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Der Weg zum Heil

Der Weg zum Heil„Der Weg zum Heil“ von hl. Theophan der Einsiedler ist ein geistlicher Leitfaden der orthodoxen Tradition, der zeigt, wie der Mensch Schritt für Schritt zu einem bewussten christlichen Leben und zu innerer Erneuerung findet. Das Buch schildert den Weg von der ersten Hinwendung zu Gott über die Vertiefung des Gebets und die Wachsamkeit des Herzens bis hin zum Kampf mit Leidenschaften und Gewohnheiten, die den Menschen von Gott trennen. Klar und praxisnah, zugleich jedoch von großer geistlicher Tiefe, verbindet hl. Theophan seine seelsorgliche Erfahrung mit konkreten Anleitungen für den Alltag. Eine eindringliche Lektüre für alle, die Orientierung auf dem Weg der Umkehr, der geistlichen Disziplin und des Heils suchen.

Annotation

Der Heilige Theophan der Einsiedler (1815–1894) hinterließ ein umfangreiches und äußerst wertvolles literarisches Erbe von großer spiritueller Bedeutung. Zu seinen Werken zählen zahlreiche Schriften über christliche Moral, Abhandlungen über die Grundlagen der patristischen Psychologie, Übersetzungen asketischer Schriften – darunter die Übersetzung der „Philokalie“ – sowie tiefgründige Auslegungen der Heiligen Schrift, durch die die Bibelwissenschaft wesentlich bereichert wurde. Er vollbrachte eine wahre kreative Meisterleistung.   

Einer seiner Biografen konnte daher zu Recht behaupten, dass die Werke des Heiligen Theophan in ihrer Fruchtbarkeit mit den Werken der Heiligen Väter des 4. Jahrhunderts, dem Goldenen Zeitalter von Byzanz, vergleichbar sind. Anlässlich des 1000-jährigen Jubiläums der Taufe Russlands wurde Theophan der Einsiedler auf dem Lokalen Konzil der Russisch-Orthodoxen Kirche heiliggesprochen. In der Begründung des Konzils hieß es: „Sein tiefes theologisches Verständnis der christlichen Lehre, dessen erfahrene Umsetzung sowie die daraus resultierende Erhabenheit und Heiligkeit seines Lebens ermöglichen es, seine Schriften als eine Weiterentwicklung der Lehre der Kirchenväter unter Beibehaltung derselben orthodoxen Reinheit und Gotteserleuchtung zu betrachten.“

 In diesem Buch enthüllt der Heilige die Bedeutung der Sakramente im Christentum. Er beschreibt die Stufen auf dem Weg zur Vollkommenheit in Gott sowie den Charakter des Kampfes gegen das äußere und innere Böse.

Der Heilige Theophan der Einsiedler

DER WEG ZUM HEIL.

EINLEITUNG

In „Grundzüge der christlichen Moral“ werden die für uns verbindlichen Gefühle und Neigungen beschrieben. Doch damit ist bei Weitem nicht alles gesagt, was für die Gestaltung unseres Heils notwendig ist. Am wichtigsten ist ein wahrhaftiges Leben im Geiste Christi. Wenn man sich damit befasst, stellt man fest, wie viele Fragen sich auftun und wie viele Hinweise daher notwendig sind – fast auf Schritt und Tritt!

Zwar wird das letzte Ziel des Menschen angegeben – die Gemeinschaft mit Gott – und der Weg dorthin beschrieben: Es ist der Glaube, gepaart mit dem Wandeln in den Geboten mit Hilfe der Gnade Gottes. Man müsste nur noch hinzufügen: Hier ist der Weg! Geh!

Leicht gesagt: Hier ist der Weg, geh! Doch wie soll man das tun? Meistens fehlt der Wunsch zu gehen. Die Seele, die von irgendeiner Leidenschaft erfasst ist, lehnt hartnäckig jeden Zwang und jeden Aufruf ab; sie wendet ihre Augen von Gott ab und will Ihn nicht ansehen. Das Gesetz Christi gefällt ihr nicht; sie hat keine Lust, davon zu hören: Die Seele, wie man sagt, ist nicht bereit. Es stellt sich die Frage, wie man dazu kommen kann, dass der Wunsch entsteht, auf dem Weg Christi zu Gott zu gehen; wie man erreichen kann, dass sich das Gesetz im Herzen einprägt und der Mensch, der nach diesem Gesetz handelt, aus sich selbst heraus, ungezwungen handelt, damit dieses Gesetz nicht auf ihm lastet, sondern wie aus ihm herausgeht?

Nun gut, möge sich jemand Gott zugewandt haben, möge er Sein Gesetz lieben; ist der Weg zu Gott, das Wandeln auf dem Weg Christi, schon deshalb notwendig und wird er schon deshalb erfolgreich sein, nur weil wir es uns wünschen? Nein. Neben dem Verlangen muss man auch die Kraft und die Fähigkeit zum Handeln haben: Man braucht tatkräftige Weisheit. Wer den wahren Weg der Gotterfüllung beschreitet oder mit gnadenvoller Hilfe beginnt, nach Gott zu streben, indem er dem vorbestimmten Gesetz Christi folgt, dem droht unweigerlich die Gefahr, an einer Weggabelung vom Weg abzukommen, sich zu verirren und zu verderben, während er sich für gerettet hält. Diese Wegkreuzungen sind unvermeidlich aufgrund des selbst im Bekehrten verbleibenden sündigen Drangs und der Zerrüttung der Kräfte, die auch in diesem Zustand in der Lage sind, die Dinge in einer verkehrten Form darzustellen – den Menschen zu verführen und zu verderben. Hinzu kommt die Schmeichelei Satans, der sich nur ungern von seinen Opfern trennt, und wenn jemand aus seinem Reich zum Licht Christi geht, verfolgt er ihn und stellt ihm alle möglichen Fallen, um ihn wieder zu fangen, was ihm auch oft gelingt. Folglich muss auch demjenigen, der bereits den Wunsch hat, den angegebenen Weg zum Herrn zu gehen, noch alle möglichen Abweichungen auf diesem Weg aufgezeigt werden, damit der Vorangehende darüber informiert ist, die Gefahren sieht, denen er begegnen wird, und weiß, wie er sie vermeiden kann.

Diese allen gemeinsamen Unvermeidlichkeiten des Weges zur Erlösung machen besondere Leitlinien für das christliche Leben notwendig, die festlegen müssen: wie man zu dem rettenden Wunsch nach Gotteskommunion und Eifer, darin zu verbleiben, gelangt und wie man ohne Gefahr zu Gott gelangt, inmitten aller Irrwege, die auf diesem Weg auf allen Stufen möglich sind – oder anders gesagt: wie man beginnt, christlich zu leben, und wie man, wenn man einmal begonnen hat, darin vollkommen wird. Diese Anleitung soll einen Menschen, der bisher ohne Gott gelebt hat, zu Ihm bekehren und ihn dann vor Sein Angesicht bringen; sie muss das christliche Leben in all seinen Erscheinungsformen und in seiner praktischen Ausprägung von Anfang bis Ende verfolgen, d. h. wie es entsteht, sich entwickelt, reift und zur Vollendung gelangt, oder – was dasselbe ist – die Geschichte des aktiven Lebens jedes Christen schreiben, mit einer Darstellung, wie er in welchem Fall handeln muss, um in seinem Stand zu bestehen.

Die Entstehung und Entwicklung des christlichen Lebens unterscheiden sich wesentlich von der des natürlichen Lebens. Dies hängt mit dem besonderen Charakter des christlichen Lebens und seiner Beziehung zu unserer Natur zusammen. Der Mensch wird nicht als Christ geboren, sondern wird nach seiner Geburt zu einem. Das Samenkorn Christi fällt auf den Boden eines bereits schlagenden Herzens. So wie der von Natur aus geborene Mensch beschädigt ist und den Anforderungen des Christentums entgegensteht, so ist in einer Pflanze der Beginn des Lebens die Erregung des Keims, das Erwachen der schlummernden Kräfte. Ebenso ist der Beginn des wahrhaft christlichen Lebens im Menschen eine Wiedererschaffung, die Gabe neuer Kräfte, eines neuen Lebens. Wenn das Christentum als Gesetz angenommen wird, d. h., wenn die Entschlossenheit besteht, christlich zu leben, dann: Dieses Samenkorn des Lebens (die Entschlossenheit) ist im Menschen nicht von günstigen Elementen umgeben. Dabei bleiben der ganze Mensch, sein Körper und seine Seele unangepasst an das neue Leben und ungehorsam gegenüber dem Joch Christi. Deshalb beginnt für den Menschen in diesem Moment die mühsame Arbeit, sich selbst und alle seine Kräfte christlich zu formen. Deshalb ist das Wachstum beispielsweise bei Pflanzen eine allmähliche, leichte und ungezwungene Entwicklung der Kräfte, während es für den Christen ein mühsamer Kampf mit sich selbst ist – anstrengend und schmerzhaft, und er muss seine Kräfte auf etwas ausrichten, wozu sie keine Neigung haben: wie ein Krieger muss er jeden Schritt auf der Erde, auch wenn es seine eigene ist, seinen Feinden im Krieg entreißen – mit dem zweischneidigen Schwert des Selbstzwangs und des Selbstwiderstands. Schließlich, nach langen Mühen und Anstrengungen, sind die christlichen Anfänge siegreich, herrschen ohne Widerstand, durchdringen die gesamte menschliche Natur, verdrängen aus ihr die ihr feindlichen Forderungen und Bestrebungen und versetzen sie in einen Zustand der Leidenschaftslosigkeit und Reinheit, der der Glückseligkeit derer gleicht, die reinen Herzens sind – Gott in sich selbst in aufrichtiger Gemeinschaft mit Ihm zu sehen.

So ist die Lage des christlichen Lebens in uns. Es hat drei Stufen, die aufgrund ihrer Eigenschaften wie folgt bezeichnet werden können:

die erste – Umkehr zu Gott,

die zweite – Reinigung oder Selbstverbesserung und

die dritte – Heiligung. Auf der ersten kehrt der Mensch aus der Finsternis zum Licht, aus dem Einfluss des Satans zu Gott; auf der zweiten reinigt er das Heiligtum seines Herzens von allem Unreinem, um den kommenden Christus, den Herrgott, zu empfangen; auf der dritten kommt der Herr, wohnt im Herzen und verweilt mit ihm. Dieser Zustand der seligen Gottesgemeinschaft ist das Ziel aller Mühen und Anstrengungen!

All dies darzustellen und durch Regeln zu definieren, bedeutet, den Weg zur Erlösung aufzuzeigen. Eine vollständige Anleitung in dieser Angelegenheit nimmt den Menschen an den Weggabelungen der Sünde auf, führt ihn auf den feurigen Weg der Reinigung und erhebt ihn auf das für ihn mögliche Maß an Vollkommenheit, entsprechend dem Alter der Erfüllung Christi. Andernfalls muss sie zeigen:

wie das christliche Leben in uns beginnt;

wie es sich vervollkommnet – reift und stärkt, und

wie es in seiner vollen Vollkommenheit aussieht.

ABSCHNITT I.

Über den Beginn des christlichen Lebens durch die heilige Taufe, mit Hinweisen, wie man diese Gnade in der Erziehungsphase bewahren kann.

WIE BEGINNT DAS CHRISTLICHE LEBEN IN UNS?

Es gehört zu uns, uns klarzumachen, wann und wie ein echtes christliches Leben beginnt, damit wir erkennen, ob in uns der Anfang dieses Lebens bereits gelegt ist, und falls nicht, zu wissen, wie man ihn legt, soweit dies von uns abhängt. Es ist ein noch unsicheres Zeichen des wahren Lebens in Christus, wenn sich jemand Christ nennt und zur Kirche Christi gehört. Nicht jeder, der zu Mir sagt: Herr, Herr, wird in das Reich Gottes eingehen … (Mt. 7,21). Und nicht alle, die von Israel stammen, sind Israel (Röm. 9,6). Man kann zu den Christen gehören und dennoch kein Christ sein. Das weiß jeder.

Es gibt einen Moment von großer Bedeutung im Verlauf unseres Lebens, der scharf zeigt, wann einer beginnt, christlich zu leben. Es ist jener Moment, in dem sich die charakteristischen Merkmale des christlichen Lebens bemerkbar machen. Das christliche Leben besteht in vollem heiligem Eifer, und in der Kraft, beständig in der Gemeinschaft mit Gott zu bleiben — im Glauben an unseren Herrn Jesus Christus, durch die Hilfe der Gnade Gottes, zur Erfüllung Seines heiligen Willens und zur Ehre Seines Allerheiligsten Namens. Das Wesen des christlichen Lebens besteht in der Gemeinschaft mit Gott durch Christus Jesus, unseren Herrn — eine Gemeinschaft, die zunächst vor anderen wie auch vor sich selbst verborgen ist. Das sichtbare oder innerlich empfundene Zeugnis davon ist die Glut des tätigen heiligen Eifers, einzig gerichtet auf das Gottgefallen Christi, verbunden mit völliger Selbstverleugnung und dem Hass gegen alles, was ihm entgegensteht. Wenn diese Glut des Eifers beginnt, wird der Anfang des christlichen Lebens gelegt; und in dem, in dem sie beständig wirkt, der lebt christlich.

Auf dieses charakteristische Merkmal sollten wir etwas näher eingehen.

„Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen, und wie ich wünschte, es würde schon brennen“ (Lk. 12,49). Das sagt der Heiland über das christliche Leben, und zwar deshalb, weil sein sichtbares Zeugnis der vom Geist Gottes im Herzen entzündete geistliche Eifer um die Gottesgefälligkeit ist. Dieser heilige Eifer gleicht dem Feuer: Denn wie das Feuer das Substrat verzehrt, in das es eindringt, so verzehrt der heilige Eifer, der nach dem Leben in Christus strebt, die Seele, die ihn aufgenommen hat. Und wie bei einem Brand das Feuer das ganze Gebäude erfasst, so umfasst und erfüllt das Feuer des geistlichen Eifers, das man angenommen hat, das ganze Wesen des Menschen. An einer anderen Stelle sagt der Herr: „Jeder wird mit Feuer gesalzen werden …“ (Mk. 9,49). Und das ist ein Hinweis auf das Feuer des Heiligen Geistes, das unser ganzes Wesen mit Eifer durchdringt. Wie Salz, das in verfaulende Substanzen eindringt und sie vor dem Verfall bewahrt, so vertreibt der Geist des heiligen Eifers die Sünde aus allen noch so kleinen Verstecken und Aufbewahrungsorten unseres Wesens und rettet uns so vor moralischem Verfall und Verderbnis.

Der Apostel Paulus befiehlt: „Löscht den Geist nicht aus!“ (1 Thess. 5,19) und „Lasst nicht nach im Eifer, brennt im Geist“ (Röm. 12,11) — dies befiehlt er allen Christen, damit sie sich daran erinnern, dass das Brennen des Geistes, oder das unermüdliche Eifern, eine untrennbare Eigenschaft des christlichen Lebens ist. An anderer Stelle spricht er von sich selbst: „Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem vor mir Liegenden aus, mit Blick auf das Preisziel, den heiligen Ruf Gottes in Christus Jesus“ (Phil. 3,13–14); und er mahnt andere:

„Lauft, damit ihr das Ziel erreicht“ (1 Kor. 9,24). Das bedeutet, dass es im christlichen Leben aufgrund der Glut des geistlichen Eifers eine gewisse Schnelligkeit und geistige Lebendigkeit gibt, mit der man sich gottesfürchtigen Werken widmet, sich selbst unterwirft und bereitwillig alle Arten von Mühen ohne Selbstmitleid Gott opfert.

Wenn man sich auf diesen Gedanken stützt, kann man leicht zu dem Schluss gelangen, dass kalte Erfüllung der Kirchenstatuten sowie Regularität in den Taten, festgelegt durch einen berechnenden Verstand, noch nicht die entschiedenen Zeugen dessen sind, was ein wahrhaft christliches Leben ausmacht. All dies ist zwar gut, doch solange es nicht den Geist des Lebens in Christus Jesus in sich trägt, hat es vor Gott keinen Wert. Solche Taten sind dann gleichsam seelenlose Statuen. Und die Uhr läuft zwar ordnungsgemäß; doch wer behauptet, dass in ihr Leben sei? So ist es auch hier: Oft besitzen sie nur den Namen, dass sie leben, während sie tatsächlich tot sind (vgl. Offenb. 3,1). Diese Rechtschaffenheit im Verhalten kann am meisten täuschen. Ihre wahre Bedeutung hängt von inneren Neigungen ab, in denen sich erhebliche Abweichungen von der wesentlichen Wahrheit bei rechtschaffenen Taten zeigen können. Wie man sich äußerlich von sündhaften Taten fernhält, während man im Herzen Neigung oder Vergnügen daran hegt, so kann man auch äußere rechtschaffene Taten vollbringen, ohne dem Herzen dazu geneigt zu sein. Nur wahrer geistlicher Eifer will das Gute in seiner ganzen Fülle und Reinheit vollbringen, und er verfolgt die Sünde bis in ihre kleinsten Nuancen. Das Erste sucht er wie das alltägliche Brot, und das Letzte behandelt er wie einen Todfeind. Ein Feind hasst seinen Feind nicht nur in dessen eigener Person, sondern auch dessen Verwandte und Bekannte, sogar dessen Sachen, dessen Lieblingsfarbe, überhaupt alles, was ihn an ihn erinnert. Das Gleiche gilt für den wahren Eifer um das Wohlgefallen Gottes: Er verfolgt die Sünde selbst in den kleinsten Andeutungen oder Hinweisen darauf, denn er strebt nach absoluter Reinheit. Wäre dies nicht so, wie viel Unreinheit könnte sich dann im Herzen ansammeln!

