißt, sein Leben erscheint diesen Menschen lächerlich. Vgl.: Dieser Mann, den wir einst zum Gespött und zum Gegenstand des Spottes machten…sein Leben hielten wir für wahnsinnig und seinen Tod für schändlich (Präd. 5, 3–4).
[55] – Pred. 10, 16.
[56] – Perikard – Herzbeutel, Gewebehülle, die das Herz umgibt.
[57] – Vgl.: Diese Abkehr der rechten Hand des Höchsten ( Ps. 76, 11 ).
[59] Der Originalbrief ist veröffentlicht in dem Buch: Γέροντας Ἐφραὶμ Κατουνακιώτης, ἔκδοσις Ἱεροῦ Ἡσυχαστηρίου «Ἅγιος Ἐφραίμ», Θεσσαλονίκη, 2000. S. 58. Russische Übersetzung: Starez Efrem Katounakis. Moskau, 2002.
[60] – Ein Dorf, 10 km von der Stadt Volos entfernt.
[61] – Vgl.: Matthäus 18,22.
[62] – Gemeint ist der Ehemann von Ergin.
[63] – Vgl.: Über Abba Pimen, 54 // Berühmte Erzählungen über das asketische Leben der heiligen und seligen Väter. STSL, 2010. S. 214.
[64] – Phil 2,8.
[65] – Vgl.: Jes 50,6.
[66] – Mt 6,12.
[67] – Ps 8,6.
[68] – Vgl.: Gen 3,1–18
[69] – Gen 3,19.
[70] – Prediger 1,2.
[71] – Die Übersetzung dieses Absatzes bereitet Schwierigkeiten, da einzelne von Pater Josef verwendete Ausdrücke eine doppelte Auslegung zulassen.
[72] – Mit dem Wort „Versuchung“ wird im orthodoxen griechischen Umfeld oft ein böser Geist, ein Dämon, bezeichnet, um ihn selbst nicht unnötig zu erwähnen.
[73] – Vgl.: 1Joh 4,16.
[74] – Vgl.: Ps 76,11.
[75] – In der griechischen Handschrift ist dieses Wort durch eine Durchstreichung hervorgehoben.
[76] – Vgl.: Ps 15, 2.
[77] – Притч. 18, 19.
[78] Vrg.: Rom. 8, 39.
[79] 1Pet. 1, 12.
[80] Älteste Josef meint sich selbst
[81] 1Ин. 4, 16.