
Der „Ausführliche christliche Katechismus“ des heiligen Metropoliten Filaret von Moskau ist der offizielle Katechismus der Russisch-Orthodoxen Kirche und eine der maßgeblichen Darstellungen ihres Glaubens.
Er entstand im Jahr 1823 im Auftrag des Heiligen Synods und wurde über lange Zeit als verbindliche Grundlage der Glaubensunterweisung verwendet. Der Text ist in klarer Form aufgebaut – als Weg durch Glaube, Hoffnung und Liebe – und folgt durchgehend der traditionellen Frage-und-Antwort-Struktur.
Die erste deutsche Übersetzung erschien im Jahre 1840 in St. Petersburg („Gedruckt bei Carl Eduard Pratz“). Ihr lag die russische Ausgabe von 1839 zugrunde. Später erschienen weitere deutsche Übersetzungen, darunter 1872 die Neuübersetzung von Heinrich Ludwig Johann Blumenthal. Auf dieser späteren Übersetzung beruht auch die von Martin Tamcke 2015 neu herausgegebene und kommentierte Fassung. Die vorliegende Ausgabe geht dagegen ausdrücklich auf den frühen deutschen Text von 1840 zurück und macht ihn nach behutsamer sprachlicher Überarbeitung wieder in einer für heutige Leser zugänglichen Form verfügbar. Die vorliegende Ausgabe geht auf die erste deutsche Übersetzung des Katechismus zurück, die 1840 in St. Petersburg nach der russischen Ausgabe von 1839 erschien. Im Unterschied zu den späteren deutschen Übersetzungen wurde nicht deren Text zugrunde gelegt, sondern die frühe Fassung von 1840 behutsam sprachlich überarbeitet und für heutige Leser neu zugänglich gemacht.
Bis heute gilt dieser Katechismus als eine der zuverlässigsten Zusammenfassungen der orthodoxen Lehre und als grundlegende Orientierung für das christliche Leben.
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Vorwort
Der vorliegende „Ausführliche christliche Katechismus“ des heiligen Metropoliten Filaret von Moskau gehört zu den maßgeblichen Darstellungen des orthodoxen Glaubens. Er wurde im 19. Jahrhundert in russischer Sprache verfaßt, von der Kirche geprüft und bestätigt und diente über lange Zeit hinweg als verbindliche Grundlage der Glaubensunterweisung.
Die erste deutsche Übersetzung erschien im Jahre 1840 in St. Petersburg („Gedruckt bei Carl Eduard Pratz“). Eine weitere, verbreitetere Fassung wurde 1872 vorgelegt und bildet bis heute die Grundlage späterer Nachdrucke. Trotz einzelner Neuausgaben ist festzustellen, daß bis in die Gegenwart hinein keine durchgehend sprachlich erneuerte und zugleich theologisch verläßliche Übertragung in ein verständliches heutiges Deutsch vorliegt.
Damit stand der deutschsprachige Leser vor einer doppelten Schwierigkeit: Einerseits bewahren die älteren Übersetzungen den Inhalt, sind jedoch in Ausdruck und Satzbau vielfach schwer zugänglich; andererseits fehlt eine Fassung, die den ursprünglichen Sinn unverfälscht bewahrt und zugleich in einer lesbaren Form darbietet.
Die vorliegende Ausgabe ist aus dem Bemühen hervorgegangen, diese Lücke zu schließen. Ihr Ziel ist es nicht, den Text neu zu gestalten oder stilistisch zu modernisieren, sondern ihn von offensichtlichen Fehlern, mechanischen Verzerrungen und unnatürlichen Formulierungen zu reinigen, wie sie insbesondere durch technische Übertragungen entstanden sind. Dabei bleibt die Nähe zum überlieferten Wortlaut gewahrt, ebenso wie die Einheit der theologischen Terminologie und der kirchlich gebundene Ausdruck.
Die Bedeutung dieses Katechismus liegt nicht nur in seiner historischen Stellung, sondern vor allem in seinem inneren Gehalt. Er stellt den orthodoxen Glauben in klarer und geordneter Weise dar: vom Bekenntnis des Glaubens über die Hoffnung bis hin zur Liebe und zum Leben nach den Geboten. In dieser Dreigliederung wird das ganze christliche Leben als Weg zur Gemeinschaft mit Gott erschlossen.
Als von der Kirche bestätigter Lehrtext besitzt der Katechismus einen besonderen Rang. Er ist nicht eine private theologische Abhandlung, sondern Ausdruck des kirchlichen Bewußtseins und dient als zuverlässige Orientierung in Fragen des Glaubens. In ihm spricht die Überlieferung der Kirche in einer Form, die zugleich lehrhaft und geistlich ist.
Gerade in einer Zeit, in der der Zugang zur überlieferten Lehre vielfach erschwert ist, gewinnt dieses Werk neue Aktualität. Es führt in die Grundlagen des Glaubens ein und bewahrt zugleich vor Verirrungen, indem es Maß, Klarheit und Unterscheidung vermittelt.
Möge diese Ausgabe dazu beitragen, den Reichtum dieses Katechismus neu zugänglich zu machen und ihn als das zu zeigen, was er ist: eine feste und verläßliche Grundlage der orthodoxen Glaubenslehre und ein Wegweiser für das christliche Leben.
Einleitung in den orthodoxen Katechismus
Vorbegriffe
Frage. Was ist der orthodoxe Katechismus?
Antwort. Der orthodoxe Katechismus ist der Unterricht im orthodoxen christlichen Glauben, der einem jeden Christen ertheilt wird, damit er Gott wohlgefallen und die ewige Seligkeit erlangen möge.
Fr. Was bedeutet das Wort Katechismus?
Antw. Das Wort Katechismus heißt, aus dem Griechischen übersetzt, Verlautbarung, mündliche Unterweisung; seit der Apostel Zeiten aber wird dieses Wort gebraucht, um damit den jedem Christen nöthigen ersten Unterricht im orthodox-christlichen Glauben zu bezeichnen. Luk. 1, 4. Apostelg. XVII, 25.
Fr. Was ist erforderlich, um Gott wohlzugefallen und die ewige Seligkeit zu erlangen?
Antw. Erstens, die Erkenntniß des wahren Gottes und ein rechter Glaube an Ihn; zweitens, ein diesem Glauben gemäßes Leben und gute Werke.
Fr. Warum ist am ersten der Glaube nothwendig?
Antw. Weil, wie das Wort Gottes bezeugt, ohne Glauben es unmöglich ist, Gott zu gefallen. Hebr. XI, 6.
Fr. Warum müssen mit dem Glauben ein diesem Glauben gemäßes Leben und gute Werke unzertrennlich verbunden seyn?
Antw. Weil, wie das Wort Gottes bezeugt, der Glaube ohne Werke todt ist. Jak. II, 20.
Fr. Was ist der Glaube?
Antw. Nach der Erklärung des heiligen Paulus ist der Glaube ein zuversichtliches Fürwahrhalten dessen, was man hofft, eine feste Ueberzeugung von Dingen, die man nicht sieht. Hebr. XI, 1. Das heißt, eine Ueberzeugung vom Unsichtbaren, als wäre es sichtbar, und von dem, was man wünscht und erwartet, als wäre es gegenwärtig.
Fr. Was für ein Unterschied ist zwischen Wissen und Glauben?
Antw. Das Wissen hat zu seinem Gegenstand das Sichtbare und Begreifliche, aber der Glaube das Unsichtbare, ja das Unbegreifliche. Das Wissen gründet sich auf Erfahrung oder auf Untersuchung des Gegenstandes, der Glaube aber auf das Vertrauen zu einem Zeugnisse der Wahrheit. Das Wissen gehört eigentlich dem Verstande an, obwohl es auch auf das Herz zu wirken vermag; der Glaube gehört vorzugsweise dem Herzen an, obschon er in den Gedanken seinen Beginn hat.
Fr. Warum wird in der Religionslehre nicht bloß Wissen, sondern auch Glaube gefordert?
Antw. Weil der Hauptgegenstand dieser Lehre Gott ist, der Unsichtbare und Unbegreifliche, und die in Geheimnis gehüllte Weisheit Gottes. Deswegen können viele Teile dieser Lehre nicht mit dem Wissen der Vernunft erfaßt, wohl aber durch den Glauben angenommen werden. Der Glaube, sagt der heilige Cyrillus von Jerusalem, ist das Auge, welches jedes Gewissen erleuchtet; er teilt dem Menschen die Erkenntnis mit. Denn, sagt der Prophet: wenn ihr nicht glaubt, so werdet ihr nicht verstehen. Jes. VII, 9. Katech. Red. 5.
Von der göttlichen Offenbarung
Fr. Woraus schöpft man die orthodoxe Religionslehre?
Antw. Aus der göttlichen Offenbarung.
Fr. Was versteht man unter dem Namen der göttlichen Offenbarung?
Antw. Das, was Gott Selbst den Menschen geoffenbart hat, damit sie recht und heilsam an Ihn glauben und Ihn würdig verehren können.
Fr. Hat Gott allen Menschen eine solche Offenbarung gegeben?
Antw. Er hat sie für alle Menschen gegeben, als für alle notwendig und heilsam; weil aber nicht alle Menschen fähig sind, unmittelbar von Gott die Offenbarung aufzunehmen, so hat Er Sich besonderer Verkündiger Seiner Offenbarung bedient, die solche allen Menschen, welche sie annehmen wollen, mitteilen sollten.
Fr. Warum sind nicht alle Menschen fähig, unmittelbar von Gott Offenbarungen zu empfangen?
Antw. Wegen ihrer sündhaften Unlauterkeit und Ohnmacht an Geist und Körper.
Fr. Wer waren die Verkündiger der göttlichen Offenbarung?
Antw. Adam, Noah, Abraham, Moses und andere Propheten empfingen und verkündigten die Anfänge der göttlichen Offenbarung; in ihrer Fülle und Vollkommenheit aber brachte uns die göttliche Offenbarung der fleischgewordene Sohn Gottes, unser Herr Jesus Christus, und verbreitete sie durch Seine Jünger und Apostel über die ganze Erde. Der Apostel Paulus sagt am Anfange seiner Epistel an die Hebräer: Nachdem Gott vor Zeiten oftmals und auf mancherlei Weise durch die Propheten zu den Vätern geredet hat, hat Er in diesen letzten Tagen durch den Sohn zu uns geredet, Den Er zum Erben über alles gesetzt, durch Den Er auch die Welt erschaffen hat.
Eben derselbe Apostel schreibt an die Korinther: wir verkündigen die in Geheimnis gehüllte Weisheit Gottes, die Gott, ehe die Welt ward, zu unserer Verherrlichung vorherbestimmt hatte und die keiner von den Großen dieser Welt gekannt hat. Uns aber hat es Gott durch Seinen Geist geoffenbart. Denn dieser Geist erforscht alles, auch die Tiefen der Gottheit. 1 Kor. 2, 7–8, 10.
Der Evangelist Johannes schreibt im Evangelium: Niemand hat je Gott gesehen; der eingeborene Sohn, Der im Schoße des Vaters ist, Der hat Ihn bekannt gemacht. Joh. 1, 18.
Jesus Christus Selbst sagt: Niemand kennt den Sohn als der Vater, und niemand kennt den Vater als der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. Matth. XI, 27.
Fr. Kann denn der Mensch ohne besondere göttliche Offenbarung keine Erkenntnis von Gott erlangen?
Antw. Der Mensch kann wohl durch Betrachtung der von Gott erschaffenen Dinge Gott erkennen; aber diese Erkenntnis ist unvollkommen und unzulänglich und kann nur als Vorbereitung zum Glauben oder als Beihilfe zur Erkenntnis Gottes aus Seiner Offenbarung dienen.
Denn das Unsichtbare von Ihm, Seine ewige Kraft und Gottheit, ist seit der Erschaffung der Welt durch Betrachtung Seiner Werke sichtbar. Röm. 1, 20.
Er ist es, Der von einem Blute das ganze Menschengeschlecht abstammen und es über die ganze Erde sich verbreiten ließ, Der die vorherbestimmten Zeiten und die Grenzen ihres Aufenthalts ihnen setzte, damit sie nach Gott sich umsähnen, ob sie Ihn wohl ergreifen und finden möchten, da Er nicht fern von einem jeden unter uns ist. Denn in Ihm leben und weben und sind wir. Apg. XVII, 26–28.
Was den Glauben an Gott betrifft, so geht demselben der Gedanke voran, daß Gott ist. Zu diesem Gedanken gelangen wir mittels der erschaffenen Dinge. Wenn wir die Weltschöpfung aufmerksam betrachten, so erkennen wir, daß Gott höchst weise, allmächtig, gütig ist; auch Seine anderen unsichtbaren Eigenschaften erkennen wir. Auf solche Weise gelangen wir zur Erkenntnis von Gott als dem höchsten Herrscher. Da nun Gott der Schöpfer der ganzen Welt ist und wir einen Teil der Welt ausmachen, so ist Gott auch unser Schöpfer. Auf diese Erkenntnis folgt der Glaube und auf diesen Glauben die Verehrung. Basilius der Große, Sendschr. 232.
Von der heiligen Tradition und der heiligen Schrift.
Fr. Auf welche Weise wird die göttliche Offenbarung unter den Menschen verbreitet, und wie erhält sie sich in der Kirche?
Antw. Auf zweierlei Weise: mittelst der heiligen Tradition und mittelst der heiligen Schrift.
Fr. Was versteht man unter dem Namen der heiligen Tradition?
Antw. Unter dem Namen der heiligen Tradition versteht man, wenn die wahrhaft an Gott Glaubenden und Ihn wahrhaft Verehrenden die Glaubenslehre, das göttliche Gesetz, die Sakramente und die heiligen Zeremonien einer dem andern und die Vorfahren den Nachkommen durch Wort und Beispiel überliefern.
Fr. Gibt es einen sicheren Aufbewahrungsort für die heilige Tradition?
Antw. Alle wahrhaft Gläubigen, verbunden durch die heilige Glaubensüberlieferung, machen zusammen und in ihrer Aufeinanderfolge nach göttlicher Veranlassung die Kirche aus, und diese ist die treue Bewahrerin der heiligen Tradition oder, nach dem Ausspruche des heiligen Paulus, die Kirche des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit. 1 Tim. 3, 15.
Der heilige Irenäus schreibt: nicht bei andern muß man die Wahrheit suchen, die man leicht von der Kirche borgen kann. Denn in ihr haben, gleichwie in einer reichen Schatzkammer, die Apostel in Fülle alles das niedergelegt, was der Wahrheit angehört, so daß jeder, den danach verlangt, den Trank des Lebens aus ihr schöpfen kann. Sie ist die Pforte des Lebens. Adv. haer. III, 4.
Fr. Was nennt man die heilige Schrift?
Antw. Die vom Geiste Gottes durch gottgeheiligte Männer, Propheten und Apostel genannt, geschriebenen Bücher; diese Bücher nennt man gewöhnlich: die Bibel.
Fr. Was bedeutet das Wort „Bibel“?
Antw. Das Wort Bibel ist griechischen Ursprungs und bedeutet: Bücher. Durch diese Benennung wird ausgedrückt, daß die heiligen Bücher vorzugsweise vor allen andern der Aufmerksamkeit würdig sind.
Fr. Was ist älter, die heilige Tradition oder die heilige Schrift?
Antw. Das älteste und ursprüngliche Mittel zur Verbreitung der göttlichen Offenbarung ist die heilige Tradition. Von Adam bis Moses gab es keine heiligen Bücher. Selbst unser Herr Jesus Christus hat Seine göttliche Lehre und Anordnungen Seinen Jüngern durch Wort und Beispiel, nicht aber in einem Buche überliefert. Auf dieselbe Weise haben auch die Apostel anfangs den Glauben verbreitet und die Kirche Christi befestigt. Die Unentbehrlichkeit der Tradition ist auch daraus ersichtlich, daß Bücher nur dem kleineren Teile der Menschen dienen können, die Tradition aber allen.
Fr. Wozu ist denn aber die heilige Schrift gegeben?
Antw. Damit die göttliche Offenbarung desto genauer und unverändert erhalten werde. In der heiligen Schrift lesen wir die Worte der Propheten und Apostel ganz so, als ob wir mit ihnen lebten und sie hörten, obgleich die heiligen Bücher viele Jahrhunderte, ja Jahrtausende vor unserer Zeit niedergeschrieben worden sind.
Fr. Muß die heilige Tradition auch da beobachtet werden, wo wir doch die heilige Schrift haben?
Antw. Die Tradition, die mit der göttlichen Offenbarung und mit der heiligen Schrift übereinstimmt, muß beobachtet werden, wie dies die heilige Schrift selbst lehrt. Der Apostel Paulus schreibt: So stehet denn fest, Brüder, und haltet an den überlieferten Lehren, in denen ihr von uns mündlich oder durch unser Schreiben unterrichtet worden seid. 2 Thess. 2, 15.
Fr. Wozu ist auch heutzutage noch die Tradition nötig?
Antw. Sie ist nötig als Anleitung zum richtigen Verständnis der heiligen Schrift, zur regelmäßigen Verrichtung der Sakramente und zur Bewahrung der heiligen Gebräuche in der Reinheit ihrer ursprünglichen Einsetzung.
Der heilige Basilius der Große sagt hierüber folgendes: Von den in der Kirche aufbewahrten Dogmen und Lehrvorträgen haben wir einige aus schriftlicher Unterweisung, andere aber erhielten wir aus apostolischer Tradition durch geheime Übergabe von unseren Vorgängern. Beide haben für die Religion ganz einerlei Geltung; und dem wird niemand widersprechen, wer auch nur einigermaßen mit den kirchlichen Einrichtungen bekannt ist. Denn wenn wir uns erdreisten, die nicht niedergeschriebenen Gebräuche zu verwerfen, als seien sie von keiner großen Wichtigkeit, so schaden wir hierdurch unvermerkt auch dem Evangelium in seinem Hauptsächlichsten, oder vielmehr, wir lassen davon nichts als den leeren Namen übrig. Wir wollen zum Beispiel vor allem an das Erste und Allgemeinste erinnern: wer hat schriftlich gelehrt, daß die, so ihre Zuversicht auf unseren Herrn Jesus Christus setzen, sich mit dem Kreuze zeichnen sollten? Welche Schrift hat uns gelehrt, uns beim Gebete gegen Aufgang zu kehren? Die Worte der Anrufung bei der Wandlung des Brotes der Eucharistie und des Kelches der Segnung – wer von den Heiligen hat sie uns schriftlich hinterlassen? Denn wir begnügen uns ja nicht mit den Worten, deren der Apostel oder das Evangelium erwähnt, sondern wir sprechen noch vor und nach denselben andere Worte als eine große Kraft für das Sakrament in sich enthaltend. Diese Worte aber haben wir aus der nicht geschriebenen Lehre empfangen. Ferner, kraft welcher Schrift segnen wir das Taufwasser, das Öl der Salbung und den Täufling selbst? Geschieht es nicht gemäß der verschwiegenen und geheim gehaltenen Tradition? Und selbst die Salbung mit dem Öl – von welchem geschriebenen Worte wird sie uns gelehrt? Woher stammt auch das dreimalige Eintauchen des Menschen? Und das Übrige, was zur Taufe gehört, das Abschwören des Satans und seiner Engel – welcher Schrift ist es entnommen? Rührt das alles nicht aus jener nicht zu veröffentlichenden und unaussprechbaren Lehre her, die unsere Väter in einem der Neugierde und Auskundschaftung unzugänglichen Schweigen bewahrt haben, weil sie gegründete Anweisung hatten, die Heiligkeit der Geheimnisse unter dem Schutze des Schweigens zu bewahren? Denn wie hätte es sich auch geziemt, die Lehre von dem zu veröffentlichen, was den Ungetauften nicht einmal zu schauen verstattet wird? Reg. 27 vom Heiligen Geiste.
Diese Worte aber haben wir aus der nicht geschriebenen Lehre empfangen. Ferner, kraft welcher Schrift segnen wir das Taufwasser, das Öl der Salbung und den Täufling selbst? Geschieht es nicht gemäß der verschwiegenen und geheim gehaltenen Tradition? Und selbst die Salbung mit dem Öle – von welchem geschriebenen Worte wird sie uns gelehrt? Woher stammt auch das dreimalige Eintauchen des Menschen? Und das Übrige, was zur Taufe gehört, das Abschwören des Satans und seiner Engel – welcher Schrift ist es entnommen? Rührt das Alles nicht aus jener nicht zu veröffentlichenden und unaussprechbaren Lehre her, die unsere Väter in einem der Neugierde und Ausforschung unzugänglichen Schweigen bewahrt haben, weil sie gegründete Anweisung hatten, die Heiligkeit der Geheimnisse unter dem Schutze des Schweigens zu bewahren? Denn wie hätte es sich auch geziemt, die Lehre von dem zu veröffentlichen, was den Ungetauften nicht einmal zu schauen verstattet wird? Reg. 97. Vom heiligen Geiste, cap. 27.
Von der heiligen Schrift insbesondere.
Fr. Wann sind die heiligen Bücher niedergeschrieben worden?
Antw. Zu verschiedenen Zeiten, die einen vor Christi Geburt, die andern nachher.
Fr. Haben diese zwei Abtheilungen der heiligen Bücher nicht besondere Namen?
Antw. Ja. Die Bücher, welche vor der Geburt Christi geschrieben wurden, heißen die Bücher des alten Testaments; die aber, welche nach Christi Geburt geschrieben wurden, heißen die Bücher des neuen Testaments.
Fr. Was ist das alte und das neue Testament?