Und welchen Erfolg kann man erwarten, wenn der heilige Eifer für das christliche Gotteswohl nachlässt? Was nichts kostet, wird auch erfüllt; sobald jedoch verstärkte Anstrengung oder Selbstopferung erforderlich sind, folgt sogleich die Weigerung, weil man sich nicht beherrschen kann. Denn dann gibt es nichts, worauf man sich stützen könnte, um eine gute Tat zu vollbringen; Selbstmitleid untergräbt alle Stützen. Wenn sich eine andere Motivation als die genannte einschaltet, wird auch eine gute Tat zu einer schlechten. Die Zeugen bei Mose fürchteten sich, weil sie sich selbst bemitleideten. Die Märtyrer hingegen gingen bereitwillig in den Tod, weil sie von einem inneren Feuer verzehrt wurden. Ein wahrer Eiferer tut nicht nur das Gesetzliche, sondern auch jeden guten Rat und jede gute Eingebung, die in der Seele versiegelt liegt. Er tut nicht nur das Offensichtliche, sondern ist erfinderisch im Guten, ganz in der Sorge um das eine Gute, das beständig, wahr und ewig ist. „Überall brauchen wir“, sagt der heilige Johannes Chrysostomus, „heiliger Eifer und eine große Entflammung der Seele, die bereit ist, sich gegen den Tod selbst zu erheben; denn sonst ist es unmöglich, das Reich Gottes zu erlangen“ (Bedenkungen 31 über die Apostelgeschichte).

Die Arbeit der Frömmigkeit und der Gottesgemeinschaft ist eine mühsame und schmerzhafte Aufgabe, besonders in den ersten Phasen. Woher nimmt man die Kraft, all diese Mühen zu tragen? Durch die Hilfe der göttlichen Gnade — in dem beseelten heiligen Eifer. Kaufleute, Krieger, Richter und Gelehrte leisten einen vielbeschäftigten und mühsamen Dienst. Wodurch halten sie sich in ihren Mühen aufrecht?

Durch Begeisterung und Liebe zu ihrem Tun. Andernfalls würden wir auch auf dem Pfad der Frömmigkeit Trägheit, Last, Langeweile und Mattigkeit empfinden. Und der Schwerfällige bewegt sich nur mühsam, gleichsam wie ein Kranker, während für die flinke Gemse oder das behände Eichhörnchen Bewegung und Ortswechsel Freude bedeuten. engagierter Gottesdienst ist freudig und erheitert das Gemüt auf dem Weg zu Gott. Ohne diese Haltung kann man das ganze Werk verderben. Man muss alles zur Ehre Gottes tun, entgegen der in uns lebenden Sünde; ohne das wird man alles nur aus Gewohnheit, aus dem Anstand heraustun, weil es von jeher so gemacht wurde und andere es auch so tun. Man muss alles tun; andernfalls wird man das eine tun und das andere nicht, und zwar ohne Reue und ohne Erinnerung an Versäumnisse. Man muss alles mit Aufmerksamkeit und Umsicht tun, als sei es das Wichtigste. Andernfalls wird man willkürlich und planlos handeln.

Also ist klar, dass ein Christ ohne heiligen Eifer ein schlechter Christ ist — träge, entspannt, leblos, weder warm noch kalt — und ein solches Leben ist kein Leben. Da wir dies wissen, bemühen wir uns, wahre Eiferer für gute Taten zu sein, um Gott wahrhaft zu gefallen, ohne Flecken oder Makel oder dergleichen. Also ist ein sicheres Zeichen des christlichen Lebens das Feuer des tätigen geistlichen Eifers, Gott zu gefallen. Nun stellt sich die Frage: Wie wird dieses Feuer entfacht? Wer sind seine Urheber?

Ein solcher Eifer wird durch die Wirkung der göttlichen Gnade hervorgebracht, jedoch nicht ohne die Mitwirkung unseres freien Willens. Das christliche Leben ist kein natürliches Leben. So muss auch sein Anfang oder erstes Erwachen sein. Wie im Samen das pflanzliche Leben erwacht, wenn Feuchtigkeit und Wärme zu dem darin verborgenen Keim dringen und durch sie die alles erneuernde Kraft des Lebens entfaltet wird, so erwacht auch in uns das göttliche Leben, wenn der Heilige Geist in unser Herz eindringt, den Anfang des Lebens im Geist setzt, die verdunkelten und zerbrochenen mit den Zügen des Bildes Gottes als Unterpfand der Ähnlichkeit reinigt und zusammenfügt. Zunächst werden das Verlangen und die freie Suche geweckt (durch äußere Einwirkung), dann kommt die Gnade (durch die Sakramente) und, verbunden mit der Freiheit, erzeugt dies einen mächtigen heiligen Eifer. Und niemand sollte glauben, dass er von sich aus eine solche Kraft des Lebens hervorbringen könne: Man soll um sie bitten und bereit sein, sie anzunehmen. Feuer des Eifers mit Kraft — das ist die Gnade des Herrn. Der Heilige Geist, der in das Herz herabkommt, beginnt dort nicht nur eine unaufhörliche, sondern einen ganz tätigen Eifer zu wirken.

Es mag manchem in den Sinn kommen: Wozu dieses Wirken der Gnade? Können wir nicht aus eigener Kraft Gutes tun? Siehe, wir haben dieses und jenes gute Werk getan. Wir wollen leben, und noch etwas werden wir tun. Wohl selten, vielleicht, hat jemand bei dieser Frage nicht innegehalten. Andere sagen, dass wir aus uns selbst nichts Gutes zu tun vermögen. Doch handelt es sich hier nicht um einzelne gute Werke, sondern um die Wiedergeburt des ganzen Lebens, um ein neues Leben, um das Leben in seinem ganzen Gefüge — ein solches, das zum Heil führt. Bei Gelegenheit ist es nicht schwer, auch etwas sehr Gutes zu tun, wie es auch die Heiden taten. Bestimme aber jemand sich mit Vorsatz zu einem ununterbrochenen Gutestun, bestimme dessen Ordnung nach der Weisung des Wortes Gottes — und dies nicht für einen Monat oder ein Jahr, sondern für das ganze Leben — und nehme sich vor, unbeirrt in dieser Ordnung zu verharren; und wenn er dann darin treu verharrt, mag er sich seiner Kraft rühmen; ohne dies aber tut er nicht besser, seinen Mund zu verschließen. Wie viele Versuche selbstgemachten Beginnens und Einrichtens christlichen Lebenswandels hat es nicht gegeben und gibt es! Und alle endeten und enden in nichts. Eine kurze Zeit steht der Mensch in der neu erwählten Ordnung — und wirft sie dann hin. Und wie anders? Es fehlt an Kräften. Nur der ewigen Kraft Gottes ist es eigen, uns in der Gesinnung unverändert zu erhalten inmitten der unablässigen Fluten zeitlicher Veränderungen. Darum muss man mit dieser Kraft erfüllt werden, sie erflehen und sie nach der Ordnung empfangen, — und sie wird uns aufrichten und aus diesem zeitlichen Sturmgewoge herausziehen.

Wenden wir uns erneut der Erfahrung zu und beobachten, wann solche Gedanken der Selbstzufriedenheit aufkommen? Wenn ein Mensch in einem ruhigen Zustand ist, wenn ihn nichts beunruhigt, nichts verführt und er nicht zur Sünde verleitet wird, dann ist er bereit für ein heiliges und reines Leben. Sobald jedoch eine Leidenschaft oder Versuchung aufkommt, stellt sich die Frage: Wo all die Gelübde geblieben sind? Sagt sich nicht oft ein Mensch, der ein zügelloses Leben führt: „Jetzt werde ich damit aufhören.“ Doch sobald die Befriedigung der Leidenschaft vorüber ist, erhebt sich ein neuer Drang, und er verfällt erneut der Sünde. Es ist gut, über das Ertragen von Kränkungen zu sprechen, wenn alles nach unserem Willen verläuft und nicht gegen unser Selbstbewusstsein gerichtet ist. Hier erscheint vielleicht das Gefühl der Beleidigung oder des Zorns, dem sich andere hingeben. Doch wenn man selbst in einer derartigen Situation ist, dann genügt schon ein Blick aus der Fassung, nicht nur ein Wort. So kann man in seiner Selbstüberschätzung davon träumen, aus eigener Kraft, ohne höhere Hilfe, ein christliches Leben zu führen, solange der Geist ruhig ist. Wenn aber das Übel, das sich im Herzen festgesetzt hat, wie Staub im Wind erhoben wird, dann wird jeder aus eigener Erfahrung die Verurteilung seiner Überheblichkeit erfahren. Wenn ein Gedanke nach dem anderen, ein Verlangen nach dem anderen – einer schlimmer als der andere – die Seele zu beunruhigen beginnt, dann vergisst man sich selbst und ruft unwillkürlich mit dem Propheten:

„Wasser durchdrang meine Seele; ich versank in die Tiefe der Tiefe“ (Ps. 68, 2). O Herr, rette mich! O Herr, eile mir zu Hilfe! (Ps. 117, 25).

Ist es nicht oft so: Der eine träumt in voller Selbstsicherheit davon, im Guten zu verweilen. Doch plötzlich erscheint in seiner Vorstellung ein Gesicht oder ein Gegenstand, entsteht ein Verlangen, wird eine Leidenschaft geweckt – und der Mensch fällt. Danach bleibt ihm nur, sich selbst zu betrachten und zu sagen: „Wie übel das ist!“ Nun entsteht jedoch eine Gelegenheit zum Vergnügen, und er ist wieder bereit, sich zu vergessen. Dann hat ihn jemand beleidigt, es kam zu Streit, Vorwürfen, eine ungerechte, doch vorteilhafte Handlung bietet sich – und er ergreift sie: Einen erniedrigt, den anderen benachteiligt, den Dritten aus dem Weg geräumt – und all dies, nachdem er sich damit gerühmt hatte, sich ohne besondere Hilfe von oben heilig zu verhalten. Wo bleibt die Kraft? – Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach (Mt 26,41). Du siehst das Gute und tust das Böse: denn dem, der Gutes tun will, haftet das Böse an (Röm 7,21). Wir sind gefangen: Erlöse uns, Herr!

Eine der ersten feindlichen Anwürfe gegen uns ist der Gedanke der Selbstüberschätzung, nämlich, dass, wenn nicht die Ablehnung, so doch das Nichtfühlen der Notwendigkeit der gnadenhaften Hilfe. Der Feind sagt sozusagen:

„Geh nicht dorthin – zum Licht, wo man dir neue Kräfte geben will! Du bist so, wie du bist, gut genug für mich.“ Der Mensch gibt sich der Ruhe hin. Doch der Feind wirft ihm zugleich Steine in den Weg (Unannehmlichkeiten), führt auf glatte Pfade (Verlockungen der Leidenschaften) und legt betäubende Blumenfallen aus (helle Umgebung). Ohne Rücksicht schreitet der Mensch weiter und weiter, und er ahnt nicht, dass er allmählich tiefer fällt, bis er schließlich am Tor des Bösen ankommt – am Tor zur Hölle. Muss man ihm wie dem ersten Adam zurufen:

„Mensch, wo bist du? Wohin bist du gegangen?“ Dieser Ruf ist das Wirken der Gnade, das den Sünder erstmals dazu bringt, sich selbst zu betrachten.

Wenn du also beginnen willst, christlich zu leben, suche die Gnade. Der Moment, in dem die Gnade herabkommt und sich mit deinem Willen verbindet, ist der Moment der Geburt des christlichen Lebens – stark, fest und fruchtbar.

Wo kann man die Gnade finden und wie kann man sie annehmen, die das Leben beginnt? Das Erlangen der Gnade und die Heiligung unseres Wesens durch sie vollzieht sich in den Sakramenten. Hier erfährt der Mensch das Wirken Gottes, oder wir bringen Gott unsere unzulängliche Natur dar – und Er verwandelt sie durch Sein Wirken.

Gott wollte, um unseren stolzen Geist zu besiegen, Seine Kraft zu Beginn des wahren Lebens unter dem Mantel einfacher Materie verbergen. Wie dies geschieht, begreifen wir nicht; doch die Erfahrung der gesamten Christenheit bezeugt, dass es nicht anders sein kann.

Es gibt zwei Sakramente, die sich vornehmlich auf den Beginn des christlichen Lebens beziehen: die Taufe und die Buße. Demgemäß ziehen sich die Regeln des Anfangs eines wahrhaft christlichen Lebens zunächst um die Taufe und dann um die Buße.

WIE BEGINNT DAS CHRISTLICHE LEBEN IM SAKRAMENT DER TAUFE?

Die Taufe ist das erste Sakrament im Christentum, das den Menschen – den Christen – würdig macht, die Gnadengaben auch durch andere Sakramente zu empfangen. Ohne sie kann man nicht in die christliche Welt eintreten – kein Mitglied der Kirche werden. Die ewige Weisheit hat sich ein Haus auf Erden geschaffen: Die Tür, die in dieses Haus führt, ist das Sakrament der Taufe. Durch diese Tür tritt man nicht nur in das Haus Gottes ein, sondern man wird auch mit würdiger Kleidung bekleidet, erhält einen neuen Namen und ein Zeichen, das sich in das ganze Wesen des Getauften einprägt. Dadurch können sowohl himmlische als auch irdische Wesen den Getauften erkennen und unterscheiden.

„Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Kreatur“, lehrt der Apostel (2 Kor 5,17). Diese neue Kreatur wird der Christ durch die Taufe. Er kommt aus dem Taufbecken ganz anders heraus, als er hineingegangen ist. Wie das Licht die Finsternis vertreibt und das Leben dem Tod entgegensteht, so ist der Getaufte das Gegenstück des Ungetauften. Zeugung in Ungerechtigkeit und Geburt in Sünde trägt der Mensch vor der Taufe das ganze Gift der Sünde in sich mit all der Schwere ihrer Folgen. Er steht in Ungnade bei Gott, von Natur aus – ein Kind des Zorns, beschädigt und innerlich zerrüttet. Seine Teile und Kräfte sind überwiegend darauf ausgerichtet, die Sünde zu vermehren; er unterliegt dem Einfluss Satans, der aufgrund der in ihm lebenden Sünde mächtig in ihm wirkt. Infolge all dessen bleibt er nach dem Tod unweigerlich der Hölle verfallen, wo er mit seinem Fürsten und dessen Handlangern und Dienern leiden muss.

Durch die Taufe werden wir von all diesen Übeln befreit. Sie hebt durch die Kraft des Kreuzes Christi den Fluch auf und gibt den Segen zurück: Die Getauften sind Kinder Gottes, wie es ihnen vom Herrn selbst verheißen ist. Sind wir Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi … (Röm 8,17). Das Himmelreich gehört dem Getauften bereits durch die Taufe selbst. Sie werden der Herrschaft Satans entzogen, der nun seine Macht über sie und die Fähigkeit, willkürlich in ihnen zu wirken, verliert. Durch den Eintritt in die Kirche, das Haus der Zuflucht, werden dem Satan die Zugänge zum Neugetauften versperrt. Hier ist er wie in einem sicheren Gehege.

All dies sind geistige sowie äußere Vorteile und Gaben. Doch was geschieht im Inneren? Die Heilung von sündhafter Krankheit und Verletzung. Die Kraft der Gnade dringt in das Innere ein und stellt die göttliche Ordnung in ihrer ganzen Schönheit wieder her. Sie heilt Störungen in der Beschaffenheit und im Verhältnis der Kräfte und Teile zueinander sowie in der Hauptrichtung von sich selbst zu Gott – hin zur Gotterfüllung und zur Vermehrung guter Taten. Warum ist die Taufe eine Wieder- oder Neugeburt, die den Menschen in einen erneuerten Zustand setzt? Der Apostel Paulus vergleicht alle Getauften mit dem auferstandenen Erlöser, damit deutlich wird, dass auch sie ein ebenso strahlendes, erneuertes Wesen besitzen, wie die Menschheit durch die Auferstehung Jesu Christi in Herrlichkeit ein neues Leben erhalten hat (vgl. Röm 6,4). Dass sich auch die Ausrichtung des Handelns eines Getauften ändert, geht aus den Worten desselben Apostels hervor.

An anderer Stelle sagt er, dass sie nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den, der für sie gestorben und auferstanden ist (2 Kor 5,15). Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben einmal; was er aber lebt, das lebt er Gott (Röm 6,10). Durch die Taufe werden wir mit ihm in den Tod begraben (Röm 6,4) und: Unser alter Mensch wird mit ihm gekreuzigt, damit wir nicht mehr der Sünde dienen (Röm 6,6).

So wendet sich das ganze Handeln des Menschen durch die Kraft der Taufe von sich selbst und der Sünde zu Gott und zur Wahrheit.

Bemerkenswert sind die Worte des Apostels: Damit wir nicht mehr der Sünde dienen … und ein anderes: Die Sünde soll nicht über euch herrschen (Röm 6,14). Das lässt uns verstehen, dass das, was in der gestörten, gefallenen Natur die Kraft darstellt, die zur Sünde verführt, durch die Taufe nicht vollständig ausgelöscht wird, sondern nur in einen Zustand versetzt wird, in dem es keine Macht über uns hat, uns nicht beherrscht und wir ihm nicht dienen. Sie ist zwar in uns, lebt und wirkt, aber nicht als Herrscher.

Von nun an gehört die Herrschaft der Gnade Gottes und dem Geist, der sich ihr bewusst hingibt. Der heilige Diadochos erklärt die Kraft der Taufe folgendermaßen: Vor der Taufe lebt die Sünde im Herzen und die Gnade wirkt von außen; danach wohnt die Gnade im Herzen und die Sünde wirkt von außen. Sie wird aus dem Herzen vertrieben wie ein Feind aus einer Festung und lässt sich außerhalb nieder, in den Teilen des Körpers, von wo aus sie in vereinzelten Überfällen wirkt. Deshalb ist sie ein unaufhörlicher Versucher und Verführer, aber kein Herrscher mehr: Sie beunruhigt und bedrängt, regiert jedoch nicht mehr.1

So entsteht neues Leben in der Taufe! Was dabei vom Menschen verlangt wird und wie er durch die Taufe erneuert wird, wird in den Grundzügen der christlichen Moral, insbesondere im Artikel Die Norm des christlichen Lebens, dargelegt. Hier wird dies nicht wiederholt, denn ein erwachsener Täufling ist derselbe wie ein Sünder, der sich zu Gott in Buße gewandt hat; über Letzteres wird später ausführlich gesprochen werden, dies wird im zweiten Abschnitt ausführlich behandelt. Dann werden alle Fragen zu diesem Thema vollständig beantwortet sein.

Hier wird darauf hingewiesen, wie das christliche Leben durch die Taufe bei denen beginnt, die als Säuglinge getauft werden, wie es vor allem unter uns der Fall ist. Denn hier beginnt das christliche Leben mit einer charakteristischen Besonderheit, die sich aus dem Verhältnis von Gnade und Freiheit ergibt.

Ihr wisst bereits, dass die Gnade auf den freien Willen und das freie Streben herabkommt und dass nur durch ihre Verbindung ein neues Leben entsteht, das von der Gnade und den Eigenschaften eines freien Geschöpfs geprägt ist. Der Herr schenkt Gnade umsonst, aber er verlangt, dass der Mensch sie sucht und bereitwillig annimmt, indem er sich ganz Gott weiht. Dies ist bei der Buße und der Taufe von Erwachsenen offensichtlich. Doch wie wird sie bei der Taufe von Säuglingen erfüllt? Ein Säugling verfügt weder über Verstand noch über Freiheit und kann daher die Bedingung für den Beginn des christlichen Lebens, nämlich den Wunsch, sich Gott zu weihen, nicht erfüllen. Dennoch muss diese Bedingung erfüllt werden. Aufgrund der Art und Weise, wie dies geschieht, vollzieht sich der Beginn des Lebens durch die Taufe von Säuglingen mit einer besonderen Eigenart. Und zwar:

Auf diese Weise wird durch die Taufe der Same des Lebens in Christus in das Kind gelegt und ist in ihm, gehört aber noch nicht ihm, sondern wirkt als seine formende Kraft. Das durch die Gnade der Taufe entstandene geistige Leben wird dem Menschen erst dann eigen, wenn es in seiner ganzen Gestalt offenbar wird, in Übereinstimmung nicht nur mit der Gnade, sondern auch mit der Beschaffenheit eines vernünftigen Geschöpfes. Dies ist der Fall, wenn es zu Bewusstsein kommt und sich aus freiem Willen Gott weiht. Dann eignet es sich mit freudiger und dankbarer Aufnahme die in ihm gefundene gnadenvolle Kraft an, die ihm zu eigen geworden ist. Bis zu diesem Zeitpunkt wirkt das wahrhaft christliche Leben in ihm, aber sozusagen ohne sein eigenes Bewusstsein. Es wirkt in ihm, gehört ihm jedoch noch nicht. Ab dem Augenblick des Bewusstseins und der Entscheidung wird es sein eigenes Leben, das nicht nur gnadenhaft, sondern auch frei ist.

Aus diesem Grund wird bei Säuglingen der Zeitraum zwischen der Taufe und der Hingabe an Gott, der Beginn des christlich-moralischen Lebens durch die Gnade der Taufe, sozusagen auf einen unbestimmten Zeitraum ausgedehnt. In dieser Zeit reift der Säugling heran und wird in der Heiligen Kirche unter Christen zu einem Christen geformt, so wie er zuvor im Mutterleib körperlich geformt wurde.

Verankern Sie diesen Gedanken fest in Ihrem Bewusstsein, lieber Leser. Er wird uns dringend benötigt werden, wenn wir festlegen, wie Eltern, Paten und Erzieher mit einem getauften Säugling umgehen sollen, der ihnen von der Heiligen Kirche und dem Herrn anvertraut wird.

Es versteht sich von selbst, dass nach der Taufe des Kindes eine sehr wichtige Aufgabe auf die Eltern und Paten zukommt: das getaufte Kind so zu erziehen, dass es, sobald es zu Bewusstsein kommt, die gnadenvollen Kräfte in sich erkennt, sie mit freudigem Verlangen annimmt, ebenso wie die damit verbundenen Pflichten und die von ihnen geforderte Lebensweise. Dies stellt uns unmittelbar vor die Frage der christlichen Erziehung oder der Erziehung gemäß den Anforderungen der Gnade der Taufe, mit dem Ziel, diese Gnade zu bewahren.

Um deutlicher zu machen, wie mit einem getauften Kind für die genannten Zwecke umzugehen ist, muss man sich an die zuvor geäußerten Gedanken erinnern: Die Gnade überstrahlt das Herz und wohnt in ihm, wenn es sich von der Sünde abwendet und sich Gott zuwendet. Wegen dieser Geisteshaltung, der aktiv hervortreten soll, treten ferner alle weiteren Gaben der Gnade und alle Vorteile der gegnadeten Menschen auf: Gottes Wohlgefallen, die Teilhabe an Christus, die Verschaffung außerhalb des Bereichs Satans, fern von der Gefahr, gerichtet zu werden. Sobald jedoch diese Geistes- und Herzensstimmung verlorengeht oder empfindlich sinkt, beginnt die Sünde sogleich wieder das Herz zu beherrschen, und durch die Sünde werden Satans Bande auferlegt und Gottes Wohlgefallen sowie die Teilhabe an Christus werden entzogen. Die Gnade im Säugling zähmt und unterdrückt die Sünde; doch sie kann wieder aufleben und sich erheben, wenn ihr Nahrung und Freiheit gegeben wird. Darum muss alle Aufmerksamkeit derjenigen gelten, die die Pflicht tragen, das im Taufbecken empfangene kindliche Christentum in seiner Unversehrtheit zu bewahren: niemals soll die Sünde über das Kind wieder Macht gewinnen, sie willkürlich unterdrücken und schwächen; vielmehr ist zu fördern und zu stärken, dass es sich zu Gott richtet. Es muss so geschaffen werden, dass sich in dem heranwachsenden Christen diese Geistesverfassung, mag sie auch unter fremder Führung reifen, eigenständig weiterentwickelt, damit er allmählich vermehrt die Sünde überwindet und zu Gottes Ehre und Heiligung lebt; damit er lernt, die Kräfte von Geist und Leib so zu gebrauchen, dass dies nicht die Arbeit der Sünde, sondern der Dienst Gottes wird. Wie dies möglich ist, zeigt sich aus dem, was fortgeführt wird.

Dass dies möglich ist, zeigt sich daran, dass der Geborene und Getaufte ganz und gar ein Same der Zukunft ist oder ein Boden, der mit Samen erfüllt ist. Die durch die Gnade der Taufe eingegossene neue Verfassung ist real, das heißt, sie ist auch ein Samen des Lebens und nicht nur gedanklich oder zugeschrieben. Wenn sich jedes Samenkorn seiner Art entsprechend entwickelt, dann kann sich auch das Samenkorn des gnadenvollen Lebens im Getauften entwickeln. Wenn in ihm das Samenkorn der über die Sünde siegenden Hinwendung zu Gott gelegt ist, dann kann es ebenso entwickelt und sich entfalten wie andere Samenkörner. Dafür müssen nur wirksame Mittel eingesetzt oder eine geeignete Methode festgelegt werden, um auf das getaufte Kind einzuwirken.

Das Ziel, auf das dabei alles ausgerichtet sein muss, besteht darin, dass dieser neue Mensch, wenn er zu Bewusstsein kommt, sich nicht nur als Mensch, als vernunftbegabtes, freies Wesen, sondern auch als eine Person versteht, die eine Verpflichtung gegenüber dem Herrn eingegangen ist, mit dem sein ewiges Schicksal untrennbar verbunden ist. Er soll sich nicht nur als solches erkennen, sondern auch die Fähigkeit besitzen, dieser Verpflichtung nachzukommen, und Liebe dazu entwickeln. Die Frage ist, wie dies erreicht werden kann. Wie soll man mit einem Getauften umgehen, damit er, wenn er erwachsen wird, nichts anderes mehr wünscht, als ein wahrer Christ zu sein? Oder: Wie soll man christlich erziehen?

Wir wollen hier nicht auf alle Details eingehen. Wir beschränken uns auf einen allgemeinen Überblick über die gesamte christliche Erziehung, um aufzuzeigen, wie man die guten Seiten von Kindern in bestimmten Fällen fördern und stärken und die schlechten Seiten schwächen und unterdrücken kann.

Der Fokus liegt dabei vor allem auf dem Kind in der Wiege, bevor irgendwelche Fähigkeiten in ihm erweckt werden. Da das Kind lebt, kann man auf sein Leben Einfluss nehmen. Hier kommen die Heiligen Sakramente zum Tragen, hinter ihnen steht die ganze Kirche und mit ihnen der Glaube und die Frömmigkeit der Eltern.

All dies zusammen bildet eine schützende Atmosphäre um das Kind herum. All dies inspiriert auf geheimnisvolle Weise das gnadenreiche Leben, das im Kind empfangen wurde.

Die häufige Kommunion der Heiligen Geheimnisse (man könnte hinzufügen: so oft wie möglich) verbindet das neue Glied des Herrn lebendig und wirksam mit Ihm, heiligt es durch Sein reines Fleisch und Sein Blut, versöhnt es mit Ihm und macht es unzugänglich für die dunklen Mächte.

Eltern, die so handeln, bemerken, dass ihr Kind an dem Tag, an dem es die Kommunion empfängt, in tiefe Ruhe versetzt wird, ohne dass starke natürliche Bedürfnisse auftreten, selbst diejenigen, die bei Kindern stärker ausgeprägt sind. Manchmal ist es von Freude erfüllt und von Geisteshaltung, bereit, jeden zu umarmen, wie seinen Bräutigam. Nicht selten begleitet die heilige Kommunion Wunder. Der Heilige Andreas von Kreta sprach in seiner Kindheit lange Zeit nicht. Als seine verzweifelten Eltern sich dem Gebet und den gnadenvollen Mitteln zuwandten, löste der Herr durch Seine Gnade während der Kommunion die Fesseln der Zunge. Daraufhin überströmte die Kirche Ströme von süßsprechender Weisheit. Ein Arzt bezeugte nach seinen Beobachtungen, dass man Kinder bei den meisten Krankheiten zur heiligen Kommunion bringen sollte und nur selten medizinische Hilfsmittel nötig seien.

Der häufige Gang in die Kirche, das Anlegen am Heiligen Kreuz, am Evangelium, an Ikonen, das Bedecken mit Tüchern, auch zu Hause das häufige Stellen unter Ikonen, das häufige Bekreuzigen, das Besprengen mit Weihwasser, das Räuchern mit Weihrauch, das Bekreuzigen der Wiege, der Speisen und allem, was damit in Berührung kommt, der Segen des Priesters, das Mitbringen von Ikonen aus der Kirche ins Haus und die Gebete; im Allgemeinen – alles Kirchliche nährt und erwärmt auf wunderbare Weise das gnadenreiche Leben des Kindes und bietet stets den sichersten und unzugänglichen Schutz gegen die Angriffe unsichtbarer dunkler Mächte, die überall darauf bedacht sind, in die sich entwickelnde Seele einzudringen und sie zu infizieren.

Unter diesem sichtbaren Schutz steht ein unsichtbarer: der Schutzengel, den Gott dem Kind von der Minute der Taufe an beigestellt hat. Er bewacht es, beeinflusst es durch seine Gegenwart unsichtbar und flüstert den Eltern bei Bedarf zu, wie sie mit dem sich in äußerster Gefahr befindlichen Kind verfahren sollen.

All diese starken Schutzwälle und wirksamen Eingebungen können jedoch durch Unglauben, Nachlässigkeit, Gottlosigkeit und das schlechte Leben der Eltern zerstört werden. Zum einen, weil diese Mittel dann nicht oder nicht richtig eingesetzt werden; vor allem aber durch den inneren Einfluss. Der Herr ist zwar barmherzig, besonders gegenüber Unschuldigen, doch es gibt eine unergründliche Verbindung zwischen der Seele der Eltern und der Seele der Kinder, und wir können nicht bestimmen, in welchem Maß der Einfluss der Ersteren auf die Letzteren reicht; ebenso wenig, wie weit die Barmherzigkeit und Nachsicht Gottes auf die Letzteren ausgedehnt ist. Es kommt vor, dass dies aufhört, und dann tragen die bereiteten Ursachen Früchte. Deshalb muss der Geist des Glaubens und der Frömmigkeit der Eltern als das mächtigste Mittel zur Bewahrung, Erziehung und Stärkung des gnadenreichen Lebens in den Kindern gelten.

Der Geist eines Säuglings scheint in den ersten Tagen, Monaten und sogar Jahren noch keine Bewegung zu haben. Es ist unmöglich, ihm auf gewöhnlichem Weg etwas für seine Aufnahme zu vermitteln. Man kann aber indirekt auf ihn einwirken.

Es gibt einen besonderen Weg der Verständigung der Seelen durch das Herz. Ein Geist beeinflusst den anderen durch das Gefühl. Je vollständiger und tiefer sich die Eltern dem Säugling mit ihrem Herzen zuwenden, desto günstiger ist ein solcher Einfluss auf die Seele des Säuglings. Vater und Mutter verschwinden gewissermaßen im Kind und kommen der Seele entgegen. Und wenn ihr Geist von Frömmigkeit durchdrungen ist, kann es nicht ausbleiben, dass dies auf die Seele des Kindes wirkt. Der beste äußere Vermittler in diesem Fall ist der Blick. Während die Seele in anderen Gefühlen verborgen bleibt, öffnet das Auge sie dem Blick anderer. Dies ist der Treffpunkt zweier Seelen. Mögen durch dieses Öffnen die Seelen der Mutter und des Vaters mit heiligen Gefühlen in die Seele des Kindes eindringen. Sie können nicht umhinkommen, sie mit diesem heiligen Öl zu salben. In ihrem Blick sollte nicht nur die Liebe leuchten, die so natürlich ist, sondern auch der Glaube, dass sie etwas Höheres als ein gewöhnliches Kind in ihren Händen halten, und die Hoffnung, dass Derjenige, dem sie diesen Schatz anvertraut haben, ihnen auch die nötige Kraft geben wird, ihn zu bewahren. Schließlich soll in ihrem Blick auch das ununterbrochene Gebet mitschwingen, das aus der Hoffnung des Glaubens geboren wird.

Wenn die Eltern die Wiege ihres Kindes auf diese Weise mit einem Geist aufrichtiger Frömmigkeit umgeben und dabei der Schutzengel, die Heiligen Sakramente und die gesamte Kirche von außen und innen auf das Kind wirken lassen, entsteht eine ihm entsprechende geistliche Atmosphäre, die seinen Charakter prägt, ähnlich wie das Blut, der Ursprung des tierischen Lebens, stark von der umliegenden Luft abhängt. Es wird gesagt, dass ein neu gestaltetes Gefäß lange, wenn nicht gar immer, den Geruch der Substanz bewahrt, die zu dem Zeitpunkt eingefüllt wurde. Dasselbe gilt für die Erziehung von Kindern. Dankbar dringt sie in die sich ausbildenden Lebensformen des Kindes ein und prägt sie. Hier liegt auch eine unüberwindbare Barriere gegen den Einfluss böser Geister.

Wenn man eine solche Erziehung von der Wiege an beginnt, muss man sie während der gesamten Erziehung fortführen: in der Kindheit, im Jugendalter und in der Jugend. Die Kirche, die Kirchlichkeit und die Heiligen Sakramente sind wie eine Hütte, in der die Kinder ununterbrochen verweilen müssen. Beispiele zeigen, wie rettend und fruchtbar dies ist: Samuel (Prophet, 20. August), Theodor von Sikeot (22. April) und andere. Allein dies kann alle sonstigen Erziehungsmittel ersetzen, die nicht minder erfolgreich sind. So bestand vor allem die alte Form der Erziehung.

Wenn bei einem Kind die Kräfte nacheinander zu erwachen beginnen, müssen Eltern und Erzieher ihre Aufmerksamkeit verstärken. Denn wenn unter dem Einfluss der genannten Mittel die Neigung zu Gott in ihnen wächst und sich verstärkt, schläft die in ihnen vorhandene Sünde nicht, sondern ergreift ebenfalls jene Kräfte, um dieselben zu dominieren. Die unvermeidliche Folge ist ein innerer Kampf. Da Kinder diesen Kampf nicht selbst führen können, ersetzen ihn vernünftigerweise die Eltern. Da dieser Kampf jedoch von den Kindern selbst geführt werden muss, müssen die Eltern streng darauf achten, die Anfänge ihres Erwachens zu lenken, damit sie von der ersten Minute an eine Neigung entwickeln, die dem Hauptziel entspricht, auf das sie ausgerichtet werden sollen.

So beginnt der Kampf der Eltern gegen die Sünde, die im Kind lebt. Obwohl diese Sünde keinen festen Halt hat, wirkt sie doch und versucht, sich die Kräfte von Körper und Seele zu eigen zu machen, um sich auf etwas Beständiges zu stützen. Das darf nicht zugelassen werden; vielmehr muss man der Sünde die Kräfte zu entreißen und sie Gott zu übergeben. Damit dies jedoch sinnvoll geschieht, und nicht ohne Begründung, muss man sich klarmachen, wonach die verbleibende Sünde strebt, woran sie sich nährt und wodurch sie uns genau Besitz ergreift. Die Hauptursachen, die zur Sünde verleiten, sind: im Denken Eigenwilligkeit oder Neugier, im Willen Willkür, im Gefühl Selbstzufriedenheit.