Antw. Es ist mit andern Worten der alte Bund Gottes mit den Menschen und der neue Bund Gottes mit den Menschen.
Fr. Worin bestand der alte Bund?
Antw. Darin, daß Gott den Menschen den göttlichen Erlöser verhieß und sie zur Aufnahme desselben vorbereitete.
Fr. Wie bereitete Gott die Menschen zur Aufnahme des Erlösers vor?
Antw. Durch stufenweise Offenbarungen, durch Prophezeiungen und Vorbilder.
Fr. Worin besteht der neue Bund?
Antw. Darin, daß Gott den Menschen den göttlichen Erlöser, Seinen eingeborenen Sohn, Jesum Christum, wirklich schenkte.
Fr. Wieviel heilige Bücher des alten Testaments zählt man?
Antw. Der heilige Cyrillus von Jerusalem, der heilige Athanasius der Große und der heilige Johannes von Damask zählen deren zwei und zwanzig, wobei sie die hebräische Zählung derselben in der ursprünglichen Sprache berücksichtigen. Sieh Athan. Ep. 39. von den Festen; Joh. Damasc. Theol. lib. 4. cap. 17.
Fr. Warum verdient die Zählung der Hebräer berücksichtigt zu werden?
Antw. Weil, wie der Apostel Paulus sagt, ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut waren, und weil die neutestamentliche christliche Kirche die Bücher des alten Testaments von der alttestamentlichen hebräischen Kirche überkommen hat. Röm. III, 2.
Fr. Wie zählen denn der heilige Cyrillus und der heilige Athanasius die Bücher des alten Testaments?
Antw. Folgendermaßen:
- Genesis (1-tes Buch Mosis),
- Exodus (2-tes Buch Mosis),
- Leviticus (3-tes Buch Mosis),
- Numeri (4-tes Buch Mosis),
- Deuteronomium (5-tes Buch Mosis),
- Das Buch Josua,
- Das Buch der Richter und zugleich mit ihm, als ein Anhang zu demselben, das Buch Ruth,
- Das erste und zweite Buch der Könige, als zwei Theile eines Buches (1. und 2. Buch Samuel),
- Das dritte und vierte Buch der Könige (1. und 2. Buch der Könige),
- Das erste und zweite Buch Paralipomenon (der Chroniken),
- Das erste Buch Esdras und das zweite desselben, oder nach der griechischen Aufschrift des letzteren das Buch Nehemias (Esdras und Nehemia),
- Esther,
- Das Buch Hiob,
- Der Psalter,
- Die Sprüche Salomo’s,
- Der Prediger Salomo’s,
- Das Hohelied Salomo’s,
- Das Buch des Propheten Jesaias,
- Das Buch Jeremias,
- Das Buch Ezechiel,
- Das Buch Daniel,
- Das Buch der zwölf Propheten.
Fr. Warum geschieht in dieser Aufzählung der Bücher des alten Testaments keine Erwähnung von dem Buche der Weisheit des Sohnes Sirach und von einigen andern?
Antw. Weil sie im Hebräischen nicht vorhanden sind.
Fr. Was ist von diesen letzteren Büchern zu halten?
Antw. Athanasius der Große sagt: sie sind von den Vätern denjenigen zum Lesen bestimmt, die erst in die Kirche eintreten.
Fr. Wie läßt sich der Inhalt der Bücher des alten Testaments deutlicher bestimmen?
Antw. Man kann sie in folgende vier Abtheilungen bringen:
- Gesetzbücher, welche die Hauptgrundlage des alten Bundes ausmachen;
- Geschichtsbücher, welche vorzüglich die Religionsgeschichte enthalten;
- Lehrbücher, welche die Religionslehre enthalten;
- Prophetische Bücher, welche die Prophezeiungen oder Vorhersagungen vom Zukünftigen, insbesondere von Jesu Christo, enthalten.
Fr. Welche sind Gesetzbücher?
Antw. Die fünf von Moses geschriebenen Bücher: Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri, Deuteronomium. Jesus Christus Selbst giebt diesen Büchern den gemeinsamen Namen des Gesetzes Mosis. Sieh Luk. XXIV, 44.
Fr. Was enthält insbesondere das erste Buch Mosis?
Antw. Die Erzählung von der Erschaffung der Welt und des Menschen, ferner die Geschichte der Religion und deren Einrichtungen in den ersten Zeiten des Menschengeschlechts.
Fr. Was enthalten die übrigen vier Bücher Mosis?
Antw. Die Geschichte der Religion zur Zeit des Propheten Moses und das von Gott durch ihn gegebene Gesetz.
Fr. Welche sind die Geschichtsbücher des alten Testaments?
Antw. Die Bücher Josua, der Richter, Ruth, der Könige, Paralipomenon, das Buch Esdras, das Buch Nehemias und Esther.
Fr. Welche sind die Lehrbücher?
Antw. Das Buch Hiob, der Psalter und die Bücher Salomo’s.
Fr. Was ist vom Psalter insbesondere zu merken?
Antw. Er enthält zugleich mit der Religionslehre auch Andeutungen auf die Geschichte derselben und viele Prophezeiungen von Christo, dem Heilande. Er ist eine vortreffliche Anleitung zum Gebet und zur Lobpreisung Gottes, weshalb er auch beim kirchlichen Gottesdienste unablässig gebraucht wird.
Fr. Welche Bücher heißen die prophetischen?
Antw. Die Bücher der Propheten Jesaias, Jeremias, Ezechiel, Daniel und der zwölf übrigen.
Fr. Wieviel Bücher enthält das neue Testament?
Antw. Sieben und zwanzig.
Fr. Giebt es auch unter ihnen Gesetzbücher, das ist solche, die vorzugsweise die Grundlage des neuen Bundes ausmachen?
Antw. Diesen Namen kann man mit Recht dem Evangelium beilegen, das aus den vier Büchern der Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes besteht.
Fr. Was heißt das Wort Evangelium?
Antw. Es ist ein griechisches Wort und bedeutet frohe Botschaft, das ist gute oder freudige Nachricht.
Fr. Welche frohe Nachricht enthalten die Bücher, die Evangelium genannt werden?
Antw. Die von der Gottheit unseres Herrn Jesu Christi, von Seiner Herabkunft auf Erden, von Seinem Wandel hienieden, von Seinen Wunderthaten und Seiner heilbringenden Lehre, endlich von Seinem Tod am Kreuze, Seiner glorreichen Auferstehung und Himmelfahrt.
Fr. Warum sind diese Bücher das Evangelium benannt?
Antw. Weil es für die Menschen keine bessere und frohere Botschaft geben kann als die von dem göttlichen Erlöser und der ewigen Seligkeit. Daher wird auch das Ablesen des Evangeliums in der Kirche jedesmal mit dem freudigen Ausrufe eingeleitet und beschlossen: Ehre sei Dir, Herr, Ehre sei Dir.
Fr. Giebt es unter den Büchern des neuen Testaments Geschichtsbücher?
Antw. Es giebt deren, namentlich die Apostelgeschichte.
Fr. Wovon erzählt diese?
Antw. Von der Herabkunft des heiligen Geistes auf die Apostel und von der Verbreitung der christlichen Kirche durch dieselben.
Fr. Was heißt das Wort Apostel?
Antw. Es heißt Gesandter. Diesen Namen führen die auserwählten Jünger unseres Herrn Jesu Christi, die Er ausgesandt hat, das Evangelium zu verkündigen.
Fr. Welche Bücher des neuen Testaments sind Lehrbücher?
Antw. Die sieben General-Episteln: eine vom Apostel Jakobus, zwei von Petrus, drei von Johannes und eine von Judas; und die vierzehn Episteln des Apostels Paulus: eine an die Römer, zwei an die Korinther, eine an die Galater, eine an die Epheser, eine an die Philipper, eine an die Kolosser, zwei an die Thessalonicher, zwei an Timotheus, eine an Titus, eine an Philemon und eine an die Hebräer.
Fr. Giebt es unter den Büchern des neuen Testaments auch prophetische?
Antw. Ein solches Buch ist die Apokalypse.
Fr. Was bedeutet dieses Wort?
Antw. Das Wort ist griechisch und bedeutet Offenbarung.
Fr. Was enthält dieses Buch?
Antw. Eine geheimnißvolle Darstellung des zukünftigen Schicksals der christlichen Kirche und der ganzen Welt.
Fr. Was muß man beim Lesen der heiligen Schrift beobachten?
Antw. Erstens, man muß sie als Gottes Wort mit Andacht lesen und mit dem Gebete um das richtige Verständniß derselben; zweitens muß man sie in der reinen Absicht lesen, dadurch im Glauben unterrichtet und zu guten Werken angeregt zu werden; drittens muß man sie übereinstimmend mit der Erklärung der orthodoxen Kirche und der heiligen Väter verstehen.
Fr. Wenn die Kirche die Lehre der göttlichen Offenbarung und der heiligen Schrift solchen Menschen vorträgt, die sie vorher nicht kannten, welche Kennzeichen stellt sie ihnen zum Beweise auf, daß dieses das wahre Wort Gottes ist?
Antw. Diese Kennzeichen sind folgende:
- Die Erhabenheit dieser Lehre, die dafür Zeugniß giebt, daß sie nicht von dem menschlichen Verstande ersonnen worden sein kann;
- Die Reinheit dieser Lehre, welche zeigt, daß ihr Ursprung in der reinsten Vernunft Gottes ist;
- Die Weissagungen;
- Die Wunder;
- Die gewaltige Wirkung dieser Lehre auf die Gemüther der Menschen, die nur göttlicher Kraft eigen ist.
Fr. Auf welche Art dienen Weissagungen als Kennzeichen der wahren Offenbarung Gottes?
Antw. Das läßt sich durch ein Beispiel erläutern. Wenn der Prophet Jesaias die Geburt Christi unseres Heilandes von einer Jungfrau voraussagte, was der natürliche Menschenverstand nicht einmal zu denken vermochte; und wenn einige hundert Jahre nach dieser Vorhersagung unser Herr Jesus Christus von der hochheiligen Jungfrau Maria geboren wurde: so kann man nicht umhin einzusehen, daß jene Weissagung ein Wort Gottes, des Allwissenden, war, so wie die Erfüllung der Weissagung ein Werk Gottes, des Allmächtigen ist. Daher führt auch der heilige Evangelist Matthäus, wo er von der Geburt Christi berichtet, die Weissagung Jesaiä an: Dies Alles aber ist geschehen, auf daß erfüllt würde, was von dem Herrn durch den Propheten gesagt ist, da er sprach: Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und man wird ihn Emmanuel nennen, das heißt in unserer Sprache: Gott mit uns. Matth. I, 22–23.
Fr. Was sind Wunder?
Antw. Werke, die weder durch menschliche Kraft noch Kunst, sondern nur allein durch die allmächtige Kraft Gottes gewirkt werden können. Zum Beispiel: die Auferweckung eines Todten.
Fr. Wie dienen Wunder zu Kennzeichen des wahren göttlichen Wortes?
Antw. Wer wahrhafte Wunder verrichtet, der wirkt mit göttlicher Kraft; folglich ist er Gott wohlgefällig und des göttlichen Geistes theilhaftig. Solch ein Mensch aber kann nicht anders als die reine Wahrheit reden. Und deßhalb, wenn er im Namen Gottes spricht, spricht durch ihn ohne Zweifel das Wort Gottes. Deßwegen erkennt selbst unser Herr Jesus Christus die Wunder als ein wichtiges Zeugniß Seiner göttlichen Sendung an: Die Thaten, die Mir der Vater auszuführen gegeben hat, diese Thaten, die Ich verrichte, zeugen von Mir, daß Mich der Vater gesandt hat. Joh. V, 36.
Fr. Woraus läßt sich besonders die mächtige Wirksamkeit der christlichen Lehre ersehen?
Antw. Daraus, daß zwölf Apostel, aus den Armen, Ungelernten und Menschen niedrigen Standes genommen, die Starken, Weisen, Reichen, Könige und Königreiche durch diese Lehre überwunden und Christo unterthan gemacht haben.
Die Hauptbestandtheile des Katechismus.
Fr. Wie läßt sich die katechetische Religionslehre in einer regelmäßigen Anordnung ihres Inhalts darstellen?
Antw. Nach dem Beispiele des von den rechtgläubigen morgenländischen Patriarchen gutgeheißenen Buches „Orthodoxes Glaubensbekenntniß“ kann man zur Grundlage einer solchen Anordnung den Ausspruch des Apostels Paulus annehmen: daß alle Beschäftigung des Christen im gegenwärtigen Leben in diesen dreien bestehen soll: im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. Nun aber bleiben: Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei. 1 Kor. XIII, 13. Folglich ist für den Christen nothwendig: erstens die Lehre vom Glauben an Gott und an die Geheimnisse, die Er offenbart; zweitens die Lehre von der Hoffnung auf Gott und von den Mitteln, sich in ihr zu befestigen; drittens die Lehre von der Liebe zu Gott und zu Allem, was Er zu lieben befiehlt.
Fr. Auf welche Weise führt uns die Kirche in die Lehre vom Glauben ein?
Antw. Durch das Symbol des Glaubens.
Fr. Was kann als Einleitung zur Lehre von der Hoffnung dienen?
Antw. Die Aussprüche des Herrn von der Seligkeit und das Gebet des Herrn.
Fr. Wo kann man die erste Lehre von der Liebe finden?
Antw. In den zehn Geboten des göttlichen Gesetzes.
Des christlichen Katechismus erster Theil.
Vom Glauben.
Vom Symbol des Glaubens im Allgemeinen und von seinem Ursprunge.
Fr. Was ist das Glaubenssymbol?
Antw. Das Glaubenssymbol ist die in kurzen, aber genau bestimmten Worten abgefaßte Lehre von dem, woran die Christen glauben müssen.
Fr. Wie lautet wörtlich diese Lehre?
Antw. Sie lautet also:
- Ich glaube an Einen Gott, den Vater, Allbeherrscher, Schöpfer des Himmels und der Erde, alles Sichtbaren und Unsichtbaren.
- Und an Einen Herrn Jesum Christum, den Sohn Gottes, den Eingeborenen, Der vom Vater gezeugt ist vor allen Zeiten, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gotte, gezeugt, nicht erschaffen, Eines Wesens mit dem Vater, und durch Den Alles erschaffen worden;
- Der wegen uns Menschen und um unserer Erlösung willen vom Himmel herabgekommen, Fleisch geworden vom heiligen Geist und der Jungfrau Maria, und Mensch geworden ist;
- Der für uns gekreuzigt worden unter Pontius Pilatus, gelitten hat und begraben worden ist;
- Der auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift;
- Der aufgefahren ist in den Himmel und sitzt zur Rechten des Vaters;
- Der wiederkommen wird mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Todten; Dessen Reich kein Ende sein wird.
- Und an den heiligen Geist, den Herrn, den Lebendigmachenden, Der vom Vater ausgeht, Der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlicht wird, Der durch die Propheten geredet hat.
- Und an Eine heilige, allgemeine und apostolische Kirche.
- Ich bekenne Eine Taufe zur Nachlassung der Sünden;
- Ich erwarte die Auferstehung der Todten,
- und das Leben der zukünftigen Welt. Amen.
Fr. Wer hat die Glaubenslehre so abgefaßt?
Antw. Die Väter der ersten und zweiten allgemeinen Kirchenversammlung.
Fr. Was ist das, eine allgemeine Kirchenversammlung?
Antw. Es ist eine Versammlung der Hirten und Lehrer der christlichen katholischen Kirche, wo möglich vom ganzen Erdkreise, zur Befestigung der wahren Lehre und Zucht unter den Christen.
Fr. Wieviel allgemeine Kirchenversammlungen hat es gegeben?
Antw. Sieben:
- die Nicänische,
- die Konstantinopolitanische,
- die Ephesische,
- die Chalcedonische,
- die zweite Konstantinopolitanische,
- die dritte Konstantinopolitanische,
- die zweite Nicänische.
Fr. Woher stammt die Regel, Kirchenversammlungen zu berufen?
Antw. Sie stammt von dem Beispiel der Apostel her, die zu Jerusalem eine Versammlung gehalten haben. Sieh Apostelg. XV. – Einen Grund dafür giebt auch der Ausspruch Jesu Christi Selbst, welcher den Entscheidungen der Kirche eine solche Wichtigkeit beilegt, daß der, welcher ihnen nicht gehorcht, der göttlichen Gnade verlustig wird, als wäre er ein Heide. Das Mittel aber, wodurch die allgemeine Kirche ihre Entscheidungen ausspricht, ist die allgemeine Kirchenversammlung. Sage es der Kirche; wenn er aber auch die Kirche nicht hört, so mag er wie ein Heide oder Zöllner dir gelten. Matth. XVIII, 17.
Fr. Zu welchem Zwecke wurden insbesondere die erste und zweite allgemeine Kirchenversammlung berufen, auf denen das Glaubenssymbol abgefaßt wurde?
Antw. Die erste zur Befestigung der wahren Lehre von dem Sohne Gottes gegen die Irrlehre des Arius, der vom Sohne Gottes gotteslästerliche Gedanken hatte. Die zweite zur Befestigung der wahren Lehre vom heiligen Geiste gegen Macedonius, der gotteslästerliche Gedanken vom heiligen Geiste hatte.
Fr. Ist es lange her, seit diese Versammlungen gehalten worden sind?
Antw. Die erste wurde im Jahre 325, die zweite im Jahre 381 nach Christi Geburt gehalten.
Von den Artikeln des Glaubenssymbols.
Fr. Wie muß man verfahren, um das allgemeine Glaubenssymbol besser zu verstehen?
Antw. Man muß seine Eintheilung in zwölf Artikel oder Theile berücksichtigen und jeden Artikel einzeln betrachten.
Fr. Wovon handelt jeder Artikel des Glaubenssymbols im Einzelnen?
Antw. Der erste Artikel handelt von Gott überhaupt und insbesondere von der ersten Person der heiligen Dreieinigkeit, von Gott dem Vater und von Gott als dem Schöpfer der Welt.
Der zweite Artikel von der zweiten Person der heiligen Dreieinigkeit, von Jesus Christus, dem Sohne Gottes.
Der dritte Artikel von der Fleischwerdung des Sohnes Gottes.
Der vierte Artikel vom Leiden und Tode Jesu Christi.
Der fünfte Artikel von der Auferstehung Jesu Christi.
Der sechste Artikel von der Himmelfahrt Jesu Christi.
Der siebente Artikel von der Wiederkunft Jesu Christi auf Erden.
Der achte Artikel von der dritten Person der heiligen Dreieinigkeit, vom heiligen Geiste.
Der neunte Artikel von der Kirche.
Der zehnte Artikel von der Taufe, wo auch die übrigen Sacramente verstanden werden.
Der elfte Artikel von der zukünftigen Auferstehung der Todten.
Der zwölfte Artikel vom ewigen Leben.
Vom ersten Artikel.
Fr. Was heißt an Gott glauben?
Antw. An Gott glauben heißt, von Seinem Dasein, Seinen Eigenschaften und Wirkungen lebendig überzeugt sein und Sein geoffenbartes Wort von der Erlösung des Menschengeschlechts von ganzem Herzen annehmen.
Fr. Läßt sich aus der heiligen Schrift nachweisen, daß eben hierin der Glaube an Gott bestehen muß?
Antw. Der Apostel Paulus schreibt: Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, muß glauben, daß Er ist, und daß Er denen, die Ihn suchen, ein Vergelter sein wird. Hebr. XI, 6. Die Wirkung des Glaubens in den Christen stellt der Apostel in folgendem Gebete zu Gott für sie dar: Möge Er euch nach dem Reichthum Seiner Herrlichkeit verleihen, daß ihr durch Seinen Geist dem innern Menschen nach in Kraft erstarket, daß Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne. Ephes. III, 16–17.
Fr. Was muß die nächste und unfehlbare Wirkung des herzlichen Glaubens an Gott sein?
Antw. Das Bekenntniß eben dieses Glaubens.
Fr. Was heißt den Glauben bekennen?
Antw. Es heißt öffentlich gestehen, daß wir den orthodoxen Glauben halten, und zwar mit solcher Aufrichtigkeit und Standhaftigkeit, daß weder Lockungen noch Drohungen, weder Martern noch selbst der Tod uns vermögen könnten, den Glauben an den wahren Gott und an unsern Herrn Jesum Christum zu verleugnen.
Fr. Wozu ist das Bekenntniß des Glaubens nothwendig?
Antw. Der Apostel Paulus bezeugt, daß es zur Seligkeit nothwendig ist. Denn mit dem Herzen glaubt man zur Gerechtigkeit, mit dem Munde bekennt man zur Seligkeit. Röm. X, 10.
Fr. Warum wird zur Seligkeit erfordert, nicht nur zu glauben, sondern auch den orthodoxen Glauben zu bekennen?
Antw. Darum, weil derjenige, der etwa um der Erhaltung des zeitlichen Lebens oder irdischer Vortheile willen das Bekenntniß des orthodoxen Glaubens verleugnete, eben hierdurch zeigen würde, daß er nicht den wahren Glauben an Gott, den Erlöser, und an ein künftiges seliges Leben habe.
Fr. Warum heißt es im Glaubenssymbol nicht schlechthin: ich glaube an Gott; wozu der Beisatz: an Einen Gott?
Antw. Zur Widerlegung der falschen Lehre der Heiden, welche, Erschaffenes für Gott haltend, dachten, es gäbe viele Götter.
Fr. Wie lehrt die heilige Schrift von der Einheit Gottes?
Antw. Die Worte des Glaubenssymbols hierüber sind selbst folgendem Ausspruche des Apostels Paulus entnommen: Es giebt keinen andern Gott als den Einigen. Denn obgleich es sogenannte Götter sowohl im Himmel als auch auf Erden giebt (und es sind viele solcher Götter und Herren), so haben wir doch nur Einen Gott, den Vater, von Dem alle Dinge sind und wir in Ihm, und Einen Herrn Jesum Christum, durch Den alle Dinge sind und wir durch Ihn. 1 Kor. VIII, 4–6.
Fr. Kann man das Wesen Gottes Selbst erkennen?
Antw. Nein. Es ist höher denn alle Erkenntniß, nicht nur der Menschen, sondern auch der Engel.
Fr. Wie spricht hierüber die heilige Schrift?
Antw. Der Apostel Paulus sagt, daß Gott in einem unzugänglichen Lichte wohnt, und Ihn kein Mensch gesehen hat noch sehen kann. 1. Tim. VI, 16.
Fr. Welcher Begriff von dem Wesen und den wesentlichen Eigenschaften Gottes läßt sich aus der göttlichen Offenbarung schöpfen?
Antw. Gott ist ein Geist, ewig, allgütig, allwissend, allgerecht, allmächtig, allgegenwärtig, unwandelbar, allgenugsam, allselig.
Fr. Wie läßt sich das Alles aus der heiligen Schrift nachweisen?
Antw. Jesus Christus Selbst hat gesagt, daß Gott ein Geist ist. Joh. IV, 24.
Von der Ewigkeit Gottes sagt David: Ehe die Berge erzeugt waren und die Erde und das All erschaffen wurden, und von Ewigkeit zu Ewigkeit bist Du, Gott. Psalm XC, 2.
In der Apokalypse lesen wir folgende Lobpreisung Gottes: Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allbeherrscher, Der da war, Der da ist und Der da kommt. Apok. IV, 8.
Der Apostel Paulus sagt, das Evangelium sei verkündigt auf Befehl des ewigen Gottes. Röm. XVI, 26.
Von Gottes Güte hat Jesus Christus Selbst gesagt: Niemand ist gut als nur Einer, Gott. Matth. XIX, 17.
Der Apostel Johannes sagt: Gott ist die Liebe. 1 Joh. IV, 16.
David singt: Barmherzig und gnädig ist der Herr, langmüthig und von großer Gnade. Gütig ist der Herr gegen Alle, und Sein Erbarmen erstreckt sich über alle Seine Werke. Psalm CXLV, 8–9.
Von der Allwissenheit Gottes sagt der Apostel Johannes: Gott ist größer denn unser Herz, und Er kennt Alles. 1 Joh. III, 20.
Der Apostel Paulus ruft aus: O Tiefe des Reichthums und der Weisheit und der Erkenntniß Gottes! Wie unerforschlich sind Seine Gerichte, und wie unergründlich sind Seine Wege! Röm. XI, 33.
Von der Gerechtigkeit Gottes singt David: Gerecht ist der Herr und hat Gerechtigkeit lieb; Sein Angesicht schaut auf den Gerechten. Psalm XI, 7.
Der Apostel Paulus sagt, daß Gott Jedem nach seinen Werken vergelten wird, und daß bei Gott kein Ansehen der Person gilt. Röm. II, 6–11.
Von der Allmacht Gottes sagt der Psalmist: Er sprach, und es geschah; Er befahl, und es stand da. Psalm XXXIII, 9.
Der Erzengel sagt im Evangelium: Bei Gott ist kein Ding unmöglich. Luk. I, 37.
Die Allgegenwart Gottes stellt David also dar: Wohin soll ich gehen vor Deinem Geiste, und wohin soll ich fliehen vor Deinem Angesichte? Stiege ich zum Himmel hinauf, so bist Du da; bettete ich mich in die Unterwelt – siehe, da bist Du. Erhöbe ich mich mit den Flügeln der Morgenröthe und ließe mich am äußersten Rande des Meeres nieder, so würde auch dort Deine Hand mich führen und Deine Rechte mich halten. Spräche ich: Nun, so soll die Finsterniß mich decken, so ist doch die Nacht lichtvoll um mich her; denn auch die Finsterniß verfinstert nicht vor Dir, und die Nacht leuchtet wie der Tag; Finsterniß ist wie Licht. Psalm CXXXIX, 7–12.
Der Apostel Jacobus schreibt, daß bei dem Vater der Lichter keine Veränderung, nicht einmal ein Schatten von Wechsel stattfindet. Jac. I, 17.
Der Apostel Paulus sagt, daß Gott nicht von Menschenhänden bedient wird, als bedürfte Er etwas; Er Selbst ist es, Der Allen Leben, Odem und Alles giebt. Apostelg. XVII, 25.
Eben derselbe nennt Gott den Seligen und allein Mächtigen, den König der Könige und Herrn der Herren. 1 Tim. VI, 15.
Fr. Wenn Gott ein Geist ist, wie kann Ihm denn die heilige Schrift leibliche Glieder, z. B. ein Herz, Augen, Ohren, Hände beilegen?
Antw. Die heilige Schrift läßt sich hierin zu der gewöhnlichen menschlichen Sprache herab, aber es muß in einem höheren, geistigen Sinne aufgefaßt werden. Z. B. das Herz Gottes bedeutet die göttliche Güte oder Liebe; die Augen und Ohren bedeuten die Allwissenheit, die Hände die Allmacht.
Fr. Wenn Gott überall ist, warum sagt man denn, daß Gott im Himmel oder im Tempel ist?
Antw. Gott ist überall; aber im Himmel ist Seine besondere Gegenwart, eine solche, die in ewiger Herrlichkeit den seligen Geistern offenbar ist; in den Tempeln aber ist Seine besondere Gegenwart eine gnadenspendende und geheimnißvolle, die von den Gläubigen andächtig erkannt und empfunden wird und manchmal in besonderen Zeichen sich offenbart. Jesus Christus sagt: Wo irgend zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin Ich mitten unter ihnen. Matth. XVIII, 20.
Fr. Wie sind die Worte des Symbols: ich glaube an Einen Gott, den Vater, zu verstehen?
Antw. Das muß man in Beziehung auf das Geheimniß der heiligen Dreieinigkeit verstehen; denn Gott ist Einer nach dem Wesen, aber in drei Personen: Vater, Sohn und heiliger Geist, eine einwesentliche und untheilbare Dreieinigkeit.
Fr. Wie lautet es von der heiligen Dreieinigkeit in der heiligen Schrift?
Antw. Die vorzüglichsten Aussprüche hierüber im neuen Testamente sind folgende: Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Matth. XXVIII, 19. – Drei sind, die im Himmel Zeugniß geben: der Vater, das Wort und der heilige Geist; und diese drei sind Eins. 1 Joh. V, 7.
Fr. Ist auch im alten Testamente von der heiligen Dreieinigkeit die Rede?
Antw. Allerdings, nur nicht so deutlich. Zum Beispiel: Durch das Wort des Herrn sind die Himmel gemacht, und durch den Geist Seines Mundes ihr ganzes Heer. Psalm XXXIII, 6. – Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; die ganze Erde ist Seiner Herrlichkeit voll. Jesaias VI, 3.
Fr. Wie ist aber Ein Gott in drei Personen?
Antw. Wir begreifen dies innere Geheimniß der Gottheit nicht, sondern glauben daran auf das untrügliche Zeugniß des göttlichen Wortes. Niemand weiß, was in Gott ist, außer der Geist Gottes. 1 Kor. II, 11.
Fr. Was für ein Unterschied ist unter den Personen der heiligen Dreieinigkeit?
Antw. Gott der Vater wird nicht gezeugt und geht auch von keiner andern Person aus. Gottes Sohn wird von Ewigkeit her vom Vater gezeugt; der heilige Geist geht von Ewigkeit her vom Vater aus.
Fr. Haben diese drei Hypostasen oder Personen der allerheiligsten Dreieinigkeit gleiche Würde?
Antw. Vollkommen gleiche göttliche Würde. So wie der Vater wahrer Gott ist, ebenso ist auch der Sohn wahrer Gott, und der heilige Geist wahrer Gott; aber so, daß in den drei Hypostasen nur ein Einiger, dreipersönlicher Gott ist.
Fr. Warum heißt Gott der Allbeherrscher?
Antw. Darum, weil Er Alles, was ist, in Seiner Kraft und in Seinem Willen hält.
Fr. Was drücken die Worte des Symbols aus: Schöpfer des Himmels und der Erde, alles Sichtbaren und Unsichtbaren?
Antw. Daß Alles von Gott erschaffen ist und Nichts ohne Gott sein kann.
Fr. Sind diese Worte nicht aus der heiligen Schrift genommen?
Antw. Ja. Das erste Buch Mosis beginnt mit den Worten: Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde. Der Apostel Paulus sagt von Jesus Christus, dem Sohne Gottes: Durch Ihn ist Alles erschaffen, was im Himmel und auf Erden, was sichtbar und unsichtbar ist, seien es Throne oder Herrschaften oder Fürstenthümer oder Gewalten; Alles ist durch Ihn und zu Ihm erschaffen. Koloss. I, 16.
Fr. Was muß man im Glaubenssymbol unter dem Unsichtbaren verstehen?
Antw. Die unsichtbare oder geistige Welt, zu welcher die Engel gehören.
Fr. Was sind das, Engel?
Antw. Geister ohne Körper, begabt mit Vernunft, Willen und Macht.
Fr. Was bedeutet der Name Engel?
Antw. Er bedeutet einen Boten.
Fr. Warum werden die Engel also genannt?
Antw. Weil Gott sie aussendet, Seinen Willen zu verkünden. So ward z. B. Gabriel gesandt, der hochheiligen Jungfrau Maria die Empfängniß des Heilandes vorherzuverkünden.
Fr. Was ist eher erschaffen worden, das Sichtbare oder das Unsichtbare?
Antw. Das Unsichtbare eher als das Sichtbare, die Engel eher als die Menschen. Orthodox. Glaubensbekenntniß, 1 Th. 18.
Fr. Kann man in der heiligen Schrift ein Zeugniß hierüber finden?
Antw. Im Buche Hiob redet Gott Selbst von der Erschaffung der Erde also: Wer hat ihren Eckstein gelegt beim Jubel aller Morgensterne, da alle Söhne Gottes jauchzten? Hiob XXXVIII, 6–7.
Fr. Woher ist der Name Schutzengel entnommen?
Antw. Aus folgenden Worten der heiligen Schrift: Seinen Engeln befiehlt Er deinetwegen, Dich zu bewahren auf allen Deinen Wegen. Psalm XCI, 11.
Fr. Hat ein Jeder von uns seinen Schutzengel?
Antw. Ohne Zweifel. Hievon kann man sich aus folgenden Worten Jesu Christi überzeugen: Nehmet euch in Acht, daß ihr keinen von diesen Kleinen gering achtet; denn Ich sage euch: ihre Engel im Himmel schauen allezeit das Angesicht meines himmlischen Vaters. Matth. XVIII, 10.
Fr. Sind alle Engel gut und wohlthätig?
Antw. Nein. Es giebt auch böse Engel, die man sonst auch Teufel nennt.
Fr. Woher kommt ihre Bosheit?
Antw. Bei ihrer Erschaffung waren sie gut; aber sie verletzten die Pflicht des vollkommenen Gehorsams gegen Gott, fielen auf diese Weise von Ihm ab und verfielen in Eigenliebe, Stolz und Bosheit. Nach dem Ausspruche des Apostels Judas sind es Engel, welche ihre ursprüngliche Würde nicht behauptet, sondern ihren Wohnort verlassen haben. Jud. 6.
Fr. Was ist das für ein Wort, Teufel?
Antw. Das Wort Teufel, im Griechischen Diabolos, bedeutet einen Verleumder oder Verführer.
Fr. Warum heißen die bösen Engel Teufel, das ist Verleumder oder Verführer?
Antw. Weil sie die Menschen zu verleumden und ihnen durch allerlei Blendwerk lügenhafte Gedanken und böse Wünsche einzugeben suchen. Jesus Christus sagt in dieser Beziehung zu den ungläubigen Juden: Ihr seid eures Vaters, des Teufels, und die Wünsche eures Vaters möchtet ihr gerne vollziehen. Von Anfang an war er ein Menschenmörder und bestand nicht in der Wahrheit, denn in ihm ist keine Wahrheit; wenn er lügt, so spricht er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und ein Vater der Lüge. Joh. VIII, 44.
Fr. Was hat uns die heilige Schrift von der Erschaffung der Welt geoffenbart?
Antw. Im Anfang schuf Gott aus Nichts Himmel und Erde. Die Erde war wüst und öde. Dann schuf Gott nacheinander: am ersten Tage der Welt das Licht; am zweiten Tage die Veste oder den sichtbaren Himmel; am dritten die Wasserbehälter der Erde, das Trockene und die Gewächse; am vierten die Sonne, den Mond und die Sterne; am fünften die Fische und Vögel; am sechsten die vierfüßigen Thiere, die auf dem trockenen Lande wohnen, und zuletzt den Menschen. Mit dem Menschen war die Schöpfung vollendet, und am siebenten Tage ruhte Gott von allen Seinen Werken. Deßwegen ist der siebente Tag Sabbath genannt, was im Hebräischen Ruhe bedeutet. Sieh Genesis II, 2.
Fr. Sind die sichtbaren Geschöpfe so erschaffen worden, wie wir sie jetzt sehen?
Antw. Nein. Bei der Erschaffung war Alles sehr gut, d. i. rein, schön und unschädlich.
Fr. Ist uns nicht von der Erschaffung des Menschen irgend etwas Besonderes bekannt?
Antw. Gott in der heiligen Dreieinigkeit sprach: Lasset Uns den Menschen erschaffen nach Unserm Ebenbilde und nach der Aehnlichkeit mit Uns. Gen. I, 26. Und Gott schuf den Leib des ersten Menschen, Adam, aus Erde, blies ihm den Lebensodem in die Nase, führte ihn ins Paradies, gab ihm zur Nahrung, außer den andern Früchten des Paradieses, die Früchte vom Baume des Lebens, und nahm zuletzt von ihm, während er schlief, eine Rippe und schuf daraus das erste Weib, Eva. Sieh Gen. II, 22.
Fr. Worin besteht das Ebenbild Gottes?
Antw. Es besteht nach der Erklärung des Apostels Paulus in der Gerechtigkeit und Heiligkeit der Wahrheit. Ephes. IV, 24.
Fr. Was ist das, der Lebensodem?
Antw. Die Seele, das geistige und unsterbliche Wesen.
Fr. Was ist denn das Paradies?
Antw. Das Wort Paradies bedeutet Garten. So wird der schöne selige Wohnort des ersten Menschen genannt, welcher im ersten Buche Mosis als einem Garten ähnlich beschrieben wird.
Fr. War das Paradies, in welchem die ersten Menschen wohnten, ein materielles oder geistiges?
Antw. Für den Körper war es ein materielles, als ein sichtbarer, seliger Wohnort; aber für die Seele ein geistiges, als ein Zustand der gnadenvollen Gemeinschaft mit Gott und der geistigen Anschauung der geschaffenen Dinge. Sieh Gregorius Theologus, Red. 38, 42; Joh. Damasc. Theologiae lib. 2, cap. XII, 3.
Fr. Was ist der Baum des Lebens?
Antw. Ein Baum mit solchen Früchten, daß, wenn sich der Mensch von denselben nährte, er auch dem Körper nach von Krankheit und Tod befreit wäre.
Fr. Warum ward Eva aus einer Rippe Adams gebaut?
Antw. Damit das ganze Menschengeschlecht seiner Abstammung nach Ein Leib sei und deßhalb auch die Menschen natürlich geneigt seien, einander zu lieben und zu beschützen.
Fr. Zu welchem Zwecke schuf Gott den Menschen?
Antw. Dazu, daß er Gott erkenne, Ihn liebe und verherrliche und dadurch ewig selig werde.
Fr. Hat der göttliche Rathschluß von der Bestimmung des Menschen zur ewigen Seligkeit nicht eine besondere Benennung in der Religionslehre?
Antw. Er heißt die göttliche Vorherbestimmung.
Fr. Bleibt denn die göttliche Vorherbestimmung des Menschen zur Seligkeit unwandelbar, wenn wir auch gegenwärtig sehen, daß der Mensch nicht selig ist?
Antw. Sie bleibt unwandelbar; denn Gott hat nach Seinem Vorherwissen und nach Seiner unendlichen Barmherzigkeit vorherbestimmt, auch für den vom Wege der Seligkeit abgewichenen Menschen einen neuen Weg zur Seligkeit zu eröffnen durch Seinen Eingebornen Sohn, Jesum Christum. Er hat uns in Ihm erwählt vor Grundlegung der Welt, sagt der Apostel Paulus. Ephes. I, 4.
Fr. Wie muß man die Vorherbestimmung Gottes in Beziehung auf die Menschen überhaupt und auf Jeden insbesondere verstehen?
Antw. Gott hat vorherbestimmt, die vorbereitende Gnade und sichere Mittel zur Erlangung der Seligkeit allen Menschen zu verleihen, und verleiht sie ihnen wirklich; diejenigen aber, welche die von Ihm geschenkte Gnade freiwillig annehmen, die von Ihm verliehenen Heilsmittel benutzen und auf dem von Ihm vorgezeichneten Pfade der Seligkeit wandeln, die hat Gott eigentlich zur Seligkeit vorherbestimmt.
Fr. Was sagt das Wort Gottes hierüber?
Antw. Welche Er vorhererkannt hat, die hat Er auch vorherbestimmt. Röm. VIII, 29.
Fr. Wie erklärt sich hierüber die orthodoxe Kirche?
Antw. In der Glaubensdarlegung der orientalischen Patriarchen heißt es: Weil Er vorhergesehen, daß die Einen ihren freien Willen zum Guten, die Andern aber zum Bösen gebrauchen werden, so hat Er deßhalb die Einen zur Herrlichkeit vorherbestimmt, die Andern aber verdammt. Artik. 3.
Fr. Welche Wirksamkeit Gottes in Bezug auf die Welt und auf den Menschen insbesondere folgt unmittelbar auf die Erschaffung der Welt und des Menschen?
Antw. Die göttliche Vorsehung.
Fr. Was ist die göttliche Vorsehung?
Antw. Die göttliche Vorsehung ist die beständige Wirksamkeit der Weisheit und Güte Gottes, wodurch Gott das Dasein und die Kräfte der Geschöpfe erhält, sie zu guten Zwecken lenkt, jegliches Gute durch Seinen Beistand fördert, das Böse aber, das durch Abkehr vom Guten entsteht, hemmt oder bessert und in gute Folgen ausschlagen läßt.
Fr. Wie spricht die heilige Schrift von der göttlichen Vorsehung?
Antw. Jesus Christus Selbst sagt: Seht auf die Vögel unter dem Himmel; sie säen nicht, ernten nicht, sammeln nicht in Scheunen, und doch ernährt sie euer himmlischer Vater; seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Matth. VI, 26. Aus diesem Ausspruche ersieht man sowohl die allgemeine Vorsehung Gottes für Seine Geschöpfe, als auch Seine besondere für den Menschen. Der ganze 91. Psalm ist eine Darstellung der besonderen und mannigfaltigen Fürsorge Gottes für den Menschen.
Vom zweiten Artikel.
Fr. Wie sind die Namen: Jesus Christus, Sohn Gottes, zu verstehen?
Antw. Sohn Gottes wird die zweite Person der heiligen Dreieinigkeit ihrer Gottheit nach genannt. Derselbe Sohn Gottes erhielt den Namen Jesus, da Er auf Erden als Mensch geboren wurde. Christus nannten Ihn die Propheten, da sie noch Seiner Herabkunft auf Erden entgegenharrten.
Fr. Was bedeutet der Name Jesus?
Antw. Erlöser.
Fr. Von wem ward Jesus dieser Name gegeben?
Antw. Vom Engel Gabriel.
Fr. Warum wurde dem Sohne Gottes bei Seiner Geburt auf Erden dieser Name gegeben?
Antw. Weil Er geboren ward, die Menschen zu erlösen.
Fr. Was bedeutet der Name Christus?
Antw. Einen Gesalbten.
Fr. Woher stammt der Name eines Gesalbten?
Antw. Von der Salbung mit dem heiligen Myron, wodurch die Gaben des heiligen Geistes mitgetheilt werden.
Fr. Wird Jesus, der Sohn Gottes, allein ein Gesalbter genannt?
Antw. Nein. Von Alters her nannte man Gesalbte die Könige, Hohenpriester und Propheten.
Fr. Warum wird denn Jesus, der Sohn Gottes, ein Gesalbter genannt?
Antw. Weil Seiner Menschheit alle Gaben des heiligen Geistes in maßloser Fülle mitgetheilt waren und Ihm deßhalb im höchsten Grade das Wissen eines Propheten, die Heiligkeit eines Hohenpriesters und die Macht eines Königs zukommen.
Fr. In welchem Sinne wird Jesus Christus der Herr genannt?
Antw. In dem Sinne, weil Er wahrer Gott ist. Denn der Name Herr ist einer von den Namen Gottes.
Fr. Was sagt die heilige Schrift von der Gottheit Jesu Christi, des Sohnes Gottes?
Antw. Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Joh. I, 1.
Fr. Warum wird Jesus Christus Gottes Eingeborner Sohn genannt?
Antw. Hiedurch wird angedeutet, daß Er der Einzige Sohn Gottes ist, gezeugt aus dem Wesen Gottes des Vaters, und daher Eines Wesens mit Gott dem Vater; Er steht mithin ohne allen Vergleich höher als alle heiligen Engel und heiligen Menschen, die Gottes Kinder genannt werden vermöge der ihnen verliehenen Gnade. Sieh Joh. I, 12.