Daher muss so mit den sich entwickelnden Kräften von Seele und Körper verfahren und sie so lenken, dass sie nicht dem Körpergenuß, der Neugier, der Willkür und der Selbstzufriedenheit ausgeliefert werden, denn das wäre ein sündiger Zustand; vielmehr soll man sie dazu bringen, sich von ihnen abzuwenden und über sie zu herrschen und dadurch so weit wie möglich ihre Wirkung schwächen und unschädlich machen. Das ist der Hauptanfang. Damit muss später jede Erziehung zusammenhängen. Prüfen wir daher mit diesem Ziel die wesentlichen Wirkungen von Körper, Seele und Geist.

Zunächst erwachen die körperlichen Bedürfnisse und bleiben dann bis zum Tod in ständiger Aktivität. Umso wichtiger ist es, ihnen von Anfang an Grenzen zu setzen und diese durch Gewohnheit zu festigen, damit sie später weniger Unruhe verursachen. In diesem Zusammenhang ist die Ernährung eine wichtige Aufgabe für das körperliche Leben. In moralischer Hinsicht ist sie der Sitz der Leidenschaft für die sündige Wonne des Fleisches oder der Ort ihrer Entwicklung und Ernährung. Deshalb muss man ein Kind so ernähren, dass man, während man sein körperliches Leben entwickelt und ihm Kraft und Gesundheit verleiht, nicht seine Fleischeslust entfacht. Man darf nicht darauf achten, dass das Kind klein ist.

Man muss von den ersten Jahren an damit beginnen, das zu groben Stoffen neigende Fleisch zu zügeln und das Kind daran zu gewöhnen, es zu beherrschen. So kann es in der Kindheit, in der Jugend und danach leicht und frei mit diesem Bedürfnis umgehen. Der erste Sauerteig ist sehr teuer. Von der Nahrung im Kindesalter hängt später vieles ab. Unmerklich kann sich Genusssucht und Unmäßigkeit beim Essen entwickeln, zwei Arten der Völlerei, die sowohl dem Körper als auch der Seele schaden und sich auf die Ernährung übertragen.

Deshalb raten sogar Ärzte und Pädagogen:

1) gesunde und dem Alter des Kindes entsprechende Lebensmittel auszuwählen, denn für Säuglinge eignet sich eine Nahrung, für Kleinkinder, Kinder, Heranwachsende und Jugendliche eine andere;

2) den Verzehr dieser Lebensmittel festen Regeln zu unterwerfen (wiederum angepasst an das Alter), in denen Zeit, Menge und Art der Ernährung festgelegt sind;

3) danach von der auf diese Weise festgelegten Ordnung nicht ohne Not abzuweichen. Dadurch wird das Kind daran gewöhnt, nicht jedes Mal nach Nahrung zu verlangen, wie es ihm beliebt, sondern auf eine bestimmte Stunde zu warten; hier finden auch die ersten Versuche statt, sich selbst in seinen Begierden zu zügeln. Werden Kinder stets gefüttert, sobald sie schreien, und stets gefüttert, wenn sie um Essen bitten, werden sie derart verwöhnt, dass sie später nur noch aus Krankheitsgründen auf Nahrung verzichten können. Zugleich gewöhnt es sich daran, eigenwillig zu werden, weil es alles, was es wünscht, erbetteln oder hervorschreien kann. In gleichem Maß müssen auch Schlaf, Wärme und Kälte sowie andere notwendige Annehmlichkeiten der Ernährung eingehalten werden, wobei man ständig darauf achtet, die Entstehung von Leidenschaften .im Sinne der Sinnesbegierden zu verhindern und dem Kind beizubringen, sich zu verweigern. Dies muss während der ganzen Erziehung streng eingehalten werden, wobei selbstverständlich die Regeln in der Anwendung, nicht im Wesen, geändert werden; bis der Erziehungsempfangende sich an sie gewöhnt und sich selbst zu beherrschen beginnt.

Die zweite Betätigung des Körpers ist die Bewegung; ihr Organ sind die Muskeln, in denen Kraft und Stärke des Körpers liegen und die als Werkzeuge der Arbeit dienen. In Bezug auf die Seele ist sie der Sitz des Willens und sehr geeignet, den Eigenwillen zu entfalten. Ein maßvolles, vernünftiges Wachstum dieser Bewegung gibt dem Körper Erregtheit und Lebensfrische, gewöhnt an Arbeit und formt Besonnenheit. Umgekehrt führt eine verkehrte, dem Zufall überlassene Entwicklung dazu, dass einerseits übermäßige Lebhaftigkeit und Zerstreutheit wachsen, andererseits Trägheit, Leblosigkeit, Müßiggang. Ersteres stärkt Eigenwillen und Ungehorsam und macht sie gleichsam zum Gesetz, in Verbindung damit entstehen Begeisterung, Zorn und Unbeherrschbarkeit im Willen. Letzteres versinkt in der Fleischeslust und entfaltet sich in sinnlichen Genüssen. Man muss also darauf achten, dass beim Stärken der körperlichen Kräfte der Wille nicht durch die Liebe zum Fleisch übermächtig wird und der Geist dadurch zerstört wird. Dafür sind Maß, Vorschrift und Aufsicht von größter Bedeutung. Das Kind soll toben, jedoch zu der rechten Zeit, am rechten Ort und in der rechten Weise, wie es ihm befohlen wird. Der Wille der Eltern soll jeden ihrer Schritte prägen – natürlich im Allgemeinen. Ohne dies kann sich die Natur des Kindes leicht verzerren. Wenn ein Kind nach Belieben tobt, kehrt es stets zu Gehorsam auch in kleinen Dingen zurück, nicht zuletzt schon nach dem ersten Mal; was soll man dann sagen, wenn dieser Teil völlig vernachlässigt wird? Wie schwer ist es doch, Eigenwillen zu beseitigen, sobald er sich im Körper wie in einer Festung festgesetzt hat! Der Hals beugt sich nicht, Hand und Fuß bewegen sich nicht, und die Augen wollen nicht sehen, wie befohlen. Im Gegensatz dazu reagiert ein Kind auf jeden Befehl, wenn man ihm von Anfang an keine Bewegungsfreiheit lässt. Es gibt keinen besseren Weg, sich an den Umgang mit dem eigenen Körper zu gewöhnen, als ihn zu zwingen, sich nach Anweisungen zu bewegen. Die dritte Betätigung des Körpers liegt in den Nerven. Aus den Nerven kommen die Sinneswahrnehmungen – Werkzeuge des Beobachtens und Nahrung der Neugier. Doch dazu später. Jetzt zu einer weiteren allgemeinen Aufgabe der Nerven: Sie sind der Sitz der Sinnlichkeit des Körpers, der Fähigkeit, angenehme und unangenehme äußere Eindrücke wahrzunehmen. In dieser Hinsicht sollte es zur Regel werden, den Körper daran zu gewöhnen, alle Arten äußerer Einflüsse schmerzfrei zu ertragen: Luft, Wasser, Temperaturwechsel, Feuchtigkeit, Hitze, Kälte, Verletzungen, Schmerzen usw.

Wer diese Fähigkeit erworben hat, ist ein glücklicher Mensch, der zu den schwierigsten Aufgaben zu jeder Zeit und an jedem Ort fähig ist. Die Seele eines solchen Menschen ist die volle Herrscherin über den Körper; sie zögert nicht, verändert nichts und lässt keine Aufgaben aus Angst vor körperlichen Beschwerden liegen. Im Gegenteil, sie wendet sich mit einer gewissen Begierde dem zu, was den Körper verdorben könnte. Und das ist sehr wichtig. Das größte Übel im Hinblick auf den Körper ist Wärme- und Körperliebe. Sie nimmt der Seele jede Macht über den Körper und macht sie zu dessen Sklavin. Im Gegensatz dazu wird derjenige, der seinen Körper nicht schont, bei seinen Vorhaben nicht durch die Ängste einer blinden Lebenslust beunruhigt. Wie glücklich ist derjenige, der dies von Kindheit an gelernt hat! Dazu gehören medizinische Ratschläge in Bezug auf das Baden, die Zeit und den Ort der Spaziergänge sowie die Kleidung. Am wichtigsten ist es, den Körper nicht nur mit angenehmen, sondern auch mit beunruhigenden Eindrücken zu konfrontieren. Durch einige wird der Körper verwöhnt, durch andere gestärkt. Bei den einen fürchtet sich das Kind vor allem, bei den anderen ist es zu allem bereit und in der Lage, geduldig an dem begonnenen Festhalten zu arbeiten.

Eine solche Behandlung des Körpers wird von der Pädagogik vorgeschrieben. Hier wird lediglich aufgezeigt, wie diese Ratschläge auch für die Entwicklung des christlichen Lebens geeignet sind: Ihre eifrige Befolgung versperrt der Seele den Zugang zu unanständigen Trieben wie sinnlichen Genüssen, Willkür, Körperliebe oder Selbstmitleid; sie formt gegenteilige Neigungen in ihr und lehrt sie allgemein, den Körper als Organ zu beherrschen und sich ihm nicht zu unterwerfen. Das ist im christlichen Leben von großer Bedeutung, da es seinem Wesen nach von Sinnlichkeit und jeder Art von Fleischeslust befreit ist.

Daher darf die Entwicklung des Körpers eines Kindes nicht dem Zufall überlassen werden, sondern es muss von Anfang an unter strenger Disziplin gehalten werden, damit es später in die Hände des Erziehers übergeht, der bereits an das christliche Leben angepasst und ihm nicht feindlich gesinnt ist. Wahrhaft liebevolle christliche Eltern sollten nichts scheuen, um ihren Kindern dieses Wohl zu verschaffen; denn sonst werden alle noch folgenden Taten ihrer Liebe und Fürsorge entweder unfruchtbar oder sogar völlig wirkungslos. Der Körper ist der Sitz der Begierden, vor allem der heftigsten wie Begierde und Zorn. Er ist zugleich das Organ, durch das Dämonen in die Seele eindringen oder sich an sie heften. Dabei darf die Frömmigkeit nicht übersehen werden, und nichts, was den Körper berühren könnte, darf gemieden werden, denn damit wird der Körper geheiligt und die tierische Habgier gezähmt.

Hier wird nicht alles im Einzelnen beschrieben, sondern nur der grundlegende Grundsatz für den Umgang mit dem Körper gegeben. Die Einzelheiten ergeben sich aus der Sache selbst, je nachdem, wer sie wann benötigt. Aus dieser Beschreibung ergibt sich natürlich auch, wie man den Körper und alles andere im Leben behandeln sollte: Denn wir haben mit ihm dieselben Aufgaben zu bewältigen.

Zusammen mit der Entdeckung der körperlichen Bedürfnisse lassen auch die niederen Kräfte der Seele nicht lange auf sich warten in ihrer natürlichen Reihenfolge, sich zu äußern. Hier beginnt das Kind damit, den Blick auf einen Gegenstand zu richten, den einen mehr, den anderen weniger, als ob ihm einer mehr und der andere weniger gefiele. Dies sind die ersten Anfänge der Nutzung der Sinne, auf die sogleich das Erwachen der Vorstellungskraft und des Gedächtnisses folgt. Diese Fähigkeiten stehen am Übergang von der körperlichen zur geistigen Tätigkeit und wirken zusammen, so dass das, was von einer Fähigkeit hervorgebracht wird, sofort auf die andere übertragen wird. Angesichts der Bedeutung, die sie derzeit in unserem Leben haben, ist es gut und heilsam, ihre ersten Anfänge mit Gegenständen aus dem Bereich des Glaubens zu weihen. Die ersten Eindrücke bleiben tief in Erinnerung. Man muss bedenken, dass die Seele in die Welt als eine nackte Kraft kommt; sie wächst später, reichert sich innerlich an und erweitert ihre Tätigkeiten. Das erste Material, die erste Nahrung für ihre Bildung, stammt von außen durch die Sinneswahrnehmung und die Vorstellungskraft. Es versteht sich von selbst, welche Art von Gegenständen der Sinne und der Vorstellung nötig ist, damit das entstehende christliche Leben nicht nur nicht behindert, sondern sogar fördert. Denn ebenso wie die erste Nahrung erheblichen Einfluss auf das Temperament des Körpers hat, hat auch die Beschäftigung der Seele mit den ersten Objekten starken Einfluss auf ihren Charakter oder Ton des Lebens.

Die sich entwickelnden Sinne liefern der Vorstellungskraft Material; das vorgestellte Objekt wird im Gedächtnis gespeichert und bildet sozusagen den Inhalt der Seele. Mögen die Sinne ihre ersten Eindrücke von heiligen Gegenständen erhalten: Ikone und Licht der Lampade für das Auge, heilige Lieder für das Gehör und so weiter. Das Kind versteht noch nichts von dem, was ihm vor Augen steht, aber seine Augen und Ohren gewöhnen sich an diese Gegenstände, und indem sie das Herz durchdringen, verdrängen sie andere Gegenstände. Die ersten Übungen der Vorstellungskraft werden ebenso heilig sein wie die Sinne; es wird ihm leichter fallen, sich diese Gegenstände vorzustellen als andere: Das sind seine ersten Neigungen. Dann, in der Zukunft, wird das fest Eingeprägte, das einerseits wesentlich mit den Formen der Sinne und der Vorstellung verbunden ist, es auf keinen anderen Weg anziehen als unter heiligen Formen.

Also lass das Kind von allen Arten heiligen Gegenständen umgeben sein; alles, was in Beispielen, Darstellungen und Dingen verderblich sein könnte, wird entfernt. Doch auch in der restlichen Zeit muss dieselbe Ordnung gewahrt werden. Es ist bekannt, wie stark verdorbene Bilder auf die Seele wirken, egal in welcher Form sie sie berühren! Wie unglücklich ist ein Kind, das, die Augen schließend oder sich allein und in sich selbst vertiefend, von einer Vielzahl unanständiger, eitler, verführerischer, von Leidenschaften durchdrungener Bilder überwältigt wird. Das ist für die Seele dasselbe wie Rauch für den Kopf.

Man darf auch die Wirkungsweise dieser Kräfte nicht aus den Augen verlieren. Die Aufgabe der Sinne besteht darin, zu sehen, zu hören, zu tasten, überhaupt zu empfinden, zu erforschen. Deshalb sind sie die ersten Auslöser der Neugier, die dann um ihrer selbst willen in die Vorstellungskraft und das Gedächtnis übergeht und, dort verankert, ein unerbittlicher Tyrann für die Seele wird. Man darf die Sinne nicht unterdrücken; denn nur durch sie kann man die Dinge erkennen, die man um Gottes Willen und zu unserem eigenen Wohl wissen muss. Dabei ist jedoch auch die Neugier unvermeidlich, die eine unbändige Neigung ist, ziellos zu sehen und zu hören, was wo geschehen und wie es geschieht. Wie soll man sich dabei verhalten? Das Erforschen ist bereits Neugier. Neugier besteht darin, dass man versucht, alles wahllos und ziellos zu erforschen, ohne zu unterscheiden, ob es notwendig ist oder nicht. Man sollte also bei der Ausübung der Sinne Maß und Ordnung wahren und sie auf das eine Notwendige und Bewusste richten – dann gibt es keinen Nährboden für Neugier; das heißt, man muss das Kind daran gewöhnen, das zu erforschen, was für es notwendig ist, und sich von allem Übrigen fernzuhalten und abzuwenden. Dann sollte man beim Erforschen selbst auf fortschreitende Achtsamkeit achten – nicht von einem Gegenstand zum anderen oder von einer Eigenschaft zur anderen springen, sondern nacheinander alles betrachten und darauf achten, dass man sich den Gegenstand danach so vorstellt, wie es sich gehört. Diese Art der Beschäftigung wird das Kind davon befreien, sich auch nur innerhalb des Erlaubten zu amüsieren, es wird lernen, seine Sinne und damit auch die Vorstellungskraft zu beherrschen. Und es wird nicht unnötig von einem zum anderen springen, folglich nicht träumen und sich mit Bildern beschäftigen und der Seele damit keinen Frieden geben, indem es ihr durch Auf- und Abstieg seiner ungehörigen Visionen Unruhe bereitet. Wer seine Sinne und seine Vorstellungskraft nicht beherrschen kann, wird notwendigerweise zerstreut und unbeständig sein, da ihn eine Neugier verfolgt, die ihn von einem Gegenstand zum anderen treibt, bis seine Kräfte erschöpft sind – und all das ohne Frucht.

Gleichzeitig mit diesen Fähigkeiten entstehen im Kind Leidenschaften, die es schon früh beunruhigen. Das Kind kann noch nicht sprechen, noch nicht gehen, hat gerade erst gelernt, zu sitzen und nach Spielzeug zu greifen, aber es ärgert sich schon, ist neidisch, beansprucht Dinge, wird eigensinnig und zeigt allgemein die Wirkung von Leidenschaften. Dieses Übel, das auf dem tierischen Leben gründet, ist verderblich; darum muss man ihm von Anfang an entgegenwirken.

Wie das zu tun ist, ist schwer zu sagen. Alles hängt von der Klugheit der Eltern ab. Man kann jedoch Folgendes festlegen: erstens das Entstehen von Leidenschaften in allen Hinsichten verhindern; zweitens, falls sich eine Leidenschaft doch zeigt, muss man sich beeilen, sie mit geeigneten und bewährten Mitteln zu löschen. Dadurch wird verhindert, dass sie sich festsetzt oder sich eine Veranlagung dafür bildet. Eine Leidenschaft, die häufiger als andere auftritt, muss mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt werden, weil sie das Leben beherrschen kann. Der zuverlässigste Weg, Leidenschaften zu heilen, ist der Einsatz segensreicher Mittel. Dazu muss man sich ihnen gläubig begegnen.