Fr. Wird Jesus Christus in der heiligen Schrift der Eingeborne genannt?
Antw. Allerdings. Zum Beispiel in folgenden Aussprüchen des Evangelisten Johannes: Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen Seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingebornen vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Joh. I, 14. Niemand hat je Gott gesehen; der Eingeborne Sohn, Der im Schooße des Vaters ist, Der hat Ihn bekannt gemacht. Joh. I, 18.
Fr. Warum heißt es ferner im Glaubenssymbole vom Sohne Gottes, daß Er vom Vater gezeugt ist?
Antw. Es wird hiedurch jene persönliche Eigenschaft ausgedrückt, durch welche Er Sich von den andern Personen der heiligen Dreieinigkeit unterscheidet.
Fr. Warum heißt es, daß Er gezeugt ist vor allen Zeiten?
Antw. Damit nicht Jemand meine, daß es eine Zeit gegeben habe, da Er nicht war. Mit andern Worten, es wird hiedurch ausgedrückt, daß Jesus Christus eben so ewiger Sohn Gottes ist, als Gott der Vater ewig ist.
Fr. Was bedeuten im Glaubenssymbole die Worte: Licht vom Lichte?
Antw. Durch das Gleichniß mit dem sichtbaren Lichte erklären sie einigermaßen die unbegreifliche Zeugung des Sohnes Gottes vom Vater. Wenn wir zur Sonne aufblicken, so sehen wir Licht, und von diesem Lichte wird das Licht erzeugt, das allenthalben unter der Sonne sichtbar ist; aber das eine und das andere Licht ist Ein Licht, es ist untrennbar, einer und derselben Natur. Auf ähnliche Weise ist Gott der Vater das ewige Licht (1 Joh. I, 5); von Ihm wird der Sohn Gottes gezeugt, der ebenfalls das ewige Licht ist; aber Gott Vater und Gottes Sohn sind das Eine, ewige Licht, das untrennbare, Einer göttlichen Natur.
Fr. Was für eine Bedeutung liegt in den Worten des Glaubenssymbols: wahrer Gott vom wahren Gotte?
Antw. Die, daß Gottes Sohn in demselben wahren Sinne Gott genannt wird, wie Gott der Vater.
Fr. Sind diese Worte aus der heiligen Schrift?
Antw. Ja, sie sind folgendem Ausspruche Johannis des Theologen entnommen: Wir wissen auch, daß der Sohn Gottes gekommen ist und uns Einsicht gegeben hat, damit wir den Wahrhaftigen erkennen und in dem Wahrhaftigen, in Seinem Sohne Jesu Christo, seien. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. 1 Joh. V, 20.
Fr. Warum steht in dem Glaubenssymbole vom Sohne Gottes noch der Zusatz, daß Er gezeugt, nicht erschaffen ist?
Antw. Dieser Zusatz ist gegen Arius gerichtet, der die gotteslästerliche Lehre vortrug, der Sohn Gottes sei erschaffen.
Fr. Was bedeuten die Worte: Eines Wesens mit dem Vater?
Antw. Sie besagen so viel als: der Sohn Gottes ist eines und desselben göttlichen Wesens mit Gott dem Vater.
Fr. Wie drückt sich die heilige Schrift darüber aus?
Antw. Jesus Christus Selbst spricht von Sich und von Gott dem Vater also: Ich und der Vater sind Eins. Joh. X, 30.
Fr. Was besagen die Worte des Symbols: durch Den Alles erschaffen worden?
Antw. Sie besagen, daß Gott der Vater Alles erschaffen hat durch Seinen Sohn, als durch Seine ewige Weisheit und Sein ewiges Wort. Alles ist durch Dasselbe gemacht, und ohne Dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. Joh. I, 3.
Vom dritten Artikel.
Fr. Von wem wird im Glaubenssymbole gesagt, daß Er vom Himmel herabgekommen?
Antw. Vom Sohne Gottes.
Fr. Wie ist Er aber vom Himmel herabgekommen, wenn Er als Gott allgegenwärtig ist?
Antw. Es ist wahr, daß Er allgegenwärtig ist und daher stets im Himmel und auch stets auf Erden ist; aber auf Erden war Er vordem unsichtbar, nachher hingegen erschien Er im Fleische; in diesem Sinne wird gesagt, Er sei vom Himmel herabgekommen.
Fr. Wie lautet es hierüber in der heiligen Schrift?
Antw. Die eigenen Worte Jesu Christi hierüber sind: Keiner ist in den Himmel gestiegen, als der vom Himmel herabgekommen ist, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist. Joh. III, 13.
Fr. Warum ist der Sohn Gottes vom Himmel herabgekommen?
Antw. Wegen uns Menschen und um unserer Erlösung willen, wie es im Glaubenssymbole heißt.
Fr. In welchem Sinne heißt es dort, daß der Sohn Gottes wegen uns Menschen vom Himmel herabgekommen ist?
Antw. In dem Sinne, daß Er auf die Erde gekommen ist, nicht irgend eines Volkes und nicht einiger Menschen wegen, sondern wegen uns Menschen insgesamt.
Fr. Wovon namentlich die Menschen zu erlösen ist der Sohn Gottes auf die Erde gekommen?
Antw. Von der Sünde, vom Fluch und vom Tode.
Fr. Was ist die Sünde?
Antw. Eine Uebertretung des Gesetzes. Die Sünde ist eine Uebertretung des Gesetzes. 1 Joh. III, 4.
Fr. Woher stammt in den Menschen die Sünde, da sie doch nach dem Ebenbilde Gottes erschaffen sind, und Gott nicht sündigen kann?
Antw. Vom Teufel. Wer sündigt, der ist vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. 1 Joh. III, 8.
Fr. Wie ging die Sünde vom Teufel zu den Menschen über?
Antw. Der Teufel verführte Eva und Adam und verleitete sie, das Gebot Gottes zu übertreten.
Fr. Was für ein Gebot?
Antw. Gott gab dem Adam im Paradiese das Gebot, daß er von den Früchten des Baumes der Erkenntniß des Guten und Bösen nicht essen sollte, und sagte ihm noch überdies, daß er, wenn er davon äße, des Todes sterben würde.
Fr. Warum war der Genuß von der Frucht dieses Baumes todbringend für den Menschen?
Antw. Weil er mit dem Ungehorsam gegen den göttlichen Willen verbunden war und auf diese Art den Menschen von Gott und Seiner Gnade losriß und dem göttlichen Leben entfremdete.
Fr. Inwiefern paßt die Benennung: Baum der Erkenntniß des Guten und Bösen auf ihren Gegenstand?
Antw. Sie paßt deßwegen, weil der Mensch durch diesen Baum in der That erfahren hat, welches Gut im Gehorsam gegen den göttlichen Willen liegt und welches Uebel in der Widersetzlichkeit gegen denselben.
Fr. Wie konnten Adam und Eva wider Gottes Willen dem Teufel Gehör geben?
Antw. Gott hatte nach Seiner Güte dem Menschen bei dessen Erschaffung einen von Natur Gott zu lieben geneigten, aber dabei freien Willen verliehen, und diese Freiheit gebrauchte der Mensch zum Bösen.
Fr. Wie hat der Teufel Adam und Eva verführt?
Antw. Eva sah im Paradiese eine Schlange, die sie versicherte, daß, wenn die Menschen von den Früchten des Baumes der Erkenntniß des Guten und Bösen äßen, sie das Gute und das Böse erkennen und wie Gott sein würden. Eva ließ sich durch dieses Versprechen und durch die Schönheit der Früchte verführen und aß. Adam aß nach ihrem Beispiele.
Fr. Was hatte die Sünde Adams zur Folge?
Antw. Den Fluch und den Tod.
Fr. Was ist das, der Fluch?
Antw. Es ist die von dem gerechten Gerichte Gottes über die Sünde ausgesprochene Verdammniß und das auf Erden von der Sünde herstammende Uebel den Menschen zur Strafe. Gott sagte zu Adam: Verflucht sei die Erde um deinetwillen. Gen. III, 17.
Fr. Was für ein Tod folgte aus Adams Sünde?
Antw. Ein zweifacher: der leibliche, wenn der Leib der Seele beraubt wird, die ihn belebte; und der geistige, wenn die Seele der göttlichen Gnade beraubt wird, die ihr das höhere geistige Leben gab.
Fr. Kann denn auch die Seele sterben, wie der Leib stirbt?
Antw. Sie kann wohl sterben, aber nicht so wie der Leib. Dieser, wenn er stirbt, verliert die Empfindung und verweset; aber die Seele, wenn sie durch die Sünde stirbt, wird des geistigen Lichtes, der Freude und Seligkeit verlustig, wird aber weder zerstört noch vernichtet, sondern bleibt im Zustande der Finsterniß, der Trauer und des Leidens.
Fr. Warum sind nicht die ersten Menschen allein gestorben, warum sterben alle Menschen?
Antw. Deßwegen, weil sie alle von Adam abstammen, der von der Sünde vergiftet war und selbst sündigen. Gleich wie aus einer vergifteten Quelle natürlicher Weise ein vergifteter Strom fließt, so stammt auch von einem Stammvater, der durch die Sünde vergiftet und deßhalb sterblich war, natürlicher Weise eine Nachkommenschaft, die ebenfalls von der Sünde vergiftet und deßhalb sterblich ist.
Fr. Wie lautet hierüber die heilige Schrift?
Antw. Durch Einen Menschen kam die Sünde in die Welt, und durch die Sünde der Tod, und also verbreitete sich der Tod über alle Menschen: in ihm haben alle gesündigt. Röm. V, 12.
Fr. Waren die Früchte vom Baume des Lebens dem Menschen nach der Sünde gedeihlich?
Antw. Nach der Sünde konnte er nicht mehr davon genießen, denn er ward aus dem Paradiese verstoßen.
Fr. Blieb den Menschen damals noch irgend eine Hoffnung auf Erlösung?
Antw. Als die ersten Menschen ihre Sünde vor Gott bekannten, so gab ihnen Gott nach Seiner Barmherzigkeit Hoffnung auf Erlösung.
Fr. Worin bestand diese Hoffnung?
Antw. Gott verhieß, daß der Same des Weibes der Schlange den Kopf zertreten werde. Gen. III, 15.
Fr. Was will das sagen?
Antw. Daß Jesus Christus den Teufel, den Verführer der Menschen, besiegen und sie von der Sünde, vom Fluch und vom Tode befreien werde.
Fr. Warum wird Jesus Christus der Same des Weibes genannt?
Antw. Weil Er auf Erden ohne Mann von der hochheiligen Jungfrau Maria geboren wurde.
Fr. Welchen Nutzen hatte diese Verheißung?
Antw. Den Nutzen, daß die Menschen seit dieser Verheißung zu ihrem Heile an den kommenden Erlöser glauben konnten, gleichwie wir jetzt an den Gekommenen glauben.
Fr. Glaubten die Menschen in den Zeiten des Alterthums in der That an einen kommenden Erlöser?
Antw. Nicht Viele; die Meisten vergaßen die Verheißung Gottes vom Erlöser.
Fr. Hat Gott diese Verheißung nicht wiederholt?
Antw. Mehr als einmal. So z. B. gab Gott diese Verheißung dem Abraham in folgenden Worten: Durch deinen Samen sollen alle Völker der Erde gesegnet werden. Gen. XXII, 18. Dieselbe Verheißung wiederholte Er später dem David in folgenden Worten: Ich will deinen Samen aufrichten nach dir und Seinen Thron befestigen auf ewige Zeiten. 2. Kön. VII, 12–13.
Fr. Was versteht man unter dem Worte Fleischwerdung?
Antw. Daß der Sohn Gottes einen menschlichen Leib, jedoch ohne Sünde, angenommen hat und Mensch geworden ist, ohne aufzuhören Gott zu sein.
Fr. Woher ist der Ausdruck Fleischwerdung genommen?
Antw. Von den Worten des Evangelisten Johannes: Das Wort ward Fleisch. Joh. I, 14.
Fr. Warum wird im Glaubenssymbole, nachdem vom Sohne Gottes gesagt ist, daß Er Fleisch geworden, noch hinzugefügt, daß Er Mensch geworden ist?
Antw. Damit nicht irgend Jemand meinen möge, der Sohn Gottes habe nur das Fleisch oder den Leib angenommen, sondern damit man in Ihm einen vollkommenen Menschen, aus Leib und Seele bestehend, anerkenne.
Fr. Hat man dafür ein Zeugniß der heiligen Schrift?
Antw. Der Apostel Paulus schreibt: Es ist Ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus. 1. Tim. II, 5.
Fr. Ist also nur Eine Natur in Jesu Christo?
Antw. Nein, in Ihm sind untrennbar und unvermischt zwei Naturen, die göttliche und die menschliche, und diesen zwei Naturen gemäß auch zwei Willen.
Fr. Sind es demnach nicht auch zwei Personen?
Antw. Nein, Eine Person, Gott und Mensch zugleich, mit einem Worte: ein Gottmensch.
Fr. Was sagt die heilige Schrift über die Fleischwerdung des Sohnes Gottes vom heiligen Geiste und Maria der Jungfrau?
Antw. Der Evangelist Lukas berichtet, daß, als die Jungfrau Maria den Engel, der Ihr die Empfängniß Jesu verkündigte, fragte: wie soll das zugehen, da ich von keinem Manne weiß? der Engel Ihr zur Antwort gab: der heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das von dir geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Luk. I, 34–35.
Fr. Wer war die Jungfrau Maria?
Antw. Eine heilige Jungfrau aus dem Geschlechte Abrahams und Davids, aus welchem Geschlechte nach der göttlichen Verheißung der Erlöser hervorgehen sollte; sie war verlobt mit Joseph aus demselben Geschlechte, damit sie an ihm einen Beschützer hätte, denn sie war Gott geweiht mit dem Gelübde, stets Jungfrau zu bleiben.
Fr. Ist die hochheilige Maria in der That stets Jungfrau geblieben?
Antw. Sie blieb und bleibt Jungfrau vor, während und nach der Geburt des Heilandes, und deßhalb wird sie auch die Immerjungfrau genannt.
Fr. Mit welchem großen Namen ehrt die orthodoxe Kirche sonst noch die hochheilige Jungfrau Maria?
Antw. Mit dem Namen Gottesgebärerin.
Fr. Läßt sich der Ursprung dieser Benennung in der heiligen Schrift aufzeigen?
Antw. Sie ist aus folgenden Worten des Propheten Jesaias genommen: Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und wird Ihn nennen Emmanuel (Gott mit uns). Jes. VII, 14. Auch die gerechte Elisabeth nennt die hochheilige Jungfrau die Mutter des Herrn. Dieser Name aber ist gleichbedeutend mit dem Namen Gottesgebärerin: Woher geschieht mir das, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Luk. I, 43.
Fr. In welchem Sinne wird die hochheilige Jungfrau Gottesgebärerin genannt?
Antw. Obwohl Jesus Christus nicht Seiner Gottheit nach, denn diese ist ewig, sondern Seiner Menschheit nach von ihr geboren wurde, so ist sie doch würdiger Weise Gottesgebärerin genannt, weil der von ihr Geborne, selbst in der Empfängniß und Geburt von ihr, wahrer Gott war, wie Er es denn immer ist.
Fr. Was muß man von der hohen Würde der heiligen Jungfrau Maria halten?
Antw. Als Mutter des Herrn übertrifft sie an Gnade und Nähe bei Gott, folglich auch an Würde, jedes erschaffene Wesen, und deßhalb wird sie auch von der orthodoxen Kirche höher als die Cherubim und Seraphim verehrt.
Fr. Was muß man noch in Betreff der Geburt Jesu von der hochheiligen Gottesgebärerin bemerken?
Antw. Daß diese Geburt, weil sie vollkommen heilig und der Sünde fremd war, auch schmerzlos vor sich ging; denn nur als Strafe für die Sünde hatte Gott bestimmt, daß Eva ihre Kinder in Schmerzen gebären solle. Sieh Joh. Damasc. Theol. lib. 4, cap. 14.
Fr. Welche Zeichen waren durch die göttliche Vorsehung vorbereitet worden, damit die Menschen den Heiland, als Er ihnen geboren ward, erkennen möchten?
Antw. Viele genaue Vorhersagungen von verschiedenen Umständen Seiner Geburt und Seines Erdenlebens. Z. B. der Prophet Jesaias sagte vorher, der Heiland werde von einer Jungfrau geboren werden. Jes. VII, 14. Der Prophet Micha sagte vorher, der Heiland werde zu Bethlehem geboren werden, und diese Weissagung verstanden die Juden, noch ehe sie die wirkliche Erfüllung derselben erfuhren. Matth. II, 4–6. Der Prophet Malachias prophezeite nach dem Baue des zweiten Tempels zu Jerusalem, daß die Ankunft des Erlösers nahe sei, daß Er in diesen Tempel kommen, und daß Ihm ein Vorläufer, dem Propheten Elias gleich, werde vorausgeschickt werden, wodurch offenbar auf Johannes den Täufer hingewiesen wird. Mal. III, 1; IV, 5. Der Prophet Zacharias sagte den feierlichen Einzug des Erlösers in Jerusalem vorher. Zach. IX, 9. Der Prophet Jesaias prophezeite mit erstaunenswürdiger Klarheit die Leiden des Erlösers. Jes. LIII. David schildert im 22. Psalme die Leiden des Erlösers am Kreuze mit solcher Umständlichkeit, als hätte er denselben unter dem Kreuze selbst niedergeschrieben. Der Prophet Daniel sagte die Erscheinung des Erlösers, Seinen Tod am Kreuze und die darauffolgende Zerstörung des Tempels und Jerusalems, so wie auch das Aufhören der alttestamentlichen Opfer um 490 Jahre voraus. Dan. IX.
Fr. Wurde Jesus Christus wirklich als Erlöser erkannt in der Zeit, da Er geboren wurde und auf Erden lebte?
Antw. Viele erkannten Ihn auf verschiedene Art. Die Weisen des Morgenlandes erkannten Ihn durch einen Stern, welcher vor Seiner Geburt im Oriente erschien. Die Hirten Bethlehems erhielten Kunde von Ihm durch die Engel, die ihnen ausdrücklich sagten, daß in der Stadt Davids der Heiland geboren worden sei. Simeon und Anna erkannten Ihn durch eine besondere Offenbarung des heiligen Geistes, als Er, vierzig Tage nach Seiner Geburt, in den Tempel gebracht ward. Johannes der Täufer erkannte Ihn bei der Taufe am Flusse Jordan nach einer Offenbarung, an der Herabkunft des heiligen Geistes auf Ihn in Gestalt einer Taube und an der Stimme Gottes, des Vaters, vom Himmel: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe. Matth. III, 17. – Eine ähnliche Stimme sprach von Ihm zu den Aposteln Petrus, Jakobus und Johannes zur Zeit Seiner Verklärung auf dem Berge: Dieser ist mein geliebter Sohn, an Dem Ich Wohlgefallen habe; Den höret. Matth. XVII, 5. Außerdem erkannten Ihn noch sehr Viele an der hohen Trefflichkeit Seiner Lehre und besonders an den Wundern, die Er verrichtete.
Fr. Was für Wunder hat Jesus Christus verrichtet?
Antw. Menschen, die mit unheilbaren Krankheiten behaftet und vom Teufel besessen waren, heilte Er in einem Augenblicke, durch ein einziges Wort oder durch Berührung mit der Hand, sogar dadurch, daß sie Seine Kleider berührten. Einmal speiste Er in der Wüste mit fünf, das andere Mal mit sieben Broten mehrere tausend Menschen. Er wandelte auf dem Wasser, und auf Sein Wort legte sich der Sturm. Er erweckte Todte zum Leben; namentlich erweckte Er den Sohn der Wittwe zu Nain, die Tochter des Jairus und den Lazarus, der schon vier Tage todt war.
Fr. Auf welche Weise hat der Sohn Gottes unsere Erlösung, um derentwillen Er Mensch geworden war, vollbracht?
Antw. Durch Seine Lehre, Sein Leben, Seinen Tod und Seine Auferstehung.
Fr. Was war die Lehre Christi?
Antw. Die frohe Botschaft vom Reiche Gottes, oder mit andern Worten die Lehre von der Erlösung und ewigen Seligkeit – dieselbe, die auch jetzt noch in der orthodoxen Kirche vorgetragen wird. Sieh Mark. I, 14–15.
Fr. Wie wird die Lehre Christi heilbringend für uns?
Antw. Wenn wir sie von ganzem Herzen annehmen und ihr gemäß handeln. Denn so wie das Lügenwort des Teufels, nachdem es von den ersten Menschen angenommen ward, in ihnen zum Samen der Sünde und des Todes wurde, so wird im Gegentheil das wahrhaftige Wort Christi, wenn es von den Christen eifrig angenommen wird, zum Samen eines heiligen und unsterblichen Lebens. Diese sind, wie der Apostel Petrus sagt, Wiedergeborne, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, durch das lebendige Wort Gottes, das da bleibt in Ewigkeit. 1 Petr. I, 23.
Fr. Auf welche Weise wird das Leben Jesu Christi heilbringend für uns?
Antw. Wenn wir demselben nachfolgen. Denn Er sagt: Wer Mir dienen will, der folge Mir nach; und wo Ich bin, da wird auch Mein Diener sein. Joh. XII, 26.
Vom vierten Artikel.
Fr. Wie ging das zu, daß Jesus Christus gekreuzigt wurde, da doch Seine Lehren und Seine Thaten bei Allen Ehrfurcht gegen Ihn erwecken mußten?
Antw. Die Aeltesten und Schriftgelehrten der Juden haßten Ihn, weil Er ihre falsche Lehre und ihren gesetzwidrigen Wandel rügte; sie beneideten Ihn, weil Ihn das Volk, Seiner Lehre und Wunder wegen, höher achtete als sie, und deßwegen verleumdeten sie Ihn und verurtheilten Ihn zum Tode.
Fr. Warum heißt es, daß Jesus Christus unter Pontius Pilatus gekreuzigt worden?
Antw. Um die Zeit zu bezeichnen, wann Er gekreuzigt wurde.
Fr. Wer war Pontius Pilatus?
Antw. Der römische Procurator von Judäa, das von den Römern unterjocht war.
Fr. Warum verdient dieser Umstand bemerkt zu werden?
Antw. Weil wir in ihm die Erfüllung der Weissagung Jakobs sehen: Es wird das Scepter nicht von Juda weichen, noch ein Gesetzgeber von seinen Füßen, bis der Friedensstifter kommt, und Ihm werden die Völker anhangen. Gen. XLIX, 10.
Fr. Warum heißt es im Symbol nicht bloß, daß Jesus Christus gekreuzigt worden, wozu noch der Beisatz, daß Er gelitten hat?
Antw. Um zu zeigen, daß Seine Kreuzigung nicht etwa nur ein Schein des Leidens und Todes gewesen ist, wie einige Irrlehrer behauptet haben, sondern ein wirkliches Leiden und ein wirklicher Tod.
Fr. Warum wird auch das erwähnt, daß Er begraben worden ist?
Antw. Auch das dient zur Bekräftigung dessen, daß Er wirklich gestorben und auferstanden ist; denn Seine Feinde hatten sogar eine Wache an Sein Grab gestellt und dasselbe versiegelt.
Fr. Wie konnte Jesus Christus leiden und sterben, da Er doch Gott war?
Antw. Er litt und starb nicht Seiner Gottheit, sondern Seiner Menschheit nach, und nicht deßwegen, als hätte Er den Leiden nicht entgehen können, sondern weil Er leiden wollte. Er Selbst sagte: Ich lasse Meine Seele, auf daß Ich sie wieder nehme. Niemand entreißt sie Mir, sondern Ich gebe sie freiwillig hin. Ich habe Macht, sie hinzugeben, und habe Macht, sie wieder zu nehmen. Joh. X, 17–18.
Fr. In welchem Sinne heißt es, daß Jesus Christus für uns gekreuzigt worden ist?
Antw. In dem Sinne, daß Er durch Seinen Kreuzestod uns von der Sünde, vom Fluch und vom Tode erlöst hat.
Fr. Wie spricht die heilige Schrift von dieser Erlösung?
Antw. Von der Erlösung von der Sünde: In Welchem wir Erlösung durch Sein Blut, Vergebung der Sünden haben, nach dem Reichthum Seiner Gnade. Ephes. I, 7.
Von der Erlösung vom Fluche: Christus hat uns vom Fluche des Gesetzes erlöst, da Er ein Fluch für uns ward. Galat. III, 13.
Von der Erlösung vom Tode: Weil nun die Kinder des Fleisches und Blutes theilhaftig geworden sind, so ist auch Er ebenfalls derselben theilhaftig geworden, um durch den Tod die Macht zu nehmen dem, der die Gewalt des Todes hat, nämlich dem Teufel, und diejenigen zu erlösen, die in Furcht des Todes ihr ganzes Leben hindurch der Sklaverei unterthan waren. Hebr. II, 14–15.
Fr. Wie erlöst uns der Kreuzestod Jesu Christi von der Sünde, vom Fluch und vom Tode?
Antw. Damit wir füglicher an dieses Geheimniß glauben möchten, so verdeutlicht uns die heilige Schrift dasselbe, in so weit wir es fassen können, durch die Vergleichung Jesu Christi mit Adam. Adam ist natürlicher Weise das Haupt der ganzen Menschheit, die nach ihrer natürlichen Abstammung von ihm Eins mit ihm ist; Jesus Christus, in welchem die Gottheit mit der Menschheit sich vereinigte, ward auf gnadenvolle Weise zum neuen, allmächtigen Haupte der Menschen, die Er mittelst des Glaubens mit Sich vereinigt. So wie wir daher in Adam der Sünde, dem Fluch und dem Tode anheimfielen, ebenso werden wir in Jesu Christo von der Sünde, vom Fluch und vom Tode erlöst. Sein freiwilliges Leiden und Sein Kreuzestod für uns, der als Tod des Unsündigen und Gottmenschen unendlichen Werth und unendliche Würde hat, ist sowohl eine vollkommene Genugthuung für die göttliche Gerechtigkeit, die uns der Sünde wegen zum Tode verdammt hat, als auch ein unermeßliches Verdienst, das Ihm das Recht erworben hat, ohne der Gerechtigkeit nahe zu treten, uns Sündern Verzeihung der Sünden und Gnade zum Sieg über Sünde und Tod zu verleihen. Seinen Heiligen wollte Gott kundthun, welcher da sei der Reichthum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Heiden, welcher ist Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. Koloss. I, 26–27. Denn, wenn um der Sünde eines Einzigen willen der Tod durch diesen Einen herrschend geworden ist, so werden um so viel mehr die, welche die Fülle der Gnade und des Geschenkes der Gerechtigkeit empfangen, herrschen im Leben durch den Einen Jesum Christum. Röm. V, 17. So ist denn nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind und nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geiste. Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christo Jesu hat mich befreit vom Gesetze der Sünde und des Todes. Da dieses dem Gesetze unmöglich war, indem es durch das Fleisch geschwächt wurde, so sandte Gott Seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und zum Opfer für die Sünde und verdammte die Sünde im Fleische, damit die Gerechtigkeit des Gesetzes erfüllt würde an uns, die wir nun nicht mehr nach dem Fleische, sondern nach dem Geiste wandeln. Röm. VIII, 1–4.
Fr. Hat Jesus Christus wirklich für uns Alle gelitten?
Antw. Seinerseits hat Er Sich wirklich für Alle zum Opfer gebracht und Allen Gnade und Seligkeit erworben; aber nur diejenigen unter uns ziehen Nutzen daraus, die ihrerseits freiwillig an Seinen Leiden Theil nehmen, indem sie Ihm in Ansehung Seines Todes ähnlich werden. Philipp. III, 10.
Fr. Wie können wir an Jesu Christi Leiden und Tod Theil nehmen?
Antw. Wir nehmen Theil an den Leiden und an dem Tode Jesu Christi mittelst eines lebendigen, herzlichen Glaubens, mittelst der Sacramente, in denen die Kraft der seligmachenden Leiden und des Todes Jesu Christi verborgen und versiegelt liegt, endlich durch Kreuzigung des Fleisches sammt dessen Leidenschaften und Gelüsten. Ich, sagt der Apostel, bin durch das Gesetz dem Gesetze gestorben, auf daß ich Gott lebe; mit Christus bin ich gekreuzigt. Ich lebe, doch nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich jetzt noch im Fleische lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und Sich Selbst für mich hingegeben hat. Galat. II, 19–20. Oder wisset ihr nicht, daß wir Alle, die wir auf Jesum Christum uns taufen ließen, auf Seinen Tod getauft sind? Röm. VI, 3. Denn so oft ihr dieses Brot esset und diesen Kelch trinket, so verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis Er kommt. 1 Kor. XI, 26. Die Christo angehören, haben ihr Fleisch sammt den Leidenschaften und Gelüsten gekreuzigt. Gal. V, 24.
Fr. Wie kann man sein Fleisch sammt dessen Leidenschaften und Gelüsten kreuzigen?
Antw. Durch Enthaltsamkeit von den Leidenschaften und Gelüsten und durch Handlungen, die denselben entgegen sind. Zum Beispiel, wenn der Zorn uns antreibt, dem Feinde zu fluchen und ihm Böses zuzufügen, wir aber diesem Wunsche widerstehen und, in der Erinnerung, wie Jesus Christus am Kreuze für Seine Feinde betete, ebenfalls für den Unsrigen beten, so kreuzigen wir auf diese Weise die Leidenschaft des Zornes.
Vom fünften Artikel.
Fr. Was für einen Beweis hat uns Jesus Christus zunächst davon gegeben, daß Seine Leiden und Sein Tod für uns Menschen heilbringend sind?
Antw. Den, daß Er vom Tode auferstand und hiedurch den Grund zu unserer seligen Auferstehung legte. Nun aber ist Christus auferstanden von den Todten und der Erstling der Entschlafenen geworden. 1 Kor. XV, 20.
Fr. Was ist von dem Zustande zu halten, in welchem Jesus Christus nach Seinem Tode bis zu Seiner Auferstehung Sich befand?
Antw. Das schildert uns folgender Kirchengesang: Im Grabe mit dem Leibe, in der Hölle mit der Seele als Gott, im Paradiese mit dem Räuber, und auf dem Throne warst Du, Christus, mit dem Vater und dem Geiste, Alles erfüllend, Unbeschreiblicher.
Fr. Was ist die Hölle?
Antw. Die Hölle, im Griechischen Hades, bedeutet einen Ort, der des Lichtes beraubt ist. In der christlichen Lehre versteht man unter diesem Namen ein geistiges Gefängniß, d. i. den Zustand der Geister, die durch ihre Sünde der Anschauung des göttlichen Antlitzes und des damit verbundenen Lichtes, so wie der darin liegenden Seligkeit beraubt sind. Sieh Juda 6.
Fr. Warum ist Jesus Christus zur Hölle hinabgestiegen?
Antw. Um auch dort den Sieg über den Tod zu verkündigen und die Seelen zu erlösen, die im Glauben Seiner Ankunft entgegenharrten.
Fr. Spricht auch die heilige Schrift davon?
Antw. Es gehört hierher folgender Ausspruch: Denn auch Christus litt einmal für unsere Sünden, der Gerechte für die Ungerechten, um uns zu Gott zu führen; Er war dem Leibe nach getödtet, aber dem Geiste nach wurde Er beim Leben erhalten, und in diesem ging Er hin und predigte auch den Geistern im Gefängnisse. 1 Petr. III, 18–19.
Fr. Was ist von den Worten des Symbols: auferstanden am dritten Tage, nach der Schrift, zu merken?
Antw. Diese Worte sind aus folgender Stelle der Epistel an die Korinther in das Symbol übergetragen: Ich habe euch zuvörderst überliefert, was ich selbst empfangen habe, daß Christus für unsere Sünden gestorben ist nach der Schrift, und daß Er begraben worden, und am dritten Tage auferstanden ist, nach der Schrift. 1 Kor. XV, 3–4.
Fr. Was für ein Sinn liegt in dem Worte: nach der Schrift?
Antw. Es wird hiedurch angedeutet, daß Jesus Christus genau so gestorben und auferstanden ist, wie davon in den Büchern des alten Testaments prophetisch geschrieben steht.
Fr. Wo steht zum Beispiel davon geschrieben?
Antw. Im 53. Kapitel des Buches des Propheten Jesaias wird das Leiden und der Tod Jesu Christi mit vielen umständlichen Zügen geschildert; so heißt es daselbst: Er ist durchbohrt um unsrer Sünden willen, geschlagen wegen unsrer Missethat.
Die Züchtigung zu unserm Frieden liegt auf Ihm, durch Seine Wunden wird uns Heilung. Von der Auferstehung Christi führt der Apostel Petrus die Worte des 15. Psalmes an: Denn Du wirst meine Seele nicht in der Hölle lassen und nicht zugeben, daß Dein Heiliger die Verwesung sehe. Apostg. II, 27.
Fr. Ist in der Schrift des alten Testaments auch das enthalten, daß Jesus Christus namentlich am dritten Tage auferstehen sollte?
Antw. Ein prophetisches Bild davon stellt sich in dem Propheten Jonas dar: Und Jonas war im Leibe des Walfisches drei Tage und drei Nächte. Jon. II, 1.
Fr. Wie erfuhr man, daß Jesus Christus auferstanden war?
Antw. Die Krieger, die Sein Grab bewachten, erfuhren es mit Schrecken, da der Engel des Herrn den Stein hinwegwälzte, mit welchem das Grab verschlossen war, und zugleich ein mächtiges Erdbeben entstand. Die Engel verkündigten auch die Auferstehung Jesu Christi der Maria Magdalena und etlichen Anderen. Jesus Christus Selbst erschien noch am Tage Seiner Auferstehung Vielen, als den Myrrhenträgerinnen, dem Petrus, zweien Jüngern, die nach Emmaus gingen, und zuletzt allen Aposteln in einem Hause, dessen Thüren verschlossen waren. Hernach zeigte Er Sich ihnen oftmals im Laufe von vierzig Tagen, und eines Tages erschien Er mehr als fünfhundert Gläubigen auf einmal. 1 Kor. XV, 6.
Fr. Warum erschien Jesus Christus nach Seiner Auferstehung noch vierzig Tage lang Seinen Aposteln?
Antw. Er fuhr in dieser Zeit fort, sie in den Geheimnissen des Reiches Gottes zu unterrichten. Apostg. I, 3.
Vom sechsten Artikel.
Fr. Ist die Darstellung der Himmelfahrt des Herrn im sechsten Artikel des Symbols aus der heiligen Schrift genommen?
Antw. Sie ist aus folgendem Ausspruche der heiligen Schrift genommen: Der herabstieg, ist es auch, Der über alle Himmel Sich erhob, damit Er Alles erfülle. Ephes. IV, 10. Einen solchen Hohenpriester haben wir, der Sich zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel gesetzt hat. Hebr. VIII, 1.
Fr. Ist Jesus Christus Seiner Gottheit oder Seiner Menschheit nach in den Himmel gefahren?
Antw. Seiner Menschheit nach; denn Seiner Gottheit nach war und ist Er stets im Himmel.
Fr. Wie sitzt Jesus Christus zur Rechten Gottes des Vaters, da doch Gott allgegenwärtig ist?
Antw. Dies muß im geistigen Sinne verstanden werden. Es heißt: Jesus Christus hat einerlei Macht und Herrlichkeit mit Gott dem Vater.
Vom siebenten Artikel.
Fr. Was sagt die heilige Schrift von der künftigen Wiederkunft Christi?
Antw. Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel genommen ward, wird ebenso wiederkommen, wie ihr Ihn sahet in den Himmel sich erheben. Apostg. I, 11. Dies sagten den Aposteln die Engel zur selben Zeit, da der Herr gen Himmel fuhr.
Fr. Was sagt sie vom künftigen Gerichte Desselben?
Antw. Es kommt die Stunde, wo Alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und sie werden hervorgehen, die Gutes gethan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses gethan, zur Auferstehung des Gerichts. Joh. V, 28–29. Dies sind die eigenen Worte Jesu Christi.
Fr. Was sagt sie von dem endlosen Reiche Desselben?
Antw. Der wird groß sein und ein Sohn des Allerhöchsten genannt werden, und Gott der Herr wird Ihm den Thron Seines Vaters, Davids, geben, und Er wird über Jakobs Haus regieren in Ewigkeit, und Seines Reiches wird kein Ende sein. Luk. I, 32–33. Worte des Engels zur Mutter Gottes.
Fr. Wird die abermalige Ankunft Christi ebenso sein, wie die erste?
Antw. Sie wird von der ersten sehr verschieden sein. Für uns zu leiden kam Er in der Erniedrigung, aber uns zu richten wird Er kommen in Seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit Ihm. Matth. XXV, 31.
Fr. Wird Er alle Menschen richten?
Antw. Alle ohne Ausnahme.
Fr. Wie wird Er richten?
Antw. Eines jeden Menschen Gewissen wird vor Allen offenbar werden, und es werden nicht nur alle Thaten, die jemand in seinem ganzen Leben auf Erden gethan hat, sondern auch jedes gesprochene Wort, jeder geheime Wunsch und Gedanke an den Tag kommen. Es kommt der Herr, Der wird ans Licht bringen, was die Finsterniß verhüllt, und offenbaren die Gesinnungen der Herzen. Alsdann wird Jedem sein Lob von Gott zu Theil werden. 1 Kor. IV, 5.
Fr. Wird Er uns denn auch für unsere bösen Reden und Gedanken verurtheilen?
Antw. Ohne Zweifel, wenn wir sie nicht durch Buße, Glauben und Besserung des Lebens austilgen. Aber Ich sage euch: die Menschen werden am Tage des Gerichts von jedem unnützen Worte, das sie reden, Rechenschaft geben. Matth. XII, 36.
Fr. Wird Jesus bald zum Gerichte kommen?
Antw. Das ist unbekannt, und deswegen müssen wir so leben, daß wir jederzeit dazu bereit seien. Der Herr zögert nicht mit dem, was Er verheißen hat, wie es Einige für Zögern halten. Er ist nur langmüthig gegen uns, da Er nicht will, daß Jemand verloren gehe, sondern daß Alle sich zur Buße kehren. Aber kommen wird der Tag des Herrn wie ein Dieb in der Nacht. 2 Petr. III, 9–10. Wachet also, weil ihr weder Tag noch Stunde wisset, wann der Sohn des Menschen kommen wird. Matth. XXV, 13.
Fr. Sind uns nicht wenigstens einige Wahrzeichen der nahenden Ankunft Christi geoffenbart?
Antw. Das göttliche Wort offenbart uns einige Wahrzeichen derselben, als: die Abnahme des Glaubens und der Liebe unter den Menschen, die Vermehrung der Laster und des Elends, die Verkündigung des Evangeliums unter allen Völkern und die Ankunft des Antichrists. Sieh Matth. XXIV.
Fr. Was ist der Antichrist?
Antw. Christi Widersacher, der das Christenthum zu vertilgen suchen, aber statt dessen selbst auf eine schreckliche Art umkommen wird. Sieh 2 Thess. II, 8.
Fr. Was ist das Reich Christi?
Antw. Das Reich Christi ist erstens die ganze Welt; zweitens alle Gläubigen auf Erden; drittens alle Seligen im Himmel. Das erste heißt das Reich der Natur, das zweite das Reich der Gnade und das dritte das Reich der Herrlichkeit.
Fr. Auf welches von ihnen bezieht sich der Ausspruch des Symbols, daß des Reiches Christi kein Ende sein wird?
Antw. Auf das Reich der Herrlichkeit.
Vom achten Artikel.
Fr. In welchem Sinne wird der heilige Geist Herr genannt?
Antw. In demselben Sinne wie der Sohn Gottes, d. i. als wahrer Gott.
Fr. Giebt die heilige Schrift davon Zeugniß?
Antw. Es erhellt dies aus den Worten, mit denen der Apostel Petrus dem Ananias seine Sünde verweist: Warum hat Satan dein Herz erfüllt, dem heiligen Geiste zu lügen? und weiter: Nicht Menschen hast du gelogen, sondern Gott. Apostg. V, 3–4.
Fr. Wie ist das zu verstehen, daß der heilige Geist der Lebendigmachende genannt wird?
Antw. Das ist so zu verstehen, daß Er zugleich mit dem Vater und dem Sohne den Geschöpfen Leben giebt, insbesondere den Menschen das geistige Leben. Wer nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann nicht in das Reich Gottes eingehen. Joh. III, 5.
Fr. Woher wissen wir, daß der heilige Geist vom Vater ausgeht?
Antw. Dieses wissen wir aus folgenden Worten Jesu Christi Selbst: Wenn aber der Tröster kommen wird, den Ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, Der vom Vater ausgeht, Der wird von Mir Zeugniß geben. Joh. XV, 26.
Fr. Kann die Lehre vom Ausgang des heiligen Geistes vom Vater irgend einer Aenderung oder Ergänzung unterworfen werden?
Antw. Nein. Erstens, weil die orthodoxe Kirche in dieser Lehre die selbsteigenen Worte Jesu Christi wiederholt, und Seine Worte ohne Zweifel ein hinlänglicher und vollkommener Ausdruck der Wahrheit sind. Zweitens, weil die zweite allgemeine Kirchenversammlung, deren Hauptgegenstand eben die Festsetzung der wahren Lehre vom heiligen Geiste war, diese Lehre im Glaubenssymbol ohne Zweifel genügend dargestellt hat, was die Allgemeine Kirche so entschieden anerkannte, daß die dritte allgemeine Kirchenversammlung in ihrem siebenten Kanon verbot, ein neues Glaubenssymbol zu verfassen. Deßwegen schreibt der heilige Johannes von Damask: Wir sagen sowohl, der heilige Geist sei aus dem Vater, wie wir Ihn auch den Geist des Vaters nennen; wir sagen aber keineswegs, der Geist sei vom Sohne, sondern wir nennen Ihn nur den Geist des Sohnes. Theol. lib. 1, cap. 8.
Fr. Woraus ist ersichtlich, daß dem heiligen Geiste mit dem Vater und dem Sohne gleiche Verehrung und Verherrlichung gebührt?
Antw. Das ist aus dem Befehle Jesu Christi ersichtlich, zu taufen auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Matth. XXVIII, 19.
Fr. Warum wird im Symbol gesagt, daß der heilige Geist durch die Propheten geredet hat?
Antw. Das wird gesagt zur Widerlegung einiger Irrlehrer, die da behaupteten, die Bücher des alten Testaments seien nicht vom heiligen Geiste geschrieben.
Fr. Giebt die heilige Schrift davon Zeugniß, daß in der That der heilige Geist durch die Propheten geredet hat?
Antw. Der Apostel Petrus schreibt: Nicht nach eines Menschen Willkür ward jemals die Weissagung hervorgebracht, sondern vom heiligen Geiste getrieben sprachen jene heiligen Männer Gottes. 2 Petr. I, 21.