Leidenschaft ist ein seelisches Phänomen, weshalb Eltern zunächst keine Mittel haben, direkt auf die Seele zu wirken… Deshalb muss man vor allem den Herrn bitten, dass Er Sein Werk vollbringt. Als weiterer Ratgeber für den verständigen Vater oder die Mutter oder die Kindermädchen wird die Erfahrung dienen. Wenn das Kind Sinn hat, können bereits allgemeine Mittel gegen Leidenschaften angewendet werden. Man muss sich ihnen in jeder Hinsicht wappnen und sie während der gesamten Erziehung verfolgen, damit das Kind sie geschickt und gewohnheitsmäßig beherrscht, denn ihre aufrührerischen Angriffe werden nicht aufhören bis ans Ende des Lebens.

Wenn der vorgeschriebene Ablauf in Bezug auf den Körper und die niederen Fähigkeiten streng eingehalten wird, wird die Seele dadurch eine hervorragende Vorbereitung auf eine wahrlich gute Stimmung erhalten; jedoch handelt es sich nur um Vorbereitung, die eigentliche Stimmung muss durch positive Wirksamkeit auf alle ihre Kräfte – Verstand, Wille und Herz – geschaffen werden.

Auf den Verstand. Bei Kindern zeigt sich bald die Auffassungsgabe. Sie entwickelt sich parallel zur Sprache und wächst mit deren Verfeinerung. Daher muss die Bildung des Verstandes zusammen mit der Sprache beginnen. Das Wichtigste, was man beachten muss, sind gesunde Begriffe und Urteile nach christlichen Grundsätzen über alles, was dem Kind begegnet oder seine Aufmerksamkeit erfordert: was gut und böse ist, was gut und was schlecht ist.

Das lässt sich sehr leicht durch gewöhnliche Gespräche und Fragen erreichen. Die Eltern sprechen miteinander; die Kinder hören zu und nehmen beinahe immer nicht nur die Gedanken, sondern auch die Redensarten und Manieren der Eltern auf. Wenn die Eltern sprechen, sollten sie die Dinge stets mit ihrem eigentlichen Namen benennen. Zum Beispiel: Was bedeutet das wahre Leben, wie endet es, wovon kommt alles, was sind Freuden, welchen Wert haben die unterschiedlichen Sitten und ähnliches. Sie sollten mit den Kindern sprechen und ihnen erklären, direkt oder, besser noch, durch Geschichten, ob es gut ist, sich schick zu machen; ob es Glück bedeutet, wenn man Lob erhält, usw. Oder sie sollten die Kinder fragen, wie sie darüber denken, und ihre Irrtümer berichtigen.

In kurzer Zeit kann man mit diesem einfachen Mittel ein grundlegendes gesundes Urteil über Dinge vermitteln, die dann lange Zeit – wenn nicht lebenslang – nicht aus dem Gedächtnis gelöscht werden. Auf diese Weise wird weltliches Gerede und böse, unersättliche Neugier von der Wurzel her erstickt. Die Wahrheit verbindet den Verstand mit dem, was ihn erfüllt. Weltliches Wissen sättigt nicht und fördert dadurch die Neugier. Wenn man die Kinder davon befreit, tut man ihnen einen großen Gefallen. Und das schon vor dem Anfassen von Büchern. Weiterhin sollte man darauf verzichten, Kindern Bücher mit verdorbenen Begriffen zu geben, damit ihr Verstand unversehrt bleibt, in heiliger und göttlicher Gesundheit. Es ist vergeblich, der Erziehung eines Kindes auf diese Weise zu misstrauen und anzunehmen, dass es noch zu jung sei. Die Wahrheit ist allen zugänglich. Die Erfahrung hat gezeigt, dass ein kleines christliches Kind weiser ist als Philosophen – und dies hat sich bewährt, schon im Alter der Märtyrer, als kleine Kinder über den Herrn und Erlöser, über den Wahn des Götzendienstes, über das zukünftige Leben und Ähnliches nachdachten; und das geschah, weil die Mutter oder der Vater ihnen dies in einfacher Unterhaltung nahegebracht hatten. Diese Wahrheiten wurden ihrem Herzen vertraut, das sie so sehr schätzte, dass es bereit war, für sie zu sterben.

Auf den freien Willen. Das Kind ist von vielen Wünschen getrieben: Alles fasziniert es, alles zieht es an und weckt Verlangen. Da es noch nicht unterscheiden kann zwischen Gut und Böse, begehrt es alles und ist bereit, alles zu tun, was es begehrt. Ein dem Willen überlassenes Kind wird unzähmbar eigensinnig. Deshalb müssen die Eltern diesen Bereich der seelischen Aktivität streng überwachen. Das einfachste Mittel, ihn in die passenden Schranken zu lenken, besteht darin, die Kinder dazu zu bringen, nichts ohne Erlaubnis zu tun. Sie sollen mit jedem Wunsch zu den Eltern kommen und fragen: Darf ich dies oder das tun? Überzeugen Sie sie durch eigene und fremde Erfahrungen davon, dass es gefährlich ist, Wünsche ohne Rückfrage zu erfüllen, und richten Sie sie so ein, dass sie sogar vor ihrem eigenen Willen Angst bekommen.

Diese Haltung wird die glücklichste sein, zugleich aber die leichteste, um sie zu prägen, denn die Kinder wenden sich ohnehin meist mit Fragen an Erwachsene, da sie sich ihrer Unwissenheit und Schwäche bewusst sind. Man muss dieses Anliegen nur betonen und ihnen als unumstößliches Gesetz vor Augen stellen. Die natürliche Folge einer solchen Haltung wird völlige Gehorsamkeit und Unterwerfung unter den Willen der Eltern sein, auch wenn dieser dem eigenen Willen widerspricht; die Bereitschaft, in vielen Dingen zu verzichten, und die Gewohnheit oder Fähigkeit dazu; und vor allem die Einsicht, dass man nicht in allem dem eigenen Willen folgen soll. Das wird den Kindern aus eigener Erfahrung klarer machen, dass sie vieles wünschen, doch dieses Verlangen schädlich für Körper und Seele ist. Wenn man sie vom Willen distanziert, muss man ihnen beibringen, Gutes zu tun. Dazu sollen die Eltern selbst als Vorbild eines guten Lebens auftreten und die Kinder mit Menschen bekannt machen, deren Hauptanliegen nicht Lust und Ehre sind, sondern die Rettung der Seele. Kinder ahmen sehr nach. Wie früh lernen sie, Mutter oder Vater zu kopieren! Hier geschieht etwas Ähnliches wie bei gleichartig disponierten Instrumenten. Gleichzeitig müssen auch die Kinder zu guten Taten aufgefordert werden; zunächst sollte man ihnen befehlen, diese zu tun, und erst danach soll man sie dazu bringen, sie selbst zu tun. Die einfachsten davon sind: Wohltätigkeit, Mitgefühl, Barmherzigkeit, Milde und Geduld. All dies lässt sich leicht beibringen. Es gibt zahlreiche Gelegenheiten; man muss nur loslegen. Daraus wird der Wille entstehen, sich auf verschiedene gute Taten auszurichten und allgemein zur Güte zu neigen. Und man muss das Gute tun, wie man auch sonst jeder anderen Tugend lehrt.

Auf dem Herzen. Unter dieser Wirkung von Verstand, Wille und niederen Kräften wird sich das Herz von selbst darauf einstellen, gesunde, wahre Empfindungen zu haben, zu erlangen, angenehm zu finden, was wahrhaftigen Trost schenkt, und keineswegs mit jener Mühsal, das uns mit Süße ein Gift in Seele und Leib gießt, zu sympathisieren. Das Herz ist die Fähigkeit zu schmecken und Empfindungen zu haben, die sich sättigen.

Wenn der Mensch in Gemeinschaft mit Gott war, fand er Geschmack an göttlichen Dingen und an den Gnaden des Heils. Nach dem Sturz hat er jenen Geschmack verloren und verlangt Sinnlichkeit. Die Gnade der Taufe schied ihn davon, doch Sinnlichkeit ist bereit, das Herz erneut zu erfüllen. Dies darf man nicht zulassen; man muss das Herz schützen. Das wirksamste Mittel zur Erziehung eines wahren Geschmacks im Herzen ist die Kirchlichkeit, in der sich unaufhörlich die Inhalte der Erziehung befinden sollten.

Das Mitgefühl für alles Heilige, die Süße des Verweilens in seiner Mitte, um der Stille und Wärme willen, die Abkehr vom Glanz und von dem Reiz der weltlichen Eitelkeiten kann sich nicht besser ins Herz einprägen. Die Kirche, geistliche Gesänge und Ikonen sind die ersten, an Inhalt und Kraft edelsten Gegenstände. Man muss bedenken, dass nach dem Geschmack des Herzens auch die zukünftige ewige Wohnstatt bestimmt wird und dass der Geschmack des Herzens dort sein wird, wie er hier geformt wird. Es ist offenbar, dass Theater, Jahrmärkte und Ähnliches für Christen ungeeignet sind.

Eine auf diese Weise gezähmte und so organisiert gereifte Seele wird durch ihre eigene Unordnung die Entwicklung des Geistes nicht hindern. Der Geist entwickelt sich leichter als die Seele und offenbart seine Kraft und Tätigkeit früher als diese. Zu ihm gehören: die Gottesfurcht (in Übereinstimmung mit dem Verstand), das Gewissen (in Übereinstimmung mit dem Willen) und das Gebet (in Übereinstimmung mit dem Gefühl). Die Gottesfurcht erregt das Gebet und erleuchtet das Gewissen. Es ist nicht nötig, dass sich all dies auf eine andere, unsichtbare Welt bezieht. Kindern ist dazu eine Veranlagung gegeben, und sie nehmen sich diese Gefühle rasch zu eigen. Besonders das Gebet wird sehr leicht eingeprägt und wirkt nicht mit der Zunge, sondern mit dem Herzen.

Deshalb nehmen sie gern und unermüdlich an den Hausgebeten und am Kirchendienst teil und freuen sich darüber. Darum darf man ihnen diesen Teil der Erziehung nicht vorenthalten, sondern nach und nach in dieses Heiligtum unseres Wesens einführen. Je früher Gottesfurcht eingeprägt und das Gebet geweckt wird, desto fester wird die Frömmigkeit in der gesamten Folgezeit sein. Bei einigen Kindern zeigte sich dieser Geist von selbst, selbst unter offensichtlichen Hindernissen, die seiner Entfaltung im Wege standen. Das ist ganz natürlich. Der Geist der Gnade, den wir durch die Taufe empfangen haben, kann, sofern er nicht durch eine fehlgeleitete Entwicklung von Körper und Seele ausgelöscht wird, den Geist lebendig erhalten; und was könnte ihm daran hindern, sich in seiner Kraft zu zeigen? Die Gewissensführung erfordert jedoch unmittelbare Anleitung. Gesunde Vorstellungen, gutes Vorbild der Eltern und andere Wege der Erziehung zum Guten sowie das Gebet werden es erleuchten und ihm ausreichende Grundlagen für die nachfolgende gute Handlung einprägen. Vor allem aber sollen sie die Haltung der Gewissenhaftigkeit und des Bewusstseins bilden. Das Bewusstsein ist eine Angelegenheit außerordentlicher Bedeutung im Leben; doch wie leicht man es formen kann, so leicht lässt es sich auch in Kindern wieder unterdrücken. Der Wille der Eltern für kleine Kinder ist das Gesetz des Gewissens und Gottes. So viel Vernunft die Eltern auch besitzen mögen, sollen sie ihre Befehle so gestalten, dass sie die Kinder nicht in die Lage versetzen, gegen ihren Willen zu handeln; und wenn sie dies schon getan haben, sollen sie sie so weit wie möglich zur Reue bewegen. Was der Frost für Blumen ist, das ist das Abweichen vom elterlichen Willen für das Kind; es wagt nicht, ins Gesicht zu schauen, will keine Zärtlichkeiten empfangen, möchte weglaufen und allein sein; und währenddessen ermattet die Seele, das Kind beginnt zu verwildern. Wie gut, es vorher zur Reue zu bewegen, es dazu zu bringen, ohne Furcht, mit Vertrauen und unter Tränen zu kommen und zu sagen: „Hier habe ich dies und jenes Böses getan.“ Selbstredend wird sich all dies nur auf gewöhnliche Gegenstände beziehen; doch es ist gut, dass hier der Grundstein für den künftig beständigen, wahrhaft religiösen Charakter gelegt wird — sofort nach dem Sturz wieder aufzustehen, die Fähigkeit zur schnellen Reue und zur Reinigung oder Erneuerung durch Tränen zu entwickeln.

Das ist die Reihenfolge: Lass das Kind darin aufwachsen, und sein Geist der Frömmigkeit wird sich weiterentwickeln. Die Eltern müssen alle Bewegungen der sich entfaltenden Kräfte beobachten und alles auf ein Ziel ausrichten. Es ist ein Gesetz, mit dem ersten Atemzug des Kindes zu beginnen, mit allem gleichzeitig zu beginnen und nicht mit einer einzelnen Sache, all dies kontinuierlich, gleichmäßig, würdevoll, ohne Aufbrausen, mit Geduld und Erwartung zu führen; dabei aber eine kluge, schrittweise Vorgehensweise zu beachten, die Keime zu erkennen und sie zu nutzen, ohne etwas in einer so wichtigen Angelegenheit als unwesentlich zu halten. Einzelheiten werden nicht offenbart; denn es geht nur darum, die Hauptausrichtung der Erziehung anzugeben.

Es lässt sich nicht bestimmen, wann ein Mensch zu dem Bewusstsein gelangt, Christ zu sein, und zu der eigenständigen Entschlossenheit, christlich zu leben. In der Praxis geschieht dies zu verschiedenen Zeiten: im Alter von 7, 10, 15 Jahren und später. Vielleicht kommt vorher die Zeit der Ausbildung, wie es meistens der Fall ist. Dabei gilt die unumstößliche Regel, die bisherige Ordnung während der gesamten Ausbildungszeit unverändert beizubehalten; denn sie ergibt sich wesentlich aus der Natur unserer Kräfte und den Anforderungen des christlichen Lebens. Die Ordnung der Erziehung darf keineswegs der dargestellten Grundhaltung widersprechen, sonst wird alles zerstört, was dort geschaffen wurde; das heißt, man muss die Kinder – sowohl die Lernenden als auch die Kleinen – durch die Frömmigkeit aller Umgebenden, durch die Kirchlichkeit schützen.

Ebenso muss durch die Sakramente auf ihren Leib, ihre Seele und ihren Geist eingewirkt werden. Hinsichtlich des Unterrichts ist demzufolge nur hinzuzufügen: Der Unterricht soll so eingerichtet sein, dass sichtbar wird, was das Haupt- und was das Nebensächliche ist. Der Gedanke daran lässt sich am leichtesten durch die Verteilung von Unterrichtsfächern und Zeit feststellen. Als Hauptsache sei das Studium des Glaubens angesehen; die Zeit soll vorzugsweise für fromme Handlungen bestimmt werden, und bei einem Konflikt sollen jene Vorrang vor der Wissenschaft erhalten; nicht allein der Erfolg in den Wissenschaften, sondern auch der Glaube und die Rechtschaffenheit sollen Anerkennung finden. Allgemein muss man die Lernenden so ordnen, dass sie nicht die Überzeugung verlieren, dass unser Hauptanliegen die Gottverehrung ist und die Wissenschaft eine nur zufällige Begleiterscheinung, geeignet nur für das gegenwärtige Leben. Aus diesem Grund darf man sie keineswegs so hoch oder in solch glänzender Weise stellen, dass sie die ganze Aufmerksamkeit auf sich lenkt und alle Sorge in Anspruch nimmt. Nichts ist giftiger und schädlicher für den Geist des christlichen Lebens als diese Wissenschaftlichkeit und die ausschließliche Sorge um sie. Sie schmeichelt unmittelbar der Trägheit des Lebensgeistes und kann diesen dauerhaft erstarren lassen und manchmal auch den Verderb herbeiführen, wenn günstige Umstände dafür vorhanden sind.

Ein weiterer Punkt, auf den man achten muss, ist der Geist des Unterrichts oder die Auffassung von den Gegenständen des Lernens. Es muss als unabdingbares Gesetz festgelegt werden, dass jede dem Christen gelehrte Wissenschaft von christlichen – wörtlich orthodoxen – Grundlagen durchdrungen sein muss. Jede Wissenschaft ist dazu fähig, und dann nur, wenn sie diese Bedingung erfüllt, wird sie in ihrem Bereich wahrhaftige Wissenschaft sein. Christliche Grundsätze sind ohne Zweifel wahr. Deshalb sollte man sie ohne Zögern als allgemeines Maß der Wahrheit setzen. Das gefährlichste Missverständnis bei uns besteht darin, Wissenschaften ohne jegliche Bezugnahme auf den wahren Glauben zu lehren und sich Freiheiten und sogar Lügen zu erlauben, in der Annahme, dass Glaube und Wissenschaft zwei Bereiche seien, die streng voneinander getrennt seien. Der Geist bei uns ist ein und derselbe. Er nimmt sowohl die Wissenschaften auf und saugt ihre Grundsätze in sich auf als auch den Glauben und durchdringt sich mit ihm. Wie kann es also erfolgen, dass sie hier nicht in einem günstigen oder ungünstigen Zusammenstoß zueinander gelangen? Dabei ist der Bereich der Wahrheit derselbe. Warum also etwas in den Kopf setzen, das nicht aus diesem Bereich stammt oder sich in seinem hellen Hof nicht zeigen lässt?