Fr. Hat nicht auch durch die Apostel der heilige Geist geredet?
Antw. Allerdings. Den Propheten, sagt gleichfalls der Apostel Petrus, wurde offenbart, daß nicht ihnen, sondern uns das zu Gute kommen sollte, was jetzt euch von denen verkündigt wird, die durch den vom Himmel gesendeten heiligen Geist euch frohe Botschaft bringen. 1 Petr. I, 12.
Fr. Warum wird der Apostel im Symbol nicht erwähnt?
Antw. Weil zur Zeit der Abfassung des Symbols Niemand an der göttlichen Inspiration der Apostel zweifelte.
Fr. Hat sich der heilige Geist den Menschen nicht auf irgend eine besondere Weise geoffenbart?
Antw. Er ist in Gestalt feuriger Zungen auf die Apostel herabgekommen am fünfzigsten Tage nach der Auferstehung Christi.
Fr. Theilt sich der heilige Geist den Menschen auch jetzt noch mit?
Antw. Er theilt sich allen wahrhaften Christen mit. Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid, und daß der Geist Gottes in euch wohnt? 1 Kor. III, 16.
Fr. Auf welche Weise kann man des heiligen Geistes theilhaftig werden?
Antw. Durch inbrünstiges Gebet und durch die Sacramente. Wenn denn ihr, die ihr böse seid, doch euren Kindern Gutes zu geben wisset, wie vielmehr wird der Vater, Der im Himmel ist, den heiligen Geist geben denen, die Ihn darum bitten. Luk. XI, 13. Da aber die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Erlösers, erschien, hat Er nicht um der Gerechtigkeitswerke willen, die wir etwa gethan hatten, sondern nach Seinem Erbarmen uns erlöst durch das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung des heiligen Geistes, den Er durch Jesum Christum, unsern Heiland, reichlich über uns ausgegossen hat. Tit. III, 4–6.
Fr. Welche sind die vorzüglichsten Gaben des heiligen Geistes?
Antw. Die vorzüglichsten und mehr gemeinsamen sind nach dem Ausspruche des Propheten Jesaias folgende sieben: der Geist der Furcht Gottes, der Geist der Erkenntniß, der Geist der Stärke, der Geist des Rathes, der Geist des Verständnisses, der Geist der Weisheit, der Geist des Herrn, oder die Gabe der Andacht und Eingebung im höheren Grade. Jesaias XI, 1–3.
Vom neunten Artikel.
Fr. Was ist die Kirche?
Antw. Die Kirche ist eine von Gott veranstaltete Gemeinschaft von Menschen, die durch den orthodoxen Glauben, durch das göttliche Gesetz, durch die Kirchengewalt (Hierarchie) und durch die Sacramente mit einander verbunden sind.
Fr. Was heißt an die Kirche glauben?
Antw. Es heißt die wahre Kirche Christi in Ehrfurcht verehren und ihren Lehren und Geboten gehorchen, in der Überzeugung, daß die von ihrem Einigen ewigen Haupte, dem Herrn Jesu Christo, über sie ausgegossene Gnade in ihr verbleibt, heilbringend wirkt, lehrt und regiert.
Fr. Wie kann die Kirche, die sichtbar ist, ein Gegenstand des Glaubens sein, da doch der Glaube nach dem Apostel eine feste Überzeugung ist von Dingen, die man nicht sieht?
Antw. Erstens, obwohl die Kirche sichtbar ist, so ist doch die göttliche Gnade unsichtbar, die ihr und den in ihr Geweihten innewohnt, und diese Gnade ist eigentlich der Gegenstand des Glaubens an die Kirche. Zweitens, die Kirche ist zwar sichtbar, insofern sie auf Erden ist und alle rechtgläubigen Christen, die auf Erden leben, zu ihr gehören; sie ist aber auch zugleich unsichtbar, insofern sie auch im Himmel ist und alle im wahren Glauben und in Heiligkeit Entschlafenen zu ihr gehören.
Fr. Worauf läßt sich der Begriff von der auf Erden bestehenden und zugleich auch himmlischen Kirche gründen?
Antw. Auf folgende Worte des Apostels Paulus an die Christen: Ihr seid hingekommen zum Berge Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu den Heerschaaren von Engeln, zur Festversammlung und Kirche der Erstgeborenen, deren Namen im Himmel angeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter Aller, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten, und zu Jesus, dem Mittler des neuen Bundes. Hebr. XII, 22–24.
Fr. Welche Bürgschaft haben wir dafür, daß die göttliche Gnade in der wahren Kirche verbleibt?
Antw. Erstens die, daß ihr Haupt der Gottmensch Jesus Christus ist, voll der Gnade und Wahrheit, Der auch Seinen Leib, d. i. die Kirche, mit Gnade und Wahrheit erfüllt. Sieh Joh. I, 14–17. Zweitens die, daß Er Seinen Jüngern den heiligen Geist versprochen hat, damit Er ewiglich bei ihnen verbleibe, und daß nach dieser Verheißung der heilige Geist die Hirten der Kirche einsetzt. Sieh Joh. XIV, 16. Der Apostel Paulus sagt von Jesu Christo, daß Gott der Vater Ihn der Kirche, die Sein Leib ist, zum Haupte über Alles gegeben hat. Ephes. I, 22–23. Derselbe Apostel sagt zu den Hirten der Kirche: So habet denn Acht auf euch selbst und auf die ganze Heerde, in welcher der heilige Geist euch zu Bischöfen gesetzt hat, um die Kirche des Herrn und Gottes zu weiden, die Er durch Sein eigenes Blut erworben hat. Apostg. XX, 28.
Fr. Was kann uns sonst noch in der Überzeugung bestärken, daß die göttliche Gnade bis auf diesen Tag in der Kirche verblieben ist und auch bis ans Ende der Zeiten verbleiben wird?
Antw. Hierin bestärken uns folgende Aussprüche Jesu Christi Selbst und Seines Apostels: Ich will Meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Matth. XVI, 18. – Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt. Amen. Matth. XXVIII, 20. Ihm sei Ehre in der Kirche in Christo Jesu durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Ephes. III, 21.
Fr. Warum heißt es im Symbol Eine Kirche?
Antw. Weil sie Ein geistiger Leib ist, Ein Haupt, Christum, hat und von Einem göttlichen Geiste beseelt wird. Ein Leib und Ein Geist, sowie ihr auch berufen seid zu Einer Hoffnung eures Berufes; Ein Herr, Ein Glaube, Eine Taufe; Ein Gott und Vater Aller. Ephes. IV, 4–6.
Fr. Was kann uns noch näher überzeugen, daß Jesus Christus das Einige Haupt der Einen Kirche ist?
Antw. Der Apostel Paulus schreibt, daß für die Kirche, als für den Bau Gottes, Niemand einen andern Grund legen kann, als der da gelegt ist, und dieser ist Jesus Christus. 1 Kor. III, 10–11. Daher kann die Kirche, als Leib Christi, kein anderes Haupt haben als Jesum Christum. Die Kirche, die durch alle Geschlechter der Zeiten währen soll, bedarf auch eines immerwährenden Hauptes, und ein solches ist der Eine Jesus Christus. Deßwegen legen sich auch die Apostel keinen höheren Namen bei als den der Diener der Kirche. Koloss. I, 24–25.
Fr. Welche Verpflichtung legt uns die Einheit der Kirche auf?
Antw. Die Einheit des Geistes durch das Band des Friedens zu erhalten. Ephes. IV, 3.
Fr. Wie läßt sich mit der Einheit der Kirche das vereinbaren, daß es viele besondere und selbständige Kirchen giebt, zum Beispiel die zu Jerusalem, zu Antiochien, zu Alexandrien, zu Constantinopel, die Russische Kirche?
Antw. Das sind Partikular-Kirchen oder Theile der Einen Allgemeinen Kirche. Das Fürsichbestehen in Betreff ihrer sichtbaren Einrichtung hindert sie nicht, in geistiger Hinsicht Glieder des Einen Leibes, der Allgemeinen Kirche zu sein, Ein Haupt, Christum, und Einen Geist des Glaubens und der Gnade zu haben. Diese Einheit drückt sich auf sichtbare Weise in einerlei Glaubensbekenntniß und in der Gemeinschaft des Gebets und der Sacramente aus.
Fr. Ist auch Einheit zwischen der Kirche, die auf Erden ist, und der im Himmel?
Antw. Ohne Zweifel, sowohl wegen ihres Verhältnisses zu dem Einigen Haupte, unserm Herrn Jesu Christo, als auch wegen ihrer wechselseitigen Gemeinschaft unter einander.
Fr. Wodurch wird die Gemeinschaft der Kirche, die auf Erden ist, mit der im Himmel vermittelt?
Antw. Durch das Gebet des Glaubens und der Liebe. Die Gläubigen, die zu der streitenden Kirche auf Erden gehören, rufen in ihrem Gebete zu Gott auch die Hilfe der Heiligen an, die zur himmlischen Kirche gehören, und diese, Gott viel näher stehend, reinigen und kräftigen durch ihre vermittelnden Fürbitten die Gebete der Gläubigen auf Erden und tragen sie Gott vor, so wie sie auch nach Gottes Willen gnadenspendend und wohlthätig auf dieselben wirken, sei es durch unsichtbare Kraft oder durch ihre Erscheinung und manche andere Vermittlungen.
Fr. Worauf stützt sich die Regel der Kirche, die auf Erden ist, im Gebete die Heiligen der himmlischen Kirche anzurufen?
Antw. Auf die heilige Tradition, deren Grund übrigens selbst aus der heiligen Schrift ersichtlich ist. Zum Beispiel, wenn der Prophet David im Gebet ausruft: Herr Gott Abrahams, Isaaks und Israels, unserer Väter, so gedenkt er der Heiligen zur Kräftigung seines Gebets, gerade so, wie auch jetzt die rechtgläubige Kirche Christum, unsern wahren Gott, durch die Fürbitten Seiner Allerreinsten Mutter und Aller Heiligen anruft. Sieh 1. Paralip. XXIX, 18.
Cyrillus von Jerusalem sagt in seiner Erklärung der heiligen Liturgie: Wir gedenken auch der früher Entschlafenen, zuvörderst der Patriarchen, Propheten, Apostel, Märtyrer, damit Gott durch ihre Fürbitte und Vertretung unser Gebet annehmen möge.
Basilius der Große sagt in der Rede auf den Tag der vierzig heiligen Märtyrer: Der Betrübte nimmt seine Zuflucht zu den Vierzig, zu ihnen auch wendet sich der Fröhliche: der Eine, damit er Befreiung vom Kummer erlange, der Andere, damit sein Gut ihm auch ferner verbleibe. Hier siehst du eine gottesfürchtige Frau, die für ihre Kinder betet; sie fleht um die Rückkehr des Gatten, wenn er verreist, um seine Gesundheit, wenn er erkrankt ist. Ja, mit den Märtyrern seien eure Bitten vereint.
Fr. Giebt die heilige Schrift Zeugniß von der vermittelnden Fürbitte der Heiligen im Himmel?
Antw. Der heilige Evangelist Johannes sah in der Offenbarung einen Engel im Himmel, dem gegeben ward viel Rauchwerk, um es bei den Gebeten aller Heiligen auf den goldenen Altar, der vor dem Throne steht, darzubringen; und der Rauch von dem Rauchwerk stieg empor mit den Gebeten der Heiligen von der Hand des Engels vor Gott. Apok. VIII, 3–4.
Fr. Giebt die heilige Schrift Zeugniß von wohlthätigen Erscheinungen der Heiligen vom Himmel?
Antw. Der heilige Evangelist Matthäus berichtet, daß nach dem Kreuzestode unseres Herrn Jesu Christi viele Leiber entschlafener Heiligen auferstanden, die Gräber verließen, nach Seiner Auferstehung in die heilige Stadt kamen und Vielen erschienen. Matth. XXVII, 52–53. Da ein so auffallendes Wunder nicht ohne wichtigen Zweck stattgefunden haben kann, so muß man vermuthen, daß die auferstandenen Heiligen deswegen erschienen sind, um die Höllenfahrt Jesu Christi und Seine siegreiche Auferstehung zu verkündigen und durch diese Verkündigung den Übergang der in der alttestamentlichen Kirche Geborenen in die eben eröffnete neutestamentliche zu befördern.
Fr. Welche Zeugnisse befestigen uns in dem Glauben, daß die Heiligen nach ihrem Hintritt durch irdische Vermittlungen Wunder wirken?
Antw. Das zweite Buch der Könige bezeugt, daß durch Berührung der Gebeine des Propheten Elisäus ein Todter auferweckt ward. 4. Kön. XIII, 21. Der Apostel Paulus verrichtete nicht nur selbst unmittelbar Heilungen und Wunder, sondern dasselbe thaten in seiner Abwesenheit auch Tücher und Gürtel von seinem Körper. Apostg. XIX, 12. Aus diesen Beispielen wird begreiflich, daß gleicherweise die Heiligen auch nach ihrem Tode durch irdische Vermittlungen, denen sie die Weihe mitgetheilt hatten, wohlthätig wirken können.
Gregor der Theologe sagt in der ersten Rede zur Widerlegung des Kaisers Julian: Du hast dich nicht geschämt der Opfer, die um Christi willen hingeschlachtet wurden, noch dich gescheuet vor den großen Vorkämpfern, vor jenem Johannes, vor Petrus, Paulus, Jakobus, Stephanus, Lukas, Andreas, vor Thekla und den Anderen, die vor und nach ihnen für die Wahrheit gelitten, die dem Feuer und dem Schwerte, den wilden Thieren und den Peinigern und den gegenwärtigen und angedrohten Qualen widerstanden haben, gleich als wäre ihr Leib nicht der ihrige gewesen oder als hätten sie gar keinen Leib gehabt. Und weswegen thaten sie das? Um auch nicht mit einem einzigen Worte zum Verräther an der Religion zu werden. Billiger Weise sind ihnen daher auch große Ehren und große Herrlichkeit zu Theil geworden. Durch sie werden Dämonen vertrieben und Krankheiten geheilt; sie haben die Macht zu erscheinen und zu weissagen; ihre Leiber allein und für sich, wenn sie berührt oder verehrt werden, haben dieselbe Kraft wie die Seelen der Heiligen. Sogar Tropfen ihres Blutes, diese geringen Zeichen ihres Leidens, wirken eben so kräftig wie ihre Leiber.
Johannes von Damask schreibt: Die Reliquien der Heiligen hat uns unser Herr Jesus Christus geschenkt als heilbringende Quellen, aus denen die mannigfaltigsten Wohlthaten fließen. Und wie zur Erläuterung setzt er noch die Bemerkung hinzu, daß Gott mittelst der Vernunft sich auch in ihren Leibern eine Wohnung gemacht. Theol. lib. 4, cap. 15.
Fr. Warum ist die Kirche eine heilige?
Antw. Weil sie von Jesu Christo durch Seine Leiden, durch Seine Lehre, durch Sein Gebet und durch die Sacramente geheiligt worden ist. Christus hat Seine Kirche geliebt und Sich Selbst für sie hingegeben, damit Er sie heilige, nachdem Er sie gereinigt im Bade des Wassers durch das Wort, um Sich Selbst eine herrliche Kirche zu bilden ohne Flecken, ohne Runzel oder dergleichen, sondern daß sie heilig und makellos sei. Ephes. V, 25–27. In dem Gebet für die Gläubigen zu Gott dem Vater sagte Jesus Christus unter Andern: Heilige sie in Deiner Wahrheit; Dein Wort ist Wahrheit. Für sie heilige Ich Mich Selbst, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt werden. Joh. XVII, 17–19.
Fr. Wie kann die Kirche heilig sein, da doch in ihr auch Sünder sind?
Antw. Sünder, die sich durch wahrhafte Buße reinigen, entziehen der Kirche ihre Heiligkeit nicht; aber unbußfertige Sünder werden entweder durch die sichtbare Wirkung der Kirchengewalt oder durch die unsichtbare Wirkung des göttlichen Gerichts wie todte Glieder vom Leibe der Kirche abgehauen, und so bleibt auch von dieser Seite die Heiligkeit der Kirche unversehrt. Schaffet den Bösewicht aus eurer Mitte. 1 Kor. V, 13. Doch fest steht der von Gott gelegte Grund und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen, und es trete ab von der Ungerechtigkeit Jeder, der den Namen des Herrn nennt. 2 Tim. II, 19.
Fr. Warum heißt die Kirche die Allgemeine, oder, was dasselbe ist, die Katholische oder Universal-Kirche?
Antw. Weil sie nicht beschränkt ist auf irgend einen Ort oder eine Zeit oder ein Volk, sondern die wahrhaft Gläubigen aller Orte, Zeiten und Völker in sich begreift. Der Apostel Paulus sagt, daß das Evangelium in der ganzen Welt verkündigt wird und Fruchtbarkeit und Wachsthum hat. Koloss. I, 5–6. Und daß in der christlichen Kirche weder Grieche noch Jude, Beschneidung oder Vorhaut, Ausländer, Scythe, Sklave oder Freigeborener, sondern Alles und in Allem Christus ist. Koloss. III, 11. Die aus dem Glauben sind, werden gesegnet mit dem gläubigen Abraham. Gal. III, 9.
Fr. Welchen wichtigen Vorzug hat die Allgemeine Kirche?
Antw. Ihr gehören eigentlich die hohen Verheißungen, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden; daß der Herr bei ihr sein wird bis ans Ende der Welt; daß in ihr Gott verherrlicht werden wird in Christo Jesu durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit; daß sie folglich nie vom Glauben abfallen, nie in der Wahrheit des Glaubens fehlen oder in Irrthum fallen kann. Wir bekennen zweifellos als eine feste Wahrheit, daß die Allgemeine Kirche nicht fehlen oder irren und Lüge statt der Wahrheit aussprechen kann; denn der heilige Geist, der durch die treu dienenden Väter und Lehrer der Kirche stets wirksam ist, bewahrt sie vor jeder Verirrung. Sendschr. der orient. Patriarchen vom orthodoxen Glauben, Art. 12.
Fr. Wenn die Allgemeine Kirche alle wahrhaft Gläubigen in der ganzen Welt in sich begreift, muß man da nicht anerkennen, daß es zur Seligkeit unumgänglich nothwendig ist, daß der Gläubige zu ihr gehöre?
Antw. Allerdings. Da Jesus Christus nach dem Ausspruche des Apostels Paulus das Haupt der Kirche ist und Ebenderselbe auch des Leibes Heiland ist, so ist es, um an Seiner Erlösung Theil zu haben, unumgänglich nöthig, ein Glied Seines Leibes, d. h. der Allgemeinen Kirche, zu sein. Ephes. V, 23. Der Apostel Paulus schreibt, daß die Taufe uns rettet nach dem Vorbilde der Arche Noahs. Alle, die von der allgemeinen Sündfluth gerettet wurden, wurden einzig in Noahs Arche gerettet; eben so kann man die ewige Seligkeit nur in der Einen Allgemeinen Kirche erlangen.
Fr. Was für Gedanken und Erinnerungen muß man mit der Benennung: morgenländische Kirche, verbinden?
Antw. Im Paradiese, das im Morgenlande lag, ward auch die erste Kirche unserer sündlosen Stammeltern gestiftet; eben daselbst ward nach dem Sündenfalle der neue Grund zur Kirche der Erlösten in der Verheißung des Erlösers gelegt. Im Orient, im Judenlande, vollbrachte unser Herr Jesus Christus das Werk unserer Erlösung, und dort legte Er den Grund zu Seiner Kirche, der eigentlich christlichen; von dort aus verbreitete sich diese über den ganzen Erdkreis; und der orthodox-katholische Universal-Glaube, durch die sieben allgemeinen Kirchenversammlungen befestigt, erhält sich bis auf den heutigen Tag unverändert und in seiner ursprünglichen Reinheit in den alten morgenländischen Kirchen und in denen, die mit den morgenländischen gleichdenken, zu welchen durch Gottes Gnade auch die Russische Kirche gehört.
Fr. Warum wird die Kirche die apostolische genannt?
Antw. Weil sie ununterbrochen und unverändert von den Aposteln her sowohl die Lehre als auch die Übertragung der Gaben des heiligen Geistes mittelst der heiligen Auflegung der Hände bewahrt. In eben diesem Sinne heißt die Kirche auch die orthodoxe oder die rechtgläubige. Ihr seid keine Fremdlinge und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes, erbaut auf dem Grunde der Apostel und Propheten, dessen Eckstein Jesus Christus Selbst ist. Ephes. II, 19–20.
Fr. Was lehrt das Glaubenssymbol dadurch, daß es die Kirche eine apostolische nennt?
Antw. Es lehrt, fest an der apostolischen Lehre und Überlieferung zu halten und solche Lehren und solche Lehrer zu fliehen, die sich nicht auf die Lehre der Apostel stützen. Der Apostel Paulus sagt: So steht denn fest, Brüder, und haltet an den überlieferten Lehren, in denen ihr von uns mündlich oder durch unser Schreiben unterrichtet worden seid. 2 Thess. II, 15. Einen ketzerischen Menschen meide nach der ersten und zweiten Warnung. Tit. III, 10. Denn es giebt viele Widerspenstige, unnütze Schwätzer und Betrüger, besonders die von der Beschneidung; diesen muß man den Mund stopfen, da sie durch ihre verwerflichen Lehren ganze Familien in Verwirrung bringen, eines schändlichen Gewinnes wegen. Tit. I, 10–11. Wenn dein Bruder auch die Kirche nicht hört, so mag er wie ein Heide oder Zöllner dir gelten. Matth. XVIII, 17.
Fr. Durch welche kirchliche Einrichtung wird die Übertragung des apostolischen Amtes gesichert?
Antw. Durch die kirchliche Hierarchie oder Kirchengewalt.
Fr. Woher leitet die Hierarchie der orthodoxen christlichen Kirche ihren Ursprung ab?
Antw. Von Jesu Christo Selbst und von des heiligen Geistes Herabkunft auf die Apostel, und seit jener Zeit geht sie ununterbrochen von den Vorgängern auf die Nachfolger über durch die Handauflegung im Sacramente der Priesterweihe. Er ist es, Der Einige zu Aposteln, Andere zu Propheten, Andere zu Evangelisten, Andere zu Hirten und Lehrern verordnet hat, die Heiligen zu bereiten für das Werk des Amtes und zur Erbauung des Leibes Christi. Ephes. IV, 11–12.
Fr. Welche Kirchengewalt kann ihre Wirkung auf die ganze Allgemeine Kirche erstrecken?
Antw. Die Allgemeine Kirchenversammlung.
Fr. Welcher Kirchengewalt sind die Haupttheile der Allgemeinen Kirche untergeordnet?
Antw. Den orthodoxen Patriarchen und die Russische Kirche der heiligsten Synode.
Fr. Welcher Kirchengewalt sind die kleineren orthodoxen Bezirke und Städte untergeordnet?
Antw. Den Metropoliten, Erzbischöfen und Bischöfen.
Fr. Was für einen Rang nimmt die heiligste Synode in der Hierarchie ein?
Antw. Gleichen Rang mit den heiligsten orthodoxen Patriarchen.
Fr. Um aber die Pflicht des Gehorsams gegen die Kirche zu erfüllen, wie kann man wissen, was sie von ihren Söhnen fordert?
Antw. Man kann diese Kenntniß schöpfen aus der heiligen Schrift, aus den Verordnungen der heiligen Apostel, der heiligen allgemeinen und Provinzial-Concilien und der heiligen Väter, so wie aus den kirchlichen Satzungen.
Vom zehnten Artikel.
Fr. Warum geschieht im Glaubenssymbole der Taufe Erwähnung?
Antw. Weil durch die Taufe und die übrigen Sacramente dem Glauben das Siegel ausgedrückt wird.
Fr. Was ist ein Sacrament?
Antw. Ein Sacrament ist eine heilige Handlung, durch welche auf eine geheimnißvolle Weise die Gnade, oder was dasselbe ist, die seligmachende Kraft Gottes, auf den Menschen wirkt.
Fr. Wieviel Sacramente giebt es?
Antw. Sieben:
- die Taufe,
- die Myrrhen-Salbung (Firmung),
- das Abendmahl,
- die Buße,
- die Priesterweihe,
- die Ehe,
- die letzte Oelung.
Fr. Welche Kraft hat jedes dieser Sacramente?
Antw.
- In der Taufe wird der Mensch auf eine geheimnißvolle Weise zum geistigen Leben geboren.
- In der Myrrhen-Salbung empfängt er die Gnade des geistigen Wachsthums und der geistigen Stärkung.
- Im Abendmahle wird er geistig gespeiset.
- In der Buße wird er von den geistigen Krankheiten, d. i. von den Sünden, geheilt.
- In der Priesterweihe empfängt er die Gnade, Andere geistig wiederzugebären und zu erziehen mittelst der Lehre und der Sacramente.
- In der Ehe empfängt er eine den Ehestand und die natürliche Zeugung und Erziehung der Kinder heiligende Gnade.
- In der letzten Oelung wird er auch von leiblichen Krankheiten geheilt, vermittelst der Heilung von den geistigen Krankheiten.
Fr. Warum wird im Glaubenssymbole nicht aller dieser Sacramente, sondern nur der Taufe erwähnt?
Antw. Weil der Taufe wegen Zweifel obwalteten, ob man nicht gewisse Menschen, wie die Ketzer, ein zweites Mal taufen solle. Hierüber war eine Entscheidung nothwendig, und eine solche wurde im Symbol festgesetzt.
Von der Taufe.
Fr. Was ist die Taufe?
Antw. Die Taufe ist ein Sacrament, in welchem der Gläubige bei dreimaligem Eintauchen des Leibes ins Wasser unter Anrufung Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes dem fleischlichen, sündhaften Leben abstirbt und vom heiligen Geiste zum geistigen, heiligen Leben wiedergeboren wird. Wer nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann nicht eingehen in das Reich Gottes. Joh. III, 5.
Fr. Wann und wie nahm die Taufe ihren Anfang?
Antw. Zuerst taufte Johannes mit der Taufe der Buße und lehrte das Volk, an Den zu glauben, Der nach ihm kommen würde, nämlich an Jesum Christum. Apostg. XIX, 4. Dann heiligte Jesus Christus durch Sein Beispiel die Taufe, indem Er Sich von Johannes taufen ließ. Endlich, nach Seiner Auferstehung, gab Er den Aposteln den feierlichen Befehl: Gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Matth. XXVIII, 19.
Fr. Was ist das Wichtigste bei der heiligen Taufhandlung?
Antw. Das dreimalige Eintauchen ins Wasser auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.
Fr. Was fordert man von dem, der die Taufe zu empfangen wünscht?
Antw. Buße und Glauben. Deßwegen wird auch vor der Taufe das Glaubensbekenntniß gelesen. Thut Buße, und Jeder unter euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Nachlassung der Sünden, dann werdet ihr die Gabe des heiligen Geistes empfangen. Apostg. II, 38. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden. Mark. XVI, 16.
Fr. Wie tauft man denn aber Kinder?
Antw. Auf den Glauben der Eltern und Pathen, die überdies verpflichtet sind, sie im Glauben zu unterrichten, sobald sie heranwachsen.
Fr. Wie kann man aus der heiligen Schrift beweisen, daß man die Kinder taufen müsse?
Antw. Zur Zeit des alten Bundes wurde die Beschneidung an den Kindern vollzogen, sobald sie acht Tage alt waren; nun vertritt aber die Taufe im neuen Bunde die Stelle der Beschneidung: also muß man auch die Taufe an den Kindern vollziehen.
Fr. Woraus ersieht man, daß die Taufe die Stelle der Beschneidung vertritt?
Antw. Aus folgenden Worten des Apostels Paulus an die Gläubigen: Ihr seid beschnitten mit der Beschneidung, die nicht ein Werk der Menschenhand ist, durch Ablegung des sündhaften, fleischlichen Leibes, mit der Beschneidung Christi, da ihr mit Ihm in der Taufe begraben wurdet. Koloss. II, 11–12.
Fr. Warum pflegen bei der Taufe Pathen zu sein?
Antw. Damit sie sich im Angesichte der Kirche für den Glauben des Täuflings verbürgen und nach der Taufe Sorge für ihn tragen, daß er im Glauben befestigt werde. Sieh Dionysius den Areopagiten, von der kirchlichen Hierarchie, cap. II.
Fr. Warum wird über den Täufling die Beschwörung ausgesprochen?
Antw. Um den Teufel von ihm hinwegzutreiben, der seit Adams Sünde zu den Menschen Zutritt und einige Macht über sie, gleichsam als über seine Gefangenen und Sklaven, erlangt hat. Der Apostel Paulus sagt, daß alle Menschen, die außerhalb der Gnade stehen, nach der Lebensweise dieser Welt wandeln nach dem Willen des Fürsten, der in der Luft herrscht, jenes Geistes, der noch jetzt wirkt in den Kindern der Widersetzlichkeit. Ephes. II, 2.
Fr. Worin liegt die Kraft der Beschwörung?
Antw. In dem Namen Jesu Christi, der im Gebet und im Glauben angerufen wird. Jesus Christus hat den Gläubigen die Verheißung gegeben: In Meinem Namen werden sie Teufel austreiben. Mark. XVI, 17.
Fr. Welche Kraft hat das Zeichen des Kreuzes, welches hiebei, so wie in andern Fällen gemacht wird?
Antw. Was der Name Jesu Christi des Gekreuzigten ist, wenn er gläubig mit der Bewegung der Lippen ausgesprochen wird, eben das ist auch das Zeichen des Kreuzes, wenn es im Glauben durch die Bewegung der Hand oder auf eine andere Weise gemacht wird.
Cyrillus von Jerusalem schreibt: Wir wollen uns nicht schämen, den Gekreuzigten zu bekennen; dreist wollen wir das Zeichen des Kreuzes auf der Stirne und auf Allem machen, auf dem Brote, das wir essen, auf dem Becher, aus dem wir trinken; wir wollen es machen beim Eingange und beim Ausgange, wenn wir uns schlafen legen und wenn wir aufstehen, wenn wir auf dem Wege sind und wenn wir ausruhen. Es ist ein kräftiges Verwahrungsmittel, das den Armen umsonst und den Schwachen ohne Mühe geschenkt ward; denn das ist die Gnade Gottes: ein Zeichen den Gläubigen und ein Schrecken den bösen Geistern.
Fr. Aus welcher Zeit hat der Gebrauch, das Zeichen des Kreuzes zu machen, seinen Ursprung?
Antw. Aus den Zeiten der Apostel selbst. Sieh Dionysius den Areopagiten, von der kirchlichen Hierarchie, cap. II und V, und Tertullian, von der Krone, cap. III, von der Auferstehung, cap. VIII.
Fr. Was bedeutet das weiße Kleid, das man dem Täufling nach der Taufe anzieht?
Antw. Die Reinheit der Seele und des christlichen Wandels.
Fr. Warum wird dem Täufling ein Kreuz umgehängt?
Antw. Zur sichtbaren Vorstellung und allzeitigen Erinnerung an das Gebot Christi: Will Jemand Mir nachfolgen, so verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir. Matth. XVI, 24.
Fr. Was bedeutet der Gang des Täuflings um das Taufbecken mit einer brennenden Kerze?
Antw. Die geistige Freude vereint mit der geistigen Erleuchtung.
Fr. Wie ist das zu verstehen, daß im Glaubenssymbol befohlen wird, Eine Taufe zu bekennen?
Antw. Das ist so zu verstehen, daß die Taufe nicht wiederholt wird.
Fr. Warum wird die Taufe nicht wiederholt?
Antw. Die Taufe ist eine geistige Geburt, und geboren wird der Mensch nur einmal; deßwegen wird er auch nur einmal getauft.
Fr. Was ist von denen zu halten, die nach der Taufe sündigen?
Antw. Sie haben mehr Schuld an ihren Sünden als die Ungetauften an den ihrigen; denn sie hatten Gottes besondere Hilfe zum Guten und verwarfen dieselbe. Denn wenn Die, welche durch die Erkenntniß unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi dem Unflathe der Welt entronnen sind, aufs Neue sich darin verwickeln und unterliegen, so wird mit ihnen das Letzte ärger als das Erste. 2 Petr. II, 20.
Fr. Giebt es aber auch für die, so nach der Taufe gesündigt haben, ein Mittel, Vergebung der Sünden zu erlangen?
Antw. Ja, die Buße.
Von der Myrrhensalbung.
Fr. Was ist die Myrrhensalbung?
Antw. Die Myrrhensalbung ist ein Sacrament, in welchem bei der Salbung bestimmter Theile des Körpers mit dem heiligen Myrrhenöl auf den Namen des heiligen Geistes dem Gläubigen die Gaben des heiligen Geistes mitgetheilt werden, die Wachsthum und Erstarkung im geistigen Leben hervorbringen.
Fr. Ist in der heiligen Schrift von diesem Sacramente die Rede?
Antw. Von der innerlichen Wirkung dieses Sacraments spricht der Apostel Johannes in folgender Weise: Doch ihr habt die Salbung von dem Heiligen und wisset Alles. Und die Salbung, die ihr von Ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr bedürfet nicht, daß Jemand euch lehre; sondern wie diese selbst euch über Alles belehrt, so ist es wahr und ist nicht Lüge, und wie sie euch gelehrt hat, dabeibleibet. 1 Joh. II, 20. 27.
Auf ähnliche Weise sagt auch der Apostel Paulus: Gott ist es, Der uns so wie euch in Christo befestigt und uns gesalbt hat; Er hat uns auch versiegelt und das Pfand des Geistes in unsere Herzen gegeben. 2 Kor. I, 21–22. Daher sind auch die Worte: Siegel der Gabe des heiligen Geistes, die bei der Myrrhensalbung gesprochen werden, genommen.
Fr. Wird auch der äußeren Handlung der Myrrhensalbung in der heiligen Schrift erwähnt?
Antw. Es läßt sich denken, daß die Worte des Apostels Johannes sich auch auf die sichtbare Salbung beziehen; bekannter ist es jedoch, daß die Apostel, um den Getauften die Gaben des heiligen Geistes mitzutheilen, sich der Handauflegung bedienten. Sieh Apostg. VIII, 14–17. Aber die Nachfolger der Apostel fingen an, statt derselben die Salbung mit dem Myrrhenöl zu gebrauchen, wobei ihnen als Beispiel die Salbung dienen mochte, die in den Zeiten des alten Bundes im Gebrauche war. Sieh 2 Mos. XXX, 25; 3 Kön. I, 39. – Dionysius der Areopagit, von der kirchlichen Hierarchie, cap. IV.
Fr. Was ist vom heiligen Myrrhenöl zu merken?
Antw. Daß die Weihe desselben den höheren Hierarchen vorbehalten ist, als Nachfolgern der Apostel, welche die Handauflegung zur Ertheilung der Gaben des heiligen Geistes in eigener Person verrichteten.
Fr. Was bedeutet insbesondere die Salbung der Stirn?
Antw. Die Heiligung des Verstandes oder der Gedanken.
Fr. Die Salbung der Brust?
Antw. Die Heiligung des Herzens oder der Wünsche.
Fr. Die Salbung der Augen, Ohren und des Mundes?
Antw. Die Heiligung der Sinne.
Fr. Die Salbung der Hände und Füße?
Antw. Die Heiligung der Thaten und des ganzen Wandels des Christen.
Vom heiligen Abendmahle.
Fr. Was ist das heilige Abendmahl?
Antw. Das heilige Abendmahl ist ein Sacrament, in welchem der Gläubige unter der Gestalt des Brotes und Weines den wahren Leib und das wahre Blut Christi zum ewigen Leben genießt.
Fr. Wie ist dieses Sacrament eingesetzt worden?
Antw. Jesus Christus verrichtete es zum ersten Male Selbst unmittelbar vor Seinen Leiden, indem Er vorläufig in demselben ein lebendiges Bild Seiner seligmachenden Leiden darstellte, und als Er den Aposteln das heilige Abendmahl gereicht hatte, gab Er ihnen auch zugleich das Gebot, dieses Sacrament stets zu verrichten.
Fr. Was ist vom Sacramente des Abendmahls in Beziehung auf den christlichen Gottesdienst zu bemerken?
Antw. Daß dieses Sacrament den vorzüglichsten und wesentlichen Bestandtheil des christlichen Gottesdienstes ausmacht.
Fr. Wie heißt der Gottesdienst, bei welchem das Sacrament des Abendmahls verrichtet wird?
Antw. Die Liturgie.
Fr. Was bedeutet das Wort Liturgie?
Antw. Einen öffentlichen Dienst. Aber insbesondere wird die Benennung Liturgie dem Gottesdienste beigelegt, bei welchem das Sacrament des Abendmahls verrichtet wird.
Fr. Was ist von dem Orte zu merken, wo die Liturgie verrichtet wird?
Antw. Sie kann nicht anders als in einem Tempel verrichtet werden, dessen heilige Tafel oder wenigstens statt der Tafel dessen Antimensium (Ersatztafel), worauf das Sacrament verrichtet wird, von einem Bischofe geweiht sein muß.
Fr. Warum wird der Tempel Kirche genannt?
Antw. Weil in demselben die Gläubigen, welche die Kirche ausmachen, sich zum Gebete und zu den Sacramenten versammeln.
Fr. Warum wird die heilige Tafel, auf der das Sacrament verrichtet wird, Thron genannt?
Antw. Weil auf derselben Jesus Christus als König geheimnißvoller Weise gegenwärtig ist.
Fr. Welche hauptsächliche Ordnung kann man bei der Liturgie bemerken?
Antw. Erstens wird der Stoff zum Sacramente zubereitet; zweitens werden die Gläubigen zum Sacramente vorbereitet; endlich wird das Sacrament selbst verrichtet.
Fr. Wie heißt der Theil der Liturgie, in welchem der Stoff zum Sacramente zubereitet wird?
Antw. Proskomidie.
Fr. Was bedeutet das Wort Proskomidie?
Antw. Darbringung.
Fr. Warum heißt der erste Theil der Liturgie also?
Antw. Er heißt so von der Gewohnheit der ersten Christen, Brot und Wein in die Kirche zu bringen zur Verrichtung des Sacraments. Aus dieser Ursache heißt auch dieses Brot Prosphora, das heißt dargebrachte Gabe.
Fr. Worin besteht die Proskomidie als Theil der Liturgie?
Antw. Während der Weissagungen und Vorbildungen, zum Theil auch der Ereignisse selbst, gedacht wird, die sich auf die Geburt und das Leiden Jesu Christi beziehen, wird zur Verrichtung des Sacraments aus der Prosphora der nöthige Theil genommen; auch der nöthige Theil des Weins, mit Wasser vermischt, wird in den geweihten Kelch gegossen, wobei der Liturg der gesammten Kirche gedenkt, die verherrlichten Heiligen preist, für die Lebendigen und die Todten betet, insbesondere aber für die bestehenden Gewalten und für die, welche im Glauben und Eifer die Prosphoren oder Gaben dargebracht haben.
Fr. Was für ein Brot muß zum Sacramente gebraucht werden?
Antw. Ein solches, wie es schon der Name Brot, die Heiligkeit des Sacraments und das Beispiel Jesu Christi und der Apostel erfordert, das heißt gesäuertes, reines Weizenbrot.
Fr. Was wird dadurch angedeutet, daß zum Abendmahle selbst nur Ein Brot gebraucht wird?
Antw. Es wird dadurch, nach der Erklärung des Apostels, angedeutet, daß Ein Brot, Ein Leib wir Viele sind; denn wir Alle werden Eines Brotes theilhaftig. 1 Kor. X, 17.
Fr. Warum wird das zum Abendmahle zubereitete Brot das Lamm genannt?
Antw. Weil es das Bild des leidenden Heilandes vorstellt, gleichwie Ihn im alten Bunde das Osterlamm vorstellte.
Fr. Was war das Osterlamm?
Antw. Das Lamm, welches die Israeliten auf Gottes Befehl schlachteten und aßen zum Andenken an ihre Errettung vom Untergange in Egypten.
Fr. Warum wird zum Sacramente des Abendmahls der Wein mit Wasser gemischt?
Antw. Weil diese ganze heilige Handlung nach dem Vorbilde des Leidens Christi angeordnet ist und während Seines Leidens Ihm aus der durchbohrten Seite Blut und Wasser geflossen waren.
Fr. Wie heißt der Theil der Liturgie, in welchem die Gläubigen zum Sacramente vorbereitet werden?
Antw. Die Alten nannten ihn die Liturgie der Katechumenen, weil zur Anhörung derselben nicht bloß die Getauften und die am Abendmahle Theil nehmen durften, sondern auch die Katechumenen, d. i. die zur Taufe sich Vorbereitenden, zugelassen wurden, ebenso wie die Büßenden, die vom Abendmahle ausgeschlossen waren.
Fr. Womit fängt dieser Theil der Liturgie an?
Antw. Mit der Benedeiung des Reiches der heiligsten Dreieinigkeit.
Fr. Worin besteht dieser Theil der Liturgie?
Antw. In Gebeten, Gesang und Lesung der apostolischen Bücher und des Evangeliums.
Fr. Womit endigt er?
Antw. Mit dem Befehl an die Katechumenen, aus der Kirche hinauszutreten.
Fr. Wie heißt der Theil der Liturgie, in welchem das Sacrament des Abendmahls selbst verrichtet wird?
Antw. Die Liturgie der Gläubigen, weil nur die Gläubigen, d. i. die, welche die Taufe empfangen haben, berechtigt sind, bei diesem Gottesdienste gegenwärtig zu sein.
Fr. Welches ist die wichtigste Handlung in diesem Theile der Liturgie?
Antw. Das Aussprechen der Worte, die Jesus Christus bei der Einsetzung des Sacraments gesprochen: Nehmet und esset, dies ist Mein Leib; trinket Alle daraus, denn dies ist Mein Blut des neuen Bundes. Matth. XXVI, 26–28; und dann die Anrufung des heiligen Geistes und die Segnung der Gaben, d. i. des dargebrachten Brotes und Weines.
Fr. Warum ist dies wichtig?
Antw. Weil eben während dieser Handlung das Brot und der Wein verwandelt oder transsubstantiirt wird in den wahren Leib Christi und in das wahre Blut Christi.
Fr. Wie muß man das Wort Transsubstantiation verstehen?
Antw. In der Glaubensdarlegung der orientalischen Patriarchen wird gesagt, daß durch das Wort Transsubstantiation nicht die Art und Weise, wie Brot und Wein in den Leib und in das Blut des Herrn umgeschaffen werden, erklärt wird, denn Niemand außer Gott kann dies begreifen; sondern es wird dadurch nur bezeichnet, daß wahrhaft, wirklich und wesentlich das Brot zum wahren Leib des Herrn und der Wein zum wahren Blut des Herrn wird.