Wenn die Erziehung so geführt wird, dass Glaube und Leben im Geiste des Glaubens über allen Dingen in der Aufmerksamkeit der Lernenden stehen, sowohl in der Art des Unterrichts als auch im Geiste der Lehre, dann besteht kein Zweifel, dass die im Kindesalter gesetzten Grundlagen nicht nur erhalten bleiben, sondern sich auch weiterentwickeln, festigen und zu einer angemessenen Reife gelangen werden. Und wie wohltuend ist das!

Wenn man einen Menschen von früh an auf diese Weise erzieht, wird allmählich der Charakter offenbart, den sein Leben haben sollte; er wird immer eher die Vorstellung gewinnen, dass es seine Pflicht ist, vor Gott und unserem Erlöser zu leben und nach seinen Vorschriften zu handeln; dass alle anderen Dinge und Beschäftigungen ihnen untergeordnet und nur im Fortbestand dieses Lebenszeitraums geeignet sind; und dass es einen anderen Aufenthaltsort, eine andere Heimat gibt, zu der alle seine Gedanken und Wünsche zu richten sind. Im natürlichen Verlauf der Kräfteentwicklung kommt jeder Mensch naturgemäß zu der Erkenntnis, dass er ein Mensch ist. Aber wenn seiner Natur ein neuer gnadenhafter christlicher Anfang eingeflößt wird und zwar im allerersten Moment des Erwachens seiner Kräfte und ihrer Bewegung (in der Taufe), und wenn dieser neue Anfang in allen Entwicklungsstufen dieser Kräfte nicht nur nicht nachlässt, sondern fortwährend über allem steht und dem Ganzen eine Form gibt, dann wird der Mensch, wenn er zu Bewusstsein kommt, zugleich feststellen, dass er gemäß christlichen Grundsätzen handelt, dass er Christ ist. Und das ist das Hauptziel der christlichen Erziehung: Dass der Mensch infolgedessen zu sich selbst sagt, dass er Christ ist. Wenn er jedoch, nachdem er zu vollem Bewusstsein gelangt ist, sagt: „Ich bin Christ, verpflichtet durch den Erlöser und Gott, so zu leben, um die selige Gemeinschaft mit Ihm und die Auserwähltheit durch Ihn im zukünftigen Leben zu verdienen“, dann wird er, sobald er zur Selbständigkeit oder zu einer eigenständigen vernünftigen Lebensordnung gelangt, sich als seine erste wesentliche Aufgabe setzen, eigenständig den Geist der Frömmigkeit zu bewahren und zu nähren, in dem er zuvor unter fremder Führung wandelte.

Zuvor wurde erinnert, dass ein besonderer Moment vorhanden sein muss, in dem man bewusst alle Verpflichtungen des Christentums wieder ins Bewusstsein hebt und sich ihr Joch als unumstößliches Gesetz auflegt. Zur Taufe wurden sie nicht bewusst angenommen; später wurden sie durch fremden Verstand, nach fremder Stimmung und in Einfachheit bewahrt. Jetzt muss man bewusst das gute Joch Christi auf sich nehmen, ein christliches Leben wählen; sich ausschließlich Gott weihen, damit er Ihm danach jeden Tag seines Lebens mit Begeisterung dient. Hier beginnt der Mensch erst wirklich sein christliches Leben. Es war schon zuvor in ihm, aber man kann sagen, dass es nicht aus eigener Selbständigkeit herauskam, sozusagen nicht aus seinem Innersten. Jetzt wird er selbst, aus eigenem Antrieb, im Geiste eines Christen handeln. Damals war das Licht Christi in ihm wie das Licht des ersten Tages, noch ohne Mittelpunkt, gleichsam diffus. Aber wie dem Licht Zentren gegeben werden mussten, indem es gleichsam zu den Sonnen, den Mittelpunkten der Planetensysteme, hingezogen wurde, so muss sich auch dieses Licht sozusagen um den Ausgangspunkt unseres Lebens, unseres Bewusstseins, sammeln. Der Mensch wird ganz Mensch, wenn er zu Selbsterkenntnis und vernünftiger Selbständigkeit gelangt, wenn er zum vollständigen Herrscher und Verwalter seiner Gedanken und Taten wird, wenn er bestimmte Gedanken nicht deshalb vertritt, weil andere sie ihm vermittelt haben, sondern weil er sie selbst für richtig hält. Auch im Christentum bleibt der Mensch ein Mensch. Deshalb muss er hier auch vernünftig sein; nur muss er diese Vernunft zum Heil des heiligen Glaubens einsetzen. Er soll sich vernünftig davon überzeugen, dass der von ihm bezeugte heilige Glaube der einzig wahre Weg zur Erlösung ist und dass alle anderen Wege, die nicht mit ihm übereinstimmen, ins Verderben führen. Es ist eine Ehre für den Menschen, kein blinder Bekenner zu sein, sondern sich dessen bewusst zu sein, dass er, wenn er so handelt, das Richtige tut. All dies wird er tun, wenn er bewusst das gute Joch Christi auf sich nimmt.

Nur hier erhält sein persönlicher Glaube oder sein gottesfürchtiges Leben Festigkeit und Unerschütterlichkeit. Er wird sich nicht durch Beispiele verführen lassen, wird sich nicht von leeren Gedanken mitreißen lassen, weil er sich seiner Verpflichtung, bereits entschlossen zu denken und zu handeln, klar bewusst ist. Wenn ihm dies jedoch nicht bewusst ist, dann kann ihn ein schlechtes Beispiel ebenso dazu verleiten, Böses zu tun, wie ihn zuvor ein gutes Beispiel dazu veranlasst hat, Gutes zu tun; und wie zuvor die guten Gedanken anderer seinen Verstand leicht und ohne Widerspruch beherrschten, so werden ihn nun böse Gedanken beherrschen. Und die Erfahrung zeigt, wie wankelmütig das Bekenntnis zum Glauben und die Güte des Lebens bei dem ist, der sich zuvor nicht als Christ verstanden hat. Wer wenig Versuchungen begegnet, der wird länger in der Einfachheit seines Herzens verbleiben. Aber wer sie nicht umgehen kann, tritt in eine große Gefahr. Wir sehen im Leben aller, die die Gnade der Taufe bewahrt haben, dass es einen Moment gab, in dem sie sich Gott geweiht haben. Das wird mit den Worten ausgedrückt: entbrannt im Geist, mit göttlichem Verlangen entzündet.

Wer sich als Christ erkannt hat oder entschieden hat, christlich zu leben, möge nun selbst, mit aller Sorgfalt, das aus der bisherigen Lebenszeit Aufgenommene bewahren und die Reinheit des Lebens wie zuvor schützen. Besondere Regelungen zur Führung bedarf es hierbei nicht. An diesem Punkt tritt er in Übereinstimmung mit demjenigen, der sich reuevoll bessert, der sich vom Götzendienst abkehrt und die entschlossene Absicht annimmt, christlich zu leben. Von da an soll er sich nur noch nach denselben Regeln richten, von denen im dritten Abschnitt gesprochen wird.

Welches ist der Unterschied zu demjenigen, der auf dem Weg zur Vollkommenheit sich bessert? Das wird sich von selbst zeigen.

Nun müssen nur noch einige, allerdings sehr wichtige, Vorsichtsmaßnahmen für das Jugendalter gegeben werden, die ausschließlich dieses Alter betreffen. Wie gut und heilsam es ist, nicht nur im christlichen Sinn erzogen zu werden, sondern sich danach auch als Christ zu erkennen und zu entscheiden, bevor die Jugendjahre beginnen. Das ist notwendig angesichts der großen Gefahren, denen sich der Junge zweierlei ausgesetzt sieht: 1) aufgrund seines Alters, 2) aufgrund der verführerischen Versuchungen, die ihn während dieser Zeit begleiten.

Der Fluss des Lebens wird durch die wellige Bahn der Jugend unterbrochen. Dies ist die Zeit des Aufbruchs der körperlich-geistigen Lebenskräfte. Das Kind und der Knabe leben still, der Mann hat nur wenige rasche Ausschläge, die ehrwürdige Silberhaarkeit neigt sich zum Ruhen; die Jugend jedoch kocht vor Leben. Es braucht eine sehr feste Grundlage, um sich in dieser Zeit dem Sturm zu behaupten. Die Unordnung und Aufbrausbarkeit der Bewegungen beginnen sich zu zeigen. Die ersten eigenen Bewegungen beginnen – die Anfänge des Erwachens seiner

Kräfte, und sie haben für ihn all ihren Reiz: durch die Stärke ihres Einflusses verdrängen sie alles, was zuvor in Gedanken und Herzen festgelegt war. Das Zukünftige wird für ihn zur Traumvorstellung, zum Traumbild. Nur die wahrhaften Gefühle sind wahrhaftig, nur sie besitzen Realität und Bedeutung. Doch wenn er vor dem Erwachen dieser Kräfte sich zu der Verpflichtung des Bekenntnisses und des christlichen Lebens verpflichtet hat, dann werden alle früheren Antriebe, als nachgeordnet, schwächer bleiben und leichter den Anforderungen der ersten Antriebe weichen, gerade weil diese älter, zuvor geprüft und dem Herzen erwählt sind, und vor allem durch das Gelöbnis verankert sind.

Das Frühere wird für ihn zu einem Traum, zu einem Vorurteil. Nur die gegenwärtigen Gefühle sind wahr, nur sie haben Realität und Bedeutung. Wenn er sich jedoch vor dem Erwachen dieser Kräfte durch das Bekenntnis und das christliche Leben verpflichtet hat, dann werden alle Erregungen, da sie bereits sekundär sind, schwächer sein und leichter den Anforderungen der ersten weichen, schon weil diese älter sind, zuvor vom Herzen geprüft und ausgewählt wurden und vor allem durch ein Gelübde bekräftigt sind. Der junge Mann will sein Wort unbedingt immer halten. Was soll man über jemanden sagen, der das christliche Leben und die Wahrheit nicht nur nicht geliebt hat, sondern noch nie davon gehört hat?

In diesem Fall ist er wie ein Haus ohne Zaun, das der Plünderung ausgeliefert ist, oder wie trockenes Reisig, das dem Feuer zum Verbrennen überlassen ist. Wenn die Willkür jugendlicher Gedanken alles mit einem Schatten des Zweifels überzieht, wenn ihn die Erregungen seiner Leidenschaften stark beunruhigen, wenn seine ganze Seele von verführerischen Gedanken und Regungen erfüllt ist, dann steht der junge Mann in Flammen. Wer wird ihm einen Tropfen Tau zur Erfrischung geben oder ihm eine helfende Hand reichen, wenn aus seinem Herzen keine Stimme für die Wahrheit, für das Gute und die Reinheit kommt? Und sie wird nicht kommen, wenn die Liebe zu ihnen nicht zuvor in ihm gewohnt hat. Selbst Ratschläge helfen in diesem Fall nicht. Sie haben dann keinen Sinn. Rat und Überzeugung sind stark, wenn sie über das Gehör ins Herz gelangen und dort Gefühle wecken, die für uns wertvoll sind, aber im Moment durch andere verdrängt werden, und wir selbst nicht wissen, wie wir sie befreien und ihnen ihre eigentliche Kraft verleihen können. In diesem Fall ist der Rat ein kostbares Geschenk des Ratgebers an den jungen Mann. Aber wenn es im Herzen keine Anfänge eines reinen Lebens gibt, ist er nutzlos.

Der junge Mensch lebt für sich selbst, und wer erforscht alle Regungen und Abweichungen seines Herzens? Das ist dasselbe, als würde man den Weg eines Vogels in der Luft oder den Lauf eines Schiffes im Wasser erforschen! Was die Gärung einer säuernden Flüssigkeit ist, was die Bewegung der Elemente in ihrer heterogenen Mischung, das ist das Herz eines jungen Mannes. Alle Bedürfnisse der sogenannten Natur nach lebhafter Erregung, jede erhebt ihre Stimme und sucht Befriedigung. So wie in unserer Natur Unordnung herrscht, so ist die Gesamtheit dieser Stimmen wie das ungeordnete Geschrei einer lärmenden Menge. Was wird aus dem jungen Mann, wenn er nicht von vornherein daran gewöhnt ist, seine Bewegungen in eine gewisse Ordnung zu bringen, und sich nicht verpflichtet hat, sie in strikter Unterordnung unter bestimmte höhere Anforderungen zu halten? Wenn diese Grundsätze in der ursprünglichen Erziehung tief im Herzen verankert und dann bewusst als Regel übernommen werden, werden alle Erregungen sozusagen an der Oberfläche stattfinden, vorübergehend, ohne die Grundlage zu erschüttern und ohne die Seele zu beunruhigen.

Wie wir aus unseren Jugendjahren hervorgehen, hängt sehr davon ab, wie wir in sie eintreten. Wasser, das von einer Klippe fällt, brodelt unten und wirbelt, und fließt dann ruhig in verschiedenen Kanälen weiter. Das ist ein Bild für die Jugend, in die jeder wie Wasser in einen Wasserfall stürzt. Aus ihr gehen zwei Arten von Menschen hervor: die einen strahlen Güte und Edelmut aus, die anderen sind von Bosheit und Verderbtheit überschattet; und die dritten – die dritte Gruppe, eine Mischung aus Gut und Böse, die einem Feuerball ähnelt, der sich mal zum Guten, mal zum Bösen neigt, wie eine kaputte Uhr, die mal richtig geht, mal vor- oder nachgeht.

Wer sich im Voraus verpflichtet hat, hat sich sozusagen in einem starken, wasserdichten Boot versteckt oder einen ruhigen Kanal durch den Strudel gezogen. Ohne dies wird auch eine gute Erziehung nicht immer helfen. Auch wenn jemand nicht in grobe Laster verfällt, wird sein Herz, wenn er nicht in sich selbst geschlossen ist, von Begierden zerrissen, und er wird unweigerlich aus seiner Jugend herauskommen, abgekühlt, weder hier noch dort.

So ist es vor der Jugend nicht nur rettend, eine gute Stimmung zu erlangen, sondern sich auch durch ein Gelübde zu stärken – ein wahrer Christ zu sein. Wer sich dazu entschlossen hat, soll die Jugend selbst wie das Feuer fürchten und deshalb alle Gelegenheiten meiden, in denen die Jugend leicht entfesselt wird und unbezähmbar wird.

Die Jugend an sich ist gefährlich, aber dazu kommen noch zwei weitere, für dieses Alter typische, durch die jugendliche Erregungen stärker entflammen und an Kraft und Gefährlichkeit gewinnen. Diese sind: a) die Sehnsucht nach Eindrücken und b) die Neigung zur Geselligkeit. Um die Gefahren des jugendlichen Alters zu vermeiden, kann man daher raten, diese Neigungen Regeln zu unterwerfen, damit sie statt Gutes zu bewirken nicht Böses anrichten. Die zuvor geweckten guten Neigungen bleiben in ihrer ganzen Kraft erhalten, wenn man sie nicht unterdrückt oder einschränkt.

Die Sehnsucht nach Eindrücken verleiht den Handlungen eines Jugendlichen eine gewisse Schnelligkeit, Kontinuität und Vielfalt. Er möchte alles selbst ausprobieren, alles sehen, alles hören, überall hingehen. Man findet ihn dort, wo es Glanz für die Augen, Harmonie für das Gehör und Raum für Bewegung gibt. Er möchte einem ununterbrochenen Strom von Eindrücken ausgesetzt sein, die immer neu und daher abwechslungsreich sind. Er kann nicht zu Hause sitzen bleiben, nicht an einem Ort verweilen, sich nicht auf eine Sache konzentrieren. Sein Element ist die Unterhaltung. Aber das reicht ihm nicht; er gibt sich nicht mit tatsächlichen, persönlichen Erfahrungen zufrieden, sondern möchte die Eindrücke anderer aufnehmen und gewissermaßen auf sich übertragen, erfahren, was andere gefühlt und wie sie selbst oder in ähnlichen Umständen gehandelt haben. Dann stürzt er sich auf Bücher und beginnt zu lesen; er blättert ein Buch nach dem anderen durch, oft ohne deren Inhalt zu verstehen; für ihn ist es wichtig, den sogenannten Effekt zu finden, egal welcher Art und egal, worum es geht. Neu, anschaulich, pointiert – das ist für ihn die beste Empfehlung für ein Buch. Hier zeigt sich und bildet sich die Neigung zum leichten Lesen – derselbe Durst nach Eindrücken, nur in anderer Form. Aber auch das ist noch nicht alles. Der junge Mensch langweilt sich oft mit dem Wirklichen, mit dem, was ihm von außen aufgezwungen wird: Das bindet ihn und schränkt ihn zu sehr ein, während er nach einer gewissen Freiheit sucht. Dann löst er sich oft von der Realität, zieht sich in seine selbst geschaffene Welt zurück und beginnt dort, nach Herzenslust zu handeln. Seine Fantasie erschafft ganze Geschichten, in denen meist er selbst die Hauptrolle spielt. Der junge Mensch tritt gerade erst ins Leben ein. Vor ihm liegt eine verlockende, vielversprechende Zukunft. Mit der Zeit muss auch er dort sein: Was wird er dann sein? Kann man diesen Schleier nicht lüften und nachsehen? Die Fantasie, die in diesen Jahren sehr lebhaft ist, zögert nicht mit der Befriedigung. Hier zeigt sich, dass in einer solchen Art von Handlung die Träumerei gefördert wird.