Auf gleiche Weise schreibt Johannes von Damask von dem heiligen und allerreinsten Sacramente des Herrn: Es ist der wahrhaft mit der Gottheit vereinigte Leib, der von der heiligen Jungfrau seinen Anfang genommen hat; nicht als käme der in den Himmel aufgefahrene Leib vom Himmel herab, sondern das Brot und der Wein selbst werden in den Leib und in das Blut Gottes umgeschaffen. Wenn du aber nach der Weise, wie dies geschieht, forschest, so genüge es dir zu hören, daß es durch den heiligen Geist geschieht, auf dieselbe Weise, wie der Herr von der Gottesgebärerin durch den heiligen Geist einen Leib Sich Selbst und in Sich Selbst bildete. Weiter weiß ich nichts, als daß Gottes Wort wahrhaft, wirksam und allmächtig ist, die Art und Weise aber unergründlich.
Fr. Was wird von einem Jeden insbesondere gefordert, der zum Sacramente des Abendmahls gehen will?
Antw. Er muß sein Gewissen vor Gott erforschen und es durch Buße für seine Sünden reinigen, wozu das Fasten und Beten förderlich ist. Der Mensch prüfe sich selbst, und dann esse er von dem Brote und trinke von dem Kelche; denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich selbst das Gericht, weil er den Leib des Herrn nicht unterscheidet. 1 Kor. XI, 28–29.
Fr. Was für ein Gewinn wird dem zu Theil, der den Leib und das Blut Christi im Abendmahle genießt?
Antw. Er verbindet sich auf das innigste mit Jesu Christo Selbst und wird in Ihm des ewigen Lebens theilhaftig. Wer Mein Fleisch ißt und Mein Blut trinkt, der bleibt in Mir, und Ich in ihm. Joh. VI, 56. Wer Mein Fleisch ißt und Mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben. Joh. VI, 54.
Fr. Muß man oft zum Abendmahle gehen?
Antw. Die alten Christen gingen jeden Sonntag zum Abendmahle, aber unter den jetzigen sind Wenige so lauteren Wandels, daß sie jederzeit bereit wären, zu einem so hohen Sacramente hinzutreten. Die Kirche ermahnt mit mütterlicher Stimme, daß die, so nach einem frommen Wandel trachten, viermal im Jahre oder auch jeden Monat, Alle aber unfehlbar einmal im Jahre vor dem Beichtvater ihre Sünden bekennen und an dem Mahle des Leibes und Blutes Christi Theil nehmen sollen.
Fr. Welchen Antheil an der heiligen Liturgie können die haben, welche sie bloß anhören, aber nicht zum heiligen Abendmahle gehen?
Antw. Sie können und müssen an der Liturgie Theil nehmen durch das Gebet, durch den Glauben und vorzüglich durch die beständige Erinnerung an unsern Herrn Jesum Christum, der ausdrücklich befohlen hat, dies zu Seinem Gedächtnisse zu thun. Luk. XXII, 19.
Fr. Was für eine Erinnerung schickt sich für die Zeit der Liturgie, da der Gang mit dem Evangelium stattfindet?
Antw. Die Erinnerung an Jesum Christum, Der erschienen ist, um das Evangelium zu predigen. Deßwegen müssen wir während das Evangelium gelesen wird so aufmerksam und andächtig sein, als sähen und hörten wir Jesum Christum Selbst.
Fr. Woran soll man sich bei der Liturgie erinnern, wenn der Gang mit den zubereiteten Gaben zum Altare stattfindet?
Antw. Man soll sich erinnern an den Gang Jesu Christi zum freiwilligen Leiden als eines Opfers zur Schlachtbank, da doch mehr denn zwölf Legionen Engel bereit standen, Ihn als ihren König zu beschützen.
Fr. Woran muß man sich erinnern, während das Sacrament selbst verrichtet wird und während die Geistlichen am Altare das heilige Abendmahl genießen?
Antw. An das geheimnißvolle Abendmahl Jesu Christi Selbst mit den Aposteln, an Seine Leiden, Seinen Tod und Sein Begräbniß.
Fr. Was wird weiter durch das Wegziehen des Vorhanges, durch das Aufthun der königlichen Thüren und durch das Vorzeigen der heiligen Gaben dargestellt?
Antw. Die Erscheinung Jesu Christi Selbst nach Seiner Auferstehung.
Fr. Was bedeutet das letzte Vorzeigen der heiligen Gaben an das Volk, worauf dann dieselben verborgen werden?
Antw. Es stellt die Auffahrt Jesu Christi in den Himmel dar.
Fr. Wird der Gebrauch des Sacraments des heiligen Abendmahls in der wahren christlichen Kirche immer fortdauern?
Antw. Unfehlbar wird er immer fortdauern bis zur Ankunft Christi, nach den Worten des Apostels Paulus: Denn so oft ihr dieses Brot esset und diesen Kelch trinket, so verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis Er kommt. 1 Kor. XI, 26.
Von der Buße.
Fr. Was ist die Buße?
Antw. Die Buße ist ein Sacrament, in welchem der seine Sünden Bekennende bei der sichtbaren Ankündigung der Vergebung durch den Priester auf unsichtbare Weise durch Jesum Christum Selbst Erlassung der Sünden erhält.
Fr. Woher leitet dieses Sacrament seinen Ursprung ab?
Antw. Die zu Johannes dem Täufer kamen, welcher die Taufe der Buße predigte zur Vergebung der Sünden, bekannten ihre Sünden. Mark. I, 4–5. Den Aposteln hat Jesus Christus die Macht verheißen, Sünden zu vergeben, da Er sagte: Was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöset sein. Matth. XVIII, 18. Nach Seiner Auferstehung gab Er ihnen diese Macht wirklich, da Er sagte: Empfanget den heiligen Geist; welchen ihr die Sünden erlassen werdet, denen werden sie erlassen, welchen ihr sie aber behalten werdet, denen werden sie auch behalten. Joh. XX, 22–23.
Fr. Was wird von dem Büßenden gefordert?
Antw. Zerknirschung über die Sünden, der Vorsatz, sein Leben zu bessern, der Glaube an Christum und die Hoffnung auf Seine Barmherzigkeit. Die Traurigkeit nach Gott wirkt eine nie zu bereuende Buße, die zur Seligkeit führt. 2 Kor. VII, 10. Und wenn der Gottlose sich bekehrt von seiner Gottlosigkeit und Recht und Gerechtigkeit übt, so wird er um dessentwillen leben. Ezech. XXXIII, 19. Von diesem, nämlich von Jesu Christo, zeugen alle Propheten, daß durch Seinen Namen Alle, die an Ihn glauben, Vergebung der Sünden erlangen werden. Apostg. X, 43.
Fr. Giebt es nicht auch Vorbereitungs- und Hülfsmittel zur Buße?
Antw. Solche Mittel sind das Fasten und Beten.
Fr. Gebraucht die heilige Kirche nicht noch ein besonderes Mittel zur Reinigung und Beruhigung des Gewissens des Sünders, welcher Buße gethan hat?
Antw. Ein solches Mittel ist die Epitimie.
Fr. Was ist die Epitimie?
Antw. Dieses Wort bedeutet Untersagung. Sieh 2 Kor. II, 6. Unter dieser Benennung werden dem Büßenden nach seinem Bedürfnisse mancherlei besondere Andachtsübungen und mancherlei Entbehrungen auferlegt, die dahin abzwecken, die Ungerechtigkeit der Sünde zu sühnen und die sündhafte Gewohnheit zu überwinden; so z. B. Fasten außer den Fasten, die für Alle vorgeschrieben sind, und für schwere Sünden Ausschließung vom Genusse des heiligen Abendmahls auf eine bestimmte Zeit.
Von der Priesterweihe.
Fr. Was ist die Priesterweihe?
Antw. Die Priesterweihe ist ein Sacrament, in welchem der heilige Geist den rechtmäßig Erwählten durch die Handauflegung eines Bischofs dazu verordnet, die Sacramente zu verrichten und die Heerde Christi zu weiden. Ein Jeder halte uns also für Diener Christi und für die Haushalter der göttlichen Geheimnisse. 1 Kor. IV, 1. So habt denn Acht auf euch selbst und auf die ganze Heerde, in welcher der heilige Geist euch zu Bischöfen gesetzt hat, um die Kirche des Herrn und Gottes zu weiden, die Er durch Sein Blut erworben hat. Apostg. XX, 28.
Fr. Was heißt das, die Kirche weiden?
Antw. Die Menschen im Glauben, in der Frömmigkeit und in guten Werken unterweisen.
Fr. Wieviel der unumgänglichen Stufen giebt es in der Priesterweihe?
Antw. Drei: Bischof, Presbyter, Diakon.
Fr. Was für ein Unterschied ist unter ihnen?
Antw. Der Diakon bedient bei den Sacramenten; der Presbyter verrichtet die Sacramente in Abhängigkeit vom Bischofe; der Bischof verrichtet nicht nur die Sacramente, sondern hat auch die Macht, durch Auflegung der Hände Anderen die Gnadengabe mitzutheilen, dieselben zu verrichten.
Von der bischöflichen Macht schreibt der Apostel Paulus an Titus: Ich ließ dich deswegen in Kreta zurück, damit du das Nachbleibende in Ordnung brächtest und in jeder Stadt Presbyter ansetztest. Tit. I, 5. Und an Timotheus: Lege Niemanden voreilig die Hände auf. 1 Tim. V, 22.
Von der Ehe.
Fr. Was ist die Ehe?
Antw. Die Ehe ist ein Sacrament, in welchem bei dem freien Versprechen gegenseitiger ehelicher Treue, das sich Bräutigam und Braut vor Priester und Kirche geben, der eheliche Bund derselben zu einem Bilde des geistigen Bundes Christi mit der Kirche eingesegnet und die Gnade reiner Herzens-Einigkeit zur gesegneten Erzeugung und christlichen Erziehung der Kinder über sie herabgefleht wird.
Fr. Woraus ist ersichtlich, daß die Ehe ein Sacrament ist?
Antw. Aus folgenden Worten des Apostels Paulus: Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und werden die Zwei Ein Fleisch sein. Groß ist dieses Geheimniß; ich rede aber in Beziehung auf Christum und die Kirche. Ephes. V, 31–32.
Fr. Müssen Alle in die Ehe treten?
Antw. Nein. Die Jungfräulichkeit ist besser als der Ehestand, wenn Jemand sie unbefleckt bewahren kann. Jesus Christus sagt hierüber ausdrücklich: Nicht Alle fassen dieses Wort, sondern die, denen es gegeben ist; wer es zu fassen vermag, der fasse es. Matth. XIX, 11–12. Und der Apostel sagt: Den Unverheiratheten und den Wittwen sage ich aber, daß es ihnen gut ist, also zu bleiben, wie ich. Können sie sich aber nicht enthalten, so mögen sie heirathen. Der Unverheirathete sorgt für die Sache des Herrn, wie er dem Herrn wohlgefalle; aber der Verheirathete sorgt für das Weltliche, wie er der Frau gefalle. Wer seine Tochter heirathen läßt, thut wohl; wer sie aber nicht heirathen läßt, thut noch besser. 1 Kor. VII, 8–9; 32–33; 38.
Von der letzten Oelung.
Fr. Was ist die letzte Oelung?
Antw. Die letzte Oelung ist ein Sacrament, in welchem bei der Salbung des Leibes mit Oel auf den Kranken die geistige und körperliche Schwächen heilende Gnade Gottes herabgerufen wird.
Fr. Woher hat dieses Sacrament seinen Ursprung?
Antw. Von den Aposteln; denn diese, nachdem sie die Macht hierzu von Jesu Christo empfangen hatten, salbten viele Kranke mit Oel und heilten sie. Mark. VI, 13. Die Apostel überlieferten dieses Sacrament den Priestern der Kirche, was aus folgenden Worten des Apostels Jakobus erhellt: Ist Jemand unter euch krank, so rufe er die Priester der Kirche zu sich, daß sie über ihn beten und ihn mit Oel salben im Namen des Herrn; und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, so werden sie ihm vergeben werden. Jak. V, 14–15.
Vom eilften Artikel.
Fr. Was ist die Auferstehung der Todten, die wir nach dem Glaubenssymbole erwarten?
Antw. Eine Wirkung der Allmacht Gottes, kraft welcher alle Leiber der verstorbenen Menschen nach ihrer Wiedervereinigung mit ihren Seelen auferstehen und geistig und unsterblich sein werden. Es wird gesäet ein thierischer Körper, ein geistiger wird auferstehen. 1 Kor. XV, 44. Denn dieses Verwesliche muß die Unverweslichkeit, und dieses Sterbliche die Unsterblichkeit anziehen. Ebend. 53.
Fr. Wie wird der Körper auferstehen, nachdem er in der Erde verwest und zerstäubt ist?
Antw. Da Gott den Körper anfangs aus Erde geschaffen hat, so kann Er ihn auch, wenn er in Staub zerfallen ist, wieder erneuern. Der Apostel Paulus erläutert dies durch die Vergleichung mit einem gesäeten Saamenkorn, das zwar in der Erde verwest, aus dem aber ein Halm oder ein Baum emporwächst. Was du säest, lebt nicht auf, wenn es nicht zuvor erstorben ist. 1 Kor. XV, 36.
Fr. Werden in der That Alle auferstehen?
Antw. Alle Todten werden in der That auferstehen; bei denen aber, die bis zur Zeit der allgemeinen Auferstehung am Leben bleiben, werden die gegenwärtigen groben Leiber in einem Augenblicke in geistige und unsterbliche verwandelt werden. Wir werden nicht Alle entschlafen, aber Alle verwandelt werden, und zwar plötzlich, in einem Augenblicke, auf den Schall der letzten Posaune. Erschallen wird die Posaune, und die Todten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. 1 Kor. XV, 51–52.
Fr. Wann wird die Auferstehung der Todten stattfinden?
Antw. Am Ende dieser sichtbaren Welt.
Fr. Also wird auch die Welt ein Ende nehmen?
Antw. Diese vergängliche Welt wird damit endigen, daß sie in eine unvergängliche verwandelt werden wird. Denn auch die Creatur wird frei werden von der Sklaverei der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Röm. VIII, 21. Denn wir warten nach Seiner Verheißung eines neuen Himmels und einer neuen Erde, wo Gerechtigkeit wohnt. 2 Petr. III, 13.
Fr. Wie wird die Welt verwandelt werden?
Antw. Durch Feuer. Der jetzige Himmel und die jetzige Erde werden durch dasselbe Wort, nämlich durch Gottes Wort, aufbewahrt und dem Feuer vorbehalten auf den Tag des Gerichts und des Verderbens der gottlosen Menschen. 2 Petr. III, 7.
Fr. In welchem Zustande befinden sich die Seelen der Verstorbenen bis zur allgemeinen Auferstehung?
Antw. Die Seelen der Gerechten im Lichte, im Frieden und im Voranfange der ewigen Seligkeit; die Seelen der Sünder aber in einem Zustande, der diesem entgegengesetzt ist.
Fr. Warum wird den Seelen der Gerechten nicht sogleich nach dem Tode die volle Seligkeit zuerkannt?
Antw. Weil es vorherbestimmt ist, daß die volle Vergeltung nach den Werken der ganze Mensch nach der Auferstehung des Leibes und dem letzten Gerichte Gottes erhalten soll. Der Apostel Paulus sagt: Uebrigens harret meiner die Krone der Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tage geben wird, aber nicht mir allein, sondern auch Allen, die Seine Erscheinung lieb haben. 2 Tim. IV, 8. Ferner: Denn wir Alle werden vor dem Richterstuhle Christi erscheinen müssen, damit Jeder empfange nach dem, wie er im Körperleben gehandelt hat, es sei gut oder böse. 2 Kor. V, 10.
Fr. Warum wird ihnen ein Voranfang der Seligkeit noch vor dem letzten Gerichte zugeschrieben?
Antw. Auf das Zeugniß Jesu Christi Selbst, Der im Gleichnisse sagt, daß der gerechte Lazarus sogleich nach seinem Tode in Abrahams Schooß getragen ward. Sieh Luk. XVI, 22.
Fr. Ist dieser Voranfang der Seligkeit auch verbunden mit dem Schauen des Angesichts Jesu Christi Selbst?
Antw. So ist es vorzüglich mit den Heiligen, wie der Apostel Paulus zu verstehen giebt: Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu sein. Philip. I, 23.
Fr. Was ist zu merken von den Seelen derer, die zwar im Glauben gestorben sind, aber noch keine der Buße würdigen Früchte hatten tragen können?
Antw. Daß ihnen zur Erlangung einer seligen Auferstehung für sie dargebrachte Gebete verhelfen können, besonders solche, die mit der Darbringung des unblutigen Opfers des Leibes und Blutes Christi verbunden sind, wie auch wohlthätige Werke, die gläubig zu ihrem Andenken verrichtet werden.
Fr. Worauf stützt sich diese Lehre?
Antw. Auf die ununterbrochene Tradition der Allgemeinen Kirche, deren Anfänge noch in der alttestamentlichen Kirche sichtbar sind. Judas der Makkabäer brachte ein Opfer für die gefallenen Krieger dar. 2 Makk. XII, 43. Das Gebet für die Entschlafenen ist, von der Liturgie des Apostels Jakobus angefangen, von jeher unveränderlich ein Bestandtheil der heiligen Liturgie. Der heilige Cyrillus von Jerusalem sagt: Überaus groß wird der Gewinn der Seelen sein, für welche Gebete zu der Zeit dargebracht werden, wo das heilige und ehrwürdige Opfer daliegt. Sacrament. Reden 5, cap. 9. Der heilige Basilius der Große sagt in den Pfingstgebeten, daß der Herr unser fürbittendes Gebet und unsere Opfer für die, so in der Hölle zurückgehalten werden, gnädig aufnehme und uns Friede, Erleichterung und Freiheit für sie hoffen lasse.
Vom zwölften Artikel.
Fr. Was ist das Leben der zukünftigen Welt?
Antw. Das Leben, welches nach der Auferstehung der Todten und dem allgemeinen Gerichte Christi stattfinden wird.
Fr. Was für ein Leben wird das sein?
Antw. Für die, welche gläubig sind, Gott lieben und Gutes thun, wird es ein so seliges sein, daß wir uns diese Seligkeit jetzt nicht einmal vorstellen können. Noch ist es nicht enthüllt, was wir sein werden. 1 Joh. III, 2. Ich kenne einen Menschen in Christo, sagt der Apostel Paulus, der ins Paradies entrückt wurde und unaussprechliche Worte hörte, die kein Mensch sagen kann. 2 Kor. XII, 2–4.
Fr. Woraus wird eine solche Seligkeit entspringen?
Antw. Aus der Anschauung Gottes im Lichte und in der Herrlichkeit und aus der Vereinigung mit Ihm. Jetzt sehen wir durch einen Spiegel in Räthseln, dann aber von Angesicht zu Angesicht; jetzt erkenne ich’s theilweise, dann aber werde ich erkennen, so wie ich erkannt bin. 1 Kor. XIII, 12. Alsdann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reiche. Matth. XIII, 43. Gott wird Alles in Allem sein. 1 Kor. XV, 28.
Fr. Wird auch der Körper an der Seligkeit der Seele Theil nehmen?
Antw. Auch er wird durch das göttliche Licht verherrlicht werden, wie der Körper Jesu Christi bei Seiner Verklärung auf dem Thabor ward. Es wird gesäet in Unehre und wird auferstehen in Herrlichkeit. 1 Kor. XV, 43. Wie wir das Bild des Irdischen, nämlich Adams, getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen, nämlich unseres Herrn Jesu Christi. 1 Kor. XV, 49.
Fr. Werden Alle gleich selig sein?
Antw. Nein, es werden verschiedene Stufen der Seligkeit sein, nach dem Maße, wie ein Jeder hienieden den Kampf im Glauben, in der Liebe und in guten Werken bestanden hat. Einen andern Glanz hat die Sonne, einen andern Glanz der Mond und einen andern Glanz die Sterne; aber auch Stern von Stern ist an Glanz verschieden. So verhält es sich auch mit der Auferstehung der Todten. 1 Kor. XV, 41–42.
Fr. Was wird aber mit den Ungläubigen und Gottlosen geschehen?
Antw. Sie werden dem ewigen Tode übergeben werden, oder mit anderen Worten dem ewigen Feuer, der ewigen Qual, zugleich mit den Teufeln. Wer nicht erfunden ward geschrieben im Buche des Lebens, der wurde in den Feuersee geworfen. Apok. XX, 15. Und dies ist der zweite Tod. v. 14. Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, welches dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist. Matth. XXV, 41. Und diese werden in die ewige Pein gehen, die Gerechten aber in das ewige Leben. v. 46. Es ist dir besser, einäugig in das Reich Gottes einzugehen, als mit beiden Augen in das Höllenfeuer geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. Mark. IX, 47–48.
Fr. Warum wird mit den Sündern so streng verfahren werden?
Antw. Nicht darum, als ob Gott ihr Verderben wollte, sondern sie gehen durch sich selbst zu Grunde, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, durch welche sie sich retten konnten. 2 Thess. II, 10.
Fr. Welchen Nutzen können die Betrachtungen über Tod, Auferstehung, letztes Gericht, ewige Seligkeit und ewige Pein bringen?
Antw. Diese Betrachtungen leisten uns Hilfe, um uns von der Sünde zu enthalten und vom Hange zu irdischen Dingen zu befreien; sie sind ein Trost bei dem Verluste der irdischen Güter, eine Aufmunterung, Seele und Leib in Reinheit zu bewahren, für Gott und die Ewigkeit zu leben und so die ewige Seligkeit zu erlangen.
Ende des ersten Teils
Der gesamte christliche Katechismus, erster und zweiter Teil sowie dritter Teil, steht für Interessierte zum Herunterladen bereit.![]()