Träume, leichte Lektüre, Unterhaltung, all das ist fast gleich im Geiste – Kinder sehnen sich nach Eindrücken, sehnen sich nach Neuem, Abwechslungsreichem. Und der Schaden, den sie anrichten, ist derselbe. Nichts kann die guten Samen, die zuvor in das Herz des Jugendlichen gesät wurden, besser zerstören als sie. Eine junge Blume, die an einem Ort gepflanzt wurde, an dem sie von allen Seiten vom Wind umweht wird, wird ein wenig leiden und verdorren; Gras, auf dem oft gelaufen wird, wächst nicht; ein Körperteil, das langem Reiben ausgesetzt ist, wird taub. Das Gleiche geschieht mit dem Herzen und den guten Neigungen darin, wenn man sich Träumen, leerem Lesen oder Vergnügungen hingibt. Wer lange im Wind gestanden hat, besonders im feuchten, der spürt, wenn er in die Stille kommt, dass alles in ihm irgendwie nicht an seinem Platz ist. Das Gleiche geschieht in der Seele, die sich auf irgendeine Weise zerstreut hat. Wenn ein junger Mensch aus seiner Zerstreutheit zu sich selbst zurückkehrt, findet er in seiner Seele alles in einer verdrehten Ordnung vor; und vor allem wird alles Gute von einem Schleier der Vergessenheit verdeckt, und im Vordergrund stehen nur die Reize, die als Eindruck zurückgeblieben sind; folglich ist es nicht mehr das, was war und was immer sein sollte: Die Neigungen haben ihre Vorrangstellung gewechselt. Warum beginnt die Seele, wenn sie nach einer Zerstreuung zu sich selbst zurückkehrt, zu sehnen? Weil sie sich beraubt wiederfindet. Der Zerstreute hat seine Seele zu einer großen Straße gemacht, auf der durch die Vorstellungskraft wie Schatten verführerische Gegenstände vorbeiziehen und die Seele hinter sich herziehen. Aber wenn sie sich auf diese Weise von sich selbst losreißt, schleicht sich heimlich der Teufel heran, nimmt das gute Saatgut mit und sät Böses. So lehrt der Erlöser, wenn er erklärt, wer das am Wegesrand Gesäte stiehlt und wer das Unkraut sät. Beides tut der Feind der Menschen.

Also, junger Mann! Möchtest du die Reinheit und Unschuld deiner Kindheit bewahren oder das Gelübde eines christlichen Lebens ohne Vorwürfe? Halte dich, so gut es geht und mit aller Vernunft, von Vergnügungen, dem wahllosen Lesen verführerischer Bücher und Träumereien fern! Wie gut ist es in diesem Fall, sich einer strengen und sehr strengen Disziplin zu unterwerfen und während der gesamten Jugend unter Anleitung zu stehen. Diejenigen Jugendlichen, denen es nicht gestattet ist, bis zur Volljährigkeit selbst über ihr Verhalten zu bestimmen kann man als glücklich bezeichnen. Und jeder junge Mensch sollte sich freuen, wenn er sich in einer solchen Situation befindet. Der junge Mensch selbst kann dies offensichtlich kaum erreichen; aber er zeigt viel Verstand, wenn er dem Rat folgt, mehr zu Hause zu sein, nicht zu träumen und keine leeren Bücher zu lesen. Er soll den Umgang mit Vergnügungen meiden, die Beschäftigung mit Trivialliteratur einschränken und sich ernsthaften Beschäftigungen unter Anleitung zuwenden, wobei Lesen in dem Maße eingeschränkt wird, wie es dem Grundsatz der Regelmäßigkeit entspricht; und in der Auswahl der Bücher sowie in der Art des Lesens soll er sich an einen ernsten, verantwortungsvollen Rahmen halten. Wie auch immer es jemandem gelungen ist, dies zu tun, er soll es tun. Denn Leidenschaften, Zweifel und Winde der Begierden entfalten sich gerade in diesem schwankenden Inneren des Geistes des Jünglings.

b) Die zweite, ebenso gefährliche Neigung bei der Jugend ist die Geselligkeit. Sie zeigt sich im Bedürfnis nach Kameraden, Freundschaft und Liebe. Alle diese Dinge sind in ihrem rechten Maß gut; doch in diesem Alter darf der Jugend nicht zugestanden werden, sie selbstständig zu regeln.

Die Jugendzeit ist eine Zeit höchst lebhafter Gefühle. Diese schlagen in ihrem Herzen wie Ebbe und Flut am Ufer des Meeres. Alles beschäftigt ihn, alles erstaunt ihn. Die Natur und die Gesellschaft offenbaren vor ihm ihre Schätze. Doch die Gefühle mögen nicht gern verborgen bleiben; der Junge hat das Bedürfnis, sie zu teilen. Dann bedarf es einer Person, die seine Gefühle mittragen kann, also eines Gefährten und Freundes. Dieses Bedürfnis ist edel, kann aber auch gefährlich sein! Wem man seine Gefühle anvertraut, dem gibt man in gewissem Sinn Macht über sich. Wie man also bei der Wahl eines Nahestehenden vorsichtig sein muss! Man begegnet solchen, die weit vom geraden Weg abführen können.

Selbstverständlich sucht der Gute von Natur aus – das Gute, und er weicht vom Schlechten ab. Dafür gibt es gewisse Empfindungen im Herzen. Aber erneut – wie oft wird das einfache Herz verführt! Daher wird jedem jungen Mann geraten, vorsichtig bei der Wahl eines Freundes zu sein. Gut ist es, Freundschaften nicht zu schließen, bevor man den Freund geprüft hat. Noch besser ist es, zuerst einen Vater oder jemanden zu haben, der in vieler Hinsicht den Vater ersetzt, oder einen Verwandten – erfahrenen und gütigen. Für den, der christlich zu leben beabsichtigt, ist der von Gott zuerst gegebene Freund ein geistlicher Vater; mit ihm sprich, ihm vertraue Geheimnisse an, wäge ab und lerne. Unter seiner Leitung, im Gebet, wird Gott, wenn nötig, auch einen anderen Freund senden. Nicht so sehr die Gefahr der Freundschaft selbst, als die Gefährdung im Umgangsleben. Selten sieht man echte Freunde, häufiger Bekanntschaften und Kameraden. Und hier liegt viel mögliches und oft ebenfalls viel Übles!

Es gibt freundschaftliche Kreise mit sehr schlechten Regeln. Wenn man sich zu ihnen neigt, bemerkt man nicht, wie man sich in Geist mit ihnen vereint, so wie man unmerklich in einem schäbigen Ort von Gestank benetzt wird. Sie selbst verlieren oft das Bewusstsein über das Ungehörige ihres Verhaltens und vergreisen darin. Wenn auch hier in der Freundschaft eine Gefahr besteht, so gilt doch viel mehr im gemeinsamen Umgang. Von hier aus entstehen viele Übel. Es gibt Kreise mit schädlichen Regeln. Wenn du dich ihnen anschließt, wirst du merken, wie du unversehens mit ihnen in einem geistigen Verband bist, und wie du in ihrem Sinn den Pfad verfehlst. Wer unter ihnen wandert, wird bald merken, dass der Gedanke, sich zu bessern, dem Gegenüber zu schaden droht. Wer also in dieser Hinsicht vorgeht, soll in der Wahl des Freundes sehr vorsichtig sein. Es ist gut, nicht sofort zu Freundschaften zu schreiten, bevor man den Freund geprüft hat. Noch besser ist es, zuerst einen Freund zu haben, der dem Vater oder einer anderen verantwortungsvollen Person gleicht – einen erfahrenen und guten Freund in der Familie. Der erstgeschenkte Freund, den Gott dem Christen gibt, ist der geistliche Vater; mit ihm rede, ihm gehe deine Geheimnisse an, prüfe und lerne. Unter seiner Führung, im Gebet, wird Gott, falls nötig, auch einen weiteren Freund senden. Nicht so sehr die Gefahr der Freundschaft selbst, als die der Gesellschaft. Die wenigen wahren Freunde stehen im Gegensatz zu vielen Bekannten und Gesellen. Hier gibt es so viel wie möglich und oft auch viel Übles! Es gibt Freizeittreffs mit sehr schlechten Regeln. Wenn du dich zu ihnen neigst, merkst du nicht, wie du dich in ihnen verstrickst, ähnlich dem stillen Trinken des Geruchs in einem üblen Ort. Sie verlieren oft das Bewusstsein für das Unding ihres Verhaltens und werden darin gleichgültig rauer. Wenn auch hier in der Freundschaft eine Gefahr besteht, so gilt doch viel stärker im Umgang mit anderen. Man sieht selten echte Freunde, viel häufiger Bekannte und Freunde zum Vergnügen. Und hier gibt es so viel wie möglich und oft auch viel Übles! Es gibt Treffpunkte mit gar schlechtem Reglement. Wenn du dich ihnen zuwendest, merkst du nicht, wie du dich mit ihnen in Geist verbindest, so wie unmerklich du dich in einem üblen Ort mit Duft von Verwesung benetzt. Sie verlieren oft das Bewusstsein über die Unanständigkeit ihres Verhaltens und verrohen darin. Wenn auch hier in der Freundschaft eine Gefahr liegt, so ist doch vielmehr der gefährliche Kern im Umgang. Selten trifft man Freunde, aber viel öfter Bekannte und Gesellige. Und hier wie viel mögliches Und wie viel Übles!

Es gibt Freundeskreise mit sehr unfreundlichen Regeln. Wenn man sich ihnen anschließt, merkt man gar nicht, wie man sich mit ihnen im Geiste verbindet, so wie man sich unbemerkt mit dem Gestank eines übelriechenden Ortes ansteckt. Oft sind sie sich der Unanständigkeit ihres Verhaltens gar nicht bewusst und werden ruhig immer unhöflicher. Selbst wenn jemand dieses Bewusstsein erwacht, hat er nicht die Kraft, sich davon zu lösen. Jeder hat Angst, dies zu sagen, weil er erwartet, dass man ihn dann überall mit Sticheleien verfolgt, und sagt: «Na gut, vielleicht geht es vorüber.» Die guten Sitten werden durch böse Gespräche verdorben (1 Kor 15, 33). Befreie, Herr, jeden von diesen Tiefen Satans. Wer sich entschlossen hat, für den Herrn zu arbeiten, soll nur Umgang pflegen mitfrommen Menschen, die den Herrn suchen; von anderen soll er sich fernhalten und nicht aufrichtig mit ihnen umgehen, indem er dem Beispiel der Heiligen Gottes folgt.

Die größte Gefahr für einen jungen Mann ist der Umgang mit dem anderen Geschlecht. Während ein junger Mann bei den ersten Versuchungen nur vom rechten Weg abkommt, verliert er hier darüber hinaus sich selbst. In seinem ersten Erwachen vermischt sich dies mit dem Bedürfnis nach Schönheit, das den jungen Mann seit seinem Erwachen dazu zwingt, nach Befriedigung zu suchen. In der Zwischenzeit nimmt das Schöne allmählich Gestalt in seiner Seele an, und zwar gewöhnlich menschliche Gestalt, denn wir finden nichts Schöneres als den Menschen… Das geschaffene Bild schwirrt im Kopf des jungen Mannes herum. Von diesem Zeitpunkt an sucht er sozusagen nach dem Schönen, das heißt nach dem Idealen, nicht nach dem Irdischen, und begegnet dabei einer Tochter des Menschen und wird von ihr verwundet. Genau diese Verwundung muss der junge Mann am meisten vermeiden, denn es handelt sich um eine Krankheit, die umso gefährlicher ist, je mehr der Kranke danach strebt, sich dagegen aufzulehnen oder dem Wahnsinn zu verfallen.

Wie kann man diese Wunde abwenden? Gehe nicht jenen Weg, der zur Verwundung führt. Dieser Weg wird in einer Psychologie wie folgt dargestellt. Er hat drei Wendungen.

Zuerst erwacht in dem jungen Mann ein trauriges Gefühl, dessen Ursache unbekannt bleibt, das aber besonders dadurch hervorgerufen wird, dass er sich allein fühlt. Es ist das Gefühl der Einsamkeit. Aus diesem Gefühl entsteht sofort ein anderes – eine gewisse Mitleidenschaft, Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit für sich selbst. Zuvor lebte er, als ob er sich selbst nicht wahrnehmen würde. Jetzt wendet er sich zu sich selbst, betrachtet sich selbst und findet immer, dass er nicht schlecht sei, nicht zu den letzten gehöre, ein würdiges Gesicht habe: Er beginnt zu spüren, wie schön er sei, die Anmut seiner Körperformen zu genießen oder sich selbst zu gefallen. Damit endet die erste Bewegung der Verführung zu sich selbst. Von nun an wendet sich der junge Mann der Außenwelt zu.

Dieser Eintritt in die Außenwelt wird von der Zuversicht getragen, anderen gefallen zu müssen. In dieser Zuversicht tritt er mutig und wie besiegt auf das Feld des Handelns und“ macht sich vielleicht zum ersten Mal Ordnung Sauberkeit, Glanz bis zur Prahlerei; er beginnt umherzustreifen oder Bekanntschaften zu suchen, scheinbar ohne festes Ziel, von einer heimlichen Neigung seines suchenden Herzens getrieben, und bemüht sich dabei, zu glänzen mit Verstand, Liebenswürdigkeit im Umgang, zuvorkommender Aufmerksamkeit, allgemein mit allem, womit er hoffen möchte zu gefallen. Zugleich lässt er dem wichtigsten Organ der Seelennachbarschaft – dem Auge – freie Bahn.

In dieser Stimmung gleicht er einem Pulversack, der Funken ausgesetzt ist, und gerät bald in seine Krankheit. Mit dem Blick der Augen oder durch eine besonders angenehme Stimme, wie von einem Pfeil getroffen oder angeschossen, steht er zunächst einige Zeit in einem Überschwang und Erstarrung, doch sobald er zu sich kommt und sich besinnt, erkennt er, dass seine Aufmerksamkeit und sein Herz einem einzigen Gegenstand zugewandt sind und unaufhaltsam zu ihm hingezogen werden. Von diesem Moment an beginnt das Herz von Sehnsucht verzehrt zu werden; der junge Mann ist niedergeschlagen, in sich gekehrt, mit etwas Wichtigem beschäftigt, sucht, als hätte er etwas verloren, und was immer er tut, tut er für eine einzelne Person und so, als ob in deren Gegenwart. Er scheint verloren; Schlaf und Nahrung entfallen ihm, gewöhnliche Pflichten geraten in Vergessenheit; ihm ist nichts mehr teuer. Er leidet an einer schweren Krankheit, die das Herz schmerzt, den Atem hemmt und die Quellen des Lebens austrocknet. Dies ist der allmähliche Verlauf der Verletzungen! Und es versteht sich von selbst, wovor der junge Mann sich hüten muss, um nicht in dieses Unglück zu geraten. Gehe diesen Weg nicht! Vertreibe die Vorboten – die unbestimmte Traurigkeit und das Gefühl der Einsamkeit. Trotze ihnen: Wenn du traurig bist, träume nicht, sondern beginne, etwas Ernstes mit Aufmerksamkeit zu tun – und es wird vorübergehen. Wenn Selbstmitleid oder das Gefühl der eigenen Schönheit aufkommt, beeile dich, dich zu besinnen und diese Laune mit einer gewissen Strenge und Abhärtung dir selbst gegenüber zu vertreiben, insbesondere durch die Klärung der gesunden Vorstellung von der Bedeutungslosigkeit dessen, was dir in den Kopf kommt. Eine zufällige oder absichtliche Demütigung wirkt in diesem Fall wie Wasser auf das Feuer… Dieses Gefühl muss unterdrückt und vertrieben werden; vor allem weil hier der Anfang einer Bewegung liegt. Halte hier inne – weiter kommst du nicht: Es wird weder der Wunsch entstehen zu gefallen, noch die Suche nach Kleidung und Glanz, noch die Jagd nach Besuchen. Wenn diese Gefühle durchbrechen, kämpfe gegen sie an. Was ist in diesem Fall ein zuverlässiger Schutz – strenge Disziplin in allem, körperliche Arbeit und noch mehr geistige Arbeit! Stärke deine Beschäftigung, bleib zu Hause, vergnüge dich nicht. Wenn du hinausgehen musst, wähle die passende Haltung, halte Abstand zu den Geschlechtern, und vor allem: bete.

Neben diesen Gefahren, die sich aus den Eigenschaften des jugendlichen Alters ergeben, gibt es noch zwei weitere: Erstens die Veranlagung, das rationale Wissen oder das eigenwillige Verstehen gleichsam zum Himmel emporgehoben. Der Junge hält es für einen Vorteil, alles mit Zweifeln zu überdecken und alles abzulehnen, was seinem Verständnis nicht entspricht. Damit schneidet er alle Empfindungen des Glaubens und der Kirche aus dem Herzen, fällt daher von ihr ab und bleibt allein. Auf der Suche nach Ersatz für das Verlassene stürzt er sich auf Theorien, die ohne Rücksicht auf die offenkundige Offenbarung Wahrheit erheben, verstrickt sich darin und vertreibt alle Wahrheiten des Glaubens aus seinem Geist. Noch schlimmer ist es, wenn der Anlass dafür der Unterricht in den Schulen ist und wenn dort ein solcher Geist vorherrscht. Man meint, die Wahrheit zu besitzen, sammelt jedoch nebulöse, leere, träumerische Ideen, die größtenteils selbst dem gesunden Verstand widersprechen, die aber Unerfahrene in ihren Bann ziehen und für neugierige Jugendliche zum Idol werden. Zweitens – Weltlichkeit. Sie mag zwar etwas Nützliches darstellen, aber ihre Vorherrschaft bei Jugendlichen ist schädlich. Sie kennzeichnet sich durch ein Leben nach Sinneseindrücken – einen Zustand, in dem der Mensch wenig in sich selbst ist, sondern fast ausschließlich nach außen, in Handlungen oder Träumen lebt. Mit dieser Haltung verachten sie das innere Leben und jene, die darüber sprechen und danach leben. Wahre Christen erscheinen ihnen als Mystiker, die sich in Begriffe verfangen, oder als Heuchler und Ähnliches. Der Geist der Welt, der im Kreis des weltlichen Lebens regiert, hindert sie daran, die Wahrheit zu erkennen, und erlaubt es ihnen sogar, mit diesem Leben in Berührung zu kommen und es zu verfechten. Durch diesen Kontakt dringt die Welt mit all ihren verdorbenen Begriffen und Bräuchen in die empfängliche Seele des Jugendlichen ein, der noch nicht vorbereitet oder ihm gegenüber nicht abgeneigt ist, sondern lediglich die vorherrschende Stimmung aufnimmt und sich wie in Wachs auf sie prägt – und er wird unversehens ihr Kind. Und dieser Anfang steht im Widerspruch zu dem Anfang Gottes im Christus Jesus.

Das sind die Gefahren für junge Menschen in ihrer Jugend! Und wie schwer ist es, ihnen zu widerstehen! Aber für einen gut erzogenen Menschen, der sich schon vor der Jugend entschlossen hat, sich Gott zu widmen, ist sie nicht so gefährlich; man muss nur ein wenig aushalten, und dann wird die reinste und seligste Ruhe einkehren. Halte in dieser Zeit das Gelübde eines christlichen, reinen Lebens fest; danach wirst du mit einer gewissen heiligen Unerschütterlichkeit leben. Wer seine Jugendjahre sicher überstanden hat, der ist, wie jemand, der einen reißenden Fluss überquert hat, und, zurückblickend, Gott segnet. Ein anderer aber kehrt mit Tränen in den Augen und voller Reue zurück und verflucht sich selbst. Was man in der Jugend verliert, gewinnt man nie wieder zurück. Wird jemand, der gefallen ist, jemals das erreichen, was jemand besitzt, der nicht gefallen ist?

Aus dem bisher Gesagten lässt sich leicht ersehen, woher es kommt, dass so selten jemand die Gnade der Taufe bewahrt. Die Erziehung ist die Ursache für alles – für das Gute wie für das Schlechte.

Die Gnade der Taufe bleibt nicht erhalten, weil die Ordnung, die Regeln und die Gesetze der entsprechenden Erziehung nicht eingehalten werden. Die Hauptgründe dafür sind: a) Die Abwendung von der Kirche und von ihren Gnadenmitteln. Dies erstickt den Keim des christlichen Lebens, trennt es von seinen Quellen und es welkt, wie eine Blume, die an einem dunklen Ort steht. b) Unaufmerksamkeit gegenüber den körperlichen Übungen. Man glaubt, der Leib könne sich in jeder Hinsicht entwickeln, ohne der Seele zu schaden; dabei wurzeln in seinen Übungen die Sitze der Begierden, welche zusammen mit seiner Entwicklung reifen und die Seele beherrschen. Wenn man den Leib seinen eigenen Regungen überlässt, erwerben sich Begierden dort eine Stetigkeit oder bauen eine unüberwindliche Festung und stärken so ihre Macht für die gesamte Zukunft. c) Ungeordnetes, zielloses Entwickeln der Kräfte der Seele. Man sieht kein Ziel vor sich – man sieht keinen Weg dorthin. Daher, trotz aller Sorge um eine modernste Bildung, wird nichts getan als Neugier, Willkür und Lust nach Vergnügungen zu schüren. d) Vollständiges Vergessen des Geistes. Gebet, Furcht Gottes, Gewissen werden selten beachtet. Erscheinende Ordnung wird es geben, während innere Zustände immer vorausgesetzt und deshalb sich selbst überlassen bleiben. e) Während des Lernens – Verdrängung der vorrangigen Aufgabe durch Nebensächlichkeiten, deren Sinn das eine ist. f) Schließlich der Eintritt in die Jugend ohne vorhergehende Grundlage guter Anfänge und Entschlossenheit, christlich zu leben, und darüber hinaus – das ungebremste Nachgeben gegenüber den Trieben der Jugend, sich ganz der Welt anzuvertrauen, durch Vergnügungen, leichtes Lesen, Fantasien, unverkennbarer Umgang mit Gleichgesinnten und insbesondere mit dem anderen Geschlecht, übermäßige Wissenschaftlichkeit und Hingabe an den Geist der Welt, modische Gedanken, Regeln und Bräuche, die niemals das Gnadenleben begünstigen, sondern stets gegen sie gerüstet sind und sie zu unterdrücken suchen.

Jede dieser Ursachen genügt, um das gnadenvolle Leben in einem Menschen zu ersticken. Meist arbeiten sie jedoch zusammen, und eine zieht die andere unweigerlich nach sich; doch zusammen zerstören sie das geistliche Leben so sehr, dass selbst die geringsten Spuren davon manchmal nicht mehr erkennbar sind, als habe der Mensch keinen Geist, der zum Umgang mit Gott bestimmt ist, keine Kräfte dazu hat und keine Gnade erhalten hat, die sie lebendig macht.

Warum wird die zweckmäßige Reihenfolge der Erziehung nicht eingehalten? Der Grund dafür liegt entweder in der Unkenntnis dieser Reihenfolge oder in der Missachtung derselben. Eine Erziehung, die sich selbst überlassen bleibt, nimmt notwendigerweise eine verkehrte, falsche und schädliche Richtung, zunächst im häuslichen Leben und dann während der Ausbildung. Aber auch dort, wo die Erziehung augenscheinlich nicht ohne Beachtung bleibt und bekannten Regeln unterliegt, erweist sie sich oft als unfruchtbar und vom Ziel abweichend, aufgrund falscher Ideen und Grundsätze, auf denen ihre Ordnung aufgebaut ist. Es wird nicht das Gemeinte verwirklicht, was wichtig ist, sondern etwas anderes: nicht Gottesfurcht, nicht die Erlösung der Seele, sondern etwas ganz anderes: entweder die Vervollkommnung der nur natürlichen Kräfte, oder die Anpassung an Ämter oder die Eignung zum Leben in dieser Welt und dergleichen. Wenn jedoch der Ausgangspunkt nicht rein und auch nicht richtig ist, dann kann das, was darauf fußt, notwendigerweise nicht zum Guten führen.

Als wichtigste Abweichungen lassen sich nennen: 1) Die Entfernung der Gnadenmittel. Dies ist eine natürliche Folge des Vergessens, dass der Erziehende ein Christ ist und neben den natürlichen auch gnadenvoll wirkenden Kräften besitzt. Ohne diese Mittel ist der Christ wie ein verwilderter Garten, den herumstreifende Dämonen betreten, von den Stürmen der Sünde und der Welt umgestoßen und nicht gezügelt oder verjagt werden kann. 2) Die vorrangige Vorbereitung auf das zeitliche Glück, wobei die Erinnerung an das ewige Leben verdrängt wird. Davon wird zu Hause gesprochen, davon wird im Unterricht gesprochen, davon wird in einfachen Gesprächen vor allem gesprochen. 3) Die Vorherrschaft des Äußeren in allem, selbst im heiligen Amt.

Wer zu Hause nicht vorbereitet wurde und eine solche Erziehung genossen hat, tritt unweigerlich in sich selbst verkannt auf, sieht alles mit verzerrten Augen, stellt alles in verzerrter Form dar, wie durch zerbrochene oder falsche Brillen. Deshalb will er weder von seinem eigentlichen Ziel noch von den Mitteln dazu hören. All dies ist für ihn eine Nebensache, wie schon belächelt.

Nach alledem ist es nicht schwer zu bestimmen, was genau nötig ist, um diesen schlechten Zustand der Dinge zu berichtigen. Man muss:

die Grundsätze wahrer christlicher Erziehung gut verstehen und verinnerlichen und vor allem zu Hause danach handeln. Die häusliche Erziehung ist die Wurzel und Grundlage für alles Weitere. Gut erzogene und gut eingegroovte Hauseinführung lässt sich durch verkehrte schulische Erziehung nicht so leicht vom rechten Weg abbringen.

Anschließend die schulische Erziehung nach neuen, wahren Grundsätzen umgestalten, christliche Elemente einbringen, Fehlendes berichtigen; vor allem den Erziehungsempfänger während der gesamten Erziehung unter dem reichen Einfluss der Heiligen Kirche zu halten, die durch ihr ganze Einrichtungen heilend auf die Bildung des Geistes wirkt. Das würde sündhaften Reizen nicht aufkommen lassen, den Geist des Friedens vertreiben und den Geist aus der Tiefe fortdrängen. Gleichzeitig muss alles vom Vergänglichen zum Ewigen, vom Äußeren zum Inneren gelenkt werden, damit die Kinder der Kirche, Mitglieder des Himmelreichs, erzogen werden.

Am wichtigsten ist es, 3) Erzieher unter der Leitung von Personen auszubilden, die echte Erziehung nicht aus der Theorie, sondern aus der Praxis kennen. Wenn sie unter der Aufsicht erfahrener Erzieher ausgebildet werden, geben sie ihr Können an andere weiter, die ihnen folgen, usw. Ein Erzieher muss alle Stufen christlicher Vollkommenheit durchlaufen haben, um später in der Praxis sich zu beherrschen, die Neigungen der Erziehenden zu erkennen und dann geduldig, erfolgreich, stark und fruchtbar auf sie einzuwirken. Dies muss ein Stand reinster, von Gott auserwählter und heiligen Personen sein. Erziehung ist von allen heiligen Werken das heiligste.

Die Frucht einer guten Erziehung ist der Erhalt der Gnade der heiligen Taufe. Letztere belohnt alle Mühen der ersten zu Überfluss. Denn einige große Vorzüge gehören dem, der die Gnade der Taufe bewahrt und von Kindesbeinen an Gott geweiht ist.

Der erste Vorteil, gleichsam das Fundament aller anderen Vorteile, ist die Unversehrtheit der naturgemäß gnadenhaften Beschaffenheit. Der Mensch ist dazu bestimmt, Gefäß ungewöhnlich hoher Kräfte zu sein, die bereit sind, aus der Quelle aller Güter über ihn zu strömen; nur darf er sich nicht selbst entmutigen. Und der Bereute kann vollkommen geheilt werden; aber es scheint ihm nicht gegeben zu sein, dies zu erkennen und zu fühlen, dass er gefallen ist, oder er kann sich nicht an jener Vollkommenheit freuen und jene Kühnheit besitzen, die daraus folgt.

Daraus ergeben sich von selbst Lebendigkeit, Leichtigkeit und Ungekünsteltheit des guten Handelns. Er geht im Guten wie in einer ihm einzig zugehörigen Welt. Der Reumütige muss sich lange anstrengen und sich an dieses Gute gewöhnen, damit es ihm leichtfällt, es zu vollbringen; doch auch wenn er dies erreicht hat, muss er sich beständig in Anspannung und Furcht halten. Im Gegensatz dazu lebt derjenige in einer Einfachheit des Herzens, in einer beruhigenden Gewissheit der Erlösung, einer nicht trügerischen Zuversicht.

Dann tritt in seinem Leben eine gewisse Gleichmäßigkeit und Unaufhörlichkeit ein. In ihm gibt es weder Aufwallungen noch Nachlass; und wie unser Atem zumeist gleichmäßig verläuft, so verläuft auch sein Wandel in Güte. Dasselbe gilt auch für den Reumütigen, doch dieser erwächst nicht rasch und nicht in solcher Vollkommenheit. Ein repariertes Rad zeigt oft seinen Mangel an; und eine reparierte Uhr ist nicht so zuverlässig wie eine unversehrte und neue.

Der Nichtgefallene bleibt immer jung. In den Zügen seines sittlichen Charakters spiegeln sich die Gefühle eines Kindes wider, solange es dem Vater noch nicht schuldig geworden ist. Hier ist das erste Gefühl der Unschuld, die Kindheit in Christus, sozusagen das Nichtwissen des Bösen. Wie sehr schützt es ihn vor Gedanken und quälenden Regungen des Herzens! Dann kommt außergewöhnliche Herzlichkeit, aufrichtige Güte, Sanftmut. In ihm treten in voller Kraft die vom Apostel genannten Früchte des Geistes zutage: Liebe, Freude, Frieden, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit (Gal 5,22–23).

Er ist wie mit einem Mantel der Güte, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Langmut bedeckt (Kol 3,12). Dann bewahrt er sich eine ungekünstelte Heiterkeit, geistliche Freude; denn in ihm ist das Reich Gottes, das Frieden und Freude im Heiligen Geist ist. Dann besitzt er eine gewisse Klarheit und Weisheit, die alles in sich und um ihn herum sieht und ihn befähigt, sich selbst und seine Angelegenheiten zu regeln. Sein Herz nimmt eine solche Stimmungsweise an, dass es ihm sofort sagt, was und wie er handeln soll. Schließlich kann man sagen, dass ihm die Furcht vor Stürzen und das Vertrauen in Gott eigen ist. Wer kann uns von der Liebe Gottes scheiden?(Röm 8,35). All dies zusammen macht ihn sowohl ehrwürdig als auch liebenswert. In der Welt solcher Menschen existiert eine große Gottesgnade. Sie ersetzen die apostolischen Netze. Wie um einen starken Magneten sammeln sich Späne, oder wie ein starker Charakter die Schwachen mitreißt, so zieht die in ihnen wohnende Kraft des Geistes alle an sich, besonders jene, die den Anfang des Geistes in sich tragen.

Die wichtigste moralische Vollkommenheit, die demjenigen eigen ist, der in seiner Jugend unversehrt bleibt, ist eine gewisse Unerschütterlichkeit der Tugend durch das ganze Leben. Samuel bleibt allen Versuchungen des Hauses Eli und den Unruhen des Volkes standhaft. Josef bewahrte seine Seele unter seinen bösen Brüdern, im Hause Putiphenes, im Gefängnis und in Ruhm gleichermaßen rein. Wahrlich, es ist gut für den Mann, ein Joch zu tragen in der Jugend (Klagelieder 3,27). Kind, wähle von deiner Jugend an die Züchtigung, so wirst du bis ins hohe Alter Weisheit erlangen. Du wirst dich wenig anstrengen müssen, um sie zu gewinnen, und bald wirst du ihre Früchte essen (Sir 6,18,20). Die rechte Gesinnung wird sozusagen zur Natur, wenn sie auch manchmal gestört wird, kehrt sie doch bald wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück. Deshalb finden wir in den Cheti-Minei in der Hauptsache jene Heiligen, die in ihrer Jugend die sittliche Reinheit und die Gnade der Taufe bewahrt haben.

Darüber hinaus, wer seine Reinheit bewahrt hat und sich von jungen Jahren an Gott weiht;

Der tut das, was Gott am meisten gefällt, und bringt ihm das angenehmste Opfer dar – a) weil Gott allgemein nach dem Gesetz der Rechtfertigung am meisten das Erste will: die ersten Fruchttragenden der Menschen, der Tiere und folglich der ersten Jahre der Jugend; b) weil ein reines Opfer dargebracht wird – unbefleckte Jugend, was im Wesentlichen von jedem Opfer verlangt wurde; c) weil dies mit Überwindung nicht geringer Hindernisse sowohl in sich selbst als auch von außen geschieht, mit Verzicht auf Vergnügungen, zu denen man gerade in dieser Zeit besonders geneigt ist;

Tut dies das Vernünftigste. Man muss sich Gott hingeben, denn darin liegt allein das Heil. Es sei denn, jemand hat sich der Verzweiflung hingegeben. Doch es gibt für diese Zeit nichts Besseres und Zuverlässigeres als das Erstere, das wir erkannt haben – denn wer weiß, was morgen sein wird? Und selbst wenn jemand längeres Leben zu hoffen versucht, ohne seine Zeit ganz Gott zu widmen, wird er sich nur selbst behindern, indem er sich an ein gegensätzliches Leben gewöhnt; und Gott weiß, ob er sich danach noch überwinden kann. Selbst wenn er es schafft: Was ist das für ein Opfer Gottes – krank, erschöpft, beschädigte Glieder, unvollständige Würde? Freilich, auch das kommt vor, doch wieselten! Wie selten gelingt es einem, der Unschuld verloren hat, sie wieder herzustellen! Wie schwer ist es, jemanden, der von einer guten Lebensführung von Kindheit an nichts wusste, zum Guten zu bekehren – wie der selige Augustin in seinen Bekenntnissen lebhaft schildert: „Von der Jugend an habe ich, mein Bruder, in der Leichtsinnigkeit und in Torheiten, ja in Ungehorsam gegen die Eltern, verbracht. Als ich in der Jugend in Unzucht verfiel, verschlechterte sich mein Zustand innerhalb von drei Jahren so sehr, dass ich später zwölf Jahre hindurch plante, mich zu bessern, aber ich fand keine Kraft dazu. Nachdem ich einen Wendepunkt der festen Entschlossenheit gefunden hatte und die Gnade im heiligen Taufakt empfangen hatte, musste ich kämpfen gegen meine Leidenschaften, die mich auf den früheren Weg zurückzogen, aber ich war stark dazu geneigt!“, so sinngemäß; wörtlich: vgl. Aug. Conf. Lib. I.))

Ist es erstaunlich, dass so wenige aus einer unaufgeklärten Jugend gerettet werden? Dieses Beispiel zeigt anschaulich, in welcher großen Gefahr sich ein Mensch befindet, der keine guten Regeln in der Jugend erhalten hat und Gott sich zuvor nicht geweiht hat. Was also ist das Glück, wirklich gutes christliches Erziehungsgut zu erlangen, damit man damit in die Jugend hineintritt und dann in demselben Geist ins Mannesalter eintritt.

Ende des ersten Teils. (Dies ist eine gekürzte Fassung des Buches. Die vollständige Fassung des Buches sowie „LEHREN UNSERES HEILIGEN VATERS JOHANNES CHRYSOSTOMOS ÜBER DIE ERZIEHUNG“ ist auf orthodoxe-medien.de erhältlich.)

→ Zur vollständigen Ausgabe– 

Die gedruckte Ausgabe des Buches können Sie hier bestellen –

 

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